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Die Zeichen stehen auf Abschied
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"Bankrun 2010" Kollektives Geldabheben als zu hinterfragende Demonstration der Macht des Volkes

“Überwindung der Finanz- und Wirtschaftskrise durch eine Geldreform”

Das ist das Thema der “Mündener Gespräche” von 16. bis 18. März 2012 in der Reinhardswaldschule in Fuldatal (Simmershausen).
Gleich zwei Jubiläen werden dabei gefeiert.
Es handelt sich nämlich um die 50. Mündener Gespräche und Anlass ist der 150. Geburtstag des Sozialreformers Silvio Gesell, der auf den 17. März fällt.

Sein Hauptwerk “Die Natürliche Wirtschaftsordnung” enthält einen bis heute nicht gehobenen “Schatz” und äußerst wertvolle Lösungsvorschläge für die Krise, in der wir mittendrin stecken.
Entsprechend spannend und zeitgemäß besetzt ist diese Tagung.

Das Programm als PDF.

RheinReden 2012

Die Melanchthon-Akademie in Köln hat ihre Jahresschrift “Rheinreden 2011″ herausgebracht.
Themenschwerpunkt: “Zu einem besseren Verständnis der Wirtschaftskrisen 2008 – 2011 – Aufgaben der Bildungsarbeit”. Für 5.-€ bietet die Broschüre auf 108 Seiten Informationen, denen man große Verbreitung wünschen würde.
Auf in den Shop und dann, schön verpackt, ab damit unter den Weihnachtsbaum…

RheinReden 2011

RheinReden 2011

Sehnsucht nach „der“ Volkspartei?

Während über die Parteitage der “Etablierten” nüchtern und meist ergebnisorientiert berichtet wird, reizt der Bundesparteitag der Piratenpartei die großen Medien zu flankierenden Maßnahmen, welche die derzeit erfolgreichste „Splitterpartei“ in ein eher schlechtes Licht rücken.
Die “Tagesschau” bringt dabei die eher unbekannte Politologin Katja Kullmann in Position, um Äußerungen, wie

„Ich würde mir wünschen, dass wieder soziale Standpunkte bezogen werden“ oder

„Ich wünsche mir große, starke, verlässliche Parteien. Eigentlich wünsche ich mir sogar die Rückkehr der Volkspartei statt lauter kleiner Klientel-Parteien.“

als Gegenposition zu den politischen Emporkömmlingen aufzubauen, denen man eher Neoliberalismus unterstellt, als ein soziales Gewissen. Den Beweis liefert Frau Kullmann gleich mit, denn sie hat gezählt, dass im Parteiprogramm der Piraten „acht- oder neunmal“ das Wort „individuell“ und nur einmal „solidarisch“ vorkommt.

„Die“ Volkspartei von Frau Kullmann findet sich demnach irgendwo links der Mitte. Dort wo „Solidarität“ als Hülsenfrucht reichlich in Parteiprogrammen und offiziellen Verlautbarungen ausgesät wird. Wenn Helmut Schmidt beim SPD-Parteitag mit „Europa braucht ein mitfühlendes Herz“ um europäische Solidarität wirbt, dann muss das bei den „Opfern“ der SPD-Hartz-IV-Reformen wie Hohn in deren Ohren klingen.
Um das Erfrischende an den Piraten zu erkennen, braucht es Menschen, die bereit sind, zunächst einmal alles in Frage zu stellen und auf seinen Zukunftswert hin zu beurteilen. Die Tatsache, dass die Piraten noch kein festgeschriebenes Wirtschaftsprogramm haben und statt dessen auf die innerparteilichen Findungs- und Entwicklungsprozesse hinweisen, macht sie nur noch sympathischer. Während die etablierten Parteien von ihren Wirtschaftsprogrammen auch dann nicht abrücken, wenn um sie herum das Wirtschafts- und Sozialgefüge in sich zusammenfällt, halten sich die Piraten in dieser Frage noch alles offen. Das birgt die große Chance, dass sie 2013 mit echten Alternativen zu Fragen des Geldsystems antreten können.
Auf zukünftige „Volksparteien“ mit viel „solidarisch“ im Programm, aber wenig Substanz in den wichtigen Fragen der jetzigen Wirtschaftskrise können wir und alle zukünftigen Generationen geflissentlich verzichten. Ob es die Piraten oder andere junge Parteien letztlich sind, die mit Alternativen aufwarten, die diesen Namen verdienen sei dahingestellt. Alleine die Tatsache, dass den Etablierten ihre „TINA“ um die Ohren gehauen wird, ist schon ein Segen. Auch wenn „Katja“ das nicht wahrhaben will.

Was sind Schulden?

Diese Frage ist eigentlich ein wunderbarer Ansatz, um den Dingen auf die Spur zu kommen, die uns ganz aktuell aus der Bahn zu werfen scheinen.
Professor Michael Hudson von der Universität von Missouri ist dieser Frage am 2.12.2012 im Feuilleton der FAZ nachgegangen und liefert einen sehr lesenswerten Beitrag ab.

Er erzählt eine wunderbare, erhellende Geschichte von Schulden.
Dennoch, am Ende bleibt der fade Geschmack, dass Schulden per se etwas Schlechtes sind, die entweder erst gar nicht entstehen oder regelmäßig erlassen werden sollten. Letzteres ist unter Umständen ein, wenn auch nicht neuer, aber dennoch guter Gedanke. Ersteres zweifelhaft, da es auch in kooperativen Gesellschaften in naher Zukunft kaum aus der Welt zu schaffen sein wird, dass Menschen “vorleisten” müssen. Kooperation und das entstehen von Schuldverhältnissen – oder sagen wir besser Kreditverhältnissen, denn das lateinische “credo” kommt der Wahrheit schon sehr nahe – sind Dinge die zusammen gehören. In dem Text von Prof. Hudson kommt nicht zum Ausdruck, dass wir es mit einem Fehler im System zu tun haben, der Schulden letztlich zu unebzahlbaren macht. Wenn Geldvermögen von selbst und Schulden zwangsläufig mitwachsen, dann müssen wir den Gesetzmäßigkeiten auf die Spur kommen, die dieses unendliche Wachstum hervorrufen und nicht das völlig normale Entstehen von Kreditverhältnissen an den Pranger stellen.
In der jetzigen “Spätphase” des Kapitalismus machen Schuldenerlasse zur Abschwächung der entstandenen Ungleichverhältnisse ihren Sinn. Um derlei Verhältnisse danach (nach dem “Neustart”) aber nicht wieder entstehen zu lassen, braucht es ein Geldsystem, das es unmöglich macht, Geld mit Geld zu verdienen.

150. Geburtstag des Sozialreformers Silvio Gesell

2012 – 150. Geburtstag des Sozialreformers Silvio Gesell.
Die Erkenntnisse der „Natürlichen Wirtschaftsordnung“, dem Hauptwerk Silvio Gesells, sind durch den wachsenden Leidensdruck, der über die Finanzmärkte immer stärker auf alle Menschen einwirkt, aktueller denn je. Aus diesem Grund wird das „Gesell-Jahr“ 2012 auch für viele Organisationen und Gruppen im Rahmen von Veranstaltungen genutzt, um darauf aufmerksam zu machen, dass es sehr wohl Alternativen zu jenem politischen Handeln gibt, das immer mehr Menschen als wirkungslos und interessengetrieben wahrnehmen.

Die „Sozialwissenschaftliche Gesellschaft 1950 e.V.“ mit Sitz in Hamburg wird deshalb ihre traditionellen „Mündener Gespräche“ vom 16. bis 18. 3. 2012 in Fuldatal-Simmershausen ganz im Zeichen dieses runden Geburtstages durchführen.

