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Sommertagung in Nürnberg 8.6.2013

Die diesjährige Sommertagung in Nürnberg bietet allen Interessierten wieder informative Vorträge und Raum und Zeit für spannende Diskussionen.

Am 8.6.2013 ab 10 Uhr wird es folgende Vorträge geben:

Dr. Christoph Körner”Glaube, Geld, Zins, Jesu, Tempelreinigung”

Steffen Henke “Bricht unser Finanzsystem zusammen?”

Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger “Es geht auch ohne Krise”

Zum Ende des Tages dann auch noch eine künstlerische Darbietung des Bewegungskünstlers Jonathan Ries, der die Robinsonade von Silvio Gesell auf außergewöhnliche Weise in Bewegungstheater umgesetzt hat.

Weitere Informationen sind im Link hinter diesem Bild zu finden:

Das Programm der Tagung als PDF-Datei

HUMANE WIRTSCHAFT 03/2013 eBook

Die HUMANE WIRTSCHAFT 03/2013 nun auch wieder als E-Book.
Ein paar Probleme mit der Technik führten zur Verspätung unserer aktuellen Ausgabe als eBook. Die .mobi-Version, die beispielsweise mit dem Amazon-Kindle-E-Book-Reader gelesen werden kann, steht aber nun in unserem Shop für 4,- € zum Download bereit.

Hier geht’s zur Bestellung

Kindle-Version der Zeitschrift

“Kunst der Freiheit” als Motto auf den Tagen der Nachhaltigkeit in Brixen

Von 23. bis 26. Mai 2013 finden in Brixen die Tage der Nachhaltigkeit statt. Die HUMANE WIRTSCHAFT ist mit einem Infostand vertreten.

Frei für neue Wege und neues Denken

„Die Kunst der Freiheit“: um dieses Thema drehen sich die Tage der Nachhaltigkeit „think more about“, die vom 23. bis 26. Mai 2013 im Forum Brixen und im Bildungshaus Kloster Neustift stattfinden. Dabei sind über 40 Persönlichkeiten aus aller Welt, um neue Ansätze für eine zukunftsfähige und innovative Unternehmensführung und ein nachhaltiges Wirtschaften zu diskutieren. Veranstalter des Kongresses sind Terra Institute und das Bildungshaus Kloster Neustift in Zusammenarbeit mit den Universitäten Bozen und Innsbruck.

Was ist Freiheit

Wenn man einen Menschen fragen würde, was er braucht, um sich richtig frei zu fühlen, würde er vermutlich mehr Geld sagen. Mit genügend Geld, so scheint es, ist man befreit von den meisten Pflichten, befreit von der Überlebensangst, frei überall hinzugehen, frei alles anzuschaffen, was das Herz begehrt. Nur, in dem derzeitigen Finanzsystem ist Geld als zinsbringende Schulden geschaffen. Viele Menschen sind der Meinung, dass Geld die Menschen genauso versklavt, wie die Schulden es tun. Die finanzielle Sicherheit ist schwer einzuschätzen, für die meisten ist es nie genug. Vielleicht ist Geld ein Ersatz für etwas, das man nicht kaufen kann, für die Gemeinschaft. Wahre Freiheit komme nicht von Unabhängigkeit, sondern von gegenseitiger Abhängigkeit. In einer Welt, die sich in ihrem endlosen Streben nach ökonomischen Wachstum selbst zerstört, können wir vielleicht etwas von dieser Art der Freiheit und Sicherheit durch die Gemeinschaft lernen. Der Beginn einer Ökonomie des Teilens ist bereits auf lokaler, wie auch auf globaler Ebene sichtbar. Diese Gedanken des Schriftstellers Charles Eisenstein fassen die Botschaft gut zusammen, die Günther Reifer vom Terra Institute und Andreas Wild vom Bildungshaus Kloster Neustift – die Organisatoren der Tage der Nachhaltigkeit – geben möchten.

Foto (von links): Andreas Wild (Bildungshaus Kloster Neustift), Ibrahim Abouleish (Träger des Alternativen Nobelpreises, Gast in Brixen im Jahr 2011), Evelyn Oberleiter und Günther Reifer (Terra Institute)

Freiheit und verantwortbarer Wohlstand

Bis vor einigen Jahren wurde die permanente Steigerung des Güterwohlstandes, des  Wirtschaftswachstums und der Ressourcennutzung nicht in Frage gestellt, sondern mit Freiheit und Fortschritt assoziiert. Nicht immer mit positiven Konsequenzen. Die offenkundige Verwechslung zwischen Effizienz und Plünderung wirft zwei Fragen auf: wo liegen die Grenzen für einen verantwortbaren Wohlstand und gibt es eine Freiheit, die heute an Ethik, Partizipation, Erfolg aber auch an Verantwortung gekoppelt ist. „Insbesondere Unternehmen spielen eine zentrale Rolle, damit eine zukunftsfähige Entwicklung die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass die nächsten Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“, so Reifer und Wild.

Der Wirtschaftswissenschaftler Niko Paech ist einer der wichtigsten Vordenker zum Thema „Postwachstumsökonomie“ in Deutschland und prominenter Gast bei den Tagen der Nachhaltigkeit „think more about“ zum Thema „Die Kunst der Freiheit“ – die vom 23. bis 26. Mai von den Initiatoren Terra Institute und Bildungshaus Kloster Neustift gemeinsam mit den Universitäten von Bozen und Innsbruck bereits zum dritten Mal in Brixen organisiert werden.

Niko Paech sieht die Postwachstumsökonomie als mögliche Versorgungsform. Sie würde auf eine drastische Reduktion der industriellen Produktion hinauslaufen, erstens die ökonomische Stabilität der Versorgung (Resilienz) stärken, zweitens keine Verzichtsleistung darstellen. Wenige Dinge intensiver zu nutzen und deshalb Optionen souverän zu ignorieren, bedeutet Stressfreiheit und höheren Genuss. Paech sieht in der Regionalität, in der Selbstversorgung und im bescheidenen Konsum die ökonomische Souveränität, welche einerseits die Kaufkraft in der Region stärkt und andererseits Finanzspekulationen keinen Raum lässt.

Freiheit, Wirtschaft und Gemeinwohl

Wirtschaft und Freiheit stehen in einem Hochenergieverhältnis. Einige verbinden Freiheit mit Kapitalismus, andere wollen die wirtschaftliche Freiheit mit sozialen und ökologischen Aspekten regulieren. Wie ist das Verhältnis von Rechten und Pflichten, von Freiheit und Verantwortung in der Wirtschaft? Nichts ist umstrittener und ideologischer als der Freiheitsdiskurs. Deshalb sind Definitionen nötiger denn je. Christian Felber, Initiator der „Gemeinwohl-Ökonomie“, tastet sich Schritt für Schritt an politische und ökonomische Grundbegriffe heran. Die Gemeinwohl-Ökonomie ist eine Systemalternative zur kapitalistischen Marktwirtschaft, die weltweit bereits von mehr als 1000 Unternehmen unterstützt wird. In der letzten Zeit sind auch Gemeinwohlgemeinden und -regionen entstanden, wie im Vinschgau. Im Rahmen des Kongresses wird Felber die Projekte und Maßnahmen für Verwaltung, öffentliche Wirtschaft, Privatwirtschaft, BürgerInnenbeteiligung anhand erster internationaler Erfahrungen vorstellen: Gemeinwohl-Bilanz, Pionierunternehmen-Lerngruppen, kommunaler Lebensqualitätsindex, demokratischer Wirtschaftskonvent, Alternativen zum Finanzsystem. Darauf aufbauend wird der Blick auf die Gemeinwohl-(Modell-)Region geweitet: Im Verbund mehrerer Gemeinden sind viele weitergehende Maßnahmen möglich, von der regionalen Wirtschaftsförderung und einem Gemeinwohl-Hub über Regionalmarketing und die Entwicklung einer Regionalmarke bis zur Begründung von Gemeinwohl-Banken und Einführung einer Regionalwährung sowie die Gründung von Bürgerbeteiligungsgesellschaften, welche die Grundversorgung demokratisch und nachhaltig absichern.

Der Kongress mit prominenten Gästen und der Seminartag in Neustift

Weitere renommierte Persönlichkeiten kommen nach Brixen: die Pionierin der New-Economy-Bewegung und Preisträgerin des Alternativen Nobelpreises Helena Norberg-Hodge, der Gründer des „Movimento per la decrescita felice” Maurizio Pallante, die deutsche Journalistin und Autorin Kathrin Hartmann, die erzählen wird, wie die Industrie die Lohas (Life style of Health and Sustainability) und Lifestyle-Ökos vereinnahmt, der Professor für Zukunfts- und Bildungsforschung Gerhard de Haan, der Oecotrophologe und Mitbegründer des Fachgebiets Ernährungsökologie Karl von Koerber, die Unternehmerin Carla Poli, die ein innovatives Recycling Center in Norditalien aufgebaut hat.

Über 40 ReferentInnen und QuerdenkerInnen aus dem In- und Ausland werden im Zuge des Wirtschaftskongresses Ansätze zu nachhaltigem Handeln und Wirtschaften aufzeigen.

Am Donnerstagabend steht eine Podiumsdiskussion mit internationalen Experten und Südtiroler Wirtschaftsvertretern auf dem Programm. Am Freitag bieten 15 Parallelworkshops die Möglichkeit, die Bereiche Unternehmen, Politik, Lebensstile, Bildung und Soziales zu vertiefen.

Am Samstag bietet im Bildungshaus Kloster Neustift eine Fülle von Seminaren den Rahmen für Fragen rund um zukunftsweisende Wirtschaftsformen und Brennpunkte wie lokale Kreisläufe, Gemeinwohl, Entschleunigung, Bildung, ökologische Ernährung, Mode, Sinnerfüllung, Innovation, Geld, Zinsen und Finanzen.

„think more about bio region Südtirol“

Bis 2030 soll Südtirol eine Region sein, in der ausschließlich biologische Landwirtschaft betrieben wird. Denn die regionale und biologische Landwirtschaft ist die Basis für die Zukunftsfähigkeit des Landes. Davon sind die Promotoren des Bio-Bauernmarktes und der Biomeile der Verarbeiter- und Handelsbetriebe am 25. Mai am Großen Graben in Brixen überzeugt. Biobauer, Bioproduzenten und Bioverarbeiter wollen dazu beitragen, die regionalen Kreisläufe aufzubauen, die biologische Vielfalt zu fördern und die Vernetzung zwischen Wirtschaftsakteuren und Konsumenten zu stärken. So bietet die Bioregion Südtirol Antworten auf die sozialen, ökologischen und ökonomischen Fragen der heutigen Zeit.

Teilnehmen, mitdenken und mitgestalten

Die Tage der Nachhaltigkeit bieten eine abwechslungsreiche Mischung: den Besucher erwartet eine internationale Denk- und Ideenschmiede, welche ihn zu nachhaltigem Handeln inspirieren, ermutigen und dabei unterstützen will, gemeinsam neue Visionen zu entwickeln und Verantwortung für ein gesundes, globales Miteinander zu übernehmen.

Die Teilnahme am Rahmenprogramm steht allen offen und ist kostenlos, für den Wirtschaftskongress und die Seminare ist eine schriftliche Anmeldung erforderlich.

Informationen und Anmeldungen unter www.thinkmoreabout.comoder beim Bildungshaus Kloster Neustift, Tel. 0472 835588.

