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Wie reguliert man den Finanzmarkt?
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Angela Merkel in Wuppertal
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Die Zeichen stehen auf Abschied
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Deutsche Bank brauchte "Stütze" von der FED - 290 Milliarden US-Dollar
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Iren sind menschlich
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"Bankrun 2010" Kollektives Geldabheben als zu hinterfragende Demonstration der Macht des Volkes

“Genießendes Kapital – gefräßiger Wucher”

Fundstück aus dem Jahre 1931

” Schon vor vierzig Jahren erscholl ein Warnungsruf des Hirten “aller Völker”, des heiligen Vaters Leo XIII., in seiner Enzyklika vom 15. Mai 1891 “Rerum novarum”, der verkündete, dass eine richtige Lösung der schwebenden sozialen Arbeiterfrage dringend sei, wenn eine vernachlässigte Evolution derselben nicht eine Weltrevolution zur Folge haben soll.
Eine gefährliche, äußere Erscheinung dieser Entwicklung ist die Scheidung der menschlichen Gesellschaft in zwei Lager, eine verhältnismäßig kleine Zahl von sehr reichen und eine Millionenmasse von sehr armen, genannt Proletarier. Jene leben im zur Schau getragenen Luxus, vertrauend auf die Macht ihres Reichtums, diese stöhnen in hoffnungsloser Armut, rasselnd in rachsüchtigem Hasse mit den Fesseln ihrer Sklaverei, Armut und Hunger, wie schon der Psalmist (Ps.20) sagt: “Si superbit dives, inceditur pauper – wenn der Reiche stolz wird, entbrennt vor Zorn der Arme.”
Die gesellschaftlichen Grundlagen waren schon damals erschüttert und die neue Generation in Lügen und in Vorurteilen gegen die Wahrheit, besonders die offenbarte, erzogen.
Die materialistischen Grundsätze erzeugten in ihrer Anwendung auf das Staatsrecht Anarchie oder Parteidespotie oder abwechselnd das eine oder das andere: angewendet auf das Völkerrecht: die Politik des reinen Egoismus, des Treuebruchs und des Verrats, auf dem sozialen Gebiete:

Krieg aller gegen alle, die Herrschaft des genießenden Kapitals, die Sklaverei und die Verzweiflung der Armut.

Unter den wirtschaftlichen Gründen des sozialen Weltübels nennt die Enzyklika an erster Stelle den Wucher, den sie bezeichnend “usura vorax” , den “gefräßigen Wucher”, nennt, da er ungebändigt das ganze wirtschaftliche Leben auffrißt.
Wucher – in seiner eigentlichen Bedeutung – ist Gewinn (lucrum) aus dem Darlehen einer unfruchtbaren Sache (Geld). In diesem Sinn des “arbeitslosen Einkommens” war er im Mittelalter von der Kirche verboten. Aber auch schon im Alten und Neuen Testament (Bücher Moses, Luk. 6, 34) und sehr streng von den heiligen Vätern Chrysostomus, Lactantius, Ambosius, Augustinus, Gregor von Nyssa und anderen.
In Anbetracht dessen, dass die Proletarisierung der Arbeiter fortschreitet, sowie des selbst von der Enzyklika vertretenen Grundsatzes, dass “aller Reichtum der Völker aus deren Arbeit fließt”, erklären viele Soziologen, dass der Zins in seinem Wesen “arbeitsloses Einkommen” ist und als solches die Arbeit anderer sich aneignet und deren Armut verschuldet, weil die Arbeiter für die ungeheure Schuldenlast der Zinszahlung aufkommen müssen und erst dann den verringerten Anteil an dem Ertrag ihrer Arbeit als Lohn empfangen. Die Hunderttausende und Millionen-Anteile der hohen Banken und der Aktionäre seien “nicht Eigentum, sondern – Diebstahl”, daher müsse das gegenwärtige Geldwirtschaftssystem mit den Zinsnehmern abgeschafft werden.

Prager Erzbischof Frantisek Kordac (1852-1934)
Einführung zur Schrift “Vorwärts – zur festen Kaufkraft des Geldes und zur zinsbefreiten Wirtschaft!” von Fritz Schwarz
Inhalt:
Der Kampf für die feste Kaufkraft des Geldes (Von der Economic Guild USA preisgekrönt)
Die Brakteaten, das Freigeld des Mittelalters
Freigeldversuche in Schwanenkirchen, Wörgl und in der Schweiz
Prof. Dr. August Forel über freiwirtschaftliche Schriften

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Georg Schramm über die Hintergründe der Euro-Krise

Georg Schramm verließ zum Bedauern vieler seiner Fans die Anstalt. Vielleicht lag es an seiner Erkenntnis, dass er als einer der Wenigen, die öffentlich schonungslos analysierend und den Weg in die richtige Richtung weisend, mehr zur Paralysierung der Massen beiträgt, als zu ihrer so notwendigen Mobilisierung. Das politische Kabarett steckt in der Zwickmühle. Die messerscharfe Analyse weist den richtigen Weg und bildet dennoch nur das Ventil für die Unzufriedenheit der Zuschauer.
“Die Narretei ist das Wasser, das den Zement der Politik zu jenem Beton macht, der dann die Füße der Bürger umschließt. Und wann immer der “Pate Staat” den Zeitpunkt für richtig hält, weil er nicht mehr anders kann, wird er uns im Meer des wirtschaftlichen Chaos versenken.” (Link zum Original)
Wir dürfen gespannt sein, ob Georg Schramm aus der Not eine Tugend macht und wieder auftaucht als ein Mann, der die Rolle seines Lebens an der Seite seiner Mitmenschen spielt, im Einsatz für ein besseres Wirtschaftssystem. Bei seinen medialen und rhetorischen Fähigkeiten wäre das zu hoffen.

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Alternatives Wirtschaften – Zukunft für Kommunen

Wider der “Monokultur des Geldes”

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Der nervige Krach der Vuvuzela

So mancher -  vor allem deutsche  – Politiker mag ja gehofft haben, dass die Fußball-Weltmeisterschaft dazu geeignet ist, den Fokus der Bürger auf andere Dinge zu richten, als auf die Alternativ- und Ideenlosigkeit der eigenen Politik.

Aber spätestens während dem zweiten Spiel der WM wird klar, warum das nicht so sein wird. Die Vuvuzela ist wohl einerseits aus dem südafrikanischen Fußball nicht wegzudenken, andererseits in den Ohren der Europäer – und vermutlich auch der Südamerikaner – eine Zumutung. 90 Minuten lang ein nervtötender Dauerton, der schlimmer ist als alles, was man sich in Form von Geräuschbelästigung wohl jemals freiwillig angetan hat.

Vergessen sind die Discos, denen man nach einer durchtanzten Nacht schon mal einen stundenlangen Nachsummton zu verdanken hatte. Man erinnerte sich an die schönen Momente des Abends und konnte verzeihen. Aber der Krach der Vuvuzela wird jeglichen Genuss am Spiel der weltbesten Fußballmannschaften zunichte machen. Die Vuvuzela scheint der Ruf einer höheren Instanz zu sein, die uns ermahnen will, nicht die wahren Probleme unseres aktuellen Lebens aus den Augen zu verlieren. Das ist wohl auch berechtigter denn je. Ein Sommermärchen, das einen ganzen Monat lang jegliches normale Leben lahm legt, können wir uns während einer Fußball-WM zum ersten Mal nicht leisten.

Aus der Wiege der Menschheit – wie die Afrikaner ihren Kontinent der Welt vorstellen – kommt ein Signal, das uns ermahnt bei der Sache zu bleiben und die Ernsthaftigkeit der Stunde zu erkennen. Danke Südafrika.

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Auch Bundesverfassungsgericht macht den Kotau vor dem Finanzmarkt

Ein auch nur vorübergehender Rückzug Deutschlands aus den Rettungsmaßnahmen würde nicht nur das Volumen des „Euro-Rettungsschirms“ anteilig vermindern, sondern könnte nach Auffassung der Bundesregierung die Realisierbarkeit des Rettungspaketes jedenfalls aus Sicht der Finanzmärkte insgesamt in Frage stellen. Damit entstünden der Allgemeinheit voraussichtlich schwerwiegende wirtschaftliche Nachteile. Sollte das mit dem Euro-Stabilisierungsmechanismus verfolgte Ziel verfehlt werden, mithin eine möglicherweise drohende Illiquidität an wichtigen Handelsplätzen europäischer Staatsanleihen nicht abgewendet werden können, wäre nach Auffassung der Bundesregierung die Stabilität der gesamten Europäischen Währungsunion gefährdet. Das Bundesverfassungsgericht hat keine hinreichenden Anhaltspunkte, die zu der Annahme zwingen, dass die währungs- und finanzpolitische Einschätzung der Bundesregierung fehlerhaft ist (vgl. BVerfGE 26, 259 <264>; 29, 179 <182>; 88, 173 <181>). Demgegenüber wiegen die Nachteile weniger schwer, die entstehen, wenn die einstweilige Anordnung nicht erlassen wird, das Gebrauchmachen von der Gewährleistungsermächtigung sich später aber als unzulässig erweist.

Der oben aufgeführte Auszug aus den Pressemitteilungen des Bundesverfassungsgerichtes zum Eilantrag gegen das EU-Rettungspaket, an dem der Bund mit 148 Milliarden Euro beteiligt ist, macht es im Grunde unmissverständlich.
Der letzte Satz bedeutet nichts anderes, als dass das mögliche Unrecht, das mit dem Beschluss der Bundesregierung vollzogen wird, nicht so schwer wiegt, wie die Folgen der Nicht-Realisierbarkeit des Rettungspaketes.
Die Macht des Finanzmarktes hebelt unsere Grundrechte aus.
Unfassbar!

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Die Rettung vor dem Absturz

Die Rettung vor dem Absturz

Dies könnte ein internationales Insolvenzverfahren für Staaten verhindern, das die Schuldenerlass-Bewegung für Länder der Dritten Welt bereits seit mehr als einem Jahrzehnt fordert. Konkrete Vorschläge liegen auf dem Tisch, sie orientieren sich zumeist am amerikanischen Konkursrecht für Unternehmen. Danach müsste im Falle Griechenlands ein unabhängiges europäisches Schiedsgericht bestimmt werden, um dieses Insolvenzverfahren zu leiten. In dem folgenden Schiedsverfahren würden alle Gläubiger – Regierungen, Banken, Kreditgeber, Finanzinstitutionen – ihre Forderungen auf den Tisch legen. Diese würden dann vom Schiedsgericht gegen die Zahlungsfähigkeit des Landes abgewogen. Das Schiedsgericht wird von dem verschuldeten Staat ebenfalls Sparmaßnahmen verlangen – allerdings nur bis zu einer Grenze, die für die Bevölkerung erträglich erscheint. Gleichzeitig müssen alle Gläubiger auf Forderungen verzichten. Die Lasten werden so auf beide Seiten verteilt.