Werkauswahl Gesells unter dem Titel „Reichtum und Armut gehören nicht in einen geordneten Staat“

„Reichtum und Armut gehören nicht in einen geordneten Staat“


Jetzt erschien im „Verlag für Sozialökonomie“ aus Anlass dieses Jubiläums eine Werkauswahl Gesells unter dem Titel „Reichtum und Armut gehören nicht in einen geordneten Staat“ die Sie in unserem Shop beziehen können.

Geld reGIERt die Welt – Ein Chansonabend

In Essen findet jeden 2. Dienstag im Monat ein Treffen der Leser der HUMANEN WIRTSCHAFT statt. Zum Jahresabschluss 2011 wird es am 13.12. ein ganz besonderes Erlebnis geben.
Das Hinterhoftheater SAGO unter der Leitung von Isabel Sandig und Ralf Gottesleben hat sich einen Chansonabend ausgedacht, der sich szenisch und musikalisch der Finanzwelt widmet.
Ein kultureller und kulinarischer Schmaus zum Jahresausklang.
Treffpunkt ist die Katharinenstr. 14 in Essen um 17 Uhr.
Start des Liederabends ist um 17:30 Uhr im Hinterhoftheater SAGO in der Reginenstr. 12 in Essen-Rüttenscheid.
Weitere Informationen siehe hier:
Geld regiert die Welt – SAGO

(Hu)manigfaltiges – Kurznachrichten und Hinweise – 06-2011

Datei herunterladen (PDF, 1.74MB)

Völlig „unrepräsentative“ Umfrage

Die Tagesschau will herausfinden, wie die Menschen die Arbeit der Regierung in Schulnoten einschätzen.

Absolut nicht repräsentativ, versteht sich:

Tagesschau-umfrage

Da kann man nicht mehr von „versetzungsgefährdet“ sprechen.

Das ist „chancenlos“.

Posted via email from HUMANE-WIRTSCHAFT

Jahresfeier 2011 HUMANE WIRTSCHAFT

Auch in diesem Jahr lädt die HUMANE WIRTSCHAFT ihre Leserinnen und Leser zur Jahresfeier nach Wuppertal ein.
Von 4. bis 6. November 2011 wird die Wirtschaft “Vom Kopf auf die Füße gestellt”

Wie immer haben wir ein Programm zusammengestellt, welches das aktuelle Tagesgeschehen einbezieht und aufzeigt: Es gibt sehr wohl Alternativen in Zeiten der Verschuldungs- und Eurokrise.

Link zum vollständigen Programm als PDF

Link zum vollständigen Programm als PDF

Unter dem Motto „Vom Kopf auf die Füße – Wirtschaft muss dem Menschen dienen“ treffen sich viele Leserinnen und Leser, Autorinnen und Autoren und sämtliche “Macher” der Zeitschrift in Wuppertal. Wie immer wird wertvolles Wissen vermittelt, Ideen und Projekte vorgestellt, die zum Mitmachen und aktiven Beteiligen einladen. Die geselligen Runden und die vielen menschlichen Begegnungen haben die Feier zu einem Höhepunkt in jedem Jahr werden lassen.

Dieses Jahr lohnt es sich ganz besonders, denn es werden unter anderem auch alle Projekte des nächsten Jahres vorgestellt und das sind enorm viele und vor allem große Projekte. Viele der Veranstalter werden da sein und darüber berichten.

Seien Sie dabei und melden sich gleich an.
Hier klicken für Anmeldeformular

HUMANE WIRTSCHAFT auf der Umweltmesse Lüneburg – Bilder von Frau Schmied

Die HUMANE WIRTSCHAFT war wieder einmal unterwegs. Am 3. und 4. September 2011 veranstaltete der Verein TUN e.V. – Technik – Umwelt – Natur die 17. Lüneburger Umweltmesse.

Wir waren dabei und durften wieder viele Leser aus dem norddeutschen Raum an unserem Infostand begrüßen.

<-- weitere Bilder und Infos zur Messe sind als Link hinter dem Bild hier links zu erreichen.

Informationen zur Beteiligung der HUMANEN WIRTSCHAFT über unsere Geschäftsstelle in Neustadt an der Aisch.







HUMANE WIRTSCHAFT auf der Umweltmesse Lüneburg

 

Die HUMANE WIRTSCHAFT ist wieder einmal unterwegs. Am 3. und 4. September 2011 veranstaltet der Verein TUN e.V. – Technik – Umwelt – Natur die 17. Lüneburger Umweltmesse.

Wir freuen uns darauf, wieder viele Leser aus dem norddeutschen Raum an unserem Infostand begrüßen zu dürfen.

Infos zur Messe sind als Link hinter dem obigen Bild zu erreichen.

Informationen zur Beteiligung der HUMANEN WIRTSCHAFT über unsere Geschäftsstelle in Neustadt an der Aisch.

“Schluss mit der Verhätschelung der Superreichen”

Erwarten würde man derlei Sätze in der Presse von Politikern des linken Lagers. Doch das ist die Überschrift eines Beitrages des Multi-Milliardärs Warren Buffet in der New York Times vom 15.8.2011!

In dem Text schildert der Superreiche einige interessante Details, wie zum Beispiel die Tatsache, dass er letztes Jahr knapp 7 Millionen US-Dollar Einkommenssteuern bezahlt habe, was umgerechnet einem Anteil von 17,4 % seines zu versteuernden Einkommens entsprochen hätte. Damit, so Warren Buffet, läge er deutlich unter dem Wert der 20 Mitarbeiter in seinem Büro, deren Steuersatz zwischen 33 und 41 % liegen würde.

Bevor ich auf diese Berechnung noch näher eingehe, will ich noch kurz den Tenor des Beitrages in der NYT zusammenfassen: Die Superreichen werden nach Meinung von Warren Buffet demnach vom Staat viel zu gering belastet. Die Superreichen würden sich nach seiner Kenntnis bei ihren Investitionsentscheidungen in keiner Weise davon leiten lassen, wie hoch die zu zahlenden Steuersätze wären.

People invest to make money, and potential taxes have never scared them off. And to those who argue that higher rates hurt job creation, I would note that a net of nearly 40 million jobs were added between 1980 and 2000. You know what’s happened since then: lower tax rates and far lower job creation.

 

“Menschen investieren, um Geld zu verdienen und potentiell zu bezahlende Steuern haben sie noch nie davon abgehalten.  Und für diejenigen, die argumentieren, dass höhere Steuern die Schaffung von Arbeitsplätzen verhindern, weise ich auf die Schaffung von 40 Millionen zusätzlichen Jobs zwischen 1980 und 2000 hin. Wir alle wissen, was seither passierte: geringere Steuerraten und viel weniger neue Jobs.”

Warren Buffet plädiert in dem Beitrag für eine höhere Besteuerung der Reichen, explizit bei jenen, deren Einkommen fast nur aus Kapitaleinkünften besteht, bei gleichzeitiger Steuerentlastung der unteren Schichten, die sich mit Arbeit über Wasser halten müssen. Er will das Problem des staatlichen Haushaltsdefizits von der Einnahmenseite her lösen und das nahezu ausschließlich unter Inanspruchnahme der Superreichen.

Mein Kommentar dazu:

Wenn meine etwas eingerosteten Rechenkünste mich nicht trügen, dann lässt sich aus den Zahlen schließen, dass das zu versteuernde Jahreseinkommen 2010 bei Warren Buffet rund 40 Millionen US-Dollar waren. Die Forbes-Liste 2011 weist ihn als drittreichsten Mann der Welt mit einem Geldvermögen von 50 Milliarden! US-Dollar aus.

Lassen wir einmal ein mögliches Einkommen aus Arbeit bei Warren Buffet unbeachtet und gehen bei ihm von 40 Millionen Dollar Einnahmen aus seinem Vermögen aus, dann hätte er eine Rendite von 0,08 % (0,8 Promille) eingefahren! Ob er damit wohl in Fragen der Geldanlage so gefragt wäre, wie das weltweit der Fall zu sein scheint?