Daten zu „think more about – Tage der Nachhaltigkeit“

Wirtschafts-Kongress

Thema 2013: Die Kunst der Freiheit

Datum: 23.(abends)/24. Mai 2013

Ort: Forum Brixen

Angebot: 9 KeyNotes, 15 Parallel-Workshops, 1 Podiumsdiskussion

Sprachen: deutsch / italienisch

Preise: Tickets Kongress: 50€ Studenten, 100€ Privatpersonen, 150€ Unternehmen

Vertiefende Seminare

Datum: 25. Mai 2013

Ort: Bildungshaus Kloster Neustift

Angebot: 11 Seminare zu wirtschaftlichen, persönlichen, gesellschaftlichen oder politischen Aspekten von Nachhaltigkeit

Preise: 50€ Studenten, 100€ Privatpersonen, 150€ Unternehmen

Kombipreis Kongress und Seminar: 75€ Studenten, 150€ Privatperson, 250€ Unternehmen

Info: www.thinkmoreabout.com

Die Chance auf Vollbeschäftigung

in Deutschland wähnen sich schon viele konservative Wirtschaftspolitiker auf dem Wege zur Vollbeschäftigung. Davon sind wir aber noch weit entfernt, wenn man die Arbeitslosigkeitsstatistiken seit 1950 betrachtet, die Sie auf der FAZ-Internetseite grafisch dargestellt finden. DIE WELT wurde durch die aktuelle Diskussion um Lohnuntergrenzen zu einem dramatischen Warnruf “Wir werfen die Chance auf Vollbeschäftigung weg” provoziert:

Als Beispiel angebotspolitischen Denkens ist dies ein ganz lesenswerter Artikel!! – Aber die Wirtschaft besteht aus Angebot u n d Nachfrage. Vollbeschäftigung ist nicht nur (!) durch Flexibilisierung zu erreichen. Da fehlt es letztlich doch an Preiselastizität. Wir brauchen deshalb auch eine hinreichende gesamtwirtschaftliche Nachfrage, um die bestehenden (noch so unproduktiven) Kapazitäten rasch (!) wieder voll auszulasten.

Es ist auch noch folgendes zu bedenken: Wenn die Gesamtnachfrage als feste Größe unterstellt wird, kann mehr Beschäftigung, die durch Lohnsenkungen herbeigeführt wird, nur das Ergebnis eines steigenden Waren- und Dienstleistungs-Angebots und folglich sinkender Preise haben. Das ist der Anfang eines Marsches in die Deflation, in der nur noch dramatischere Lohnsenkungen die Beschäftigung aufrechterhalten könnten; wir wissen aber, dass in der Deflation die Beschäftigung sinkt. Flexibilisierung der Löhne und sonstigen Arbeitsbedingungen ist gut, aber nicht zur Überwindung der Konjunkturprobleme, sondern nur zur Erhöhung der Produktivität bei bereits steigender Beschäftigung und bereits steigendem Angebot, für die ein ausreichendes Wachstum der Nachfrage gesorgt hat.

Die Staatsnachfrage kann bei schwächelnder Gesamtnachfrage nicht mehr ausgeweitet werden; der Staat muss sparen, also seine Nachfrage sogar zurückfahren. Es kommt jetzt darauf an, die private Konsumnachfrage auszudehnen, denn die private Investition steigt erst, wenn die private Nachfrage steigt und die unausgelasteten Kapazitäten dadurch wieder beschäftigt werden können. Erst wenn die private Konsumnachfrage steigt, erhalten die Unternehmen wieder Investitionskredite und sei es zunächst auch nur für Ersatzinvestitionen, die per definitionem keine Kapazitätsausweitung, sondern bestenfalls eine Produktivitätssteigerung mit sich bringen.

Die Geldpolitik hat mit Zinssenkungen (Angebotspolitik) als Investitionsanreiz erst Erfolg, wenn die private Konsumnachfrage stabilisiert oder wieder ausgeweitet ist. Dazu muss die EZB die Inflationserwartungen erhöhen, um die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes endlich zu stabilisieren. Dazu könnten Ankündigungen vielleicht ausreichen. Die Notenbanken haben eine hohe Autorität, die sie auch dann nutzen können, wenn sie einen Politikwechsel verkünden müssen.

Die EZB hat mit ihrer jüngsten Zinssenkung die fallenden Inflationsraten noch nicht einmal zu Hälfte kompensiert. Die kurzfristigen Realzinsen sind gestiegen. Kein gutes Vorzeichen für die Konjunktur, wenn man die Situation angebotspolitisch nüchtern analysiert. Vollbeschäftigung werden wir nicht erleben, solange die EZB-Politik auf zu niedrigen Inflationsraten beharrt.

Leitzinssenkung – aber steigende Realzinsen

Die EZB senkte am 02. Mai 2013 den Leitzins, um die Konjunktur im Euro-Raum zu stabilisieren. Aber sie behauptete in der Pressekonferenz, die Inflationserwartungen seien immer noch stabil. Das ist eindeutig falsch.

Die aktuellen Inflationsraten u n d die Erwartungen sind in den letzten Monaten deutlich gesunken. Die aktuellen Inflationsraten veröffentlichen die nationalen und europäischen Statistikbehörden monatlich. Die mittel- und langfristigen Inflationserwartungen kann man an der Differenz der Renditen der inflationsgesicherten und der normalen Anleihen gleicher Laufzeit im Kursblatt und in der täglich herausgegebenen Renditetabelle der Deutschen Finanzagentur für die Bundesanleihen ablesen. Da tut sich was und die EZB verschließt die Augen.

Die sinkenden Inflationsraten erhöhen die kurzfrstigen Realzinsen und die Senkung der kurzfristigen Nominalzinsen durch die Leitzinssenkung kompensiert das nur teilweise. Wir haben bei näherer Betrachtung immer noch eine Erhöhung der kurzfristigen Realzinsen und das ist konjunkturschädlich. Die EZB hätte die (nominalen) Leitzinsen um mindestens 0,5% senken müssen, um das Sinken der Inflationsraten konjunkturpolitisch zu kompensieren.

Wenn man geldpolitisch hinreichend aufgeklärt ist, braucht man sich nicht zu wundern, dass die Konjunktur immer schwächer wird. – Man kann täglich sehen, wie schädlich beim heutigen Geld Preisstabilität oder zu niedrige Inflationsraten sind.

Wachstum im Euro-Raum durch Geldpoltik

EU-Streit über Sparkurs:
Wie Barroso sich kurz eine eigene Meinung erlaubte

http://tinyurl.com/cv73g37

Dazu 2 EB-Leserkommentare vom 24.02.2013 gegen 02:00 Uhr:

Wachstum ist ohne Staatsausgaben möglich
Barroso hat richtig festgestellt, dass die Rezession im Euro-Raum unerträglich für die Bürger ist. Auch Deutschland beginnt darunter zu leiden und auch bei uns ist die Abwahl der Bundesregierung deswegen nicht mehr undenkbar, obwohl die Opposition keine ökonomisch überzeugende Alternative bietet. Aber danach wird nicht gefragt werden. Der Unmut entscheidet und sucht sich und findet eine „Alternative für Deutschland“!!!
- Leider wird in der Debatte selten beachtet, dass Wachstum auf zweierlei beruhen kann:
1. auf guten Strukturreformen, die immer empfehlenswert sind, die sich aber meist erst nach langer Zeit wirklich auszahlen und zunächst nur schmerzhaft sind und zu demokratischen Ausweichbewegungen führen.
2. auf der Beschäftigung ungenutzter Kapazitäten, also der Überwindung von Arbeitslosigkeit und besserer Auslastung bereits vorhandener Produktionskapazitäten. Bei diesen setzt die Konjunkturpolitik an; der Wachstumseffekt kann sich rasch einstellen und dann die Strukturreformen demokratisch erleichtern, weil bei Vollbeschäftigung nicht mehr jeder noch so unproduktive Arbeitsplatz aus empfundener Solidarität verteidigt werden muss.
– Konjunkturpolitik durch Ausweitung von Staatsausgaben gibt es im Staatsschulden-Europa nicht mehr. Also stellt sich die Frage, ob es überhaupt noch Konjunkturpolitik geben kann. Diese Frage lenkt den Blick – hoffentlich – auf die private Nachfrage und die Möglichkeiten, diese zu steigern. Dies ist traditionell das Betätigungsfeld der Geldpolitik, deren Hauptinstrument, die Leitzinsen, allerdings schon kurz vor der Nullzins-Schranke stehen. Nominalzinssenkungen sind nur noch in homöopathischen Dosen möglich. Sie können trotzdem sinnvoll sein, weil sie eine Signalfunktion haben. Aber ein weit stärkeres Signal wäre die Erhöhung des Inflationsziels der EZB von “unter, aber nahe 2%”, das nun schon seit 10 Jahren gilt und deshalb einmal evaluiert werden sollte. Es hat die Inflationserwartungen in einem Ausmaß geprägt, das angesichts der globalen Finanzkrise erstaunlich ist. Insoweit ein voller Erfolg, aber konjunkturpolitisch wohl ein Pyrrhussieg. Die Arbeitslosigkeit ist viel höher als in den USA, wo die Notenbank auch für Beschäftigung sorgen soll, während die europäische Geldpolitik meint, die Beschäftigung käme bei stabilem Geldwert (stabiler, aber sehr niedriger Inflationsrate) von selbst. War aber nicht so, wie eine ehrliche Evaluation zeigen wird, die den ehrlichen Vergleich der Inflations- und Beschäftigungsraten mit den USA einbeziehen sollte.
- Für die Konjunkturpolitik bleibt als einzige Chance eine Änderung der Geldpolitik. (Dazu mehr im Folgebeitrag zu bisher ungenutzten Möglichkeiten der Geldpolitik.)

Wachstum ist mit Geldpolitik möglich
An der Nullzins-Schranke kann die Notenbank starke Wirkungen ihrer Politik nicht mehr durch noch so große Geldvermehrung erzielen. Denn mit ihrem Beharren auf zu niedrigen Inflationsraten kastrieren sie diese Stimuli selbst. Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes sinkt und „vernascht“ jede erhoffte Wirkung der Geldmengenvermehrung. Nur noch durch die spürbare Erhöhung ihres Inflationsziels könnten sie eine spürbare Wirkung erreichen. Dann rauschen die kurzfristigen Realzinsen in den negativen Bereich; bei einem nominalen Leitzins von 1% sind bei einer Inflation von “unter, aber nahe 5%” die kurzfristigen Realzinsen -4%; im Vergleich zu einem solchen geldpolitischen Orkan sind Nominalzinssenkungen von 0,75% auf 0,5% Prozent ein leichtes Säuseln im ökonomischen Blätterwald.
- Die letzten 10 Jahre EZB-Politik beweisen zweierlei: 1. Die EZB kann ihr Inflationsziel auch in globalen Turbulenzen mittelfristig verwirklichen. 2. Ihr öffentlich verkündetes Inflationsziel wird ihr auch im Falle einer Erhöhung geglaubt werden und deshalb das Handeln aller privaten Akteure im Euro-Raum bestimmen. Stabile Inflationserwartungen von “unter, aber nahe 5%” haben ein inflationsgerechtes Verhalten zur Folge, das sich von dem Verhalten bei erwarteter Geldwertstabilität grundlegend unterscheidet. Ihr Inflationsziel von “unter, aber nahe 2%” setzt die EZB ökonomisch und juristisch – wenn auch nicht mathematisch – korrekt mit Geldwertstabilität gleich.
- Inflationsgerechtes Verhalten bedeutet, über die Verwendung von Geldeinkommen unverzüglich zu entscheiden: entweder gleich konsumieren, weil morgen alles teurer ist, oder Ersparnisse so langfristig anlegen, wie man sie persönlich entbehren kann, um durch möglichst hohe Nominalzinsen die erwarteten Inflationsverluste weitgehend auszugleichen (steile Realzins-Strukturkurve).

