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"Bankrun 2010" Kollektives Geldabheben als zu hinterfragende Demonstration der Macht des Volkes
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Enquete-Kommission Wachstum soll Arbeit aufnehmen

Griechenland braucht Regiogeld – Eckhard Behrens

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Manche reden auch Klartext…

… doch wird es zu selten wahrgenommen, bzw. führt nur zu bescheidenen Reaktionen bei den eigentlich Betroffenen: Uns allen

Der Monitor bringt es mit dem nachfolgenden Beitrag auf den Punkt.

Es wird überdeutlich, dass das “Auf-Zeit-spielen” der Politik den Steuerzahlern einen immensen Schaden zufügt. Statt zeitnah aktiv die Insolvenz Griechenlands zu betreiben, geben die politischen Maßnahmen allen privaten Gläubigern der griechischen Staatspapiere  genügend Zeit rechtzeitig aus dem Risiko zu gehen und dem Steuerzahler am Ende die ganze Last aufzubürden.  Die Haltung der Politik eröffnet den Akteuren am Kapitalmarkt Formen der Spekulation, die man angesichts der aussichtslosen Lage der griechischen Wirtschaft als “Leichenfledderei” bezeichnen kann.

Dabei liegt die Schuld nicht bei den Spekulanten, die immer versuchen werden, aus jeder Lage Profit zu schlagen. Nein, das schändliche ist die feige Politik, die es nicht wagt gestaltend zu handeln, um die Menschen in Griechenland und dem Rest von Europa vor der Schmach eines endlosen wirtschaftlichen Niedergangs zu bewahren- mehr noch – ganz Europa in den Abgrund zu reissen:



Das gibt es nur im Kapitalismus: Die Insolvenz

Doch warum findet sie gerade dann keine Anwendung, wenn sie dringend erforderlich wäre?

Langsam, Langsam, wir sind in Griechenland!

Wie sympathisch klingt dieser Satz doch jedem Griechenland-Urlauber im Ohr, wenn ein Einheimischer einem lächelnd die Hektik des eigenen Handelns und Denkens in die gemächliche Schönheit Griechenlands überführt. “Ziga, Ziga” oder “Avrio” sind die Vokabeln, die dem gestressten Urlauber als erstes quasi “inflationär” begegnen. “Langsam, Langsam” und “morgen”.
Die Uhren gehen in Griechenland schon immer anders.
Auch die Strukturen griechischen Geschäftemachens haben eine ganz andere Tradition und unterliegen ganz anderen – vor allem ungeschriebenen – Gesetzen, als in den nördlicheren europäischen Ländern. Ein Netzwerk aus Beamten, kirchlichen Würdenträgern und Unternehmern, geschmiert durch einen eigenen Geldkreislauf bestimmt die regionale Politik und bestimmt auch den Grad an Abhängigkeit zu Athen.
Der Außenhandel Griechenlands spielt sich auf tausenden sonnenverwöhnter und idyllischer Inseln ab, die von Athen durch große Entfernungen und ein tiefblaues Mittelmeer auf eine Weise getrennt ist, wie wir “Festland-Europäer” uns das gar nicht vorstellen können.
Was jedem, der ein paar Mal in Griechenland in Urlaub war, auffällt und worüber man sich auch keine negativen Gedanken gemacht hat, wird in einem durch den Euro vernetzten Europa jetzt zu einem massiven Problem.

Die griechischen Finanzprobleme von heute waren absehbar.