Zäumen wir das Pferd andersherum auf: Wenn wir Warren Buffet für einen sehr auf Sicherheit bedachten Geldanleger halten und er geringe Renditen in Kauf nimmt und deshalb lediglich auf eine Rendite von 2 % in Bezug auf sein Vermögen pro Jahr kommt, dann wäre das ein zu versteuerndes Einkommen von 1 Milliarde US-Dollar. Wenn er darauf dann 7 Millionen Dollar Einkommensteuer bezahlt hat, liegt seine Steuerlastquote bei 0,7 % von seinem tatsächlichen Einkommen und nicht bei 17,4 %, wie er das in dem Beitrag angibt. Die Berechnung, die herauskommt, wenn man von den viel wahrscheinlicheren 5 oder mehr Prozent Rendite ausgeht, habe ich einmal versucht in nachfolgendem Diagramm, neben den laut Warren Buffet angegebenen “realen” Werten darzustellen. Die Linien stellen die möglichen Steuern dar, welche Warren Buffet bei unterschiedlichen Lasten von 17,5% – rote Linie -(wie derzeit von ihm bezahlt), 36% – orange Linie – (wie im Durchschnitt von seinen Mitarbeitern aus dem Arbeitslohn bezahlt) oder 49% – grüne Linie – (wie von vielen Amerikanern sicher gerne gesehen). Die Diskrepanz von den tatsächlich von ihm bezahlten 7 Millionen US-Dollar bis zu den knapp zwei Milliarden US-Dollar, die bei 49%-iger Besteuerung, ausgehend von einer 8% Rendite auf sein Geldvermögen, steht ungefähr in einem Verhältnis von 1:285

 

Warren Buffets Welt der Steuern 

Der Versuch, den Warren Buffet damit unternimmt, muss fadenscheinig genannt werden. Doch was bewegt ihn dazu, die Superreichen in ein besseres Licht zu rücken? Derlei Überlegungen haben die Angehörigen der Forbes-Listen doch noch nie unternehmen müssen. Das System ist automatisch auf ihrer Seite, egal welche Politik gerade gemacht wird.

Ich deute es als ein Zeichen dafür, dass die Superreichen beginnen zu erkennen, was der weitere Verlauf der Wirtschaftskrise für sie selbst bedeuten könnte. Gewalt kommt mit ins Spiel. Gewalt und zunehmender Hass auf die Profiteure dieses als zutiefst ungerecht wahrgenommenen Systems. Die Gefahr für Leib und Leben gesellt sich zu den Gefahren eines Vermögensverlusts durch die weitere Krisenentwicklung. Es gilt also erstmals, eigene populistische Maßnahmen zu ergreifen, die zeigen, wie gut, menschlich und mitfühlend in Wahrheit die Superreichen sind. Die Superreichen scheinen sich aktiv, mit offenem Visier, in die Politik einbringen und ihr Image aufpolieren zu wollen.  In den USA hat – anders als hierzulande – die Philantropie  schon immer einen hohen Stellenwert und wird auch immer schon bewusst kommunikativ eingesetzt, um die Nähe der Superreichen zu ihren ärmeren Landsleuten auch in Form wohltätigen Verhaltens zu demonstrieren. Kritiker behaupten, diese Art der Wohltätigkeit geschehe nur in seltensten Fällen ohne Ziele, die wiederum der Sicherung des eigenen Reichtums dienen. Fakt ist, dass trotz aller Philantropie auch nach Abzug der vermeintlichen Wohltätigkeit unter den 20 reichsten Menschen der Welt acht US-Bürger sind.

Systemwechsel unerwünscht

Ich vermisse bei diesem Beitrag in der New York Times aber etwas ganz entscheidendes. Warren Buffet geht selbst auf die immensen “leistungslosen” Einkommen seiner superreichen Kollegen ein und setzt sie in Beziehung zu den Leistungen aus Arbeit nicht nur seiner eigenen Mitarbeiter,  sondern auch all der anderen Menschen, die auf Jobs angewiesen sind. Und dennoch: In keiner Silbe hinterfragt er diese paradoxe Welt, in der die einen quasi automatisch auf Kosten der anderen reich und superreich werden. Und obwohl er höhere Steuern für sich selbst fordert, tut er das mit einer Verblendung der Wahrheit, selbst seiner eigenen im Hinblick auf sein wahres Einkommen. (siehe Tabelle oben)

Ein armseliger Versuch, der nichts gutes bedeutet, weil keinerlei Einsicht zu spüren ist. Einsicht, dass wir ein völlig  anderes System brauchen. Eines, bei dem man nicht mehr leistungslos superreich werden kann, nur weil man schon reich ist.

Fazit: Die Superreichen wollen die Politik darin unterstützen, den unweigerlichen Zusammenbruch des Systems so lange wie möglich hinauszuzögern. Die Politiker tun das, in dem sie immer mehr Lasten von zahlungsunfähigen Schuldnern (Banken und ganze Länder) auf die Steuerzahler – vor allem die zukünftigen – übertragen. Die Superreichen, indem sie sich ein klein wenig mehr von dem wegsteuern lassen wollen, das sie ohnehin einnehmen, ohne je dafür etwas zu leisten.

Die “LiberTytanic” des 21. Jahrhunderts steuert weiter unter Volldampf auf den internationalen Kapitalsystem-Eisberg zu. Und solange die Musik noch spielt, werden alle weitertanzen, auch dann noch, wenn die ersten schon “ertrunken” sind.

 

Erste Konservative schütten das Kind mit dem Bade aus

Anders lassen sich die lauter werdenden Äußerungen von als konservativ bekannten Medien und Politikern kaum interpretieren.
Die Ereignisse in England haben eine schockierende Brutalität und kommen hierzulande offenbar so manchem schon viel zu nahe. Griechenland wähnte man da weiter weg und deren Probleme sah man als eher hausgemacht an. Doch mit dem spürbarer werdenden Gefühl von Gewalt auf der Straße, wächst die Unruhe, ob denn die jahrelang verfolgte Politik, die dem Neoliberalismus den Weg gebahnt hat, eigentlich richtig war.
Wenn der Herausgeber der FAZ, Frank Schirrmacher, unter der Überschrift “Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat” zu Wort meldet, dann darf man das schon als kleine Sensation werten. Als linkes Kampfblatt hat sich die FAZ bisher keinen Namen gemacht. Schirrmacher nimmt in seinem Beitrag den ursprünglich von dem englischen Konservativen Charles Moore zugespielten Ball auf, den dieser in direkter Reaktion auf die englischen Unruhen lostrat.
Schirrmacher erwähnt auch die Rede des ehemaligen CDU-Ministerpräsidenten Erwin Teufel, der wohl als erster deutscher Politiker in dieses Horn stieß.

Doch, was machen all diese bisher konservativen Denker und Politiker in dieser vertrackten Situation?
Sie werfen sich in das Lager derer, die sie bisher verbissen bekämpft haben, offenbar weil sie sie als einzige verfügbare Alternative sehen. Doch was haben die Linken als Lösung anzubieten, das in dieser Phase der Krisensituation als neu bezeichnet werden könnte?
Eine Finanzmarkt-Regulierungswut mit Einzelmaßnahmen, von denen niemand weiß, was sie am Ende bewirken werden! Nicht zu vergessen, das “erfolgreiche” Rezept der Forderung nach höheren Löhnen für die Beschäftigten und höheren Steuern von den Reichen. Nirgendwo bei den Linken ist ein Konzept für eine nachhaltige Wirtschaftspolitik zu entdecken, das diesen Schritt erster konservativer Kräfte auch nur im Ansatz rechtfertigen würde. Die bisher proklamierte Alternativlosigkeit liberal-konservativer Politik beginnt sich auf die andere Seite zu bewegen, hin zu jenen, die auch Alternativlosigkeit können, nur eben von links.