Diese im Grunde schon sehr alte Forderung der “Eine-Welt-Bewegung” ist heute brandaktuell und auch wir haben in diesem Blog schon des Öfteren darauf hingewiesen.
Im Kern sind alle politischen Aktivitäten und Sparpakete Makulatur, wenn es nicht gelingt die riesigen Geldvermögen mit samt der Verschuldung drastisch abzuschmelzen. Geldvermögen und Verschuldung sind siamesische Zwillinge und die Höhe der volkswirtschaftlichen Gesamtverschuldung wird einzig durch die Höhe der Geldvermögen bestimmt. Und solange diese Geldvermögen durch Zins und Zinseszins immer weiter wachsen, nehmen mit den zahlungsunfähigen Schuldnern auch die gesamtwirtschaftlichen Probleme dramatisch zu. Die Politik sieht das Kernproblem nicht und setzt an die Stelle der nicht mehr zahlungsfähigen Schuldner die Steuerzahler. Zusätzlich verordnet sie ihren BürgerInnen noch drastische Sparpakete.
Diese Art von Politik ist ein geistiger Offenbarungseid, den wir uns als Bürger nicht länger gefallen lassen dürfen. Sonst stehen wir am Ende vor dem Scherbenhaufen einer Wirtschaft, die seit nun mehr 60 Jahren vom Fleiß und der Kreativität seiner Menschen gelebt hat.
Wir haben zu hohe Schulden, doch wir kommen davon nur weg, wenn wir den Preis der Vermögensverluste dafür bezahlen. Die mittlerweile total ungerechte Verteilung dieser Vermögen in Händen Weniger, sollte die Lösung in Form von groß angelegten Insolvenzverfahren erheblich vereinfachen.
Und ein Neuanfang kann nur mit einem Geldsystem Sinn machen, das nachhaltig ist und nur noch sehr eingeschränkte Möglichkeiten bietet, Geld mit Geld zu verdienen.

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Respektlos

Am 24. Mai haben auch wir darauf hingewiesen, was Horst Köhler dem Deutschlandfunk zu Protokoll gegeben hat.

Nun ist er zurück getreten. Vermutlich war der Blogeintrag hier der Tropfen, der das Gemütsfass des Bundespräsidenten zum Überlaufen gebracht hat. Respektlos wären seine Kritiker mit dem Amt des Bundespräsidenten umgegangen, so sagte Köhler bei seinem Rücktritt.

Doch ist diese Reaktion des Staatsoberhauptes nicht die eigentliche Respektlosigkeit vor diesem Amt? Wer nicht in erster Linie persönliche Gründe, sondern den Schutz des bekleideten Amtes in den Vordergund stellt, der muss sich doch bewusst sein, welchen Schaden er dem Amt, der Regierung und dem ganzen Land zufügt, wenn er dieses Amt einfach im Stich lässt. Mag Köhler auch noch so dünnhäutig sein. Wenn es noch eines weiteren Beweises bedurfte, wie tief wir bereits im Chaos der politischen Führungs- und Alternativlosigkeit stecken, dann ist dieser heute erbracht worden.

Schon der Rücktritt Roland Kochs deutete an, was der von Horst Köhler noch weiter verstärkt. Spüren unsere Politiker bereits, dass die in naher Zukunft bevorstehenden Herausforderungen und Aufgaben nicht mehr gewachsen sein werden? Machen sich die ersten vom Acker, bevor sie für ihre Beteiligung an dieser hilflosen Politik an den Pranger der Geschichte gestellt werden? Sowohl Roland Koch, als auch Horst Köhler müssen über ihre Ämter in vieles eingeweiht sein, was derzeit im Rahmen der “schlimmsten Krise seit 1929″ an Hintergrundinformationen verfügbar ist. Horst Köhlers Vorgeschichte in der Welt des internationalen Finanzmarktes deutet darauf hin, dass er neben Informationen aus der Politik auch auf solche aus dem Innenleben der gloabelen Finanzgeschäfte verfügt.  Wenn wirklich absehbar wäre, dass diese Krise überwindbar ist, geht man nicht in einer Phase von Bord, in der die Bevölkerung verunsichert den Halt und das Vertrauen in die demokratischen Strukturen sucht. Man durchsteht die schwierige Zeit gemeinsam mit den Weggefährten, mit denen man auch die Erfolge gefeiert hat, auch wenn man dafür Opfer in Kauf nehmen müsste. Was müsste man andererseits von einem Kapitän halten, der das “Schiff” verlässt, obwohl er mit dessen Untergang rechnen muss?

“Durch Deutschland muss ein Ruck gehen”. Roman Herzog, der frühere Amtskollege von Horst Köhler hat es  in seiner Berliner Rede von 1997 anders gemeint. Doch wenn unserer gewählten Volksvertreter jetzt nicht aufwachen und sich “ruckartig” für Veränderungen einsetzen, die dem Staat die Entscheidungsgewalt über Geschehnisse in die Hände geben, die das Leben aller Menschen betreffen, dann gehen wir ganz harten Zeiten entgegen.

 

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Köhler: Mit militärischen Mitteln Handelswege freihalten! ??

Allerdings müsse Deutschland mit seiner Außenhandelsabhängigkeit zur Wahrung seiner Interessen im Zweifel auch zu militärischen Mitteln greifen. Als Beispiel für diese Interessen nannte Köhler ‘freie Handelswege’. Es gelte, Zitat ‘ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auf unsere Chancen zurückschlagen’ und sich somit negativ auf Handel und Arbeitsplätze auswirkten. Köhler hatte auf der Rückreise von China einen Zwischenstopp in Afghanistan eingelegt.

Diese Sätze kann man lesen wie man will. Der Eindruck bleibt: bestürzend, unfassbar.

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Vergesst Griechenland – Das wahre Problem in Europa ist Deutschland

Normally, what should happen to such a country is that, as a result of its trade surplus, wages rise, along with the value of its currency, to reflect its new wealth and productivity. That has the effect of making those exports less competitive while encouraging workers to spend their increased income on cheaper imports. And in that way, the system brings imports and exports more into balance.

Steven Pearlstein von der Washington Post beweist, dass Bewegung in den Journalismus kommt, zumindest international gesehen. In dem lesenswerten Beitrag, aus dem obiger kurze Ausschnitt stammt, schließt Pearlstein einen logischen Kreis. Ausgehend von dem jahrzehntelangen Exportüberschuss Deutschlands, der uns zum “Exportweltmeister” gemacht hat, wird sehr anschaulich, warum das Rühmen mit dieser Dauerleistung eher der Beweis wirtschaftlichen Unvermögens ist. Die Exportüberschüsse führen in Deutschland nicht zu einem höheren Lebensstandard, sondern wandern als Ersparnisse zu den Banken. Von dort machen sie ihren Weg zu den Handelspartnern von Deutschland, die ihrerseits die Handelsdefizite mit den auf diesem Wege ausgereichten Krediten finanzieren. Die Zahlungsunfähigkeit der Handelspartner (wie Griechenland) und der eigenen Banken droht dabei am Ende alles zunichte zu machen.
Der dauerhafte Handelsbilanzüberschuss hätte gedämpft und unter internationalen Gesichtspunkten positiv ausgleichend nivelliert werden können, wenn die Überschüsse in höhere Löhne und einen verbesserten Lebensstandard in Deutschland geflossen wären. Statt dessen ist die Exportweltmeisterschaft eine, von der nur ein ganz erlesener und kleiner Kreis von Profiteuren etwas gehabt hat.
Das eigentliche Problem, die schnell wachsenden Vermögen auf der einen und die spiegelbildlich wachsende Verschuldung auf der anderen Seite, wurden dadurch noch beschleunigt.
Neben der Erkenntnis dieser Zusammenhänge, braucht es noch die der tatsächlichen Verteilung des so entstehenden Reichtums. Spätestens dann sollte klar sein, dass ein nachhaltiges System eine vom Kapitalismus befreite Marktwirtschaft sein muss.

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Höchste Sparquote seit 1993

Die Deutschen sparen in der europäischen Schuldenkrise so eifrig wie seit 17 Jahren nicht mehr. Im Schnitt legten die Verbraucher 15,2 Prozent ihres verfügbaren Einkommens auf die hohe Kante, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Im Grunde ist es verwunderlich, wie die Presse in diesen Zeiten eine derartige Meldung einfach übernimmt und nicht weitere Recherchen hinzufügt. In Zeiten, in denen wir es mit nicht mehr rückzahlbaren Schulden in unvorstellbaren Ausmaßen zu tun haben, spart also “jeder” Deutsche durchschnittlich 15,2 Prozent des verfügbaren Einkommens?

“Ich stehe Statistiken etwas skeptisch gegenüber. Denn laut Statistik haben ein Millionär und ein armer Kerl jeder eine halbe Million.” gab Franklin Delano Roosevelt zu Protokoll.
Eine Statistik, wie die die der Sparquote sollte per Verordnung nur in Verbindung mit einer weiteren veröffentlicht werden dürfen. Nämlich jener, die darüber Aufschluss gibt, wie sich diese Sparquote auf die Bevölkerung verteilt.
Ein Leser von “Welt-Online” wartet in einem Kommentar mit Zahlen von 2007 auf:

Aufschlussreich wäre eine Angabe der Verteilung der Sparquote.

Habe hier mal Daten aus dem Jahr 2003:

Einkommen/Euro Sparquote/%
699 -13%
1402 1,2%
1745 2,9%
2288 5,2%
3061 9,8%
4209 14,3%
6868 22,2

Und da seit 2003 die Einkommen für die unteren Einkommensgruppen noch weiter gefallen sind und der Spitzensteuersatz gesenkt wurde, wird auch die Verteilung etwas anders aussehen.

Immer mehr Menschen können nichts sparen und einige wissen nicht wohin mit ihrem Geld.

“Gespart” wird von einer immer kleiner werden Spitze weniger unglaublich reicher Menschen und zwar so viel, dass sie statistisch die gesamte Bevölkerung Deutschlands auf das Niveau von 15,2% hieven. Hinzu kommt, dass die Einkommen dieser Leute zum großen Teil aus Zinsen des bereits angelegten Kapitals stammen. “Selbstalimentation der Geldvermögen” nannte es bereits im Oktober 1993 die Deutsche Bundesbank in ihrem Monatsbericht.
Wo wandern die Mittel hin, welche diese Sparquote repräsentieren? Natürlich in den Kapitalmarkt. Dort werden sie dann zu den Schulden der EU-Länder und natürlich zu unseren eigenen.
Warum werden solche Statistiken in Zeiten wie diesen nicht in den Zusammenhang gestellt, in den sie gehören.
Viele Menschen könnten die Ursache der Krise besser verstehen und erkennen, was geändert werden müsste, damit wir keine immer weiter eskalierende Schuldenspirale mehr haben.