Weder der Grad der Korruption in Griechenland, noch der eklatante Leistungsunterschied der griechischen Volkswirtschaft im Vergleich zu den anderen Ländern können als eine neuere Entwicklung hingestellt werden.
Wir haben kein Recht dazu, den Griechen unser System, geschweige denn unsere Mentalität und unser Leistungsdenken aufzuzwingen.
Der erste politische Fehler war also die blauäugige Übernahme von Griechenland in die europäische Währungsunion. Heute danach zu rufen, dass die Griechen sich gefälligst an die Gepflogenheiten der westlichen Länder anpassen sollen, ist dumme Politik. Die Griechen jetzt dazu zu zwingen, dass Sie drastische Sparmaßnahmen im eigenen Land durchführen ist zwar logische Folge dummer Politik, deshalb aber nicht klüger.
Konnte sich Griechenland zu Zeiten der Drachme durch Abwertung der Währung im internationalen Handel (der ja hinsichtlich des Exportes im Grunde nur aus Tourismus besteht) behaupten, so gibt es dieses Regulativ innerhalb des Euro nicht mehr. Dem Handelsbilanzdefizit Griechenlands lässt sich zwangsläufig nur durch immer größer werdende Verschuldung begegnen. Das wiederum findet sein natürliches Ende in der Zahlungsunfähigkeit, welche durch steigende Zinsen noch schneller herbeigeführt wird.

Was also kann man tun?

Ganz sicher wertlos sind lebensverlängernde Maßnahmen, die nicht die Ursache der Probleme berücksichtigen. Das ist aber das Konzept der verantwortlichen Politiker. Muss man studiert haben, um zu wissen, dass Sparmaßnahmen nur zu einem sich selbst verstärkenden Teufelskreis in Griechenland führen und die Katastrophe am Ende nur noch größer wird?
Gewiss nicht.
Doch für andere Schritte braucht man die Kraft der Erkenntnis und den Mut, neue Wege zu gehen.
Wir sollten uns möglichst schnell daran gewöhnen, eines der wichtigsten Prinzipien des Kapitalismus auch auf der Ebene von großen Banken und ganzen Ländern Anwendung findet: Die Möglichkeit zahlungsunfähig und insolvent zu werden. Was im Kleinen zählt muss auch im Großen möglich sein. Das mag schmerzen, aber solange wir nicht über Systeme nachdenken, die dermaßen schmerzhafte Schritte weitgehend unmöglich machen, solange müssen wir die zwangsläufigen Folgen unseres untauglichen Systems ertragen.

Auf dem Weg zu etwas Neuem muss man sowieso das Alte erst einmal beenden. Eine Insolvenz ist auch bei Großbanken und ganzen Staaten keine Katastrophe solange sie nur rechtzeitig angemeldet wird. Die Politik betreibt sowohl im Falle der Großbanken, als auch hinsichtlich der Länder wie Griechenland Insolvenzverschleppung. Unternehmer, die bei Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit nicht rechtzeitig Insolvenz anmelden, steckt man ins Gefängnis!
Mit fortdauernder Zeit wird die Katastrophe, die am Ende zu erwarten ist, immer größer. Noch gäbe es Wege, wie man handelnd die Dinge auf eine zukunftsfähige Bahn bringen könnte.

Ich heiße weder Korruption noch Faulheit oder Trägheit für gut, aber ich halte überhaupt nichts von einer Politik, die sich darauf konzentriert Menschen zu Handlungen zu zwingen, die weder mit ihrer Tradition noch mit ihrem Selbstverständnis vereinbar sind. Die Folge kann nur Gegenwehr sein. Was wir brauchen ist eine Politik mit Rahmenbedingungen, innerhalb derer das der Gemeinschaft Förderliche belohnt und das Schädliche zu Nachteilen führt. Damit bringt man Menschen zu verändertem Handeln. Der Schlüssel dazu ist das Geldsystem.

Für mich sind die Erfolg versprechenden Schritte:

  1. Griechenland in eine geordnete Insolvenz führen, bei der es sein Gesicht wahren kann und seine Chancen für einen Neuanfang in der Staatengemeinschaft aufgezeigt werden. Die Insolvenz sollte mit einer transparenten Informationspolitik begleitet werden und deutlich machen, dass die Politik das Primat über den Finanzmarkt beansprucht. Die konsequente Nutzung des bewährten Insolvenzrechts ist die letzte Chance, aktiv auf das Geschehen einzuwirken. Alles andere ist “Insolvenzverschleppung” und endet im Chaos.
  2. Eine “regionale” Währung für Griechenland konzipieren, die den Besonderheiten der griechischen Bevölkerung Rechnung trägt.
  3. Konzepte für eine “Ausgleichswährung” entwickeln, die im internationalen Wirtschaftsverkehr für den Ausgleich zwischen den verschieden leistungsfähigen Volkswirtschaften sorgt. Vorbild könnten dabei der “Bancor” von John Maynard Keynes und die IVA (Internationale Valuta Assoziation) von Silvio Gesell sein.
  4. Eine Geldordnung konzipieren, die Mensch und Natur in den Mittelpunkt stellt, die Selbstvermehrung von Geldvermögen und damit die zerstörerische Spekulation unterbindet.
  5. Den Europäischen Gedanken auf Basis einer vom Kapitalismus befreiten Marktwirtschaft neu gestalten und ihm eine neue Chance geben.
  6. Ein Gesellschaftsmodell, wie beispielsweise die “Soziale Plastik” von Joseph Beuys, mit Leben füllen und dauerhaft weiterentwickeln

Noch können wir eingreifen und neu gestalten. Doch allzu lange bleibt dieses Zeitfenster nicht geöffnet. In Fragen der Ordnungspolitik braucht es jetzt die Mentalität der Deutschen, mit ihrer Tatkraft und der Uhr im Auge.

Andreas Bangemann, 20.6.2011

Iren sind menschlich

Nach unzähligen Banken, dem Staat Griechenland ist es nun Irland, das in die Zahlungsunfähigkeit schliddert. Einmal mehr kann ein Schuldner seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen und wird durch Steuerzahler ersetzt. Schlappe 200 € von jedem Bürger der Europäischen Union – vom Neugeborenen bis zum Greis – fließen… ja wohin fließen sie denn eigentlich? 

Dahin, wo die Milliarden auch bei allen anderen Rettungsschirmen und -paketen geflossen sind: Zunächst zu den Banken und von dort zu den Geldanlegern, die sich gemäß diesem Verteilungsmuster die “Beute” teilen:

 

Die Geldvermögen der reichsten 20 % der Bevölkerung werden mit den Steuermilliarden gerettet! Unter diesen sehr Reichen gibt es noch einmal eklatante Vermögensunterschiede, so dass ersichtlich ist: alle zahlen, sehr wenige kassieren.

Der Ursprung – ja die Voraussetzung – der nicht mehr zu bedienenden Schulden sind die Geldvermögen. 

Durch die Rettungsmaßnahmen sind die Voraussetzungen für das weitere – wie in der Grafik ersichtlich – exponentielle Wachstum der Geldvermögen geschaffen worden. Und damit auch für das Wachstum der Verschuldung. Die Politik befindet sich in Geißelhaft der Geldvermögen. Die Steuerzahler sind die Letzten, welche das geforderte Erpressungsgeld bezahlen können. Doch das Ende ist absehbar.

Es erscheint unbegreiflich, wie es möglich ist, eine solche Politik tatsächlich bis zum bitteren Ende durchhalten zu können. Sind wir alle bereits in einer Art politischer und ökonomischer Todesstarre befindlich?   

Wir erdulden quasi zur gleichen Zeit die Milliarden-Verschwendung für ein sinnloses Unterfangen und die Kasteiung durch ein nie dagewesenes Sparpaket, das von unseren Volksvertretern in dieser Woche verabschiedet wird. 

Mit jeder weiteren Rettung – und derer stehen uns noch weitere bevor – kommen wir einem leidvollen Zusammenbruch näher. Wenn wir das verhindern wollen, dann müssen wir uns Gedanken zu einem sofortigen Stopp der laufenden Maßnahmen entschließen und grundsätzlich neu nachdenken. Wir müssen aus der tödlichen Entwicklung der Vermögens- und Schuldenexplosion entkommen und das gelingt nur durch eine totale Erneuerung des Wirtschaftssystem, insbesondere der Geld- und Bodenordnung.

Das Unbegreifliche in diesem Zusammenhang ist, dass dieses Feld bereitet ist, aber nahezu alle maßgeblichen Entscheider trotzdem an dem garantiert zum Untergang Führenden festhalten. Was für eine Welt?!