Eckhard Behrens, Heidelberg www.humane-wirtschaft.de

Wachstum im Euro-Raum durch Geldpoltik

EU-Streit über Sparkurs:
Wie Barroso sich kurz eine eigene Meinung erlaubte

Kommentar:

Wachstum ist ohne Staatsausgaben möglich
Barroso hat richtig festgestellt, dass die Rezession im Euro-Raum unerträglich für die Bürger ist. Auch Deutschland beginnt darunter zu leiden und auch bei uns ist die Abwahl der Bundesregierung deswegen nicht mehr undenkbar, obwohl die Opposition keine ökonomisch überzeugende Alternative bietet. Aber danach wird nicht gefragt werden. Der Unmut entscheidet und sucht sich und findet eine „Alternative für Deutschland“!!!
- Leider wird in der Debatte selten beachtet, dass Wachstum auf zweierlei beruhen kann:
1. auf guten Strukturreformen, die immer empfehlenswert sind, die sich aber meist erst nach langer Zeit wirklich auszahlen und zunächst nur schmerzhaft sind und zu demokratischen Ausweichbewegungen führen.
2. auf der Beschäftigung ungenutzter Kapazitäten, also der Überwindung von Arbeitslosigkeit und besserer Auslastung bereits vorhandener Produktionskapazitäten. Bei diesen setzt die Konjunkturpolitik an; der Wachstumseffekt kann sich rasch einstellen und dann die Strukturreformen demokratisch erleichtern, weil bei Vollbeschäftigung nicht mehr jeder noch so unproduktive Arbeitsplatz aus empfundener Solidarität verteidigt werden muss.
- Konjunkturpolitik durch Ausweitung von Staatsausgaben gibt es im Staatsschulden-Europa nicht mehr. Also stellt sich die Frage, ob es überhaupt noch Konjunkturpolitik geben kann. Diese Frage lenkt den Blick – hoffentlich – auf die private Nachfrage und die Möglichkeiten, diese zu steigern. Dies ist traditionell das Betätigungsfeld der Geldpolitik, deren Hauptinstrument, die Leitzinsen, allerdings schon kurz vor der Nullzins-Schranke stehen. Nominalzinssenkungen sind nur noch in homöopathischen Dosen möglich. Sie können trotzdem sinnvoll sein, weil sie eine Signalfunktion haben. Aber ein weit stärkeres Signal wäre die Erhöhung des Inflationsziels der EZB von “unter, aber nahe 2%”, das nun schon seit 10 Jahren gilt und deshalb einmal evaluiert werden sollte. Es hat die Inflationserwartungen in einem Ausmaß geprägt, das angesichts der globalen Finanzkrise erstaunlich ist. Insoweit ein voller Erfolg, aber konjunkturpolitisch wohl ein Pyrrhussieg. Die Arbeitslosigkeit ist viel höher als in den USA, wo die Notenbank auch für Beschäftigung sorgen soll, während die europäische Geldpolitik meint, die Beschäftigung käme bei stabilem Geldwert (stabiler, aber sehr niedriger Inflationsrate) von selbst. War aber nicht so, wie eine ehrliche Evaluation zeigen wird, die den ehrlichen Vergleich der Inflations- und Beschäftigungsraten mit den USA einbeziehen sollte.
- Für die Konjunkturpolitik bleibt als einzige Chance eine Änderung der Geldpolitik. (Dazu mehr im Folgebeitrag zu bisher ungenutzten Möglichkeiten der Geldpolitik.)

Wachstum ist mit Geldpolitik möglich
An der Nullzins-Schranke kann die Notenbank starke Wirkungen ihrer Politik nicht mehr durch noch so große Geldvermehrung erzielen. Denn mit ihrem Beharren auf zu niedrigen Inflationsraten kastrieren sie diese Stimuli selbst. Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes sinkt und „vernascht“ jede erhoffte Wirkung der Geldmengenvermehrung. Nur noch durch die spürbare Erhöhung ihres Inflationsziels könnten sie eine spürbare Wirkung erreichen. Dann rauschen die kurzfristigen Realzinsen in den negativen Bereich; bei einem nominalen Leitzins von 1% sind bei einer Inflation von “unter, aber nahe 5%” die kurzfristigen Realzinsen -4%; im Vergleich zu einem solchen geldpolitischen Orkan sind Nominalzinssenkungen von 0,75% auf 0,5% Prozent ein leichtes Säuseln im ökonomischen Blätterwald.
- Die letzten 10 Jahre EZB-Politik beweisen zweierlei: 1. Die EZB kann ihr Inflationsziel auch in globalen Turbulenzen mittelfristig verwirklichen. 2. Ihr öffentlich verkündetes Inflationsziel wird ihr auch im Falle einer Erhöhung geglaubt werden und deshalb das Handeln aller privaten Akteure im Euro-Raum bestimmen. Stabile Inflationserwartungen von “unter, aber nahe 5%” haben ein inflationsgerechtes Verhalten zur Folge, das sich von dem Verhalten bei erwarteter Geldwertstabilität grundlegend unterscheidet. Ihr Inflationsziel von “unter, aber nahe 2%” setzt die EZB ökonomisch und juristisch – wenn auch nicht mathematisch – korrekt mit Geldwertstabilität gleich.
- Inflationsgerechtes Verhalten bedeutet, über die Verwendung von Geldeinkommen unverzüglich zu entscheiden: entweder gleich konsumieren, weil morgen alles teurer ist, oder Ersparnisse so langfristig anlegen, wie man sie persönlich entbehren kann, um durch möglichst hohe Nominalzinsen die erwarteten Inflationsverluste weitgehend auszugleichen (steile Realzins-Strukturkurve).

Eckhard Behrens, Heidelberg www.humane-wirtschaft.de

Zaubermittel der Zentralbanken – falsch eingesetzt

In der FRANKFURTER ALLGEMEINEN SONNTAGSZEITUNG schreibt Lisa Nienhaus zu
“Konjunktur – Wirkungsloser Stimulus”

Sie stellt dar, welche außerordentlichen Stimuli die Notenbanken und die Regierungen seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Herbst 2008 gesetzt haben und dass die erhoffte Wirkung ausgeblieben sei. Es sei daher ungewiss, ob die Zaubermittel der Notenbanken ausreichen.

Mein Leserkommentar auf FAZ.net:

Ein Zaubermittel der Zentralbanken ist die Steuerung der Inflationserwartungen. Die EZB bezifferte ihr Inflationsziel schon vor 10 Jahren auf “unter, aber nahe 2%“. Das Ziel der Geldwertstabilität im Sinne einer Null-Inflation/Deflation wurde aufgegeben, weil sich die Menschen bei Geldwertstabilität noch ähnlich verhalten wie bei Deflation. Sie geben mit steigenden Deflationsraten einen immer höheren Teil ihrer Geldeinkünfte nicht mehr aus, sondern verharren in der Liquidität. Bei gefühlter Inflation verhalten sie sich genau entgegengesetzt; dann geben sie ihre Geldeinkünfte zügig aus und zwar umso schneller, je höhere Inflationsraten sie erwarten. – Den Notenbanken ist es gelungen, die Inflationserwartungen bei 2% fest zu verankern; das wird noch als Geldwertstabilität empfunden. Hier liegt das Problem! Die Inflationserwartungen sind noch zu niedrig; die Geldmenge läuft immer langsamer um; der Mengenstimulus bleibt wirkungslos. Wir brauchen stabile Erwartungen „unter, aber nahe 5%“.

Mehr Text lässt die FAZ in einem Internet-Kommentar nicht zu. Man müsste dann noch einen zweiten schreiben. Zu ergänzen ist vor allem, dass die Höhe der erzeugten Inflationserwartungen so zu bemessen ist, dass die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes stabil bleibt. Bekannt ist, dass die Umlaufgeschwindigkeit bei Deflation sinkt. Seit Jahrzehnten ist zu beobachten, dass die Umlaufgeschwindigkeit auch bei empfundener Geldwertstabilität immer noch sinkt. Selbst bei niedrigen Inflationsraten, wie sie die Notenbanken seit langem anstreben, sinkt sie auch noch. Das wird zuwenig beachtet. Bekannt ist allgemein, dass bei hohen Inflationsraten und -erwartungen die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes stark steigt. Was wir brauchen, ist eine stabile Umlaufgeschwindigkeit. Diese setzt offenbar eine stabile Mindestinflationsrate voraus. Die bisher von den Notenbanken angestrebten Inflationsraten sind dafür zu niedrig, wie die Erfahrungen zeigen.

in Jackson Hole wies Woodford im Jahre 2012 die versammelten Notenbanker darauf hin (PDF-Datei), dass sie mit ihrem nachdrücklichen Festhalten an den niedrigen Inflationsraten ihre Politik der Geldmengenvermehrung selbst zunichtemachen.

Nur ausreichende Inflationserwartungen schränken die Wertaufbewahrungsfunktion des Geldes hinreichend ein. Leider erschweren selbst sehr stabile Inflationsraten das Kalkulieren, also die Rechenhaftigkeit und damit die Produktivität einer Volkswirtschaft. Daher sollte nach den Vorschlägen Silvio Gesells die Wertaufbewahrungsfunktion nicht auf dem Umweg über eine Inflation sondern direkt über Gebühren auf das Halten von Bargeld eingeschränkt werden. Erst die Etablierung einer Bargeldgebühr erspart die Inflation. Beim heutigen Geld ohne Haltegebühr, also mit unbeschränkter Wertaufbewahrungsfunktion und deshalb unstabiler Umlaufgeschwindigkeit ist es nicht möglich, den Geldwert bei Null-Inflation/Deflation zu halten.

Ende des Papiergeldes?

in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN SONNTAGSZEITUNG finden Sie regelmäßig die Kolumne Mayers Weltwirtschaft. Dort wird heute ein neues Buch besprochen, das mit volkswirtschaftlichen Mythen aufräumen will.

Ein Kommentar dazu:

Verharmlosung der Deflation  (und der Geldwertstabilität)
=========================================================
Zum Satz: “Tatsächlich ist ein fallender Trend der Preise sogar von Vorteil,
denn so wird es möglich, auf die einfachste Form des Sparens, die Haltung
von Geld, einen positiven Zins zu erzielen.”
Es ist richtig, dass Sparen durch die Haltung von Geld bei Deflation einen
positiven Realzins erbringt. Das ist aber nur ein individueller Vorteil,
kein gesamtwirtschaftlicher. Denn wenn die Sparer ihre Ersparnisse in
Bargeld anlegen, fehlen dem volkswirtschaftlichen Kreislauf Tauschmittel.
Ihr verringertes Geldangebot bedeutet fehlende Nachfrage nach Waren und
Dienstleistungen und führt zu weiter sinkenden Preisen also einer
Deflations- und einer güterwirtschaftlichen Abwärtsspirale. Der Zins auf das
Halten von Geld steigt und stoppt das Geld!
In der Marktwirtschaft dürfen keine Rahmenbedingungen geduldet werden, die
die Individuen zu gesamtwirtschaftlich schädlichem Verhalten führen. Die
Rahmenbedingungen müssen so gestaltet werden, dass Bargeld nicht hortbar
ist; so schon Silvio Gesell.