Statt jetzt alles in Bausch und Bogen über Bord zu werfen, bedarf es doch erst einmal einer genauen Analyse der eigentlichen Ursachen des Desasters. Warum trauen sich die Verfechter der Marktwirtschaft da nicht dran?
Es ist ihre letzte Rettung und gleichzeitig die von Millionen Steuerzahlern und den vom System Ausgegrenzten. Das Geldsystem hat einen kapitalen Fehler und muss erneuert werden, um die Marktwirtschaft zu retten.

Der hilflos, ängstliche Schwenk nach links würde wahrlich bedeuten, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Zumindest so lange, wie die Linken kein schlüssiges Konzept für die Marktwirtschaft der Zukunft vorlegen. Einer Marktwirtschaft ohne Kapitalismus.

“Die oberen Plätze zählen…

…denn nur oben geht es noch weiter nach oben. Unten fallen immer mehr heraus aus der ökonomischen Gleichung “Mehr Markt=Mehr Konkurrenz= Mehr Wohlstand”"

Bis hierher ist das ein Zitat aus diesem ausgezeichneten Dokumentar-Film, der bei Arte lief und von der US-Künstlerin Tina Barney berichtet.
Das besondere an Tina Barney und ihrer Fotografie-Kunst ist ihre Herkunft. Sie stammt selbst aus der obersten Eliteklasse der Weltstadt des Kapitals: New York.
Der Film zeigt wie außergewöhnlich die Arbeit von Tina Barney ist, denn der tiefe Einblick in die Welt der Reichen und Schönen ist – ohne direkt anzuklagen – eine Art Hilferuf der weltweiten Gemeinschaft. Ein Hilferuf des untergehenden Sozialwesens, das so sehr auf eine relative, innere Ausgeglichenheit angewiesen ist, wenn es nicht untergehen und in die Barbarei abgleiten soll.
Tina Barney kann ein Lichtblick sein, wenn wir an die mitten unter uns schwelende Wirtschaftskrise denken, die sehr viel mit der Scherenentwicklung im Sozialwesen und deren Ursachen zu tun hat. Tina Barney kann als eine Art Symbol mithelfen, die Wende zu einem Neuanfang von Wirtschaften und Geldsystem gemeinsam zu schaffen; die Ausgegrenzten gemeinsam mit den vom System Privilegierten.
Nur so lässt sich noch ein leidvoller Totalzusammenbruch vermeiden, an dessen Ende alle, die Ausgegrenzten und die Privilegierten, gemeinsam untergehen würden.
Die Politik scheint es nicht zu schaffen, die Krise so zu bewältigen, das wir vor dem Schlimmsten bewahrt werden. Das zeichnet sich mit jeder Maßnahme deutlicher ab.
Die Kunst könnte es schaffen, die Menschen direkter zu erreichen und so die notwendigen Veränderungen von unten nach oben zu erzeugen.
Eine spannende Zeit:


US-Bank führt “Umlaufsicherung” auf Giroguthaben ein

Wie die Financial Times Deutschland (FTD) schreibt, führt einem Bericht des Wall Street Journal (WSJ) zufolge die US Bank “Bank of New York Mellon”(BNY) Gebühren für Guthaben auf den bei ihr geführten Girokonten ein.
Offenbar haben die Kunden der Bank 160 Milliarden US-Dollar auf Girokonten der Bank “geparkt”, wodurch der Bank einerseits Kosten bei der FDIC (Gesetzliche Einlagensicherung) entstehen und sie andererseits auch keine Möglichkeit habe, die Beträge für Geschäfte zu nutzen, da die Gefahr des jederzeitigen Abrufs der Einlagen drohe.
Die Vermutung, wonach die Banken generell stark an Problemen der “Fristentransformation” leiden, wird zwar nirgendwo nachvollziehbar statistisch aufbereitet, aber Berichte wie der über diese große US-Bank deuten zumindest an, dass es diesbezüglich Handlungsbedarf gibt, bzw. sogar erhebliche Gefahren lauern.
Die BNY erhebt die Gebühren von voraussichtlich 0,13 % (Im Jahr?) auch nur von Kunden, die mehr als 50 Millionen US-Dollar auf diese Weise geparkt haben. Das wiederum ist auch ein Indiz für sich immer mehr zuspitzende Verteilung von Geldvermögen auf sehr Wenige.
Natürlich verfolgt die Bank mit der Gebührenmaßnahme keine politischen Ziele hin zu einer Änderung des Geldsystems, sondern hat nur die eigene Kostenstruktur im Fokus. Dennoch beweist die Maßnahme, dass der Druck, der durch die enormen flüssig gehaltenen Geldvermögen auf das Gesamtsystem ausgeübt wird, zu Überlegungen führt, die noch vor ein paar Jahren undenkbar gewesen wären.
Man darf gespannt sein, inwieweit das Beispiel dieser Bank Schule macht und es zu einer allgemein anerkannten Gepflogenheit wird, wonach das Halten (man könnte auch sagen “das zeitweise Horten”) von Geld zu Kosten für den Halter führt.

Zinslose Kredite sind der “Sozialismus der Reichen”

Zinslose Kredite wünschen sich manche hochverschuldeten Unternehmer und Privatleute. Doch im richtigen Leben gibt es das nur für Einrichtungen, die “zu groß zum Scheitern” (“too big to fail”) sind.
Laut dem im Juli 2011 veröffentlichten Bericht zu den Krediten, die anlässlich der Wirtschaftskrise ab 2007 durch die FED (US-amerikanische Notenbank Federal Reserve) ausgereicht wurden, gibt es praktisch kaum eine westliche Großbank, die nicht mit riesigen Summen bedacht wurde.
Von Dezember 2007 bis Juni 2010 hat die FED unzählige Banken, Unternehmen und Staaten durch “frisch gedruckte Dollars” vor dem Zusammenbruch gerettet, der ihnen gedroht hätte, wenn sie die Verluste, die sie selbst zu verantworten hatten, realisiert hätten. Demnach hat die FED insgesamt 16 Billionen US-Dollar an Banken, Unternehmen und Staaten ausgereicht und jetzt nur unter enormem politischen Druck die Nutznießer dieser Kredite veröffentlicht.
Unter den Empfängern befinden sich an vorderer Stelle auch deutsche Banken. Die Deutsche Bank z.B. erhielt auf diesem Weg 354 Milliarden US-Dollar!
Weshalb die FED diese Zahlen am liebsten für immer verheimlicht hätte ist angesichts der derzeitigen Diskussion um die Anhebung der Schuldenobergrenze und den damit verbundenen Sparhaushalten für die “kleinen Leute” auch klar.
Unglaublich – aber wohl wahr – scheint, dass diese Mittel als zinslose Kredite ausgereicht und bis heute nicht getilgt wurden.
Thomas H. Greco zitiert diesbezüglich den US-Senator Bernie mit der Einschätzung, es handle sich um den “Sozialismus der Reichen”.
Im Boot des Kapitalismus fahren wir auf den Abgrund zu. Für diese Einschätzung bedarf es keiner hellseherischen Kräfte. Ob wir das Boot vor dem Sturz ins Ungewisse verlassen oder den Weg in ungewisse Tiefen antreten, um am Ende vielleicht zu den Überlebenden zu zählen, hängt von der Kraft und dem Mut ab, den wir in naher Zukunft entwickeln. Sich dabei auf Politiker und Eliten zu verlassen, hieße den Fall in die Tiefe in Kauf zu nehmen.
Für einen rechtzeitigen Neuanfang zu sorgen, hieße, sich auf die Suche begeben. Auf diesen Webseiten ist das gar kein so schlechter Anfang.

Spekulation mit Nahrungsmitteln

Die Organisation "WEED" hat einen sehr informativen Film zur Spekulation mit Nahrungsmitteln auf Youtube gestellt.