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England verbannt den 500-Euro-Schein

An analysis by the agency, however, showed that more than 90 percent of British demand for the 500-euro note came from criminals.

Wie CNN meldete sei man in England zu der Erkenntnis gekommen, dass die 500-Euro-Banknote zu mehr als 90% Prozent von Kriminellen genutzt wird. Als Folge werden von englischen Banken keine 500er mehr ausbezahlt. England hat als Landeswährung nach wie vor das englische Pfund. Dieses gibt es als Banknoten bis maximal 50 britische Pfund. Der 500-Euro-Schein entspricht derzeit 428 britischen Pfund.
Doch etwas anderes macht die Währungen auf der Insel interessant:

Auch bei den Geldscheinen pflegen die Briten ihre Besonderheiten. So werden die Noten nicht nur von der britischen Zentralbank, der Bank of England, herausgegeben. Auch Geschäftsbanken in Schottland und Nordirland dürfen eigene Geldscheine drucken. Die Noten der Bank of England sind nur in England und Wales gesetzliches Zahlungsmittel. In den anderen Teilen Großbritanniens gibt es dieses Institut nicht; es ist dort in das Belieben des Empfängers gestellt, ob und welche Geldscheine er annimmt. Ähnliches gilt für Geldscheine aus den von Großbritannien abhängigen Gebieten (z. B. Kanalinseln) bzw. den britischen Überseegebieten. Wer aus dem Urlaub englisches Geld übrig hat und glaubt, dies in Deutschland problemlos eintauschen zu können, wird hinsichtlich der Noten, die nicht von der Bank of England stammen, schnell eines Besseren belehrt.

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Facebook, Twitter und Co. bringt Massen in Bewegung

Facebook-Saufparty endet mit tragischem Todesfall

(12)

Von Martin Trauth 15. Mai 2010, 09:44 Uhr

Nach dem Tod eines jungen Mannes ist in Frankreich eine Debatte über Riesenpartys entbrannt, die über das Internet-Netzwerk Facebook verabredet werden. Mehrere Politiker forderten eine Beschränkung solcher Massenaufläufe. Bei einer dieser Partys war ein 21-Jähriger gestorben, weil er betrunken von einer Brücke fiel.

In Wahrheit wittert die Politik hier wohl eine ganz andere Gefahr: die der schnellen und unkontrollierbaren Mobilisierung großer Menschenmassen. Es dürfte kaum etwas geben, wovor Politiker mehr Respekt haben, vor allem da sie wohl selbst zu erkennen beginnen, wie gering der Einfluss ihrer politischen Entscheidungen auf das Treiben des entfesselten Finanzmarktes geworden ist.
Die Medien spielen dabei eine tragische Rolle. Nicht nur, dass sie nicht in der Lage zu sein scheinen, die bedrohliche Lage in ihrer ganzen Tiefe zu durchleuchten und die Politik kritisch begleitend zu wahren Reformen führen, sie machen sich zum willfährigen Komplizen politischer Aktivitäten, die sich an Symptomen abarbeiten.

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Spekulanten sind auch nur Menschen

Die Zeter-und-Mordio-Rufe gegen die Spekulanten oder den Finanzmarkt als Ganzes sind laut, aber sinnlos.
Die Geschwätzigkeit medialer Omnipräsenz in Bezug auf die Geschehnisse ist in Wahrheit Sprachlosigkeit. Mit zahllosen Worten und Vorwürfen an Menschen und Einrichtungen, die eigentlich nur ihren Job machen, übertünchen Politik und Medien ihre Ohnmacht. Wir – als die Konsumenten dieser geschwätzigen Sprachlosigkeit – stimmen ein in diese laute Stille.
Zu deren Überwindung müssten wir, vor allem aber die Medien, in die Details des Erkennbaren eintauchen und durch die Analyse der Wirkungsweisen zu neuen Erkenntnissen kommen. Nur auf diesem Wege würden sie – die Medien – und auch wir unsere Sprache wieder finden.

Wer würde sich mit 10,- Euro in der Tasche an einen Pokertisch setzen, wenn er es mit einem Gegner zu tun hat, der mehrere Tausend als Einsatz mitbringt? Das ist in etwa das Verhältnis, in das man das jetzt verabschiedete Rettungspaket von 750 Milliarden Euro zur “Spielmasse” des Kapitalmarktes setzen muss. An einem einzigen Handelstag werden mehr als 4 Billionen US-Dollar am internationalen Kapitalmarkt umgesetzt. (1.408 Billionen im Jahr 2005 laut OECD-Statistik zitiert von der Bundeszentrale für politische Bildung (PDF-Datei))

Die Spekulanten als Menschen haben sich in den letzten 30 Jahren nicht verändert. Sie haben durch die Technik bessere Werkzeuge für ihre Aktivitäten bekommen, das steht außer Zweifel. Doch ihre Motivation ist immer schon die gleiche: sie möchten möglichst schnell viel Geld verdienen. Während sie es aber vor 30 Jahren noch mit einer harten Konkurrenz um das Anlagekapital zu tun hatten, stellt sich diese Situation heute ganz anders dar. Vor 30 Jahren floss das Ersparte nahezu ganz über Kredite wieder direkt in die reale Wirtschaft. Das war ein durchaus “gesunder” Vorgang, wenngleich der wesentliche Systemfehler schon von Beginn an da war. Der Finanzmarkt und seine spekulativen Geschäfte glichen Risiken aus, die bei internationalen Geschäften eintraten und organisierten den Handel mit Aktien. Zwar hat sich daran bis heute nichts wesentliches geändert, aber eines ganz entscheidend: die zur Verfügung stehende “Spielmasse”. Laut der oben genannten OECD-Statistik haben sich die von institutionellen Investoren verwalteten Vermögen seit 1980 von 3 Billionen US-Dollar auf 55 Billionen US-Dollar 2005 nahezu verzwanzigfacht (Es handelt sich dabei um die europäischen Billionen und nicht etwa um die “US-Billions”, welche nur Milliarden wären).
Diese Entwicklung steht in keinem Verhältnis zu den gleichzeitig ablaufenden in anderen Bereichen der Wirtschaft.
Wäre das nicht der richtige Einstieg in ein zu untersuchendes Detail?

Der schleichende Verlust des Primats der Politik über den Finanzmarkt geht mit der Zunahme des Kapitals einher, das in ihn hinein geflossen ist. Je mehr Kapital im Finanzmarkt, desto weniger politischer Einfluss. Eine im Grunde einfache Formel. Oder eben nicht, wenn man sie nicht im Blick hat.

Medien und Politik fokussieren auf Vorgänge, die eigentlich nur schleichend gewachsene Symptome sind. Dabei müssen zwangsläufig Lösungsideen herauskommen, wie die derzeit diskutierten:
Anprangern von Gier und Korruption.
Forderung nach Ethik in der Wirtschaft.
Wegsteuern von Gewinnen
Einführung einer Finanztransaktionssteuer
Verbot bestimmter “Finanzmarktprodukte” usw.

Jeder Punkt davon ist wichtig und muss in Zukunftsplanungen seinen Platz finden. Doch nichts davon – auch nicht alles zusammen – hilft uns hinsichtlich der Ursache der derzeitigen Bedrohungslage.

Dazu müssten drei Fragen beantwortet und die Erkenntnisse daraus umgesetzt werden:

1. Wie kam es zu den immensen Kapitalansammlungen, die explosionsartig den Finanzmarkt innerhalb weniger Jahre so mächtig gemacht haben?
2. Wie führt man die Rolle dieses Finanzmarktes wieder auf ein Maß zurück, das in einem gesunden Verhältnis zur Realwirtschaft steht und die Forderung nach dem Primat der Politik erfüllt?
3. Wie erhält man das Gleichgewicht von realwirtschaftlichen Anforderungen und nach Macht strebenden Finanzmarktakteuren nachhaltig in einem das Gesamtsystem förderlichen Gleichgewicht?

Zur Beantwortung dieser Fragen, braucht es Kategorien des Denkens, welche auch das bestehende System verlassen. Es braucht aber auch den politischen Willen, fundamentale wirtschaftliche Ordnungsprinzipien ganz neu zu gestalten.

Helmut Creutz im Münchner Merkur

Euro-Eulen nach Athen tragen?

Und das gilt nicht nur für Griechenland, sondern auch für alle anderen bereits überschuldeten Euro-Länder. Im Übrigen helfen die jetzt und zukünftig eingeleiteten Hilfs-Kredite und Garantien wohl kaum der griechischen Bevölkerung, sondern in erster Linie den Geldgebern hinter den Banken, bei denen sich der griechische Staat letztendlich verschuldet hat: Ihnen wurden in den letzten Monaten nicht nur überhöhte Zinsen garantiert, sondern nun auch noch ihre Ansprüche von der europäischen Gemeinschaft verbürgt – allen voran von den deutschen Steuerzahlern. Und auch die Abzüge, die man jetzt den Griechen von ihren Einkommen abverlangt, fließen in diese gleiche Richtung. Vordergründig wäre es zwar eine Lösung, wenn sich Griechenland so schnell wie möglich vom Euro verabschieden und eine eigene Währung einführen würde. Das Problem ist nur, dass die Schulden und Garantien, die Griechenland sich aufgeladen hat, auf Euro lauten und nicht mit abgewerteten Drachmen zurückzuzahlen sind. Zur Erholung und zur Loslösung aus den Fängen des kapitalistischen Systems kann es darum in allen Ländern nur durch die Einführung von Währungen kommen, die zu ihrer Umlaufsicherung nicht mehr an ständig positive Zinsen gebunden sind und in denen die Diskrepanzen zwischen Arm und Reich nicht mehr ständig zunehmen müssen. Denn heute stehen alle Länder nur vor einer Wahl: Entweder mit Wachstum in die ökologische oder ohne Wachstum in die soziale Krise!“Helmut Creutz Aachen

viaGriechenland – Politik – Leserbriefe – Aktuelles – merkur-online.

Angela Merkel in Wuppertal

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Angela Merkel, Jürgen Rüttgers, Roland Koch, Ole von Beust und viele Landtags- und Bundestagsabgeordnete der CDU haben neben dem Beifall, der ihnen aus dem Block mit “geladenen” Gästen sicher war, aber auch den Gegenwind in Form von lautstarken Protestgruppen gespürt. Lokale Organisationen machten ebenso ihrem Unmut Luft, wie Greenpeace, die auf die Atompolitik der CDU aufmerksam machte.