Das Papiergeld ist besser als alles, was wir bisher hatten
==========================================================
Das Ende des Papiergelds auszurufen, ist plausibel, wenn man seine
bisherigen Mängel auflistet. Aber alles Warengeld hat doch nicht besser
funktioniert. Das Bessere ist der Feind des Guten! Und das ist selten in der
Vergangenheit zu finden.
Der geldpoltische Vorteil des Papiergelds ist seine politische
Gestaltbarkeit. Dabei kann der Gesetzgeber natürlich auch viele Fehler
machen. Deswegen zurück zu einer weniger gestaltbaren Form des Geldes zu
gehen, ist keineswegs zu empfehlen. Geld darf weder ein Gebrauchs- noch ein
Spargegenstand sein. Es sei Tauschmittel und Wertmesser!
Wir müssen uns auf die 3 Funktionen besinnen, die das Geld erfüllen soll:
Tauschmittel, Wertmesser und Wertaufbewahrung. Das Problem ist die
Wertaufbewahrung, weil sie die Tauschmittelfunktion gefährdet. Um den
Wertmesser stabilisieren zu können, müssen wir bereit sein, die
Wertaufbewahrung ein wenig einzuschränken – durch stabile, aber niedrige
Inflationsraten (5%) oder – ohne Inflation – wie Silvio Gesell.

Nutze es oder verliere es!

Alles braucht seine Zeit. Japan lebt seit mehr als 20 Jahren mit immensen Staatsschulden und einer kaum in den Griff zu bekommenden Deflation.

Japan wird auch immer als Gegenbeispiel benutzt, wenn Geldreformer Zins und Zinseszins als den Motor der zerstörerischen Ungleichverteilung anprangern.  20 Jahre Niedrigstzins hätten angeblich auch keine andere Situation geschaffen, als die unsere, heißt es dann. Man übersieht bei diesem oberflächlichen Hinsehen geflissentlich, dass Niedrigstzins immer nur für die gilt, die sich damit zufrieden geben. Überall auf der Welt verfügen die Reichen, sowie die institutionellen Anleger über jene organisatorischen Mittel, die es braucht, um Kapital dorthin fließen zu lassen, wo es sich selbst bestmöglich vermehrt. Zu Niedrigzinsen lassen nur die “Loser” ihr Geld auf der Bank liegen. Und Japan ist und bleibt für alle Investoren interessant, weil es eine der stärksten Volkswirtschaften der Welt ist.

Weil in Japan keines der Programme des Staates gegen Deflation und Staatsverschuldung die gewünschte Wirkung gehabt hat, greift die Politik und die japanische Zentralbank “Bank of Japan” (BoJ) jetzt zu “drastischen” Mitteln. Man droht offen mit Inflation durch Gelddrucken. Haruhiko Kuroda, Präsident der BoJ, kündigte an, dass die Zentralbank den Kapitalmarkt in den nächsten beiden Jahren mit bis zu 14,7 Billionen “frisch gedruckten” Yen (ca 110 Milliarden Euro) direkt Kredite zu äußerst günstigen Konditionen an Unternehmen vergeben wird. Das wäre deutlich mehr, als alle  japanischen Geschäftsbanken zusammen, in den letzten beiden Jahren als Kredite an die Wirtschaft ausgereicht haben.

Die dahinter stehende Drohung von Politik und Zentralbank an die Geldanleger ist klar: “Use it or lose it”. Entweder die riesigen Geldvermögen stellen sich “freiwillig” der Wirtschaft zu niedrigen Zinsen zur Verfügung und kurbeln das Wirtschaftswachstum an, oder die BoJ springt in diese Lücke und “marginalisiert” die bei den Banken liegenden Geldanlagen, in dem sie ihnen die Geschäftsmöglichkeiten im Land raubt. Dass die BoJ in erster Linie das Ziel im Auge hat, die Drohung möge genügen und die angelegten Gelder in die Wirtschaft fließen lassen, als Investitionen oder in Form billiger Kredite, dürfte klar sein. Ob am Ende bei der Aktion aber mehr herauskommt, als bei den vielen Versuchen in der Vergangenheit, dürfte fraglich bleiben, angesichts der weltweiten Vernetzung des Kapitalmarktes und den Anlegern sich dadurch bietenden Möglichkeiten.

Das Prinzip über “Gelddrucken” vorhandenes Geld zu irgendetwas zu bewegen, bleibt dennoch eines, das dem Kapitalmarkt alle Mittel in der Hand lässt zu agieren. Nicht die Politik bestimmt, sondern “die Märkte” bleiben an den Schalthebeln.

Dabei könnte man das Prinzip “Use it or lose it” auf andere Art und Weise in ein Instrument verwandeln, welches die Aktion in die Hände der Politik bringt und die Finanzmärkte zur Reaktion verdammt. Indem man nämlich statt neues Geld zu drucken, das vorhandene durch Gebührenbelastung zum Einsatz zwingt. Eine Gebühr als Lenkungsabgabe auf Geld ist und bleibt ein bis heute im Großen noch nicht eingesetzter Weg, der zumindest eine Gefahr nicht in sich birgt: dass es schlechter wird als heute. Dafür gibt es kaum noch Luft nach unten.

Vom Geld und anderen Gemeingütern – Pat Christ

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Hilflos in Europa

Zunehmend werden Vermutungen geäußert, wonach die großen Geldvermögen längst aus Zypern abgewandert sind und sich der Gläubiger-Beteiligung, die jetzt beschlossen wurde, entzogen haben.
Im Wettrennen zwischen dem “Hasen” Politik und den schlauen Igeln der Finanzwirtschaft steht der Sieger schon von Beginn an fest. Die alternativlose Politik ist chancenlos.
Glaubt denn ernsthaft jemand, dass die mit größter Professionalität und unter Einsatz modernster Werkzeuge verwalteten Riesenvermögen geduldig warten, bis die bürokratische Politik sie belangt? Kann man es den Akteuren verübeln?
Es ist ein alter Hut: Wenn der Bankenrun des “kleinen Mannes” sich aufmacht, nachdem die Banken wieder aufmachen, dann ist das Wesentliche bereits über die Bühne gegangen.
Die Gutwilligen und Unbedarften bleiben geprellt zurück. Sie wären es eigentlich, die den Schutz der Staatengemeinschaft bräuchten. Statt dessen werden sie belogen und betrogen. Ihre Wut richtet sich gegen die vermeintlich Schuldigen, im Zweifelsfall die Deutschen.

Der Euro und sein schludriges Umsetzungskonzept säen Zwietracht und trennen, was eigentlich vereint werden sollte. Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem es neben eines Krisenmanagements ein zweites bräuchte, das jetzt im Geiste eines vereinten Europas an alternativen wirtschaftlichen Modellen arbeitet.

Das europäische Reparaturteam, das immer augenscheinlicher versagt, muss durch bürgerliches Engagement abgelöst werden. Das würde funktionieren, wenn jetzt nur möglichst vielen Gewahr würde, dass Demokratie nicht konsumiert, sondern nur gelebt werden kann.

Bild: Europa-Point, Gibraltar von David Stanley unter CC-Lizenz auf Flickr

HUMANE WIRTSCHAFT für den E-Book-Reader

Die HUMANE WIRTSCHAFT gibt es jetzt auch in einer E-Book-Reader-Version.

Jeder, der noch im März in unserem Online-Shop ein Konto anlegt, kann dieses eBook der aktuellen Ausgabe mit dem Gutscheincode: free_mobi kostenlos herunterladen. Den Gutscheincode setzen Sie beim Check-out im Shop ein. Die .mobi-Version, die beispielsweise mit dem Amazon-Kindle-E-Book-Reader gelesen werden kann kostet ab April dann 4,- €. Dieser Gutscheincode gilt selbstverständlich auch für bereits bestehende Kunden.

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Kindle-Version der Zeitschrift

Die neue Ausgabe ist da

Bald landet die HUMANE WIRTSCHAFT wieder in Ihrem Briefkasten. Sofern Sie ein Abo haben :-)

Einige Artikel der neuen Ausgabe können Sie bereits vor Drucklegung online ansehen und natürlich nun, wie immer, alle Beiträge der letzen Ausgabe.

Es lohnt sich also, hier nochmal reinzuschauen:
Schauen Sie in unser Archiv und informieren Sie sich.
Alle Programme der bevorstehenden Veranstaltungen sind freigeschaltet, damit Sie sich rechtzeitig ein Bild über diese hochkarätigen Events machen können und Ihre Terminplanung anpassen können.

Wachstum ist nicht gleich Entwicklung

Wer materielles Wachstum mit Evolution gleichsetzt, erlebt einen schmerzlichen Höhepunkt: die Revolution.

Andreas Bangemann

WEF Davos 2013 – Ungleichheit zerstört alles

Weltwirtschaftsforum in Davos vom 23. bis 27. Januar 2013
Also available in English

(Jakob Jordaens – „Fest des Bohnenkönigs“ – Wikipedia)

Wenn sich diese Woche in Davos wie jedes Jahr die mächtigen Wirtschaftslenker und Politiker zum Stelldichein treffen, wird einmal mehr resümiert und nach vorne geblickt.

Wie es anlässlich des „Bohnenkönigfest des Pomp und der Platitüden“ (Sunday Times Online 2006: „Beanfeast of pomp and platitude“) zu einem Schwerpunktthema, wie der wachsenden sozialen Ungleichheit kommen kann, darüber kann man trefflich spekulieren.

Die Vermutung, es handele sich dabei um eine Form des „Social Washing“ , ist nicht von der Hand zu weisen. Man positioniert ein die Menschen weltweit verunsicherndes Thema und deutet damit zumindest an, dass man sich Gedanken macht. Doch welchen Stellenwert messen Veranstalter und Gäste der Dramatik dieser Entwicklung in Wahrheit zu?  Das ließe sich zum Beispiel daran ablesen, ob und wie stark die Eliten in Davos das bestehende Finanzsystem in Zweifel ziehen. Davon ist aber überhaupt nicht die Rede.

Die in der Vorbereitung für das diesjährige „World Economic Forum“ (WEF) in Auftrag gegebene Studie zur Bewertung globaler Risiken kommt zu Schlüssen, welche von anderen Experten schon seit Jahren als Zukunftsrisiken ausgemacht und zur Diskussion gestellt werden.

OXFAM, die weltweit arbeitende Hilfs- und Entwicklungsorganisation, verweist anlässlich des Weltwirtschaftsforums in diesem Jahr darauf, dass die 100 reichsten Menschen dieser Erde (wovon in Davos sicher viele anwesend sein werden  - Anm. der Red.) im vergangenen Jahr das vierfache der Summe verdient hätten, die nötig wäre, um die weltweite Armut zu überwinden. Ein globaler „New Deal“ sei nötig, um die seit Dekaden wachsende Ungleichheit umzukehren.

Auch Joseph E. Stieglitz prangerte jüngst in der New York Times an, man habe nach vier Jahrzehnten sich vergrößernder Ungleichheit noch immer nichts gegen diese Entwicklung unternommen. Er verweist insbesondere auf das dramatische Wegbrechen der Mittelschicht zu Gunsten eines immer größer werdenden Abstandes zu den absolut Reichsten, die mit zunehmender Geschwindigkeit und atemberaubenden Wachstumszahlen ihren Reichtum vergrößern können.

Paul Krugman erwidert Stiglitz ebenfalls in der NYT mit einem Argument, das zu denken gibt: Ob es einem gefalle oder nicht, Ökonomie sei kein Ethikspiel und er – Krugman – halte Vollbeschäftigung für möglich, die auf dem Verkauf von Yachten, Luxusautos usw. basieren.