Darin wird deutlich, dass sich die Nahrungsmittelpreise in zunehmendem Maße nicht mehr durch Angebot und Nachfrage der realen Güter bilden, sondern durch die Spekulation mit Kapitalmarktpapieren, deren "Erschaffung" einzig der Bereicherung der beteiligten Händler und Spekulanten dient.
Diesbezüglich auch sehr lesenswert ist der Beitrag von Marco Meng "Wie Spekulanten die Preise treiben" in der neuesten Ausgabe der HUMANEN WIRTSCHAFT
Insofern WEED  in dem Film den Gründen für die immense Zunahme der Spekulation im Laufe der Zeit auf die Spur geht, bleibt sie leider im System stecken. Natürlich spielen die gesetzlichen Erleichterungen beim Marktzugang eine gewisse Rolle, aber sicher nicht eine, die das ganze Ausmaß der Entwicklung erklärt.
Der Druck auf die Politiker, den Handel mit spekulativen Rohstoffpapieren zu vereinfachen, wurde vor allem durch das wachsende Kapital weltweit ausgelöst. Geldvermögen vermehren sich von selbst durch Zins und Zinseszins. Dieses systematische Wachstum braucht Anlageformen, die von der Realwirtschaft schon lange nicht mehr dargestellt werden können. 
Die strengere Regulierung von Teilen des internationalen Kapitalmarktes, wie sie WEED und beispielsweise auch "attac" fordern, löst das ursächliche Problem der von selbst wachsenden Geldvermögen nicht. Diese Geldvermögen werden durch die Einschränkungen zu anderen "Spielwiesen" umgeleitet und kein Mensch weiß, welchen Schaden sie dort anrichten.
Um nicht falsch verstanden zu werden: Natürlich muss die Spekulation mit Rohstoffen strenger geregelt werden. Doch wird das in der gegenwärtigen Situation nur etwas nutzen, wenn wir uns gleichzeitig mit den Wirkungen des Systems selbst beschäftigen und Lösungen suchen, die das Problem wachsender Schulden und Geldvermögen nachhaltig überwinden helfen. Wir brauchen den Blick auf das Gesamtsystem, um zu nachhaltigen Lösungen zu kommen. Und dazu braucht es eine intensive Zusammenarbeit von Nichtregierungsorganisationen. Jede dieser Organisationen leistet auf ihrem Gebiet Außergewöhnliches. Was fehlt ist der Blick aufs Ganze.

Posted via email from HUMANE-WIRTSCHAFT

Wer braucht schon Souveränität?

Vielleicht versehentlich kam es zur Veröffentlichung des Vertrages, der laut Meinung einiger Kritiker auch den Abschied aus der Souveränität der Staaten und eine Entmündigung der Bürger Europas darstellt. 

Zwar sagte schon mein Urgroßvater Verträge seien dazu da, um gebrochen zu werden, dennoch kann man die Auffassung vertreten, dass angesichts dieses Umgangs mit der erdrückenden Verschuldungssituation eine Lösung ohne Totalzusammenbruch nahezu unvorstellbar erscheint. Ein einzelnes EU-Land wird gar nicht mehr ohne weiteres Wege gehen können, die wir zur Erreichung einer völlig anderen Lösung brauchen werden. Die durch Verträge geschaffenen Tatsachen (Lissabon-Vertrag und jetzt ESM) verdammen im Grunde zum gemeinsamen Untergang.
Ganz aktuell sind die Beschlüsse zur Griechenland-Krise wieder nur ein Aufschieben. Griechenland hat nicht einen Euro weniger Schulden (Umschuldung und "Haircut" scheinen vom Tisch zu sein), kein Gläubiger verliert Geld. Private Gläubiger sollen "freiwillig" kurzfristige in langfristige Staatsanleihen tauschen und "freiwillig" auf das eine oder andere Prozentpünktchen Zinsen verzichten. 
Die letzten noch verbliebenen privaten Gläubiger griechischer Staatspapiere können jetzt mit einiger Gewissheit letzte Zockerrunden starten, bevor sie sich rechtzeitig aus den Papieren verabschieden. Die zwangsläufig kommende Zahlungsunfähigkeit trifft dann auf der Gläubigerseite nur noch die europäischen Steuerzahler. Die dann noch im Boot sitzenden "Privaten" werden jene Banken sein, die sowieso schon vom Steuerzahler übernommen sind, bzw. dann spätestens unter den Rettungsschirm schlupfen werden.

Ich weiß nicht ob es an dem trüben, nasskalten Wetter diesen Sommer liegt, aber hat außer mir noch jemand das Gefühl, dass der Herbst dieses Jahr verdammt heiß wird?

 

Posted via email from HUMANE-WIRTSCHAFT

Note an den Kapitalismus

In der neuesten Ausgabe (Juli/August-2011) der HUMANEN WIRTSCHAFT werden brisante Analysen des aktuellen Geschehens vorgestellt. Es werden aber auch zukunftsweisende Modelle, Handlungsanregungen, Projekte und Initiativen präsentiert, die Mut machen.

Leseprobe4-2011

Note an den Kapitalismus

Note an den Kapitalismus

Manche reden auch Klartext…

… doch wird es zu selten wahrgenommen, bzw. führt nur zu bescheidenen Reaktionen bei den eigentlich Betroffenen: Uns allen

Der Monitor bringt es mit dem nachfolgenden Beitrag auf den Punkt.

Es wird überdeutlich, dass das “Auf-Zeit-spielen” der Politik den Steuerzahlern einen immensen Schaden zufügt. Statt zeitnah aktiv die Insolvenz Griechenlands zu betreiben, geben die politischen Maßnahmen allen privaten Gläubigern der griechischen Staatspapiere  genügend Zeit rechtzeitig aus dem Risiko zu gehen und dem Steuerzahler am Ende die ganze Last aufzubürden.  Die Haltung der Politik eröffnet den Akteuren am Kapitalmarkt Formen der Spekulation, die man angesichts der aussichtslosen Lage der griechischen Wirtschaft als “Leichenfledderei” bezeichnen kann.

Dabei liegt die Schuld nicht bei den Spekulanten, die immer versuchen werden, aus jeder Lage Profit zu schlagen. Nein, das schändliche ist die feige Politik, die es nicht wagt gestaltend zu handeln, um die Menschen in Griechenland und dem Rest von Europa vor der Schmach eines endlosen wirtschaftlichen Niedergangs zu bewahren- mehr noch – ganz Europa in den Abgrund zu reissen:



Das gibt es nur im Kapitalismus: Die Insolvenz

Doch warum findet sie gerade dann keine Anwendung, wenn sie dringend erforderlich wäre?

Langsam, Langsam, wir sind in Griechenland!

Wie sympathisch klingt dieser Satz doch jedem Griechenland-Urlauber im Ohr, wenn ein Einheimischer einem lächelnd die Hektik des eigenen Handelns und Denkens in die gemächliche Schönheit Griechenlands überführt. “Ziga, Ziga” oder “Avrio” sind die Vokabeln, die dem gestressten Urlauber als erstes quasi “inflationär” begegnen. “Langsam, Langsam” und “morgen”.
Die Uhren gehen in Griechenland schon immer anders.
Auch die Strukturen griechischen Geschäftemachens haben eine ganz andere Tradition und unterliegen ganz anderen – vor allem ungeschriebenen – Gesetzen, als in den nördlicheren europäischen Ländern. Ein Netzwerk aus Beamten, kirchlichen Würdenträgern und Unternehmern, geschmiert durch einen eigenen Geldkreislauf bestimmt die regionale Politik und bestimmt auch den Grad an Abhängigkeit zu Athen.
Der Außenhandel Griechenlands spielt sich auf tausenden sonnenverwöhnter und idyllischer Inseln ab, die von Athen durch große Entfernungen und ein tiefblaues Mittelmeer auf eine Weise getrennt ist, wie wir “Festland-Europäer” uns das gar nicht vorstellen können.
Was jedem, der ein paar Mal in Griechenland in Urlaub war, auffällt und worüber man sich auch keine negativen Gedanken gemacht hat, wird in einem durch den Euro vernetzten Europa jetzt zu einem massiven Problem.