Die Sprecher der CDU-Spitze sind in den letzten 100 Stunden des Wahlkampfes wohl bereits etwas dünnhäutig geworden, denn ein ums andere Mal reizten sie die aufgebrachten Protestierenden mit persönlichen Angriffen. Neben vielen landesbezogenen Themen, ging es natürlich auch in nahezu allen Reden um die derzeitige Krise des Euro und der Griechen. Allgemeiner CDU-Tenor: die Griechen sind selbst schuld an ihrem Dilemma und Hilfen sind an strenge Sparauflagen gebunden, welche die griechische Regierung in ihrem Land umzusetzen habe. Angela Merkel entsprang gar sinngemäß die Formulierung “erst müsse Griechenland die Bedingungen erfüllen, dann gebe es das Geld”. Wie jeder wissen müsste, sind die Finanzhilfen aber schon beschlossene Sache. Doch die Wähler – auch in NRW – werden sich in diesem Punkt wohl kaum noch Sand in die Augen streuen lassen. Der Regierungshubschrauber hebt aus der Stadt der weltberühmten Schwebebahn ab. Und Angela Merkel kommt aus dem Tal, indem sie…

ach sehen sie doch selbst:

Der europäische Gedanke in höchster Gefahr


Bild Von Martin Bangemann, North Carolina © 2010, Martin Bangemann

Domino-Party

Nach dem Vorbild der Boston-Tea-Party wird es wohl den bürgerlichen Widerstand gegen politische Hilflosigkeit und Konzeptlosigkeit brauchen. Das Bild des Staates und der Volksvertreter als Gejagte eines entfesselten Kapitalmarktes ist für immer mehr Menschen unerträglich.
Ganz offensichtlich schlittern die Staaten und mit ihnen ihre Bürger immer tiefer in einen Schlamassel, aus dem ein Ausweg nicht erkennbar ist.
Sicher scheint nur, dass die Politik zu Handlungen gezwungen wird, die durch den Kapitalmarkt diktiert werden. Möglich wird das, weil über allem der Zusammenbruch des gesamten Wirtschaftssystems schwebt. Zu dessen Rettung erklärt man sich zu allem bereit, koste es was wolle.
Die Frage, nach dem “Warum?” ist sinnlos geworden. Die Politik reagiert nur noch.

Bedeuten die Rettungsversuche nichts anderes als ein Hinauszögern des Zusammenbruchs? Wird dieser Zusammenbruch nicht durch jede lebensverlängernde Maßnahme nur noch schmerzhafter?
Das kurzfristige Denken in der Wirtschaft – gerade noch bis zum nächsten Quartalsergebnis – ist auch in der Politik Usus geworden. Kein Innehalten, kein tiefer gehendes Nachdenken, keine Spur von Nachhaltigkeit.

Erdrückende Schulden

Mit dem stets als heilvoll angesehenen Wachstum der Geldvermögen sind die Schulden mit gewachsen. Doch während alles natürliche Wachstum mehr den physikalischen Gesetzen gehorcht, unterliegt das der Schulden mehr den Gesetzen der Mathematik. Geldvermögen und Schulden verrotten im Laufe des Lebens nicht. Im Gegenteil sie wachsen um etliche Prozent pro Jahr nach den mathematischen Gesetzen der Zins- und Zinseszinsrechnung. Das kann viel Jahre und Jahrzehnte gut gehen, aber eben nicht ewig. Der reale Reichtum, das, was wir zu leisten imstande sind und das, was wir der Natur entnehmen können, unterliegen der zerstörerischen Kraft der Entropie. Das Wachstum dieses materiellen Reichtums müsste jedoch mit dem Wachstum der Geldvermögen und Schulden mithalten, wenn es nicht zum Zusammenbruch kommen soll.

Weil dem nicht so ist, gelangen wir an den Punkt der Nichtanerkennung von Schulden und Geldvermögen. Das dauerhafte positive Feedback der Zinseszinsen muss und wird durch Gegenkräfte ausgeglichen werden. Die Nichtanerkennung der Schulden äußert sich uns in drei möglichen Szenarien (oder einem Mix aus ihnen): Bankrott (Insolvenz), Inflation oder räuberische Besteuerung. Allen dreien lastet noch etwas Weiteres an, weshalb die Wahl zwischen ihnen – und davor stehen wir heute – nichts anderes ist, als die des kleineren Übels: sie rufen alle Gewalt hervor.

Sowohl die Insolvenz als auch die Inflation wären Lösungen, die zu einem sofortigen mit großen Risiken behafteten Handeln der Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft führen müssten und mit der Übernahme großer Verantwortung einherginge. Deshalb greift die Politik zu der das eigentliche Problem vertagenden räuberischen Erpressung.

Die Belastung der Steuerzahler mit angeblich unausweichlich notwendigen Zahlungen an die Schuldner, die als erstes unter der Last zusammenbrechen zu drohen, ist eine solche räuberische Erpressung. Die Drohung “Wenn Ihr nicht zahlt, wird alles zusammenbrechen” kann nicht anders bewertet werden. Man gaukelt uns vor, dass die Staatshilfen für die großen Banken und zahlungsunfähigen Staaten zurück fließen würden, wenn die jeweilig Begünstigten erst wieder auf die Beine gekommen sind. In Wahrheit besteht überhaupt keine Aussicht darauf.
Die Milliarden aus der EU und vom IWF fließen direkt in den Kapitalmarkt. Während Deutschland bei den Hilfen von der EU größter Zahler ist, sind wir bei den IWF-Krediten einer von vielen (Anteil derzeit 5,88%).
Griechenland wird mit den Krediten seine Zinsen bezahlen und seine auslaufenden Staatsanleihen. Die genaue Zahl, wie viel Geld Griechenland braucht um drei Jahre lang nicht auf Kredite vom Kapitalmarkt angewiesen zu sein, steht noch nicht fest, soll sich aber auf mindestens 120 Milliarden Euro belaufen.
Die Bürgerinnen und Bürger Griechenlands werden von den Hilfsmaßnahmen nicht einen Cent bekommen.
Griechenland wird mit dem bereit gestellten Geld ein Sparprogramm aufgezwungen, das die Bevölkerung niemals mittragen wird, denn es bedeutet eine dramatische Verschlechterung ihres Lebensumfeldes.
Und hinter dem Horizont, in dem malerisch die griechische Abendsonne im Meer versinkt, warten Portugal, Spanien und Italien auf ein ähnliches Schicksal. Spätestens, wenn die vermeintlich stärkeren Länder in der EU bis an ihre eigene Schmerzgrenze und der ihrer BürgerInnen gelangt sind, tritt die endgültige Nichtanerkennung der Schulden in Form der verbleibenden Szenarien in Gang.
Während das eigentlich zum Wesen des Kapitalismus gehörende Insolvenzrecht im Falle von Banken und Staaten im wahrsten Sinne des Wortes “ums Verrecken” nicht angewendet wird, wird die Nichtanerkennung durch Inflation das Spiel beenden müssen. Unruhen, Gewalt, Bürgerkrieg und unendliches Leid wird damit verbunden sein.

Gibt es einen Ausweg?
Ich behaupte noch gibt es ihn. Aber wir werden ihn schnell beschreiten müssen.
Wenn Politiker und alle an den derzeitigen Maßnahmen Beteiligte einmal offen die Wahrheit sagen würden, würde der Druck aus der Bevölkerung hin zu der letzten noch nutzbaren Chance wachsen.

Der Wahrheit die Ehre

Die Wahrheit ist: Mit allen bis jetzt geplanten Maßnahmen werden in erster Linie die Geldvermögen einer vergleichsweise sehr kleinen Elite gerettet. Die weltweite Verteilung von Geldvermögen ist ein offenes Geheimnis. Rund 10% der Weltbevölkerung gehört 85% der gesamten Geldvermögen Dabei handelt sich um eine Entwicklung die rasant zu Gunsten der Reichsten weiter läuft. Diese Verhältnisse spiegeln sich, marginal abweichend, auch in einzelnen Ländern bis in die EU hinein wieder. In Deutschland halten die reichsten 10% der Bevölkerung rund 2/3 des Gesamtgeldvermögens.
Damit ist aber auch klar, wer die Profiteure der Rettungsmaßnahmen von EU und IWF zu rund 70% sein werden: die reichsten 10% der Welt. Sie sind die Gläubiger, direkt oder indirekt, die das Geld von den Steuerzahlern aus den Ländern der EU erhalten werden. Das bezieht sich nicht nur auf Griechenland. Mit jeder Bankenrettung (HRE, IKB, usw.) werden die Steuerzahler zur Erhaltung einer über alle Maßen ungerechten Vermögensverteilung herangezogen. Dabei haben die Geldanleger ihr Risiko in aller Regel selbst gewählt. Heute stellt es sich so dar, dass die Staaten eine kostenlose “Versicherung” für Geldanlagen von Superreichen eingerichtet haben, an die nie jemand eine Zahlung geleistet hat.

Wann purzeln die Pfunde?
Wann purzeln die Pfunde? Bild © 2010, Martin Bangemann

Worin besteht also unsere Chance?

Zunächst müssen wir im System bleiben und die Insolvenz als ein aktiv eingesetztes Mittel (PDF) klug anwenden. Die EU kann als Insolvenzverwalter eingesetzt werden und – wie das auch Wirtschaftsleben tagtäglich geschieht – alles daran setzen, Griechenland zu retten. Die Gläubiger werden – wie bei jeder Insolvenz – auf große Teile ihrer Ansprüche verzichten müssen. Um den schützenswerten „kleinen Sparer“ nicht in einen Topf mit den Superreichen dieser Welt zu werfen, kann im Rahmen des Insolvenzverfahrens eine soziale Komponente zum Tragen kommen, die vorsieht, dass Geldvermögen in Einzelfällen bis zu einer gewissen Höhe ganz gesichert werden. Im Falle Griechenlands wird es solche Fälle nur indirekt geben, weil kleine Anleger bei Banken angelegt haben, die wiederum als Halter der Staatsanleihen fungieren. Der durch die Insolvenz Griechenlands und eventuell anderer Länder zu erwartende Dominoeffekt in Bezug auf Banken sollte bedacht werden, darf uns aber am Beschreiten des Weges, den diese letzte Chance bietet nicht hindern. Er kommt früher oder später sowieso. Jene Banken, die von der Griechenland-Insolvenz betroffen wären, wackeln alle schon seit langem. Die Insolvenz der Banken bietet die gleichen Chancen zu politischem aktivem Handeln, wie die der Länder. In diesem Szenario kann die Politik die Vorgaben machen und die Finanzmarktakteure können nur reagieren. In jedem anderen Szenario wäre es umgekehrt und am Ende stünde der totale Zusammenbruch.

Fazit und Ausblick

Die Insolvenz von Ländern und Banken ist steuer- und gestaltbar. Der Kapitalmarkt im heutigen Zustand nicht. Nach einer Insolvenz werden Schulden und Geldvermögen auf ein der Realwirtschaft angemessenes Maß zurückgeschnitten worden sein.