„So am I saying that you can have full employment based on purchases of yachts, luxury cars, and the services of personal trainers and celebrity chefs? Well, yes. You don’t have to like it, but economics is not a morality play, and I’ve yet to see a macroeconomic argument about why it isn’t possible.“

Diese hochdekorierten Experten deuten im Grunde an, warum die Eliten bis heute nicht erkennen (wollen?), was die eigentlichen Ursachen der Ungleichheit sind. Würden die aufgehäuften Geldvermögen stets in Yachten und Luxusautos umgesetzt, hätten wir womöglich eine kleineres Ungleichheitsproblem. Doch die immens wachsenden Geldvermögen  bei den „1%“ werden nicht durch Konsumieren mehr, sondern durch Anlegen. Wachstum bei Geldanlagen ist aber nur durch Wachstum von Verschuldung auf der anderen Seite möglich. Und die andere Seite, das sind jene 99%, die direkt und indirekt die Geldvermögen alimentieren.

Es wird stets so getan, als stünden die Einkommen der Reichsten in irgendeiner Beziehung zu einer konkreten Leistung, welche die Vermögenden erbringen würden. Die Einkommen aus Vermögen sind jedoch das Ergebnis einer Alimentierung aller – wirklich aller, auch der ärmsten – Menschen, für die die Halter der Geldvermögen absolut keine Leistung erbringen. Das bestehende Finanzsystem, genauer gesagt das Geldsystem, schützt diese Alimentierung der 1%, und ist in dieser Beziehung auch nicht reformierbar. Das Geldsystem müsste durch ein völlig neues, auf die Belange von Mensch und Natur ausgerichtetes, ersetzt werden.

Es ist deshalb auch nur folgerichtig, wenn das Finanzsystem in Davos nicht zur Disposition steht. Man würde ja ansonsten die „Geschäftsgrundlage“ nahezu aller Anwesenden in Frage stellen.

Wichtig ist das Signal an die verängstigten Menschen in der Welt, dass die Eliten sich der wachsenden Ungleichheit bewusst sind und die Sorgen der Menschen vor weiterem sozialen Abstieg ernst nehmen. Das muss genügen.

Man würde sich wünschen, dass es Mächtige und Reiche in Davos gäbe, die einmal den Mut hätten, dieses sie nährende System in Frage zu stellen. Doch derlei Reden gibt es wohl nur in Hollywood-Filmen. Dabei könnte es die Rettung wenigstens eines Teiles des vorhandenen Reichtums bedeuten, denn eines ist klar: Die wachsende Ungleichheit führt am Ende zur Zerstörung von allem.

Die neue Ausgabe ist in den Regalen

Das bedeutet für Sie, das alle Artikel der vorherigen Ausgabe hier online gelesen werden können.
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Darüberhinaus ist nun auch unsere Jahres-CD mit allen Ausgaben des Jahres 2012
auf CD für € 18,- oder zum Download für € 12,– erhältlich.
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Neue Euroscheine sollen changieren

Die Europäische Zentralbank (EZB) will nach und nach die 2002 eingeführten Euroscheine gegen neue austauschen. Den Anfang macht im Mai 2013 die Fünf-Euro-Note.
Ein wesentliche Änderung der neuen Scheine besteht darin, dass sie “changieren” sollen.
Das hört sich interessant an, besonders für Befürworter einer völlig neuen Geldordnung. Im Wort steckt Wandel, Veränderung, Tausch.
Natürlich sind wir realistisch genug und wissen, dass sich changieren in diesem Fall auf ein neues Sicherheitsmerkmal bezieht. Die Zahl des Wertes der neuen Scheine soll sich durch Verändern des Blickwinkels auf den Schein in der Farbe verändern. Immer schon legt die Zentralbank höchsten Wert auf die Fälschungssicherheit des ausgegebenen Bargeldes. Das macht natürlich auch Sinn. Andererseits legt die Zentralbank überhaupt keinen Wert auf die tatsächliche Nutzung der Geldscheine. Man könnte ja als Bürgerin eines Währungsraumes durchaus der Auffassung sein, von öffentlichen Einrichtungen bereitgestellte Leistungen sollten einer ihrem Zweck zugedachten Nutzung zugeführt werden.
Eine wichtige – wenn nicht die wichtigste Funktion – des Bargeldes ist die als Zahlungsmittel zu funktionieren. Um das bestmöglich zu leisten, wäre es vorteilhaft, wenn das ausgegebene Bargeld stetig umläuft. Doch genau das tut es in sehr eingeschränktem Maße, wie der Zentralbereichsleiter Bargeld, Helmut Rittgen, beim “Bargeldsymposium” der Deutschen Bundesbank im Oktober 2012 eindrucksvoll aufzeigte. Demnach werden nur rund 10 bis 15 % des ausgegebenes Bargeldes für den Waren- und Leistungstausch genutzt. Der ganze Rest wird gehortet, bzw. ist mit unbekannter Nutzung außerhalb des Euro-Währungsraumes unterwegs.
Wäre es da nicht angebracht, dafür zu sorgen, dass die Geldscheine besser gemäß ihrer zugedachten Nutzung von Mensch zu Mensch “changieren”?
Anders gedacht: Ist es in Ordnung, dass die “Horter” von Euroscheinen in ihrem Tun auch noch mit erweiterter Sicherheit belohnt werden, in dem man ihnen mehr Fälschungssicherheit für “ihr” Geld bietet?
Gemäß den Zahlen ist es doch so, dass die neuen Maßnahmen zu 85 bis 90% jenen zugute kommen, die die Euroscheine gar nicht nutzen! Ist das nicht paradox?

Kalender 1913 von Erich Mühsam

Bild wikipedia: Mühsam während seiner Lehr- und Wanderjahre, um 1906

 

Januar:

Der Reiche klappt den Pelz empor,
und mollig glüht das Ofenrohr.
Der Arme klebt, daß er nicht frier,
sein Fenster zu mit Packpapier.

Februar:

Im Fasching schaut der reiche Mann
sich gern ein armes Mädchen an.
Wie zärtlich oft die Liebe war,
wird im November offenbar.

März:

Im Jahre achtundvierzig schien
die neue Zeit hinaufzuziehn.
Ihr, meine Zeitgenossen wißt,
daß heut noch nicht mal Vormärz ist.

April:

Wer Diplomate werden will,
nehm sich ein Muster am April.
Aus heiterm Blau bricht der Orkan,
und niemand hat`s nachher getan.

Mai:

Der Revoluzzer fühlt sich stark.
Der Reichen Vorschrift ist ihm Quark.
Er feiert stolz den ersten Mai.
(Doch fragt er erst die Polizei.)

Juni:

Mit Weib und Kind in die Natur
zur Heilungs-, Stärkungs-, Badekur.
Doch wer da wandert bettelarm,
Den fleppt der würdige Gendarm.

Juli:

Wie so ein Schwimmbad doch erfrischt,
wenn`s glühend heiß vom Himmel zischt!
Dem Vaterland dient der Soldat,
kloppt Griffe noch bei dreißig Grad.

August:

Wie arg es zugeht auf der Welt,
wird auf Kongressen festgestellt.
Man trinkt, man tanzt, man redet froh,
und alles bleibt beim status quo.

September:

Vorüber ist die Ferienzeit.
Der Lehrer hält den Stock bereit.
Ein Kind sah Berg und Wasserfall,
das andre nur den Schweinestall.

Oktober:

Zum Herbstmanöver rücken an
der Landwehr- und Reservemann.
Es drückt der Helm, es schmerzt das Bein.
O welche Lust, Soldat zu sein!

November:

Der Tag wird kurz. Die Kälte droht.
Da tun die warmen Kleider not.
Ach, wärmte doch der Pfandschein so
wie der versetzte Paletot!

Dezember:

Nun teilt der gute Nikolaus
die schönen Weihnachtsgaben aus.
Das arme Kind hat sie gemacht,
dem Reichen werden sie gebracht.

Erich Mühsam, 1878-1934

 

Jahresfeier 2012: Mit Freu(n)den den Wandel gestalten

Von 1. bis 4. November 2012 findet die traditionelle Jahresfeier der HUMANEN WIRTSCHAFT statt, wie immer in der Silvio-Gesell-Tagungsstätte in Wuppertal.

Das in herrlicher Natur des Bergischen Landes gelegene Tagungshaus bildet wie immer den Rahmen für eine Veranstaltung, in der die Macher der Zeitschrift, gemeinsam mit Autoren, Lesern und vielen Gästen das Jahr ausklingen lassen.

Man tauscht sich aus, vernetzt sich, schmiedet Pläne und feilt an Konzepten für ganz konkrete Projekte.

Für viele Gäste war und ist diese Feier auch immer eine wichtige “Hoffnungstankstelle”, in Zeiten, die Angst machen können. Angst vor einer ungewissen Zukunft, wohin sich die Volkswirtschaften in den Ländern Europas wohl entwickeln werden.

Bei der Jahresfeier wird analysiert, aber tiefgründiger und sachlicher als das heute allenthalben in der Öffentlichkeit geschieht. Leser der HUMANEN WIRTSCHAFT wissen, dass es nicht mehr reicht, nur die erkennbaren Folgen der bedrohlichen Entwicklungen zu bekämpfen. Darauf aber läuft nahezu alles hinaus, was bisher sowohl in der europäischen Politik als auch an Maßnahmen in den wichtigen Einrichtungen, wie der Deutschen Bundesbank und der EZB, beschlossen wird. Ohne ein Befassen mit den Ursachen für eine Krise, die maßgeblich geprägt wird von riesigen, in dieser Höhe noch nie dagewesenen, Geldvermögen auf der einen Seite und unbezahlbar gewordene Schulden auf anderen, werden wir nicht zu nachhaltigen Lösungen kommen.

Deshalb stehen bei unseren Jahresfeiern immer die Ursachen im Vordergrund. Daraus ergeben sich neben Lösungen, die zum Teil seit Jahrzehnten von Experten erarbeitet wurden, immer auch Möglichkeiten ganz konkreter Projekte, die aktive Teilhabe ermöglichen.

Der Wandel hat begonnen! Sich auf die Chancen und Möglichkeiten zu konzentrieren und so viel als möglich Zeit in solche Aktivitäten zu stecken, die “für” das Neue und Alternative sind, steigert nicht nur die Lebensfreude jedes Einzelnen. Der Wandel hin zum Guten wird dadurch auch beschleunigt.

Höchst interessante – und vor allem kompetente – Referenten aus mehreren Ländern und spannende Gäste warten auf die Besucher.

Geplant sind unter anderem (in der zeitlichen Reihenfolge ihres Auftretens)

Steffen Henke (Workshop Donnerstag Nachmittag)
Prof. Frithjof Bergmann
Helmut Creutz
Andreas Bangemann
Norbert Rost
Norbert Bernholt
Prof. Josef Gruber
Der Bewegungskünstler Jonathan Ries
Sylke Schröder (Ethik-Bank)
Heinz Girschweiler
Dr. Pia Mayer-Gampe
Die Künstlerin aus den Niederlanden: Dette Glashouwer
Prof. Wolfgang Berger

Am Rande der Veranstaltung sind Vernetzungstreffen und kurze Info-Workshops, z.B. von Transition Town Düsseldorf geplant.
Michael Schubert aus Wuppertal wird einen 3-D-Drucker vorführen, der im Rahmen der “Neuen Arbeit Neue Kultur” eine Rolle spielt, die Prof. Frithjof Bergmann vorstellt.

Am besten schnell noch anmelden!
Hier das gesamte Programm mit allen Uhrzeiten:

Datei herunterladen (PDF, 1.16MB)

Bundestags-Enquete: Unsichtbarer Elefant bleibt unentdeckt.