Die griechischen Finanzprobleme von heute waren absehbar.

Weder der Grad der Korruption in Griechenland, noch der eklatante Leistungsunterschied der griechischen Volkswirtschaft im Vergleich zu den anderen Ländern können als eine neuere Entwicklung hingestellt werden.
Wir haben kein Recht dazu, den Griechen unser System, geschweige denn unsere Mentalität und unser Leistungsdenken aufzuzwingen.
Der erste politische Fehler war also die blauäugige Übernahme von Griechenland in die europäische Währungsunion. Heute danach zu rufen, dass die Griechen sich gefälligst an die Gepflogenheiten der westlichen Länder anpassen sollen, ist dumme Politik. Die Griechen jetzt dazu zu zwingen, dass Sie drastische Sparmaßnahmen im eigenen Land durchführen ist zwar logische Folge dummer Politik, deshalb aber nicht klüger.
Konnte sich Griechenland zu Zeiten der Drachme durch Abwertung der Währung im internationalen Handel (der ja hinsichtlich des Exportes im Grunde nur aus Tourismus besteht) behaupten, so gibt es dieses Regulativ innerhalb des Euro nicht mehr. Dem Handelsbilanzdefizit Griechenlands lässt sich zwangsläufig nur durch immer größer werdende Verschuldung begegnen. Das wiederum findet sein natürliches Ende in der Zahlungsunfähigkeit, welche durch steigende Zinsen noch schneller herbeigeführt wird.

Was also kann man tun?

Ganz sicher wertlos sind lebensverlängernde Maßnahmen, die nicht die Ursache der Probleme berücksichtigen. Das ist aber das Konzept der verantwortlichen Politiker. Muss man studiert haben, um zu wissen, dass Sparmaßnahmen nur zu einem sich selbst verstärkenden Teufelskreis in Griechenland führen und die Katastrophe am Ende nur noch größer wird?
Gewiss nicht.
Doch für andere Schritte braucht man die Kraft der Erkenntnis und den Mut, neue Wege zu gehen.
Wir sollten uns möglichst schnell daran gewöhnen, eines der wichtigsten Prinzipien des Kapitalismus auch auf der Ebene von großen Banken und ganzen Ländern Anwendung findet: Die Möglichkeit zahlungsunfähig und insolvent zu werden. Was im Kleinen zählt muss auch im Großen möglich sein. Das mag schmerzen, aber solange wir nicht über Systeme nachdenken, die dermaßen schmerzhafte Schritte weitgehend unmöglich machen, solange müssen wir die zwangsläufigen Folgen unseres untauglichen Systems ertragen.

Auf dem Weg zu etwas Neuem muss man sowieso das Alte erst einmal beenden. Eine Insolvenz ist auch bei Großbanken und ganzen Staaten keine Katastrophe solange sie nur rechtzeitig angemeldet wird. Die Politik betreibt sowohl im Falle der Großbanken, als auch hinsichtlich der Länder wie Griechenland Insolvenzverschleppung. Unternehmer, die bei Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit nicht rechtzeitig Insolvenz anmelden, steckt man ins Gefängnis!
Mit fortdauernder Zeit wird die Katastrophe, die am Ende zu erwarten ist, immer größer. Noch gäbe es Wege, wie man handelnd die Dinge auf eine zukunftsfähige Bahn bringen könnte.

Ich heiße weder Korruption noch Faulheit oder Trägheit für gut, aber ich halte überhaupt nichts von einer Politik, die sich darauf konzentriert Menschen zu Handlungen zu zwingen, die weder mit ihrer Tradition noch mit ihrem Selbstverständnis vereinbar sind. Die Folge kann nur Gegenwehr sein. Was wir brauchen ist eine Politik mit Rahmenbedingungen, innerhalb derer das der Gemeinschaft Förderliche belohnt und das Schädliche zu Nachteilen führt. Damit bringt man Menschen zu verändertem Handeln. Der Schlüssel dazu ist das Geldsystem.

Für mich sind die Erfolg versprechenden Schritte:

  1. Griechenland in eine geordnete Insolvenz führen, bei der es sein Gesicht wahren kann und seine Chancen für einen Neuanfang in der Staatengemeinschaft aufgezeigt werden. Die Insolvenz sollte mit einer transparenten Informationspolitik begleitet werden und deutlich machen, dass die Politik das Primat über den Finanzmarkt beansprucht. Die konsequente Nutzung des bewährten Insolvenzrechts ist die letzte Chance, aktiv auf das Geschehen einzuwirken. Alles andere ist “Insolvenzverschleppung” und endet im Chaos.
  2. Eine “regionale” Währung für Griechenland konzipieren, die den Besonderheiten der griechischen Bevölkerung Rechnung trägt.
  3. Konzepte für eine “Ausgleichswährung” entwickeln, die im internationalen Wirtschaftsverkehr für den Ausgleich zwischen den verschieden leistungsfähigen Volkswirtschaften sorgt. Vorbild könnten dabei der “Bancor” von John Maynard Keynes und die IVA (Internationale Valuta Assoziation) von Silvio Gesell sein.
  4. Eine Geldordnung konzipieren, die Mensch und Natur in den Mittelpunkt stellt, die Selbstvermehrung von Geldvermögen und damit die zerstörerische Spekulation unterbindet.
  5. Den Europäischen Gedanken auf Basis einer vom Kapitalismus befreiten Marktwirtschaft neu gestalten und ihm eine neue Chance geben.
  6. Ein Gesellschaftsmodell, wie beispielsweise die “Soziale Plastik” von Joseph Beuys, mit Leben füllen und dauerhaft weiterentwickeln

Noch können wir eingreifen und neu gestalten. Doch allzu lange bleibt dieses Zeitfenster nicht geöffnet. In Fragen der Ordnungspolitik braucht es jetzt die Mentalität der Deutschen, mit ihrer Tatkraft und der Uhr im Auge.

Andreas Bangemann, 20.6.2011

Picknick an historischer “Veränderungsstätte” | Picnic 4 Degrowth !

Auf diesem herrlichen Gelände am Rande Wuppertals (Silvio-Gesell-Tagungsstätte) treffen wir uns ab 15 Uhr und schmieden Pläne für eine gute Zukunft. Es stehen Grills und Getränke bereit. Alles was Ihr für einen gelungenen Nachmittag für wichtig erachtet bitte mitbringen.

Wir sitzen alle in einem Boot. Deshalb müssen wir uns darum kümmern, wie dieses Boot beschaffen sein muss!

Rückfragen unter : 02053-423766

Location

Silvio-Gesell-Tagungsstätte
Schanzenweg 86

Wuppertal

Germany

Am 5.6.2011 ab 15 Uhr Picknick in Wuppertal unter dem Motto:
“Wir sitzen alle in einem Boot. Deshalb müssen wir uns darum kümmern, wie dieses Boot beschaffen ist!”
Nähere Information hinter dem Link oben!

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La Declaración

 

Quiero esta ciudad.

Quiero el gente de esta ciudad.

Quiero espíritu pacífico de la revolución en esta ciudad

Y Quiero  el arte futbolístico de “mas que un club” en esta ciudad.

Estoy con vosotros!

 

Grácies Barcelona!

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Die Europäische Zentralbank droht mit der Atombombe

Die EZB lässt es aber nicht beim wortlosen Protest bewenden. Sie erpresst die Politik mit einer sehr realen Drohung: Sollte die EU auch nur an eine Umschuldung Griechenlands denken oder die Laufzeit der Schulden verlängern wollen – das wäre das sogenannte Reprofiling –, dann würde er, Trichet, sofort den Stecker herausziehen. Will heissen: Ab sofort würde die EZB keine griechischen Staatspapiere als Sicherheit mehr akzeptieren. Damit wäre Griechenland von der Liquidität abgeschnitten und pleite. Europa stünde damit wahrscheinlich vor einen Welle von Bankenpleiten. «Trichet hat damit die Atom-Option gewählt», sagen die Experten.