Natürlich gehört zu dem dann folgenden Neustart auch ein neues Geldsystem. Geld, das sich durch Zins und Zinseszins abgekoppelt von der Leistungskraft der Wirtschaft entwickeln kann, darf es nicht mehr geben. Geld muss den Gesetzen der Entropie unterworfen werden, wie alles in der Natur Vorhandene. Die Lösungsansätze dafür gibt es. Kluge und weitsichtige Denker, wie Silvio Gesell oder in der heutigen Zeit Helmut Creutz haben entscheidende Vorarbeit dazu geleistet. Darauf aufbauend Zukunftslösungen zu entwickeln wird unsere letzte Chance sein, wenn wir den totalen Zusammenbruch vermeiden wollen.

Dirk Müller erklärt bei Markus Lanz ein Prinzip unseres Geldsystems

Ich hatte zum ersten Mal auf einem großen öffentlich-rechtlichen Publikumssender die Möglichkeit ausführlich auf das Zinseszinsproblem und das bevorstehende Ende des Lebenszyklus dieses Zinseszinssystems hinzuweisen, ohne dass Eic hel oder Henkel widersprochen haben.

Dirk Müller ist ein durchaus kompetenter Kenner des Geldsystems. Bei Markus Lanz hatte er Gelegenheit, einige sehr wichtige Analysen darzulegen, die – würde man sie politisch ernst nehmen – beste Hinweise auf die notwendigen Schritte bieten. Bleibt zu hoffen, dass derlei Aufrufe nicht ungehört bleiben.
Etwa ab Minute 14 in der Fernsehsendung geht es ans Eingemachte.

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Wann ist ein Staat pleite?

Ein Land ist dann pleite, wenn es keinen Kredit mehr bekommt. Wann bekommt es keinen Kredit mehr? Wenn kein Vertrauen in die Rückzahlung desselben besteht. Das Problem an der simplen Gleichung: Am Kapitalmarkt herrschen andere Bedingungen als in der rationalen Physik. Je mehr Anleger glauben, dass ein Land Probleme hat, seine Schulden zurückzuzahlen, desto höhere Zinsen muss das Land bieten; und je höher die Zinsen, desto wahrscheinlicher ist es, dass das Land die Schulden nie wird zurückzahlen können.

Deshalb ist Vertrauen das allerhöchste Gut im Kapitalismus.

Sehr lesenswerter Beitrag von Robert von Heusinger in der Berliner Zeitung.

Die Macht des Vertrauens, das der Kapitalmarkt in Staaten, Einrichtungen oder Unternehmen steckt oder eben nicht, hängt in erster Linie vom Volumen des Marktes ab. Je mehr Geld in diesem Markt nach Anlagen sucht, um so mächtiger wird der Hebel, wenn diese Summen in Bewegung geraten. Hinzu kommt, dass einzelne große Banken oder Konsortien innerhalb des Marktes die Vorreiter in Bezug auf Vertrauen schenken und Vertrauen entziehen sind und dann ein Herdentrieb erfolgt.
Die Macht dieses Kapitalmarktes hat sich gespeist aus dem nach mathematischen Gesetzen wachsenden Geldvermögen weltweit. In dem Maße, in dem diese Geldvermögen sich von den Notwendigkeiten der Realwirtschaft abgekoppelt haben, haben sie die Macht des Finanzmarktes gestärkt. Die rasante Entwicklung der Technik hat ihr übriges getan.
Die extreme Ungleichverteilung von Geldvermögen spiegelt sich natürlich auch am Kapitalmarkt, wenngleich auch unter anderen Vorzeichen.
Dennoch bietet der Markt Einzelnen, denen man innerhalb des Marktes besonders vertraut, gute Chancen das Marktgeschehen maßgeblich zu beeinflussen. Ein gutes Beispiel aus vergangenen Tagen: George Soros.
Soros kommt aus dem griechischen und heißt “Haufen”. Vielleicht musste es deshalb George Soros sein, der zeigt wie man mit viel Geld das Marktgeschehen im Sinne eines einzelnen Akteurs beeinflusst.

Durch diese Macht des Kapitalmarktes konnte es geschehen, dass die Politik zum Getriebenen des Marktgeschehens wurde. Das war in Zeiten undenkbar, als die Spekulation noch “eine Blase auf dem Meer der Realwirtschaft” (Keynes) war.
Wer die Staaten wieder zum Herr des Geschehens machen will – und dieses Interesse sollte eigentlich jede Bürgerin und jeder Bürger dieser Welt haben – muss an den Regeln dieses Marktes selbst nicht viel ändern. Er muss hauptsächlich das Zustandekommen dieser immensen Geldmengen einschränken, die ohne realwirtschaftlichen Bezug die wahre Macht des Kapitalmarktes ausmachen. Und dazu müsste man das Geldsystem auf grundlegend neue Füße stellen.

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Griechenland-Sog: Experten warnen vor Portugal-Panik

HUMANE WIRTSCHAFT  ein Leserbeitrag:

Man wird "Strohhalme" loslassen müssen, die


man bisher für "Balken" gehalten hat und

dafür echte "Balken" ergreifen müssen, die

man bisher für "Strohhalme" gehalten hat.

Das ist der Abschied vom schönen Schein

zu dem uns die Ereignisse zwingen werden.“

Im Fall der sich exponentiell entwickelnden Euro-Krise um Griechenland,
Portugal, Spanien, Irland und Italien streiten sich jetzt die
linear-mechanistisch denkenden Experten: Helfen wir den in Not geratenen
Euro-Ländern, dann kriegen wir es mit dem Teufel zu tun. Helfen wir nicht,
dann haben wir Belzebub am Bein. Also alles falsch, was immer wir auch tun
und lassen – oder?

Prof. Hans-Werner Sinn sprach in seinem SPIEGEL-ONLINE-Interview vom
26.04.10 über das „fehlende Geschäftsmodell“ Griechenlands – das gleiche
gilt für Portugal. Wobei „fehlendes Geschäftsmodell“ eine wenig
differenzierte, profilierte und daher kaum wettbewerbsfähige Volkswirtschaft
bedeutet. Darauf und auf die dringende Notwendigkeit eines Strategiewechsels
weise ich die Portugiesen – auch Frau Merkel, seit Juli 2007 – seit ihrem
Eintritt in die EG und speziell nach dem Beitritt zum Euro immer wieder hin.
Auch darauf, dass sie einmal unter den Ersten sein würden, die über die
Klinge springen müssen, wenn sie nichts tun und die umgekippte EU dem Ende
der Fahnenstange näher kommt. Schiller, würde er heute leben, würde
möglicherweise in seinem berühmtem Zitat von den Göttern das Wort „Dummheit“
durch „Subventionen“ ersetzten und heraus käme dabei: „Gegen Subventionen
kämpfen Götter selbst vergebens“. Oder noch präziser: „Gegen den Rausch des
staatlich legitimierten und regulierten Systemraubbaus…“.

Aber angesichts der sich auftürmenden und linear nicht lösbaren Probleme
zeichnet sich ein Umdenken ab. Interessanterweise setzte sich am vergangenen
Sonntag Prof. Arnulf Baring als einziger der Gäste von Anne Will über die
punktuellen Details des Griechenlandproblems hinweg und machte –  sinngemäss
– die folgende Aussage: „Wir alle und nicht nur Griechenland marschieren
schon lange in die falsche Richtung, und falls nichts geschieht wird am Ende
auch die Bundesrepublik da landen, wo sich Griechenland heute befindet. Ich
habe bereits 1997 in meinem Buch darüber geschrieben“. Das war
ungeheuerlich, denn hier wurde doch tatsächlich die „Staatsreligion“ in
Frage gestellt, und zu anderen Zeiten wäre man dafür gekreuzigt worden.

Genau das ist es, was ich schon immer behauptet habe: Eine zunehmende Anzahl
von Euro-Ländern gerät in Schwierigkeiten, weil das Führungssystem (dt.-
franz. Achse + Benelux) in die falsche Richtung marschiert und die Lage
zunehmend untragbar wird. Wie der Herr, so's Gscherr!. Und in der Tat, den
Hauptanführern beginnt schon zu schwanen, dass es letztendlich ihnen selbst
an den Kragen gehen könnte, wenn Griechenland und andere pleite gehen.

Ob Sie allerdings die richtigen, immer immateriellen Ursachen sehen und
entsprechend wirksame und nachhaltige Maßnahmen treffen werden bleibt zu bezweifeln. Wahrscheinlicher ist, dass man
sich auf ein Reformmodell einigt, das es erlaubt sich für einige Zeit weiter
in die eigene Tasche zu lügen – bis am Ende auch Deutschland selbst auf dem
Zehnmeterbrett steht, wo es in ein Schwimmbad ohne Wasser springen muss, wo
unten die anderen Opfer schon liegen.

Ich wundere mich immer wieder: Alle Welt sieht derzeit tagtäglich wie solche
Krisen durch immateriell-psychische Faktoren – Vertrauensverlust der Rating
Agenturen und anderer – ausgelöst, wie im Handumdrehen riesige
Vermögenswerte vernichtet werden, aber keiner will diese zu ihrer Lösung
einsetzen; alles geschieht auf der materiell-monetären Ebene, wodurch der
Misserfolg und Fortgang des Niedergangs bereits vorprogrammiert sind.

Der Versuch vor dem Untergang einen „Strohhalm“ zu testen ist allemal der
Mühe wert, denn anders als der vollgesogene morsche Balken könnte er ja
tragen. Bald wird nicht viel mehr übrig bleiben.

Rolf Dahmer aus Estoril in Portugal

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Von Ausgegrenzten und Unproduktiven

Vorwort der Zeitschrift für Sozialökonomie April 2010

 

Liebe Leserin und lieber Leser,

ähnlich wie die großen Krisen der 1920er und 1930er Jahre bringt auch die gegenwärtige Krise Demagogien hervor. In einem Artikel über die „Revolution der gebenden Hand“ stellte zum Beispiel der Philosoph Peter Sloterdijk die historische Tatsache der ursprünglichen und fortgesetzten Kapitalakkumulation und mit ihr die ungerechte Verteilung von Einkommen und Vermögen in Abrede. Und wortgewaltig prangerte er die „Staatskleptokratie“ an: der „semi-sozialistische“ Steuerstaat raube die „Produktiven“ zugunsten der „Unproduktiven“ aus. (FAZ vom 13.6.2009)

   Mit dem generell problematischen Begriff „Unproduktive“ meinte Sloterdijk nicht etwa Bezieher von Vermögenseinkünften, sondern die aus der Arbeitswelt ausgegrenzten EmpfängerInnen staatlicher Sozialleistungen. Als „Transfermassennehmer“ verunglimpfte er sie in einem „Manifest der Leistungsträger“. (Cicero Nr. 11/2009, S. 94-107) Die „produktiven Transfermassengeber verortete Sloterdijk in der oberen Mittelschicht und in der Oberschicht, obwohl deren Beitrag zum Steueraufkommen und zur Finanzierung des Sozialstaats gering ist oder durch eine Flucht in Steueroasen ganz vermieden wird. Die Tatsache, dass der mittlerweile mit 1,69 Billionen Euro verschuldete Staat Jahr für Jahr aus Steuermitteln hohe Milliardenbeträge – 2009 waren es fast 70 Mrd. Euro – als Zinsen an seine Gläubiger umverteilt, stört Sloterdijk überhaupt nicht.