Zwar hat der Grünen-Bundestagsabgeordnete und Mitglied der Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“, Dr. Hermann Ott, eine wichtige Forderung aufgestellt, indem er als ein Ergebnis der Kommissionsarbeit das Absenken des Ressourcenverbrauchs als unabdingbar darstellte. Unscheinbar, aber durchaus brisant, kommt auch die Erkenntnis daher, dass es nicht genüge den Ressourcenverbrauch weniger stark ansteigen zu lassen, als die Wirtschaftsleistung. Brisant, weil diese Erkenntnis den Wirtschafts-Programmen nahezu aller Parteien diametral entgegensteht. Politisch sind wir auf dem Weg, den ein “Wachstumsbeschleunigungsgesetz” pflastert und bei dessen Erlass haben Fragen der Umwelt und der Ressourcen nur am Rande eine Rolle gespielt.
Die Kommission, maßgeblich mit Bundestagsabgeordneten aller Parteien besetzt, flankiert von einigen Sachverständigen, vollführt im Grunde ständig einen “politische Eiertanz”.
Wer die wirtschaftspolitischen Forderungen mit den Umweltzielen überein bringen soll, hat eine wichtige, aber mit den Parteiprogrammen wohl kaum vereinbare Aufgabe.
Das Geldsystem, der eigentliche “Motor” des Wirtschaftswachstumszwanges, lässt Geldvermögen und Schulden mit mathematischer Genauigkeit wachsen und erzwingt damit auch ein Wachstum der realen Wirtschaft. Den Spagat, den Ressourcenverbrauch weniger stark steigen zu lassen als die Wirtschaftsleistung, versucht man unter dem Stichwort “Ressourceneffizienz” seit mehr als 20 Jahren. Vergeblich.
Angesichts des Raubbaus an den Ressourcen und den damit verbundenen Umweltproblemen, wäre es an der Zeit, einmal die Bedingungen für eine zurückgehende Wirtschaftsleistung zu durchdenken, denn angesichts der Sättigung vieler Märkte und den immensen Geldvermögen und Schulden, sollten Diskussionen über das Ende des Wachstumswahns doch endlich mit aller Ernsthaftigkeit führbar sein.
Woran es liegen könnte, dass das nicht der Fall ist, fragt jetzt vielleicht der geneigte Leser?
Vielleicht liegt es daran, dass sich offenbar noch immer niemand an den Umbau des Geldsystems herantraut.
So bleibt er im Raum und ward nicht gesehen, der unsichtbare Elefant.
(Bild: Martin Bangemann)

UMA-Talk mit Steffen Henke

Terminhinweis für November

Die Schauspielerin Ute Maria Lerner aus Köln hat in diesem Jahr das Format “UMA-Talk” ins Leben gerufen, im Rahmen dessen sie außergewöhnliche Personen zu einem Gespräch einlädt.

Am 24.9.2012 war Steffen Henke bei ihr – besser gesagt im Lichthaus Remagen am Neumarkt in Köln – zu Gast und erzählte in mitreissender Art von seinem Lieblingsprojekt, dem “fließenden Geld”


Er sagt: ”Den Fehler im Finanzsystem kann jeder verstehen. Alternative Lösungsansätze sind längst vorhanden, sie haben sich nur noch nicht herumgesprochen. Fließendes Geld kann eine wesentliche Grundlage für eine bessere Welt bilden, damit nicht der Mensch dem Geld dient, sondern das Geld dem Menschen.

Die rund 50 Zuhörer waren so begeistert, dass Ute Maria Lerner weitere Talks mit Steffen Henke plant.

Der nächste Termin ist:

UMA Talk zum Thema Fliessendes Geld

Gast: Steffen Henke aus Leipzig

Datum: 02. November 2012

Uhrzeit 20 Uhr

Eintritt 10 Euro

Ort: Biologische Station des Rhein Sieg Kreises  am Bahnhof Eitorf

Robert Röshen Platz 1

53783 Eitorf

Veranstalter: Amt für Kultur, Marketing und Tourismus

Bild: Suzas Photography

ESM – Der Rettungsschirm ist gerettet und darf jetzt retten,…

…fragt sich nur: Wen oder was eigentlich?

Ein Kommentar von Dr. Gerhardus Lang

Unter dem Titel „Abfuhr für Euro-Skeptiker“ hat Wilhelm Hölkemeier in der Neuen Württembergischen Zeitung (NWZ) einen Kommentar zum derzeitigen Urteil des BVG zum ESM- Rettungsschirm verfasst. Zu diesem Kommentar habe ich auch einen Kommentar verfasst, da es sich hier um ein typisches Verhalten der politisch korrekten Berichterstattung handelt. Diese geht konform mit der Politik, deren Hauptbemühen darin liegt, immer das Gegenteil von dem darzustellen, was man eigentlich tut. Gleichzeitig fegt man alle die vom Tisch, die versuchen -  mit allerdings untauglichen Mitteln -, dem Irrsinn  Einhalt zu gebieten. So heißt es im Kommentar:

“Zur Verwirklichung eines vereinten Europas wirkt die Bundesrepublik Deutschland bei der Entwicklung der Europäischen Union mit.“

So steht es im Grundgesetz, das 1949 nicht zuletzt unter dem Eindruck der Katastrophe des von Deutschland ausgelösten Zweiten Weltkriegs formuliert wurde. In diesem Sinn hat das Bundesverfassungsgericht – abermals – all jenen eine Abfuhr erteilt, die das politische Streben nach der Einheit Europas prinzipiell für falsch und gesetzwidrig halten. Stammtischstrategen, Maulhelden der Talkshows und Meinungsmacher, die missliebige EU-Mitglieder am liebsten rausschmeißen würden und womöglich gar nach der Rückkehr zur D-Mark rufen, können es sich hinter den Spiegel stecken.“

Natürlich ist es falsch, das Bundesverfassungsgericht anzurufen, wenn man die handelnde Politik ausbremsen will, um die eigenen – auch meist schwachsinnigen Absichten durchzusetzen, z. B. eine Rückkehr zur DM oder den Ausschluss von GR zu erzwingen. Alles das lenkt vom eigentlichen Problem nämlich ab und ist insofern der Taktik der Politiker gleichwertig. Es geht doch gar nicht um Europa und den „gefährdeten Euro“ sondern um Folgendes:

Der Berg hat gekreißt und gebar eine Maus: „Wenn die jetzt gezogene „Höchstgrenze“ von 190 Mrd. Euro doch noch einmal überschritten werden müsste, dann muss dem der Bundestag zustimmen, wie bei allen Gesetzesbeschlüssen sonst auch.“ Da wurde keine wirkliche Grenze gesetzt, wozu das BVG auch gar nicht die Kompetenz besitzt. Auch für welchen Zweck das Geld ausgegeben wird ist alleine dem Belieben der Regierung als Gesetzmacher und dem Parlament als Zustimmungs(=Abnickungs)gremium überlassen. Den gemäß unseren Steuerstaatsprinzipien haben wir Bürger oder sonst noch wer nach dem „Nonaffektationsprinzip“ nicht den geringsten Einfluss auf die Ausgaben des Staates. Die können mit dem Geld machen, was sie wollen. Sie müssen nur noch die Gesetze basteln, die ihnen das erlauben.

Und wofür werden die Gelder des Rettungsschirms ausgegeben? Nicht zur Rettung des Euro, an dem gar nichts zu retten ist. Nicht zur Rettung Europas, das gar nicht in Gefahr ist. Nein! Sie sollen den Leuten alle Verluste ersparen, die sie durch die längst fällige Pleite der überschuldeten Staaten für ihre „Anlagen“ erleiden müssten, wenn man die überschuldeten Staaten denn pleite gehen ließe. Jeder normale Betrieb und jeder Bürger würde sich freuen, wenn er auch so subventioniert würde, wenn er seine Raten nicht mehr zahlen kann. Denn nur für diese Ratenzahlungen ist das Geld notwendig, weil diese Staaten sonst insolvent wären. Nun soll der Bundestag die letzte Bremse sein. Da hat man den Bock zum Gärtner gemacht. Denn dieser Bundestag, wie übrigens alle Landesparlamente, haben doch den gemachten Schulden allen zugestimmt. Sie werden auch weiteren Schulden zustimmen, was denn sonst.

Übrigens sind alle seit 40 Jahren neu aufgenommen Schulden nur für die Zinsen der schon bestehenden Schulden ausgegeben worden, jedes Jahr wachsend, und keine müde Mark und kein schöner Euro für irgendetwas sonst. Und diese Zinsen flossen alle denen zu, die das hierdurch erzielte Einkommen dazu benutzten, den Staaten wieder neue Schulden zu ermöglichen. Wirklich eine gut melkende Kuh, die das ewige Leben für sich hat und jedes Jahr mehr Ertrag abwirft. Da klingt der Abschluss des Kommentars als der ewige Refrain, den man schon so oft gehört und der einem zum Hals heraushängt:

„Vor allem für den Bundestag (und, soweit beteiligt, der Länderkammer) ist das gestrige Urteil Bestätigung wie Herausforderung. Es bleibt, so wird betont, die Verantwortung der gewählten Volksvertreter, die „Entscheidung über Einnahmen und Ausgaben. . . als grundlegender Teil der demokratischen Selbstgestaltungsfähigkeit“ – sprich: die Haushaltsrechte – nicht einschränken zu lassen. Die Rolle unseres Parlaments bei der Kontrolle der Politik der Rettungsschirme wird gestärkt.

Im Ringen um die Wiedergewinnung der Euro-Stabilität sollte der Bundestag aber auch selbst Zeichen setzen. Etwa indem er dafür sorgt, dass Deutschland mit leuchtendem Beispiel vorangeht und in Zeiten hoher Steuereinnahmen endlich ohne neue Schulden auskommt.“

Die anonyme Gesellschaft der Anleger ist wieder fleißig dabei  – wie schon immer – , ihre Interessen dem politischen Geschehen aufzuzwingen, damit ihre Unersättlichkeit gestillt wird. Damit schaffen sie die Voraussetzungen für die überall ständig lodernden Kriege, an denen sich so gut wie sonst nirgends verdienen lässt. Das weiß zwar jeder, aber alle sagen das Gegenteil. So werden wir mit Lügen und dummem Geschwätz abgespeist, durch Ängste gefügig gemacht, um ja nicht auf die Idee zu kommen, dass sich da etwas ändern ließe. Sie betrachten sich und ihr Handeln als „alternativlos“, was entweder auf grenzenlos Dummheit oder skrupellosen Zynismus schließen lässt.  Aber eigentlich ist das „oder“ hier überflüssig, denn in ihrem Hochmut sehen die „Mächtigen“ nicht, was der Volksmund in seinem noch immer gültigen Sprichwort zum Ausdruck bringt: „Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz.“

Geldpolitik mit “Allradantrieb” – Ein Kommentar zu Trichets Erläuterungen

In der Financial Times Deutschland hat Trichet sein Verständnis der außergewöhnlichen Maßnahmen der Notenbanken dargelegt und dazu Stellung genommen, in welchem Verhältnis sie zur üblichen Zinspolitik stehen und in welcher Reihenfolge vom normalen auf “Allradantrieb” und umgekehrt umzuschalten sei. Ein lesenswerter Kommentar mit der Überschrift “Das Recht der Notenbanken auf Außergewöhnliches”

Er hebt mit Recht hervor, dass die außergewöhnlichen Instrumente nicht nur eine Fortsetzung der Standardgeldpolitik mit anderen Mitteln seien. Deshalb gebe es auch keine zwingende Reihenfolge für den Einsatz der Standardgeldpolitik und der außergewöhnlichen Instrumente sowie für ihren Rückzug. Damit erklärt sich, warum die EZB unter Trichet die Zinssenkungen nicht unter 1% fortsetzte, bevor sie außergewöhnliche Instrumente einsetzte. Sie sah den Transmissionsmechanismus der Geldpolitik als gestört an.