 

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Geordnete Insolvenz – Wie Europa krisensicher werden kann

Vorschläge gibt es dazu reichlich. Snower fordert beispielsweise eine Schuldenkommission, die auf europäischer Ebene darüber wacht, dass die nationalen Regierungen ihre Konsolidierungsziele einhalten. Thomas Mayer, der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, fordert gar ein europäisches Pendant zum IWF: "Die EU muss einen Europäischen Währungsfonds EWF schaffen – mit dem man Krisen managen und eine mögliche staatliche Insolvenz geordnet abwickeln kann."Er soll die finanzpolitische Stabilität der Euro-Staaten überwachen und angeschlagenen Ländern im Notfall finanziell helfen können – die dafür im Gegenzug harte Sparbedingungen erfüllen müssten. Die Kritik an dem Modell: Er könnte Euro-Staaten verführen, unsolide zu wirtschaften – im Notfall hilft ja der EWF. Mayer hält dagegen, dass genau deshalb ein Konkurs möglich sein muss, bei dem die Gläubiger auf einen Teil ihres Geldes verzichten müssen.Geordnetes Insolvenzverfahren Auch verlangen Ökonomen und Politiker, dass der Währungsraum einen bankrotten Staat abwickeln kann, ohne dass es im Bankensystem und an den Märkten zu großen Verwerfungen kommt. "Wir brauchen ein geordnetes Insolvenzverfahren", sagt Clemens Fuest, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des Bundesfinanzministeriums. Ein Land, das Schwierigkeiten habe, könne einmal geholfen werden – aber kein zweites Mal. Dann müsse es in die Insolvenz.

viaSchulden: Wie Europa krisensicher werden kann – Nachrichten Wirtschaft – WELT ONLINE.

Man darf gespannt sein, wie viel Steuergeld noch im Finanzmarkt versenkt wird, bis man in der Politik diese Vorschläge aufgreift und umsetzt.

Angela Merkel in Wuppertal

Weitere Bilder diesem Link folgen

Angela Merkel, Jürgen Rüttgers, Roland Koch, Ole von Beust und viele Landtags- und Bundestagsabgeordnete der CDU haben neben dem Beifall, der ihnen aus dem Block mit “geladenen” Gästen sicher war, aber auch den Gegenwind in Form von lautstarken Protestgruppen gespürt. Lokale Organisationen machten ebenso ihrem Unmut Luft, wie Greenpeace, die auf die Atompolitik der CDU aufmerksam machte.

Die Sprecher der CDU-Spitze sind in den letzten 100 Stunden des Wahlkampfes wohl bereits etwas dünnhäutig geworden, denn ein ums andere Mal reizten sie die aufgebrachten Protestierenden mit persönlichen Angriffen. Neben vielen landesbezogenen Themen, ging es natürlich auch in nahezu allen Reden um die derzeitige Krise des Euro und der Griechen. Allgemeiner CDU-Tenor: die Griechen sind selbst schuld an ihrem Dilemma und Hilfen sind an strenge Sparauflagen gebunden, welche die griechische Regierung in ihrem Land umzusetzen habe. Angela Merkel entsprang gar sinngemäß die Formulierung “erst müsse Griechenland die Bedingungen erfüllen, dann gebe es das Geld”. Wie jeder wissen müsste, sind die Finanzhilfen aber schon beschlossene Sache. Doch die Wähler – auch in NRW – werden sich in diesem Punkt wohl kaum noch Sand in die Augen streuen lassen. Der Regierungshubschrauber hebt aus der Stadt der weltberühmten Schwebebahn ab. Und Angela Merkel kommt aus dem Tal, indem sie…

ach sehen sie doch selbst:

Heute Griechenland, morgen wir « Hinter den Schlagzeilen

Nun hat es also auch eine „klassische“ europäische Nation getroffen. Und weder die Schweiz noch die reichen EU-Staaten sollten sich der Illusion hingeben, sie würden für immer von einer Entwicklung wie in Griechenland verschont bleiben. Griechenland ist ein Bild dessen, was ihnen in der Zukunft widerfahren könnte. Staatsbankrotte sind die natürliche Folge einer Entwicklung, die über Jahrzehnte zu beobachten war und die in der Natur des Zinssystems angelegt ist. „Wir haben versucht, auf der Schussfahrt zu wenden“ sang Herbert Grönemeyer über den Krebstod seiner Frau. Der Zins ist der Krebs des Finanzsystems. Alle Anstrengungen, die Staatsverschuldung abzubauen oder auch nur zu stoppen scheitern nicht nur an der Eigendynamik der Exponentialkurve, sondern auch an der Böswilligkeit der mächtigen Profiteure und an der Schwäche der Volksvertreter, die sich ihnen ausgeliefert haben.

Verschuldung verleiht dem Geld – und damit denen, die es besitzen – eine überproportionale Bedeutung, die für das Gleichgewicht der Kräfte innerhalb einer Gesellschaft tödlich ist. Wer in einer Situation, wo Geld an allen Ecken und Enden fehlt, über ausreichende Liquidität verfügt, bestimmt die Gesetze des Handelns. Er kann dem Bittsteller – also uns allen – seine Bedingungen aufzwingen. Wie man am Beispiel vieler Länder der Dritten Welt und jetzt am Beispiel Griechenlands gesehen hat, läuft es immer auf das gleiche hinaus: „Wir retten euch, aber nur unter ganz bestimmten Bedingungen: Privatisierung, Deregulierung, Sozialabbau.“ Und niemand sollte meinen, die Mächtigen würden plötzlich von Mitleid ergriffen werden und davor zurückscheuen, uns, die „europäischen Kulturnationen“ platt zu machen. Raubtiere kennen eine Beißhemmung, der so genannte Raubtierkapitalismus nicht.

Roland Rottenfußer, verantwortlicher Redakteur des Webmagazins “Hinter den Schlagzeilen” von Konstantin Wecker, beschriebt eindrucksvoll die Situation. Der ganze Beitrag ist sehr lesenswert

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Der europäische Gedanke in höchster Gefahr


Bild Von Martin Bangemann, North Carolina © 2010, Martin Bangemann

Domino-Party

Nach dem Vorbild der Boston-Tea-Party wird es wohl den bürgerlichen Widerstand gegen politische Hilflosigkeit und Konzeptlosigkeit brauchen. Das Bild des Staates und der Volksvertreter als Gejagte eines entfesselten Kapitalmarktes ist für immer mehr Menschen unerträglich.
Ganz offensichtlich schlittern die Staaten und mit ihnen ihre Bürger immer tiefer in einen Schlamassel, aus dem ein Ausweg nicht erkennbar ist.
Sicher scheint nur, dass die Politik zu Handlungen gezwungen wird, die durch den Kapitalmarkt diktiert werden. Möglich wird das, weil über allem der Zusammenbruch des gesamten Wirtschaftssystems schwebt. Zu dessen Rettung erklärt man sich zu allem bereit, koste es was wolle.
Die Frage, nach dem “Warum?” ist sinnlos geworden. Die Politik reagiert nur noch.

Bedeuten die Rettungsversuche nichts anderes als ein Hinauszögern des Zusammenbruchs? Wird dieser Zusammenbruch nicht durch jede lebensverlängernde Maßnahme nur noch schmerzhafter?
Das kurzfristige Denken in der Wirtschaft – gerade noch bis zum nächsten Quartalsergebnis – ist auch in der Politik Usus geworden. Kein Innehalten, kein tiefer gehendes Nachdenken, keine Spur von Nachhaltigkeit.