   Wer die strukturelle Ungerechtigkeit der bestehenden Wirtschaft ignoriert und stattdessen die sich daraus ergebenden Folgeprobleme personalisiert, indem er wie Sloterdijk „Produktive“ und vermeintlich „Unproduktive“ gegeneinander ausspielt, vergiftet das gesellschaftliche Klima – ebenso wie diejenigen Politiker, die gegenwärtig Fälle von Missbrauch von Sozialleistungen verallgemeinern und dabei großzügig über die gigantische Konzentration von Geld- und Realvermögen in wenigen Händen hinwegsehen.

   Dies ist umso unverantwortlicher, als die gegenwärtige Krise gemäß einer Studie „A Tale of Two Depressions“ von Barry Eichengreen und Kenneth O’Rourke offenbar schwerer ist als die große Weltwirtschaftskrise ab 1929. Damals folgte der Krise ein Zivilisationsbruch von unvorstellbar grauenhaftem Ausmaß. Und heute? Nach dem ersten Erschrecken über das Ausmaß der jüngsten Krise sind Wissenschaft, Politik und Banken längst wieder zur gewohnten Tagesordnung übergegangen. Diesem grob fahrlässigen Handeln der Verantwortlichen trat Prof. Dennis Snower, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, entgegen: „Ich traue dem Aufschwung nicht. Wir sind nur scheinbar zurück in unserer komfortablen Welt. Sie steht nicht auf stabilem Fundament. Der Vulkan bleibt ruhig, aber das Grollen unter der Erde geht weiter. Die Zeichen einer neuen Blase mehren sich.“ („Wie auf einem Vulkan“, in: Süddeutsche Zeitung vom 12.2.2010)

   Immerhin gibt es am Rande der Ökonomie und nicht mehr nur in ihren Unterwelten eine wissenschaftliche Diskussion über den Gedanken, dass die Wirtschaft ihrer Liquiditätsfalle durch „Negativzinsen“ entkommen könnte. Keine geringeren als die renommierten Ökonomen Willem Buiter und Gregory Mankiw haben dieser Diskussion Auftrieb gegeben. Ebenso erfreulich sind die Anzeichen einer Wiederentdeckung von Keynes’ Bancor-Plan und die neue Diskussion über Commons bzw. Gemeingüter. Gleichwohl ist Realismus statt Euphorie angesagt. Das Scheitern der Klimakonferenz in Kopenhagen ist auch ein Hinweis darauf, dass der Weg zu grundlegenden Reformen im Bereich der Boden-/Ressourcen- und der Geldordnung noch weit sein dürfte. Auch sind bei weitem noch nicht alle damit verbundenen Details geklärt. Noch besteht ein großer Bedarf an Forschungen und kontroversen Diskussionen, zu denen wir mit dem vorliegenden Heft einige Denkanstöße geben möchten.

Werner Onken, Redakteur

 

 

Inhalt

 

Elmar Altvater          Die Finanzkrise ist eine Systemkrise des Kapitalismus      

 

Norbert Olah,

Thomas Huth,

Dirk Löhr                  Geldpolitik mit optimaler Zinsstruktur

                                         

Ferdinand Wenzlaff   Vorschlag für ein Paradigma einer

                                  Kreditgeldwirtschaft und neuen Kredit- und

                                  Geldpolitik

 

Helmut Creutz           Negativzinsen erfordern eine Geldumlaufsicherung

 

Thomas Betz             Keynes’ Bancor-Plan reloaded

 

Fabian Thiel              Land, Energie und Klima – Geosphären als

                                  Gemeinschaftsgüter im Sinne von

                                  Elinor Ostrom und Peter Barnes?

  

Fritz Andres              Nach der Klimakonferenz von Kopenhagen

 

                                  

Bezug

 

Verlag für Sozialökonomie

Hofholzallee 67, 24109 Kiel

Mail: versand@gauke.de

Web: www.sozialoekonomie-online.de

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Junger INWO-Aktivist im Radio

Heute Morgen auf WDR-5 wurde mit Hörern die “Griechenland-Krise” besprochen.

Der junge INWO-Aktivist Jörg Schreiner kam dabei mit einem bemerkenswerten Statement zu Wort:

   (4572 KB)
Listen on posterous

 

 

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Erst Griechenland, jetzt Portugal – EU wird zum Spielball der Spekulanten

GPS – Griechenland, Portugal, Spanien – Orientierungslos beim Länderdomino

Die Schuldenkrise in Europa gerät außer Kontrolle.

Den Auftakt für die stärker werdenden Turbulenzen bilden stets die Ratings der namhaften Agenturen am internationalen Kapitalmarkt.

"Standard and Poors" hat heute gleich doppelt zugeschlagen. Erst wurden griechische Staatsanleihen auf Junk-Bond-Niveau (BB+) herabgestuft und dann die portugiesischen gleich um zwei Stufen von A+ auf A-

Das hatte zur Folge, dass die Kapitalmärkte heute verrückt spielen. 

Abgesehen davon, dass man sich fragt, woher die Ratingagenturen ihre Informationen beziehen (waren es nicht die gleichen Agenturen, die zu Beginn der jetzigen Krise beste Bewertungen für Schrottpapiere auswiesen?), müssten uns die aus diesen Herabstufungen entstehenden Folgen endgültig wachrütteln.

Wer sind wir eigentlich, dass wir uns von diesen Kaspern am Nasenring durch die Arena ziehen lassen?

Das Selbstbewusstsein der Spekulanten ist schon wieder groß. Sie machen die Vorgaben und die Politik wird zum Handeln gezwungen.

Die Deutsche Bank meldet heute das beste Quartalsergebnis aller Zeiten und erreichte vor allem durch ihre Investmentabteilungen eine Eigenkapitalrendite von 30%. Ackermann hat sein Ziel von 25% bei Weitem übertroffen.

Derweil werden Griechenland und Protugal durch die Herabstufung Zinsen für ihre Kredite abverlangt, die nur zur Folge haben können, dass sie innerhalb kürzester Zeit durch EU-Mittel gestützt werden müssen oder die Zinszahlungen und Tilgungsversprechen einstellen müssen. Die Spekulanten wissen aufgrund der jüngsten Entscheidungen, dass von Seiten der Politik versucht wird Letzteres mit allen Mitteln zu verhindern. Zwar sind diese Entscheidungen nicht auf Dauer verlässlich, aber im Vergleich zu den schnellen Gewinnmöglichkeiten durch kurzfristige Spekulationen verhalten sich politische Entscheidungen hinsichtlich der Geschwindigkeit ihrer Umsetzung wie Hase und Schnecke mit Gleitproblemen.

Das Zeitfenster für kurzfristige Milliardengewinne mag kurz sein. Die Finanzmarktakteure haben es heute dennoch geöffnet. Am Markt selbst wird es Gewinner und Verlierer geben, aber die Verlierer mit den größten Verlusten sind unbeteiligt und hilflos: die Steuerzahler in den EU-Ländern.

Wie lang schauen wir diesem Treiben noch zu?

Das Heft jetzt in die Hand nehmen, hieße Europa muss "über Nacht" die Zahlungsunfähigkeit der betroffenen Länder erklären, Insolvenz anmelden und Gläubigerschutz erklären (den Schutz der Länder vor ihren Gläubigern). Die Halter von Staatsanleihen, wer auch immer das sein mag (und zweifellos werden große Banken damit ebenfalls zu Insolvenzfällen), werden nach einer Bestandsaufnahme mit einem Bruchteil ihrer Forderungen zufrieden sein müssen.

Die Insolvenz gehört zum Instrumentenkasten des Kapitalismus (PDF), wie kaum ein anderes Mittel. Warum wird es nicht auch endlich im Großen angewendet?

Die Insolvenz böte die Chance, Schulden und Geldvermögen auf ein Maß zurechtzustutzen, wie es für die reale Wirtschaft ausreichend ist. 

Wir dürfen dabei auch keine Angst vor den Kettenreaktionen haben.

Erst recht dürfen wir uns nicht länger das Märchen vom "kleinen Sparer" auftischen lassen, mit dem bisher alle Maßnahmen zur Rettung der Milliardenvermögen gerechtfertigt wurden.  Die Rettung des kleinen Sparers kann politisch im Rahmen eines Insolvenzverfahrens mit kleinem Geld gelöst werden.  Niemand hindert uns daran, eine Insolvenz sozial ausgewogen zu gestalten. Wir, die Bürger, unser Staat werden die Insolvenz verwalten.

Wir müssen unsere Zukunft jetzt selbst in die Hände nehmen und uns nicht länger willfährig von den 25-Prozent-Rendite-Marionetten klein halten lassen.

Wenn wir jetzt nicht im Sinne der Bürger handeln, dann werden wir in einem nicht mehr steuerbaren Chaos enden.

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Wetten wirklich Spekulanten gegen Griechenland?

Auf die absurde Verteufelung der Credit Default Swaps hatte der Blick Log zuletzt Mitte März hingewiesen. Vergangenen Mittwoch setzte sich Luigi Zingales, Professor an der Universität Chicago, in der FTD für diese Finanzinstrumente ein und stellte vor allem die Signalfunktion der CDS-Preise heraus. Ein Anstieg signalisiert ein Absinken der Kreditwürdigkeit und damit eine schlechte Haushaltspolitik oder schlechtes Management. Deswegen, so Zingales, mögen Politiker und Manager dieses Instrument nicht. Zu Recht weist Zingales allerdings auch auf den weiterhin schlecht organisierten Markt für CDS hin:

“Natürlich ist der CDS-Markt nicht perfekt. Tatsächlich handelt es sich nicht einmal um einen organisierten Markt, sondern nur um einen informellen virtuellen Austausch. Die bestehenden Regeln sind nicht dazu geeignet, ihn transparent oder belastbar zu gestalten. Es bedarf daher neuer Regeln. Und es bedarf eines Systems von Besicherungen, damit nicht wieder der Staat einspringen muss, um jemanden zu retten. Aber eine Regulierung des CDS-Markts bedeutet nicht, ihn abzuschaffen. Das würde nur die Basis für die nächste Blase schaffen.”

Ich bleibe bei der Auffassung, dass Credit Default Swaps ein sinnvolles Instrument zur Absicherung gegen Kreditrisiken sind. Ich hoffe, dass auch der Bund die Kreditrisiken über Griechenland entsprechend über diesen Markt absichert und so das Risiko für uns Steuerzahler minimiert.