Kein Wort in seinem Kommentar, dass der Transmissionsmechanismus der Geldpolitik gestört ist, wenn die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes stark sinkt oder die Sparer bei der Anlage ihres Kapitals dem Hang zur Liquidität stärker frönen als gewöhnlich. Statt bei diesen wahren Ursachen anzusetzen und sie zu bekämpfen – z.B. durch die Anhebung der Inflationserwartungen -, wird mit den “außergewöhnlichen” Instrumenten Symptom-Bekämpfung betrieben. Entsprechend sind die Ergebnisse: bestenfalls wird der Absturz verhindert, aber der dringend erforderliche Aufschwung wird nicht bewirkt. Vielmehr ist zu befürchten, dass auch Deutschland einer Rezession entgegengeht.

Von der künftigen EZB-Politik ist daher ein ständiges Herumexperimentieren mit weiteren außergewöhnlichen Instrumenten zu erwarten. Im Gespräch ist der Ankauf von Anleihen überschuldeter Staaten, um deren Risikozuschläge zu begrenzen. Das wird die Steigung der Zinsstrukturkurven beeinträchtigen und den Hang zur Liquidität eher stärken. Uns drohen japanische Verhältnisse, die eine Überwindung der Staatsschuldenkrise vollends unmöglich machen werden.

Mit freundlichen Grüßen
Eckhard Behrens, www.sffo.de

Helmut Creutz DVD „Meine zehn wichtigsten Grafiken“

Helmut Creutz Vortag in Wuppertal.

Die DVD kann nun zu unserem größten Bedauern nun doch nicht zum Verkauf angeboten werden.

Alle, die dieses Video bereits bestellt haben, werden kontaktiert. Vorauszahlungen werden natürlich in vollem Umfang zurückerstattet.

Wir arbeiten daran dieses fantastische Material in anderer Form allen Interessierten zur Verfügung zu stellen. Nochmals vielen Dank für Ihre Geduld und unsere aufrichtige Entschuldigung für alle Unannehmlichkeiten.

(Hu)manigfaltiges 04/2012

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25 Billionen US-Dollar in “Schwarzen Löchern”

Der Pullitzer-Preisträger von 1990 für investigativen Journalismus Joe Kilzer hat für “TribLive” untersucht, wie es um die Steuergerechtigkeit im Hinblick auf große Geldvermögen steht.

Seine Erkenntnisse konnten erwartet werden, sind aber angesichts der sich weltweit zuspitzenden “Schuldenkrisen” dennoch aufschlussreich. Demnach wird geschätzt, dass sich weltweit rund 25 Billionen US-Dollar auf Bankkonten in Ländern befinden, die sich durch niedrige Steuern und/oder gut gehütete Bankgeheimnisse auszeichnen.

Bei diesen Summen verwischen zunehmend die Motive der Halter dieser Geldanlagen. Gewinnverlagerungen durch Gründung von Tochterunternehmen verlieren gegenüber dem Verstecken von Geldvermögen an Gewicht. Unter dem Strich steht nur eines fest: Die Nutzung dieser internationalen Bankverstecke erfolgt durch eine relativ geringe Zahl von großen Unternehmen und Superreichen. Beteiligt sind natürlich auch alle großen Bankhäuser dieser Welt, die sich dieses Geschäft mit den großen Summen nicht entgehen lassen wollen. In den ganz exotischen Bankplätzen treten sie dabei mit Tochterunternehmen auf.

Die Effekte dieser Form der Kapitalverlagerung werden mit der Zeit zunehmend fataler für die Volkswirtschaften der Länder, aus denen die Gelder vornehmlich stammen. Die Akkumulation der Geldvermögen nimmt noch rasanter zu, weil die regulären Steuern auf Gewinne und Geldvermögen nicht eingenommen werden. Die zwangsläufigen Sparmaßnahmen für die “normalen” Steuerzahler wirken wohlfahrstmindernd für die gesamte Gesellschaft, während die erwirtschafteten Überschüsse in Händen weniger mehr und mehr durch die dunklen Kanäle der internationalen Finanzwelt vagabundieren.

Wir haben es mit sich selbst verstärkenden Prozessen zu tun, die am Ende alles mit in den Abgrund ziehen. Dabei sollte man sich aber den Anfang dieser Entwicklung stets vergegenwärtigen.

Am Anfang steht ein Geldsystem, das Geld dort akkumuliert, wo es sich in Form von Überschüssen angesammelt hat. Zu Beginn (nach dem 2. Weltkrieg) waren es Überschüsse aus Leistung. Im Läufe der Zeit zunehmend solche aus Geldanlagen. Dieser “Selbstalimentation” liegt ein mathematischer Prozess zu Grunde, der unerbittlich abläuft und der durch physische Leistung von Menschen bedient werden muss. Doch Mathematik ist gegenüber real existierenden Belastungsgrenzen unerbittlich. So müssen schwarze Löcher quasi zwangsläufig entstehen, dienen sie doch auch dazu, die Gegensätze zwischen systemischen Zwängen und realen Möglichkeiten eine zeitlang zu überbrücken.

Natürlich sind die schwarzen Löcher das Ergebnis menschlichen Handelns. Natürlich müssen Moral und Ethik der Handelnden angeprangert werden. Dennoch bleiben sie das Ergebnis der Wirkungsweise eines Systems, das sich die Menschen selbst geschaffen haben, um miteinander zu wirtschaften. Wer das nachhaltig ändern will, muss die zugrunde liegenden Mechanismen ändern, statt die Symptome anzuprangern und zu bekämpfen.

Bild von mimax unter CC-Lizenz auf Flickr.com

 

 

Geldsystem: 13 ½ Gründe für eine Erneuerung

“Was bedeutet es, wenn die dringende Aufgabe jetzt nicht darin besteht, um jeden Preis zu handeln, sondern vielmehr darin, Inventur zu machen, um unsere Schwierigkeiten zu erhellen?”[1]

Das Gefühl des Getriebenseins beherrscht mittlerweile alle Bereiche des menschlichen Lebens. Die Dramatik der Ereignisse nimmt zu und mit ihr die Zahl der Ratschläge von allen Seiten, was wohl jetzt als nächstes zu tun ist. Politiker handeln sprunghaft und meist “alternativlos”. Bürgerinnen und Bürger  verharren mit dem Gefühl der Machtlosigkeit in einer lethargischen Erstarrung. Sich ganz auf sich selbst konzentrierend, die großen Dinge teilnahmslos beobachtend, bewältigt man seinen Alltag. Dennoch ist die Lage angespannt und von heute auf morgen kann die vermeintliche Erstarrung in offene Aggressivität umschlagen. Wäre es da nicht wahrlich Zeit für eine Inventur? Innehalten, Bestand aufnehmen und erst dann entscheiden, was als nächstes zu tun ist? So handeln, dass wieder Ruhe einkehren und sich langfristige Entwicklungen hin zum Guten einstellen können?

Ohne “Inventur”  aller Fragen des Geldsystems werden wir nicht weiter kommen. Die Liste im folgenden soll dynamisch sein, ergänzt, gekürzt und erweitert werden. Sie soll dazu beitragen, die Schwierigkeiten zu erhellen.

| 1 | Es haben sich unbezahlbare Schuldenberge aufgetürmt

Europa, die USA und auch alle anderen wirtschaftlich starken Nationen auf der Welt haben Schulden in nie erreichter Höhe. Mittlerweile müssen Steuerzahler für unvorstellbare Summen bürgen, die an klamme, international tätige Banken und ganze Länder ausgereicht werden, damit diese nicht pleite gehen. Diese immensen Geldströme fließen von der Gemeinschaft aller Menschen über einen vermeintlich zu beruhigenden Markt auf die Konten einiger weniger, die das Geld offenbar dringender brauchen, als diejenigen, die es bezahlen müssen. Für diesen Vorgang müssen viele Millionen Menschen ihre Ansprüche zurückschrauben und ihren erreichten Lebensstandard für eine ungewisse Zukunft opfern.

Nicht mehr zahlungsfähige Schuldner werden durch Steuerzahler ersetzt. An der Schuldenhöhe ändert sich nichts, denn deren Ursache sind die gleich hohen Geldvermögen. Für deren Zustandekommen und vor allem deren Abbau zugunsten sinkender Schulden scheinen sich zuständige Entscheider nicht zu interessieren.

| 2 | Es herrscht eine unnötige Armut.

Trotz eines nie dagewesenen Reichtums verarmen selbst in den hochentwickelten Ländern immer breitere Bevölkerungsschichten.

Das herrschende Geldsystem lässt Geld nur dorthin fließen, wo sichergestellt ist, dass der Rückfluss höher ist, als das zu Anfang Gegebene. Das zwingt zur Verschuldung und führt zwangsläufig zu noch größerer Armut, bei denen, die auf Geld zum Leben angewiesen sind.

| 3 | Die verborgene Zinslast.

Die automatisch, durch Zins und Zinseszins wachsenden Vermögen auf der einen Seite führen zu Verschuldungen in gleicher Höhe auf der anderen Seite. Nicht das Geld arbeitet, sondern die Menschen. Die Zinsen akkumulieren und verstecken sich in jedem Preis und in jeder Steuer. Neun von zehn Menschen verlieren mehr als sie gewinnen.

| 4 | Eine systematische Ungleichverteilung.

Das Ergebnis der menschlichen Arbeit, in der Summe als Bruttosozialprodukt ausgedrückt, wird an die Kapitalbesitzenden und an die arbeitenden Menschen ausgeschüttet. Erstere werden auch zuerst bedient. Ihr Anspruch an die Leistung steigt exponentiell, weil er mathematischen Gesetzen folgt. Da jedoch menschliche Leistung nicht exponentiell wachsen kann, sondern an natürliche Grenzen stößt, führt diese Situation auf Dauer dazu, dass die arbeitenden Menschen mit fortschreitender Zeit immer weniger von ihrem Arbeitsergebnis erhalten und die Kapitalbesitzenden dafür immer mehr.

| 5 | Ungerechte Handelsbeziehungen.

Will ein Handelspartner (ein einzelnes Unternehmen oder auch ein ganzes Land) einen Mangel beheben braucht er Geld. Er leiht es gegen Zinsen von jemandem, der Überschüsse hat. Ein Land, das zu viel produziert, ist gezwungen Abnehmer für das Überschüssige zu finden. Unausgeglichene Handelsbilanzen werden aber in Geld ausgedrückt und so geschieht es, dass das Gesamtproblem einzig auf den abgewälzt wird, der im Mangel lebt. Das Geld in seiner heutigen Verfassung ist nicht etwa neutrales Mittel für einen gerechten Handelsaustausch, sondern erzeugt selbst ungerechte Verhältnisse.

| 6 | Das Geld fließt nicht

Verknappung, Blockade, Zurückhaltung sind bewusst einsetzbare Mittel, um für einen möglichst hohen “Preis des Geldes” zu sorgen. Kapitalrenditen sind leistungslose Einkommen zu Lasten aller Menschen in einem Währungsraum.   Weil  die Nutzung des  gesetzlichen Zahlungsmittels kostenlos ist, entstehen der Gesellschaft Zinskosten in ständig steigendem Maße.  Statt eines (Geld)Flusses durch die Wirtschaftslandschaft haben wir es mit einem “Schleusensystem” von Stauwehren zu tun, dessen Nutzen bei sehr wenigen liegt.

| 7 | Zwang zum unendlichen Wachstum

Die mit mathematischer Genauigkeit wachsenden Ansprüche des Kapitals an der Gesamtheit aller Leistungen (Bruttosozialprodukt) können nur durch ständige Leistungssteigerung gedeckt werden. Leistungssteigerung stößt nicht nur an physikalische Grenzen beim Menschen selbst, sie führt auch unweigerlich zu einem zunehmenden Raubbau an den lebenswichtigen Ressourcen der Natur.