Erdrückende Schulden

Mit dem stets als heilvoll angesehenen Wachstum der Geldvermögen sind die Schulden mit gewachsen. Doch während alles natürliche Wachstum mehr den physikalischen Gesetzen gehorcht, unterliegt das der Schulden mehr den Gesetzen der Mathematik. Geldvermögen und Schulden verrotten im Laufe des Lebens nicht. Im Gegenteil sie wachsen um etliche Prozent pro Jahr nach den mathematischen Gesetzen der Zins- und Zinseszinsrechnung. Das kann viel Jahre und Jahrzehnte gut gehen, aber eben nicht ewig. Der reale Reichtum, das, was wir zu leisten imstande sind und das, was wir der Natur entnehmen können, unterliegen der zerstörerischen Kraft der Entropie. Das Wachstum dieses materiellen Reichtums müsste jedoch mit dem Wachstum der Geldvermögen und Schulden mithalten, wenn es nicht zum Zusammenbruch kommen soll.

Weil dem nicht so ist, gelangen wir an den Punkt der Nichtanerkennung von Schulden und Geldvermögen. Das dauerhafte positive Feedback der Zinseszinsen muss und wird durch Gegenkräfte ausgeglichen werden. Die Nichtanerkennung der Schulden äußert sich uns in drei möglichen Szenarien (oder einem Mix aus ihnen): Bankrott (Insolvenz), Inflation oder räuberische Besteuerung. Allen dreien lastet noch etwas Weiteres an, weshalb die Wahl zwischen ihnen – und davor stehen wir heute – nichts anderes ist, als die des kleineren Übels: sie rufen alle Gewalt hervor.

Sowohl die Insolvenz als auch die Inflation wären Lösungen, die zu einem sofortigen mit großen Risiken behafteten Handeln der Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft führen müssten und mit der Übernahme großer Verantwortung einherginge. Deshalb greift die Politik zu der das eigentliche Problem vertagenden räuberischen Erpressung.

Die Belastung der Steuerzahler mit angeblich unausweichlich notwendigen Zahlungen an die Schuldner, die als erstes unter der Last zusammenbrechen zu drohen, ist eine solche räuberische Erpressung. Die Drohung “Wenn Ihr nicht zahlt, wird alles zusammenbrechen” kann nicht anders bewertet werden. Man gaukelt uns vor, dass die Staatshilfen für die großen Banken und zahlungsunfähigen Staaten zurück fließen würden, wenn die jeweilig Begünstigten erst wieder auf die Beine gekommen sind. In Wahrheit besteht überhaupt keine Aussicht darauf.
Die Milliarden aus der EU und vom IWF fließen direkt in den Kapitalmarkt. Während Deutschland bei den Hilfen von der EU größter Zahler ist, sind wir bei den IWF-Krediten einer von vielen (Anteil derzeit 5,88%).
Griechenland wird mit den Krediten seine Zinsen bezahlen und seine auslaufenden Staatsanleihen. Die genaue Zahl, wie viel Geld Griechenland braucht um drei Jahre lang nicht auf Kredite vom Kapitalmarkt angewiesen zu sein, steht noch nicht fest, soll sich aber auf mindestens 120 Milliarden Euro belaufen.
Die Bürgerinnen und Bürger Griechenlands werden von den Hilfsmaßnahmen nicht einen Cent bekommen.
Griechenland wird mit dem bereit gestellten Geld ein Sparprogramm aufgezwungen, das die Bevölkerung niemals mittragen wird, denn es bedeutet eine dramatische Verschlechterung ihres Lebensumfeldes.
Und hinter dem Horizont, in dem malerisch die griechische Abendsonne im Meer versinkt, warten Portugal, Spanien und Italien auf ein ähnliches Schicksal. Spätestens, wenn die vermeintlich stärkeren Länder in der EU bis an ihre eigene Schmerzgrenze und der ihrer BürgerInnen gelangt sind, tritt die endgültige Nichtanerkennung der Schulden in Form der verbleibenden Szenarien in Gang.
Während das eigentlich zum Wesen des Kapitalismus gehörende Insolvenzrecht im Falle von Banken und Staaten im wahrsten Sinne des Wortes “ums Verrecken” nicht angewendet wird, wird die Nichtanerkennung durch Inflation das Spiel beenden müssen. Unruhen, Gewalt, Bürgerkrieg und unendliches Leid wird damit verbunden sein.