Eine andere Frage ist, wer eigentlich die Stillhalter der CDS-Positionen sind, also wer die Kredite versichert. Dahinter verbergen sich Banken, Versicherungen aber auch spekulativ orientierte Großanleger und Hedge-Fonds. Sie wissen (hoffentlich) ihr Risiko entsprechend zu managen und rufen nicht nach Staatshilfe, wenn sie beim Ausfall Griechenlands aus den Versicherungen in Anspruch genommen werden. Aber gerade weil die Länder der Eurozone zumindest Teile ihrer Kreditrisiken zum Schutz der Steuerzahler absichern sollten, benötigen sie auf der anderen Seite diese Marktteilnehmer, die bereit sind, diese Risiken zu tragen. Und dazu gehören halt auch Spekulanten. Es mutet daher schon paradox an, wenn ausgerechnet Frau Merkel internationale Regeln gegen Spekulation fordert. Sie erhöht damit die Risiken für die Steuerzahler.

“Allein die Menge macht das Gift.”
Das Verhältnis des spekulativen Bereiches des Finanzmarktes zur Realwirtschaft hat sich im Laufe der Zeit derart verschoben, dass die Realwirtschaft, aber eben auch das Geschehen im Bereich der Staatsfinanzen, zu einem Spielball geworden ist.

Keynes hat es sehr anschaulich gesagt:

„Spekulationen richten keinen Schaden an, wenn sie nur Blasen auf einem ruhigen Strom von Unternehmertätigkeit sind. Die Lage ist aber ernst, wenn die Unternehmertätigkeit zur Blase auf einem Strudel von Spekulationen wird“

Die Lage ist sehr ernst. Die Kreditabsicherungen haben durch zusätzliche Luftprodukte Volumina erreicht, die weit über das eigentlich zu Sichernde hinausgehen. Damit drehen sich auch auch Kräfteverhältnisse. Das Geschehen am Kapitalmarkt bestimmt über die Entwicklung in Politik und Wirtschaft und nicht mehr umgekehrt.
Der Schwanz wedelt mit dem Hund.
Man konnte das zum Beispiel nach Ausbruch der Krise auch daran beobachten, dass am Warenterminmarkt verstärkt mit Lebensmitteln und Grundnahrungsmitteln spekuliert wurde und die Preise an den Rohstoffmärkten in die Höhe schossen, obwohl es keine erhöhte Nachfrage der Endverbraucher gab. Gewinne für einige Wenige auf Kosten aller.

Es gibt am Kapitalmarkt und seinen Funktionen in einer Situation wie heute nichts mehr schön zu reden. Die Geldvermögen, die sich systembedingt gebildet haben mussten zwangsläufig diesen Weg nehmen, weil sie in der Realwirtschaft keine Verwendung mehr fanden. Der Kapitalmarkt und seine abscheulichen Vorgänge müssen dadurch wieder auf eine Normalmaß zurückgestutzt werden, dass man das automatische Wachstum der Geldvermögen eindämmt und im Gleichgewicht hält. Das Maß aller Dinge ist die Realwirtschaft, Mensch und Natur.
Die Spekulation kann nur dadurch eingedämmt werden, dass man sie “trocken legt”. Wenn Geldmenge, Geldvermögen und Schulden wieder in einem gesunden Verhältnis zur Leistung stehen, haben wir auch die Spekulation im Griff und es kann sich wieder ein gesunder Kapitalmarkt bilden.

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Hamburg hat fast sein gesamtes Kapital verloren

Hamburg hat fast sein gesamtes Kapital verloren (Bergedorfer Zeitung – 22-04-2010 – Seite 4)


Hamburg hat fast sein gesamtes Kapital verloren

(Bergedorfer Zeitung – 22-04-2010 – Seite 4)


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Seien es Länder (Griechenland), Banken oder Gemeinden, sehr viele sind bereits pleite oder stehen am Rande der Pleite. Die Bemühungen der Verantwortlichen gehen allesamt dahin, dass SteuerzahlerInnen “zwangsenteignet” werden, damit die entstehenden Löcher gestopft und die Länder, Banken und Gemeinden noch eine gewisse Zeit weiter machen können. Die endgültige Zahlungsunfähigkeit wird nur verzögert.
Gerettet – und das ist das Fatale – werden nicht etwa die Länder, Banken und Gemeinden, sondern die Gläubiger dieser Einrichtungen.
Die wiederum setzen sich zum allergrößten Teil aus den reichsten der Reichen zusammen. Man kann davon ausgehen, dass der so gerne von Politikern ins Rampenlicht gestellte “kleine Anleger – Leute wie Du und ich” nur zu einem marginalen Teil als direkte Gläubiger betroffen sind.
Das kann jeder Einzelne schon daran ermessen, dass er sich einmal seine eigenen Geldanlagen betrachtet. Sind darin Staatsanleihen (Bundesschatzbriefe und dergleichen) enthalten? Investmentzertifikate?

Die Ungleichverteilung von Geldvermögen ist immens. Die Konzentration des Reichtums in den Händen Weniger hat Ausmaße erreicht, die es unmöglich machen mit den Mitteln der Politik dagegen anzugehen. Zumindest nicht, wenn man nicht bereit ist, das hinter diesen Vermögensentwicklungen wirkende System in Frage zu stellen.
Mit der Belastung jedes einzelnen Steuerzahlers wird die sich bereits an der Schmerzgrenze befindliche Scherenöffnung zwischen Arm und Reich weiter vergrößert.
Doch die Reichen und ihre Helfershelfer in Politik und Wissenschaft sind nicht unsere Gegner.
Das System muss geändert werden, nach dessen Regeln alle handeln. Wir brauchen Regeln, die es erlauben, aus dem Wachstumswahn auszubrechen. Der Schlüssel dafür liegt im Geldsystem. Ein Geldsystem, das es ermöglicht auf Dauer Geld mit Geld zu verdienen ist ein System, das ewiges Wachstum vorgaukelt. Ein solches System muss scheitern.
Noch haben wir die Wahl. Wir können das System erneuern, ohne dass es gezwungenermaßen zu Gewalt, Bürgerkriegen und unendlichem Leid kommt.
Stopfen wir die Löcher weiter mit Steuergeld wird der Zusammenbruch in einem nicht mehr steuerbaren Chaos enden.

Mein Dank für den Hinweis auf die Bergedorfer Zeitung geht an Andreas Rudolf. Link siehe oben.

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Obama calls on ‘cynical’ banks to agree rules that will protect Americans

During a speech in New York to an audience of 700, including top names from the financial services industry, Obama said he was fed up with Americans being “duped” by predatory behaviour from financial institutions and accused banks of losing touch with broader society. “Some on Wall Street forgot that behind every dollar traded or leveraged is a family looking to buy a house, pay for an education, open a business or save for retirement,” he said. “What happens here has real consequences across our country.

Barrack Obama packt die Keule aus und droht den Akteuren des Finanzmarktes.
Er stellt damit sich und den Staat als Jemanden hin, der sich bei den Vorgängen am Kapitalmarkt in einer Zuschauerrolle befindet. Den gierigen “Bankstern” hilflos ausgeliefert.
Er schreibt den Akteuren vergleichsweise drastische Worte ins Stammbuch. Da sind die europäischen Politiker viel handzahmer.
Natürlich kann der Staat Maßnahmen ergreifen, der die schon wieder zügellosen Bonizahlungen bei den größten Zockern eindämmt, zumindest bei jenen Einrichtungen, die durch staatliche Hilfe unterstützt oder gerettet wurden.
Doch ist das im Hinblick auf einen der Realwirtschaft dienenden Kapitalmarkt hinreichend?
Sind es nicht viel mehr die Politiker, welchen den Rahmen für die Finanzordnung mit Regeln und Gesetzen abstecken?
Die wenigsten Banker und Zocker haben bestehende Gesetze gebrochen oder Regeln nicht eingehalten. Müssen nicht diejenigen zuerst an den Pranger, die es nicht schaffen, vernünftige Regeln aufzustellen?
Wenn mal die drastischen Worte Obamas nicht ein Aktionismus sind, der von der eigenen Hilflosigkeit ablenkt!
Wir brauchen neue Regeln, damit der menschlichen Gier erst gar kein Spielfeld für die Gemeinschaft gefährdende Auswirkungen geboten wird.
Das wäre eine lohnende Aufgabe, Mr. Obama.

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”Geld kann brutal zurückschlagen”

sueddeutsche.de: Wird nicht mit Geld das ersetzt, was zuvor in anderer Form vorhanden ist?

Strigel: Nicht unbedingt. Es gibt ein eindrückliches Beispiel, was Geld anrichten kann: das Volk der !Kung in der Kalahari in Namibia und Botswana. In den sechziger Jahren wurden dort von John Yellen ethnologische Studien durchgeführt. Die !Kung hatten eine Zivilisation, die sich seit zigtausend Jahren nicht verändert hatte – sowohl was die Werkzeuge anging als auch das soziale System. Zwanzig Jahre später ging Yellen nochmals dahin, doch in der Zwischenzeit war Geld eingeführt worden. Yellen beschreibt, wie sich die Kultur und Architektur verändert hat. Aus dem ‘jeder für jeden’ wurde ein ‘jeder für sich’.

An dieser Stelle wäre es wichtig, nicht einfach nur von der “Einführung von Geld” zu sprechen. Das Geld wurde mitsamt einem System eingeführt. Und das kann eigentlich nur das kapitalistische gewesen sein. Wenn es uns gelingt zwischen Geld und seinen durchaus segensreichen Funktionen, vor allem das des Tauschmittels, zu unterscheiden, schaffen wir es auch ein System zu entwickeln, das in Kulturen segensreich wirken kann, die bisher ohne Geld auskamen. Solange wir aber bei uns nur Geld kennen, das sich vor allem dazu eignet, damit noch mehr Geld zu verdienen, solange können wir anderen Völkern und Kulturen auch nur ein destruktives Geldsystem vermitteln. Zeit das zu ändern wäre es allemal.