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[1] Matthew Arnold (1822-1888)

Geldsystem: 13 ½ Gründe für eine Erneuerung 2. Teil

Fortsetzung von Teil 1

| 8 | Instabilität und wachsende Kriegsgefahren.

Arme Gebiete werden zum Spielball von Spekulationen mit Geld. Weltweit operierende Großkonzerne eignen sich die Rohstoffvorkommen der Entwicklungsländer an, beuten Land und Leute aus und haben nur ihre eigene Kapitalentwicklung im Auge.  Geld, das schnell hereinkommt, ist genauso schnell wieder verschwunden und hinterlässt wirtschaftlich ruinierte Regionen oder ganze Länder. Instabile politische Verhältnisse, eine zerstörte Umwelt, große Armut und latente Kriegsgefahren sind die Folge.

| 9 | Wachsende Umweltschäden.

Nicht der Nutzen einer nötigen Maßnahme für eine intakte Umwelt steuert die Realisierung erforderlicher Projekte, sondern einzig die Rentabilität des eingesetzten Kapitals. Wirft eine Investition nicht mindestens eine am Kapitalmarkt durchschnittlich erzielbare Rendite ab, wird sie schlichtweg nicht verwirklicht und sei sie auch für Natur und Umwelt noch so dringend erforderlich. Insoweit Innovationen zum Schutze unserer Umwelt  umgesetzt werden, sind diese meist mit erheblichen finanziellen Nachteilen für die Initiatoren verbunden und werden deshalb in der Regel von Idealisten umgesetzt. So löblich die wachsende Zahl dieser Idealisten ist, so stellt sich dennoch die Frage, warum es sein muss, dass diesem Idealismus die Mauer des Geldsystems in den Weg gestellt wird?

| 10 | Falsche Produktinformationen.

Der Preis eines Produktes gibt den Konsumenten keine Informationen über die Konsequenzen des Kaufes. Irrwitzige internationale Handelswege zerstören lokale Strukturen und regionale Gemeinschaften, weil es irgendwo auf der Welt gelingt, ein Produkt so billig zu produzieren, dass die Kosten des Transportes um den Erdball geringer sind, als die Differenz der Lohnkosten. Die so verdeckt ausgebeutete Arbeit birgt zudem noch die Chance, eine noch höhere Kapitalrendite zu erzielen.

| 11 | Spargeld verlässt die Gemeinschaft.

Das Geld der Sparer sucht und findet über Banken die gewinnträchtigste Anlageform, vorzugsweise in den Regionen mit den niedrigsten Lohnkosten. Geldanlagen haben in den meisten Fällen nur ein Ziel: Die höchstmögliche Rendite. Die Anonymität des Geldes beginnt jenseits des Bankschalters – mit fatalen Folgen. In der heimischen Region fehlen die Mittel für sinnvolle Investitionen, weil diese in der Konkurrenz um den größten Kapitalertrag nicht mithalten können.

| 12 | Unnötiger internationaler Konkurrenzkampf.

Durch das zinssuchende Kapital, welches sich nur gegen bestmögliche Verzinsung zur Verfügung stellt, entsteht ein systematischer Mangel an Geld für Investitionen. Dadurch wird der gesunde Konkurrenzkampf auf den Realmärkten um den knallharten und vor allem destruktiven Kampf um Finanzierungen erweitert. Aus dem Zusammenleben wird mehr und mehr ein „Gegeneinanderleben“.

| 13 | Korruption.

Damit ist nicht einmal nur die direkt erkennbare Korruption gemeint, bei der der Einzelne sich zum Schaden der Allgemeinheit bereichert, wie es vor allem in den armen Ländern und ihren Eliten deutlich erkennbar ist. Das Geldsystem sorgt für eine strukturelle Korruption, die – meist unbewusst – das Handeln aller Menschen beeinflusst. Werte wie Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Treue oder Vertrauen sind mit materiellen Nachteilen verbunden. Den eigenen Überfluss in erster Linie nach den Prinzipien der Rentabilität und des höchstmöglichen persönlichen Gewinns zu verwenden, ist heutzutage eine allgemein anerkannte Selbstverständlichkeit. Dennoch wird dieses Verhalten von kommenden Generationen in einer Rückbetrachtung nur als die strukturelle Korruption, als Folge eines veralteten Geldsystems betrachtet werden können.

| 13 – 1/2 | Ethik und Moral

Der Mensch ist verantwortlich für sein Tun. Gesetz und Ordnung bestimmen weite Teile des öffentlichen Lebens. Moral und Ethik fließen als “ungeschriebene Gesetze” in das menschliche Handeln. Der ständige Antrieb eines renditegeprägten Geldsystems, hat aber auch Einfluss auf das menschliche Handeln. Ein Handeln, das Moral und Ethik dauerhaft mit materiellen Nachteilen bestraft, entwickelt sich fast zwangsläufig unmenschlich. Ein Geldsystem, das die beste Belohnung nur für schon vorhandenes Kapital kennt, untergräbt mit der Zeit jede Moral.

In einem Umfeld, in dem Unternehmen und Menschen dann am erfolgreichsten sind, wenn sie Klaviatur aus Verknappung, Aneignung, Privatisierung, schonungslosem Konkurrenzkampf am besten beherrschen, wird moralisches Handeln – zu dem jeder Mensch von Natur aus neigt – immer nur eine Nebenrolle spielen. Die Befreiung von einem Geldsystem mit den hier beschriebenen Wirkungen führt auch zu einer Befreiung jener im Menschen vorhandenen Werte, die auf Kooperation und Respekt gegenüber allem Leben aufbauen.

Bild: h.koppdelaney unter CC-Lizenz auf Flickr.com

Zuckerbrot Zins ist vergammelt

Und die Peitsche Inflation wird von Geisterhand geführt


Die Notenbanken haben für die Geldpolitik ein Instrument, mit dem sie direkten Einfluss nehmen können: die Höhe des “Hauptrefanzierungszinsatzes”. Das ist der Zins zu dem sich die Geschäftsbanken Geld bei der Zentralbank leihen können. Die Veränderung dieses Zinssatzes hat direkten Einfluss auf die Zinsentwicklung am Geldmarkt. Zuletzt hat die EZB den Hauptrefinanzierungszinssatz auf von 1% auf 0,75% gesenkt. Historisch niedrige Anlagezinsen und zugleich historisch riesige Geldvermögen bestimmen die Szenerie am Geldmarkt. Wer vom Erarbeiteten etwas zurücklegen will, hat bei “sicheren” Anlagen mit Verlusten zu rechnen, weil die niedrigen Zinsen von der Inflation mehr als aufgefressen werden.

Anleger deutscher Staatsanleihen sind derzeit sogar schon bereit für 2-jährige Staatsanleihen Minuszinsen zu bezahlen.

Die Euroländer, die ihre Schulden nicht mehr bedienen können, die Rettungsschirme für Banken und Geldanleger, die wirtschaftlichen Leistungsunterschiede der einzelnen Länder, die Sparmaßnahmen der Regierungen, die zunehmende Gewalt auf den Straßen… Wir sitzen auf einem Pulverfass und keine Politik kann mehr etwas bewirken, die sich immer weiter im Kreise der immer gleichen Handlunsgalternativlosigkeiten dreht.

Weder EZB, noch IWF, EU oder die einzelnen Regierungen sind in der Lage, Maßnahmen zu ergreifen, die mehr sind, als das Hinauszögern des Unvermeidlichen. Und das ist so, weil sich niemand traut das einzig richtige zu tun:

Aussteigen!

Aussteigen aus einem System, das uns in die Barbarei längst vergangen geglaubter Zeiten zurückwirft. Die riesigen Geldvermögen auf der Welt lassen sich nicht bändigen. Die “Märkte”, in denen sie kursieren und die von unseren Politikern “beruhigt” werden wollen, sind unkontrollierbar geworden, weil die Geldvermögen so riesig sind.

Nur Maßnahmen, welche die Geldvermögen mitsamt den Schulden schrumpfen lassen, können die Märkte beruhigen. Nur Maßnahmen, die die Nutzung von Geld mit direkten Kosten belasten, zwingen das Kapital, sich zur Verfügung zu stellen.

Niedrige Zinsen in einem System, das keine Maßnahmen kennt, mit denen Kapital zur Bereitstellung gedrängt wird, führen zu immer größerer “Kassenhaltung”. Geld wird flüssig gehalten und für den schnellen Gewinn eingesetzt oder eben auch mal etwas länger in “sicheren Häfen” geparkt.

Die Zentralbanken haben keinen direkten Einfluss auf die Höhe der Inflation. Sie können diesbezüglich Hoffnungen schüren oder Ängste hervorrufen, je nach Sichtweise des Betrachters. Aber was in der Realität geschieht liegt in den Händen der Marktteilnehmer. In Sachen Kapital sind das fast ausschließlich jene, die Frau oder Herr über die immensen Geldvermögen sind: Superreiche und Kapitalsammelstellen

Historisches Kostensenkungsprogramm

Im bestehenden Geldsystem haben wir es mit immensen indirekten Kosten zu tun.

Die Zinslast der Geldvermögen und die Kosten der sinnlosen Rettungsmaßnahmen fließen über Preise und Steuern von allen Bürgerinnen und Bürgern zu jenen, die am wenigsten materielle Rettung bedürfen: zu jenem 1% unserer Mitmenschen, auf die sich zwangsläufig die immer größer werdenden Geldvermögen konzentrieren.

Die Nutzung von Geld direkt mit Kosten zu belasten, wäre das größte Kostensenkungs- und Sparprogramm, das es je in der Geschichte der Menschheit gegeben hat. Wenn die derzeit “liquide geparkten” Geldvermögen durch Geldnutzungsgebühren langsam dahin schwinden würden, käme eine kaum vorstellbare Bewegung in den Kapitalmarkt. Vielleicht zunächst turbulent, aber schon bald auf eine Art beruhigt, wie wir es uns angesichts des heutigen Getriebenseins von diesen Märkten nicht vorstellen können.

Die Aktivitäten auf den Märkten sind kaum in den Griff zu bekommen, ohne in planwirtschaftliche und diktatorische Handlunsgweisen zurückzufallen. Machtkonzentrationen, die wir uns lieber nicht wünschen sollten.

Wobei Politik Einfluss nehmen kann und dabei keinen ausufernden Machtapparat braucht, ist der Umgang mit der Währung. Die Verfassung des gesetzlichen Zahlungsmittels liegt in den Händen der demokratisch gewählten Regierungen. Sie bestimmen, wie der Umgang damit gestaltet sein muss. Da können Märkte tun und lassen, was sie wollen; wenn Regierungen beschließen, die Nutzung von Geld mit direkten Kosten zu belasten, dann sind die “Märkte” zur Reaktion verdammt. Das Primat der Politik wäre gegeben und die “Märkte” müssten damit umgehen lernen. Sie könnten versuchen auszuweichen, aber das macht kaum Sinn, wenn es sich – wie im Falle Europas, bzw. Deutschlands -um Volkswirtschaften handelt, die ihre eigentliche Stärke in ihrer enormen Wirtschaftskraft haben.

Bild “Zuckerbrot und Peitsche” von micadoX unter CC-Lizenz auf Flickr