Gibt es einen Ausweg?
Ich behaupte noch gibt es ihn. Aber wir werden ihn schnell beschreiten müssen.
Wenn Politiker und alle an den derzeitigen Maßnahmen Beteiligte einmal offen die Wahrheit sagen würden, würde der Druck aus der Bevölkerung hin zu der letzten noch nutzbaren Chance wachsen.

Der Wahrheit die Ehre

Die Wahrheit ist: Mit allen bis jetzt geplanten Maßnahmen werden in erster Linie die Geldvermögen einer vergleichsweise sehr kleinen Elite gerettet. Die weltweite Verteilung von Geldvermögen ist ein offenes Geheimnis. Rund 10% der Weltbevölkerung gehört 85% der gesamten Geldvermögen Dabei handelt sich um eine Entwicklung die rasant zu Gunsten der Reichsten weiter läuft. Diese Verhältnisse spiegeln sich, marginal abweichend, auch in einzelnen Ländern bis in die EU hinein wieder. In Deutschland halten die reichsten 10% der Bevölkerung rund 2/3 des Gesamtgeldvermögens.
Damit ist aber auch klar, wer die Profiteure der Rettungsmaßnahmen von EU und IWF zu rund 70% sein werden: die reichsten 10% der Welt. Sie sind die Gläubiger, direkt oder indirekt, die das Geld von den Steuerzahlern aus den Ländern der EU erhalten werden. Das bezieht sich nicht nur auf Griechenland. Mit jeder Bankenrettung (HRE, IKB, usw.) werden die Steuerzahler zur Erhaltung einer über alle Maßen ungerechten Vermögensverteilung herangezogen. Dabei haben die Geldanleger ihr Risiko in aller Regel selbst gewählt. Heute stellt es sich so dar, dass die Staaten eine kostenlose “Versicherung” für Geldanlagen von Superreichen eingerichtet haben, an die nie jemand eine Zahlung geleistet hat.

Wann purzeln die Pfunde?
Wann purzeln die Pfunde? Bild © 2010, Martin Bangemann

Worin besteht also unsere Chance?

Zunächst müssen wir im System bleiben und die Insolvenz als ein aktiv eingesetztes Mittel (PDF) klug anwenden. Die EU kann als Insolvenzverwalter eingesetzt werden und – wie das auch Wirtschaftsleben tagtäglich geschieht – alles daran setzen, Griechenland zu retten. Die Gläubiger werden – wie bei jeder Insolvenz – auf große Teile ihrer Ansprüche verzichten müssen. Um den schützenswerten „kleinen Sparer“ nicht in einen Topf mit den Superreichen dieser Welt zu werfen, kann im Rahmen des Insolvenzverfahrens eine soziale Komponente zum Tragen kommen, die vorsieht, dass Geldvermögen in Einzelfällen bis zu einer gewissen Höhe ganz gesichert werden. Im Falle Griechenlands wird es solche Fälle nur indirekt geben, weil kleine Anleger bei Banken angelegt haben, die wiederum als Halter der Staatsanleihen fungieren. Der durch die Insolvenz Griechenlands und eventuell anderer Länder zu erwartende Dominoeffekt in Bezug auf Banken sollte bedacht werden, darf uns aber am Beschreiten des Weges, den diese letzte Chance bietet nicht hindern. Er kommt früher oder später sowieso. Jene Banken, die von der Griechenland-Insolvenz betroffen wären, wackeln alle schon seit langem. Die Insolvenz der Banken bietet die gleichen Chancen zu politischem aktivem Handeln, wie die der Länder. In diesem Szenario kann die Politik die Vorgaben machen und die Finanzmarktakteure können nur reagieren. In jedem anderen Szenario wäre es umgekehrt und am Ende stünde der totale Zusammenbruch.

Fazit und Ausblick

Die Insolvenz von Ländern und Banken ist steuer- und gestaltbar. Der Kapitalmarkt im heutigen Zustand nicht. Nach einer Insolvenz werden Schulden und Geldvermögen auf ein der Realwirtschaft angemessenes Maß zurückgeschnitten worden sein.