Wer noch immer nicht weiß, warum es angeblich keine Alternativen zum Handeln der europäischen Spitzenpolitik gibt, der weiß es spätestens jetzt.
Die Bürger Europas sind Opfer einer ideenlosen Politik und der Spielball in der Zockerbude der Superreichen und ihrer Handlanger in den Banken und Kabinettssesseln der europäischen Politik.
Wir werden wie eine Herde Lemminge von den “Alternativlosen” zum Abgrund des Systems geführt. Zeit sich zur Wehr zu setzen!

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Wahre Demokratie jetzt – In Spanien empört sich die Jugend

Unterstützt durch ein Manifest für wahre Demokratie empören sich immer mehr Bürger Spaniens.

“Wir sind keine Ware in den Händen von Politikern und Bankern” proklamieren Sie auf der wichtigsten Webseite.

Aus dem Manifest spricht die Empörung gegen ein zerstörerisches System, “das nur wenigen Menschen Reichtum bringt, und den Rest in Armut stürzt”.

Das Manifest zeigt, dass es im Kern um das Wirtschaftssystem geht, in dem die Beschaffenheit des Geldsystems dafür sorgt, dass es zum Kollaps kommt.

Man kann dieser so lebendigen und noch friedlichen Bewegung nur wünschen, dass sie die Mechanismen dieses zerstörerischen System im Detail analysiert und darauf ihre Änderungswünsche und Erneuerungsvorschläge aufbaut.

Eine Revolution kann eskalieren, wenn man statt der Änderung eines Systems, einzig die Bekämpfung von Personen und Einrichtungen vorantreibt. Mit einem Blutfließen, an dessen Ende nur Personen getauscht würden, wäre keine Systemänderung erreicht.

Es wäre wünschenswert, wenn diese Forderung aus dem Manifest nie aus dem Auge verloren wird:

“Wir brauchen eine ethische Revolution. Anstatt das Geld über Menschen zu
stellen, sollten wir es wieder in unsere Dienste stellen.” 


Der gesamte Wortlaut des Manifestes in deutscher Übersetzung (Über Greenhouse Infopool, von Jürgen Manneck):

 

Manifest – Democracia Real Ya

Wir sind normale Menschen. Wir sind wie du: Menschen, die jeden Morgen
aufstehen, um studieren zu gehen, zur Arbeit zu gehen oder einen Job zu
finden, Menschen mit Familien und Freunden. Menschen, die jeden Tag hart
arbeiten, um denjenigen, die uns umgeben, eine bessere Zukunft zu bieten.

Einige von uns bezeichnen sich als fortschrittlich, andere als konservativ.
Manche von uns sind gläubig, andere wiederum nicht. Einige von uns folgen
klar definierten Ideologien, manche unter uns sind unpolitisch, aber wir
sind alle besorgt und wütend angesichts der politischen, wirtschaftlichen
und gesellschaftlichen Perspektive, die sich uns um uns herum präsentiert:
die Korruption unter Politikern, Geschäftsleuten und Bankern macht uns hilf-
wie auch sprachlos.

Und diese Situation ist mittlerweile zur Normalität geworden – tägliches
Leid, ohne jegliche Hoffnung. Doch wenn wir uns zusammentun, können wir das
ändern. Es ist an der Zeit, Dinge zu verändern. Zeit, miteinander eine
bessere Gesellschaft aufzubauen. Deswegen treten wir eindringlich hierfür
ein:

Gleichheit, Fortschritt, Solidarität, kulturelle Freiheit, Nachhaltigkeit
und Entwicklung sowie das Wohl und Glück der Menschen müssen als Prioritäten
einer jeden modernen Gesellschaft gelten.

Es gibt Grundrechte, die unsere Gesellschaft gewähren muss: das Recht auf
Wohnung, Arbeit, Kultur, Gesundheit, Bildung, politische Teilhabe, freie
persönliche Entwicklung und das Recht auf Konsum von Gütern, die notwendig
sind, um ein gesundes und glückliches Leben zu führen.

In ihrem momentanen Zustand sorgen unsere Regierung und das
Wirtschaftssystem nicht für diese Prioritäten, sondern stellen sogar auf
vielerlei Weise ein Hindernis für menschlichen Fortschritt dar.

Die Demokratie gehört den Menschen (demos = Menschen, krátos = Regierung),
wobei die Regierung aus jedem Einzelnen von uns besteht. Dennoch hört uns in
Spanien der Großteil der Politiker überhaupt nicht zu. Politiker sollten
unsere Stimmen in die Institutionen bringen, die politische Teilhabe von
Bürgern mit Hilfe direkter Kommunikationskanäle erleichtern, um der gesamten
Gesellschaft den größten Nutzen zu erbringen, sie sollten sich nicht auf
unsere Kosten bereichern und deswegen vorankommen, sie sollten sich nicht
nur um die Herrschaft der Wirtschaftsgroßmächte kümmern und diese durch ein
Zweiparteiensystem erhalten, welches vom unerschütterlichen Akronym PP &
PSOE angeführt wird.

Die Gier nach Macht und deren Beschränkung auf einige wenige Menschen bringt
Ungleichheit, Spannung und Ungerechtigkeit mit sich, was wiederum zu Gewalt
führt, die wir jedoch ablehnen. Das veraltete und unnatürliche
Wirtschaftsmodell treibt die gesellschaftliche Maschinerie an, einer
immerfort wachsenden Spirale gleich, die sich selbst vernichtet, indem sie
nur wenigen Menschen Reichtum bringt und den Rest in Armut stürzt. Bis zum
völligen Kollaps.

Ziel und Absicht des derzeitigen Systems sind die Anhäufung von Geld, ohne
dabei auf Wirtschaftlichkeit oder den Wohlstand der Gesellschaft zu achten.
Ressourcen werden verschwendet, der Planet wird zerstört und
Arbeitslosigkeit sowie Unzufriedenheit unter den Verbrauchern entsteht.

Die Bürger bilden das Getriebe dieser Maschinerie, welche nur dazu
entwickelt wurde, um einer Minderheit zu Reichtum zu verhelfen, die sich
nicht um unsere Bedürfnisse kümmert.

Wir sind anonym, doch ohne uns würde dergleichen nicht existieren können,
denn am Ende bewegen wir die Welt.

Wenn wir es als Gesellschaft lernen, unsere Zukunft nicht mehr einem
abstrakten Wirtschaftssystem anzuvertrauen, das den meisten ohnehin keine
Vorteile erbringt, können wir den Missbrauch abschaffen, unter dem wir alle
leiden.

Wir brauchen eine ethische Revolution. Anstatt das Geld über Menschen zu
stellen, sollten wir es wieder in unsere Dienste stellen. Wir sind Menschen,
keine Produkte. Ich bin kein Produkt dessen, was ich kaufe, weshalb ich es
kaufe oder von wem.

Im Sinne all dieser Punkte, empöre ich mich.
Ich glaube, dass ich etwas ändern kann.
Ich glaube, dass ich helfen kann.
Ich weiß, dass wir es gemeinsam schaffen können.
Geh mit uns auf die Straße. Es ist dein Recht.

 

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Wie Geld Armut schafft

Menschliche Gesellschaften haben schon immer Handel mit Gütern und Dienstleistungen betrieben, aber dieser war den Wirtschaftssystemen von Natur und Mensch untergeordnet. Die Erhebung des Marktes und des Geldes als vom Menschen gemachtes Kapital zum höchsten Ordnungsprinzip einer Gesellschaft hat die Prozesse untergraben, die das Leben in Natur und Gesellschaft aufrecht erhalten. Je reicher wir werden, desto mehr verarmen wir ökologisch und kulturell. Das in Geldeinheiten ausgedrückte Wachstum unseres Wohlstands hat ein Wachstum der Armut in materieller, kultureller, ökologischer und spiritueller Hinsicht zur Folge.