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Wirtschaft und Allmende: Ein schwieriger Dialog

„Man kann Gemeingüter erhalten mit Marktwirtschaft, nur nicht mit einer kapitalistischen.“ (Scherhorn) Auch die unternehmerische Freude wird betont: „Ich liebe Wettbewerb, aber für das Wohlbefinden ist auch wichtig, dass Wettbewerb in einem Umfeld stattfindet, das uns nicht unsere Lebensgrundlage entzieht.“ (Gallehr) Die Diskrepanz, die sich zwischen der betriebswirtschaftlichen Rationalität eines einzelnen Unternehmens und der volkswirtschaftlichen Rationalität einer Gemeinschaft bzw. der Menschheit auftut, kann vielleicht auch durch eine umfassende Anerkennung unterschiedlicher Antriebskräfte überbrückt werden: „Wenn wir erstmal eine Möglichkeit geschaffen haben (…) , dass wir eine ‘bedarfsorientierte’ Wirtschaft hinbekommen, wenn wir einen gemeinsamen Konsens geschaffen haben, wie sowas funktionieren kann, dann können wir auf dieser Basis eine ganze Menge Wettbewerb und Incentives haben im Sinne von ‘ich kann mich heraus heben’, ‘ich kann zeigen, was ich persönlich wichtig finde und es wird anerkannt’.“ Eine Vision für Unternehmer, die Ihren Platz suchen in einer Gemeingütersensitiven Kultur: „Wir machen eine Bedarfsökonomie, um den Bedarf zu decken, daneben machen wir eine Wettbewerbsökonomie, um Spaß zu haben.“ (alles Gallehr)

Gerhard Scherhorn liegt mit seiner Einschätzung natürlich richtig, wenn er darauf verweist, dass eine auf dauerhaftes Wachstum ausgerichtete Wirtschaft niemals nachhaltig sein kann. Dann wäre doch der erste Schritt, zu untersuchen, warum denn dieser Wachstumszwang besteht und in der Folge müsste man sich Gedanken um eine Marktwirtschaft machen, die eben nicht mehr wachsen “muss”. Dabei kommt man nur mit großer Anstrengung an den Erkenntnissen von Silvio Gesell vorbei, die heutzutage von vielen Vertretern aus Wissenschaft und Unternehmen zeitgemäß dargelegt werden.
Belässt man es bei Appellen an Unternehmer und Verantwortliche wird es nie etwas mit der Marktwirtschaft ohne Kapitalismus. Wenn es Linken auch schwer fällt, so wären sie doch gut beraten, den Schulterschluss mit den Geldreformern zu suchen, welche die Regeln für den Finanzmarkt so gestalten wollen, dass Geld mit Geld verdienen nicht mehr möglich ist.

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Fiasko in Griechenland – Staatsanleihen kollabieren

„Ich werde mich nie den Eseln zugesellen, die hinterher das Feld bespotten, auf dem sie Fiasko gemacht haben.“  Theodor Fontane 

 

Was als politischer Erfolg gefeiert wurde, gerät schneller zur Farce als die ärgsten Kritiker es sich vorstellen konnten.

Griechische Staatsanleihen kollabieren am Kapitalmarkt nachdem bekannt wurde, dass die tatsächlichen Schulden Griechenlands und damit das Haushaltsdefizit noch höher sind, als bisher angenommen.

Die privaten Anleger fliehen in Massen aus den griechischen Staatsanleihen, was zu unbezahlbaren Zinsbelastungen für Griechenland führt.

Nachdem die gleichen Anleger die erst kürzlich neu aufgelegten Staatsanleihen mehrfach überzeichnet haben, nunmehr aus den Anleihen fliehen, scheint sich die Datenlage verändert zu haben. Die Überzeichnung hing maßgeblich mit den angekündigten Rettungspaketen der Europäische Union zusammen. Die Anleger gingen davon aus, dass griechische Staatsanleihen durch die Absicherung aus Brüssel quasi 100% sicher seien.

Jetzt spekuliert beispielsweise die Welt auf einen Kapitalschnitt wie seinerzeit in Argentinien:

 

“Investoren stellen sich darauf ein, dass Griechenland die ausgegebenen Anleihen nie mehr in voller Höhe zurückzahlen wird. Immer wahrscheinlicher wird ein Kapitalschnitt wie im Falle Argentiniens.”

 

Damals verloren vor allem private Gläubiger Argentiniens 75% ihres Geldes.

Doch was bedeuten die Zusagen der EU für die Steuerzahler der Länder? Wir werfen dem schon verlorenen Geld noch Gutes hinterher. Die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands ist ein Fakt, der jetzt zu einer klar kommunizierten Insolvenzverwaltung führen muss, wobei der EU der Part der Insolvenzverwaltung zufällt. Es darf ab sofort kein Steuergeld mehr aus anderen Ländern in die griechische Staatskassen fließen. Eine Bestandsaufnahme muss her. Es ist unverantwortlich die Griechen der Spekulation am internationalen Kapitalmarkt auszusetzen, indem man finanzielle Unterstützung aus Steuergeldern der anderen EU-Länder zusagt. 

Was nützt es, den zu erwartenden Dominoeffekt hinsichtlich der weiteren ebenfalls auf der Kippe stehenden Länder wie Irland, Portugal oder Spanien, dadurch zu verzögern, dass man jetzt Mittel bereit stellt, die in jedem Land in der EU ebenfalls nur zu höheren Schulden und einer nicht mehr tragbaren Steuerlast für die Bürger wird?

Den Schulden Griechenlands stehen, wie überhaupt allen Schulden die Geldvermögen der Gläubiger gegenüber. Diese Geldvermögen befinden sich zum größten Teil in den Händen weniger superreicher Privatpersonen, oder Anlegerfonds, die von eben diesen Leuten die Gelder einsammeln. Die Schere der Vermögen klafft von Jahr zu Jahr weiter auseinander. Wir treiben dem Punkt zu, an dem es keine andere (friedliche) Lösung, als die des Kapitalschnittes gibt, bei dem die Gläubiger zu enormen Einbußen verpflichtet werden. (PDF).

Dieser Kapitalschnitt kann sozial ausgewogen gestaltet werden. Die immensen Geldvermögen, die dem Kapitalmarkt seine uns alle erdrückende Macht verliehen haben, vertragen einen Schnitt, weil sie schon lange nicht mehr in einem gesunden Verhältnis zur realen Wirtschaft stehen. Die Geldvermögen und Schulden haben sich schleichend, (PDF) aber mit der Kraft der Exponentialfunktion, von den linear wachsenden Realwirtschaft entfernt. Die Griechenland-Krise wäre erst der Anfang, wenn wir an dieser Stelle nicht zum Ende mit Schrecken bereit sind.

Griechenland braucht uns jetzt mehr denn je. Doch nicht mit Geld, das zu nichts anderem benutzt wird, als es in den Rachen des Kapitalmarktes zu werfen. Über finanzielle Unterstützung lohnt es sich erst dann wieder zu reden, wenn die jetzige Situation bereingt und Griechenland aktive Hilfe bei der Wiederherstellung einer gesunden Wirtschaft braucht.

Diese Rosskur steht in allen Ländern der westlichen Welt bevor. Wenn alles einen guten Verlauf nehmen soll, kann am Ende nur ein Geldsystem stehen, das die Marktwirtschaft vom Kapitalismus endgültig befreit hat und Mensch und Natur in den Mittelpunkt allen Strebens stellt.

Die Welt könnte so schein, warum verhindern wir das mit einem von Menschen geschaffenen System?

 

 

 

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Ein Hühnchen für den Doktor

Pay medical bills with a chicken, says Republican candidate

Sue Lowden, the Republican front-runner to win a Senate seat in Nevada, says chickens make great health insurance

Sue Lowden and chicken soup for the soul … and the body.

Meet Republican politician Sue Lowden, a wealthy casino owner. According to recent opinion polls, she’s likely to be the next US Senator from the state of Nevada, thanks to a double-digit lead over the Democratic incumbent Harry Reid. At least, she was the main contender for Reid’s seat – until she started propounding her chicken-based healthcare plan.

On Monday Lowden appeared on a local TV programme, where she was asked about a mildly eccentric suggestion she had made that patients should haggle and barter with their doctors to save money on their medical bills. As you can see from the video clip above, she replied:

“You know, before we all started having health care, in the olden days, our grandparents, they would bring a chicken to the doctor. They would say I’ll paint your house…. In the old days that’s what people would do to get health care with their doctors. Doctors are very sympathetic people. I’m not backing down from that system.”

Sue Lowden ist die Spitzenkanditatin der Republikaner für den Senat im US-Bundesstaat Nevada. Sie hat bei einem Fernseh-Interview einen außergewöhnlichen Vorschlag zum Thema Gesundheitssystem gemacht und dabei daran gedacht, dass die meisten Amerikaner kein Geld haben, um sich ärztlich versorgen zu lassen: Den Naturalientausch.
Natürlich machen sich die superschlauen Mainstream-Denker in Politik und Medien angesichts dieses Vorschlages lustig über Sue Lowdon. Dabei steckt hinter derlei Äußerungen weit mehr als politische Verzweiflung im Hinblick auf die unlösbar erscheinenden Probleme.

Sue Lowdon ist bereit “quer zu denken” und das auf Kosten ihrer eigenen Karriere. Sie hinterfragt fest gefahrene und für jeden offensichtliche Fehlleistungen des bestehenden Systems. Und sie bringt diese Fehlleistungen in Verbindung mit der massiven Ungleichverteilung von Geld. Statt sich über ihre Idee lustig zu machen, täten zumindest die Medien gut daran, sich mit den hinter derlei Gedanken stehenden Fragen zu beschäftigen.
Das Nachplappern der Auswürfe jener immer gleichen “Experten”, die vor der Krise und bis heute immer alles zu wissen glaubten, muss doch angesichts der sich zuspitzenden Probleme irgendwann einmal aufhören?

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Geldnote: Warum die Mafia auf den 500-Euro-Schein abfährt

Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Staaten spielt der Bargeldumlauf in Italien mit 91 Prozent weiterhin die dominierende Rolle. Bargeldzahlungen sind allerdings im Gegensatz zu Kreditkarten oder Scheckkartenzahlungen anonym. Der Prozentsatz der Bargeldzahlungen beträgt 59 Prozent in Frankreich und 78 Prozent in Deutschland, wie aus der Studie der Banca d’Italia hervor geht.

Die Verwendung des 500-Euro-Scheins für Geldwäsche und Steuerhinterziehung sei ein starkes Argument für dessen Abschaffung, oder die Reduzierung seines Umlaufs, sagte der Wirtschaftsprofessor Nicola Borri in Rom. Der große Euroschein erleichtere den Geldtransfer über Grenzen, etwa zwischen Italien und der Schweiz, sagte er. Die Konzentration von 500-Euro-Noten ist in den Grenzregionen zur Schweiz und in der Nähe des Zwergstaates San Marino erhöht. In beiden Ländern sind die Geldwäschegesetze weniger streng als in der Eurozone.

Na das ist doch ein guter Anfang. Die italienische Notenbank kümmert sich aktiv um den Bargeldumlauf und untersucht die Hortung des 500,-€-Scheines.
Auch die Wichtigkeit des Bargeldes müsste manche überraschen, wo viele doch glauben Bargeld spiele keine Rolle mehr im Zahlungsverkehr.
Man darf gespannt sein, ob diese “Forschungen” auch dazu führen, Bargeld als ein öffentliches Gut wiederzuentdecken und für seinen steten Umlauf zu sorgen.

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