Natürlich gehört zu dem dann folgenden Neustart auch ein neues Geldsystem. Geld, das sich durch Zins und Zinseszins abgekoppelt von der Leistungskraft der Wirtschaft entwickeln kann, darf es nicht mehr geben. Geld muss den Gesetzen der Entropie unterworfen werden, wie alles in der Natur Vorhandene. Die Lösungsansätze dafür gibt es. Kluge und weitsichtige Denker, wie Silvio Gesell oder in der heutigen Zeit Helmut Creutz haben entscheidende Vorarbeit dazu geleistet. Darauf aufbauend Zukunftslösungen zu entwickeln wird unsere letzte Chance sein, wenn wir den totalen Zusammenbruch vermeiden wollen.

Wann ist ein Staat pleite?

Ein Land ist dann pleite, wenn es keinen Kredit mehr bekommt. Wann bekommt es keinen Kredit mehr? Wenn kein Vertrauen in die Rückzahlung desselben besteht. Das Problem an der simplen Gleichung: Am Kapitalmarkt herrschen andere Bedingungen als in der rationalen Physik. Je mehr Anleger glauben, dass ein Land Probleme hat, seine Schulden zurückzuzahlen, desto höhere Zinsen muss das Land bieten; und je höher die Zinsen, desto wahrscheinlicher ist es, dass das Land die Schulden nie wird zurückzahlen können.

Deshalb ist Vertrauen das allerhöchste Gut im Kapitalismus.

Sehr lesenswerter Beitrag von Robert von Heusinger in der Berliner Zeitung.

Die Macht des Vertrauens, das der Kapitalmarkt in Staaten, Einrichtungen oder Unternehmen steckt oder eben nicht, hängt in erster Linie vom Volumen des Marktes ab. Je mehr Geld in diesem Markt nach Anlagen sucht, um so mächtiger wird der Hebel, wenn diese Summen in Bewegung geraten. Hinzu kommt, dass einzelne große Banken oder Konsortien innerhalb des Marktes die Vorreiter in Bezug auf Vertrauen schenken und Vertrauen entziehen sind und dann ein Herdentrieb erfolgt.
Die Macht dieses Kapitalmarktes hat sich gespeist aus dem nach mathematischen Gesetzen wachsenden Geldvermögen weltweit. In dem Maße, in dem diese Geldvermögen sich von den Notwendigkeiten der Realwirtschaft abgekoppelt haben, haben sie die Macht des Finanzmarktes gestärkt. Die rasante Entwicklung der Technik hat ihr übriges getan.
Die extreme Ungleichverteilung von Geldvermögen spiegelt sich natürlich auch am Kapitalmarkt, wenngleich auch unter anderen Vorzeichen.
Dennoch bietet der Markt Einzelnen, denen man innerhalb des Marktes besonders vertraut, gute Chancen das Marktgeschehen maßgeblich zu beeinflussen. Ein gutes Beispiel aus vergangenen Tagen: George Soros.
Soros kommt aus dem griechischen und heißt “Haufen”. Vielleicht musste es deshalb George Soros sein, der zeigt wie man mit viel Geld das Marktgeschehen im Sinne eines einzelnen Akteurs beeinflusst.

Durch diese Macht des Kapitalmarktes konnte es geschehen, dass die Politik zum Getriebenen des Marktgeschehens wurde. Das war in Zeiten undenkbar, als die Spekulation noch “eine Blase auf dem Meer der Realwirtschaft” (Keynes) war.
Wer die Staaten wieder zum Herr des Geschehens machen will – und dieses Interesse sollte eigentlich jede Bürgerin und jeder Bürger dieser Welt haben – muss an den Regeln dieses Marktes selbst nicht viel ändern. Er muss hauptsächlich das Zustandekommen dieser immensen Geldmengen einschränken, die ohne realwirtschaftlichen Bezug die wahre Macht des Kapitalmarktes ausmachen. Und dazu müsste man das Geldsystem auf grundlegend neue Füße stellen.

Posted via web from HUMANE-WIRTSCHAFT