Diese Sätze stammen aus der Rede von Dr. Vandana Shiva, gehalten auf dem Kongress “Jenseits des Wachstums” an der TU Berlin, 20. bis 22.5.2011.
Eine lesenswerte, flammende Rede, die unmissverständlich deutlich macht, dass wir eine völlig neue Form des Wirtschaftens brauchen, um gesellschaftlich und ökologisch nicht gegen die Wand zu fahren.
Die Analyse von Vandana Shiva geht in die Tiefe menschlichen Empfindens und offenbart dennoch eine Form von Kapitulation vor dem Wirtschaftssystem als Ganzes. Die erdrückende Macht des Kapitals führt bei Vandana Shiva zu der zwar verständlichen, aber am Ende nicht hinreichenden Lösung einer vom Geld befreiten Wirtschaft.
Dabei wird leider einmal mehr nicht unterschieden zwischen Geld und Kapital. Und auch nicht zwischen Marktwirtschaft und Kapitalismus. Dabei wäre diese Unterscheidung ein Schritt in die Richtung, die in der Folge alle Optionen zu neuen Formen der Wirtschaft und zum Umgang mit Geld eröffnen würden.
Die erdrückende Macht des Kapitals ist Folge der strukturellen Beschaffenheit unseres Geldsystem, das durch die Möglichkeit, Geld mit Geld zu verdienen, zu Konzentrationsprozessen führt, die enden, wie jedes Monopoly-Spiel auch endet: Einer hat alles, der Rest ist verarmt.
Bevor wir das “Kind” Wirtschaft mit dem Bade “Geld” ausschütten, sollten wir den Versuch starten, das Geldsystem von seinen Fehlern zu befreien. Davor brauchen wir nicht kapitulieren, denn der Systemfehler ist erkennbar und behebbar.
Wenn Kapital erst einmal nicht mehr aus sich selbst heraus wächst, haben wir das Tor zu völlig neuen Formen des Wirtschaftens eröffnet, die dann vielfältigst mit Leben gefüllt werden können.

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Die Zeichen stehen auf Abschied

Was passiert eigentlich, wenn sich die wirtschaftlich strauchelnden EU-Länder des Südens aus der Demokratie verabschieden?

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Immerhin können Länder wie Griechenland, Spanien und Portugal auf eine lange Tradition von Militärputschs und entsprechenden Diktatoren zurückblicken.

Bereits im Juni 2010 malte der Präsident der EU-Kommission, Jose Manuel Baroso, dieses Szenario an die Wand, doch schien kaum jemand auf ihn zu hören.  Bis heute wurden stattdessen der Bevölkerung die Daumenschrauben in Form massiver Einschnitte in das gesamte Sozialsystem der Länder angezogen. In allen europäischen Südländern heizt die Stimmung unter den Menschen zunehmend auf. Chaotische Zustände auf den Straßen nehmen in erschreckender Weise zu, wobei die Medien das wahre Ausmaß der  Entwicklung dieses Volkszorns jeweils so lange wie möglich auszublenden scheinen, wie jüngst das Beispiel Spanien beweist.

Die Politiker gefallen sich mit Aussagen, die auf die Wichtigkeit der Rolle der Währung für die politische Union in Europa verweisen. Doch das wird zunehmend als letzter verzweifelter Versuch wahrgenommen, die schweren handwerklichen Fehler bei Einführung des Euro zu kaschieren. Dabei wäre das schonungslose Eingestehen dieser Fehler eine Chance, die politischen Union vor weitaus schlimmeren Folgen zu bewahren. In erschreckend vielen Ländern Europas nimmt das Gewicht jener politischen Kräfte zu, die soweit rechts außen stehen, dass sich das von Baroso beschriebene Szenario schon bald bewahrheiten könnte. Während die Politik den Dominoeffekt wirtschaftlich sinnvoller Entscheidungen zur geregelten Insolvenz von Staaten und Banken scheut, scheint sich kein Problem mit Flächenbränden zu haben, die geeignet sind ganze Demokratien hinwegzufegen. Man mag sich nicht ausmalen, was es bedeutet, wenn erst einmal in einem jetzt wirtschaftlich bedrohten Land ein Diktator nach oben gespült wird.

 

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Die eigentlichen Ursachen hinter all den wirtschaftlichen Entwicklungen werden beharrlich ausgeblendet.

Vieles, was wichtig wäre, wurde bereits gesagt und beschrieben.  Die Taten unserer Volksvertreter wurzeln jedoch im Boden einer in diesen Fragen gleichgültig verbleibenden Bürgerschaft. Nur, was uns direkt existenziell zu bedrohen vermag, bringt uns auf die Straße.

 

Worin besteht also unsere Chance?

Zunächst müssen wir im System bleiben und die Insolvenz als ein aktiv eingesetztes Mittel (PDF) klug anwenden. Die EU kann als Insolvenzverwalter eingesetzt werden und – wie das auch Wirtschaftsleben tagtäglich geschieht – alles daran setzen, Griechenland zu retten. Die Gläubiger werden – wie bei jeder Insolvenz – auf große Teile ihrer Ansprüche verzichten müssen. Um den schützenswerten „kleinen Sparer“ nicht in einen Topf mit den Superreichen dieser Welt zu werfen, kann im Rahmen des Insolvenzverfahrens eine soziale Komponente zum Tragen kommen, die vorsieht, dass Geldvermögen in Einzelfällen bis zu einer gewissen Höhe ganz gesichert werden. Im Falle Griechenlands wird es solche Fälle nur indirekt geben, weil kleine Anleger bei Banken angelegt haben, die wiederum als Halter der Staatsanleihen fungieren. Der durch die Insolvenz Griechenlands und eventuell anderer Länder zu erwartende Dominoeffekt in Bezug auf Banken sollte bedacht werden, darf uns aber am Beschreiten des Weges, den diese letzte Chance bietet nicht hindern. Er kommt früher oder später sowieso. Jene Banken, die von der Griechenland-Insolvenz betroffen wären, wackeln alle schon seit langem. Die Insolvenz der Banken bietet die gleichen Chancen zu politischem aktivem Handeln, wie die der Länder. In diesem Szenario kann die Politik die Vorgaben machen und die Finanzmarktakteure können nur reagieren. In jedem anderen Szenario wäre es umgekehrt und am Ende stünde der totale Zusammenbruch.

 

Die Zeit ist überreif für mutige Entscheidungen. Doch Mut können wir von unserern Volksvertretern nicht erwarten, wenn wir ihn nicht nachdrücklich einfordern!

Text: Andreas Bangemann

Grafiken: Martin Bangemann

 


 

 

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Wirtschaftswachstum – Ist es weiterhin nötig? In welcher Qualität? – Johannes W. Lüthi

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Daniel Suarez – in vielerlei Hinsicht visionär

Frank Rieger, Informatiker und Sprecher des Chaos Computer Club interviewt in der Samstagsausgabe der FAZ den amerikanischen Thriller-Autor Daniel Suarez.

Daniel Suarez (bei Wikipedia)

Sein neues, ab morgen erhältliches Buch heißt "Darknet" und einer der ersten Rezensenten bei Amazon schreibt unter anderem:

"… Ich empfehle diese Buch nicht nur für Technik-Begeisterte sondern auch für Jeden, der unser jetziges Wirtschaftssystem nicht als "alternativlos" empfindet. "

Das macht das Buch natürlich interessant und erst Recht die Sätze aus dem FAZ-Interview, die ich mir erlaube hier zu zitieren:

Rieger:
[...] Sehen Sie einen Ausweg aus dieser Dehumanisierungstendenz, außer den völligen Zusammenbruch unserer Zivilisation? Gibt es eine vernünftige Regulierung, die verhindern könnte, dass Gesellschaft und Wirtschaft die Grenze zwischen gesunder Schlankheit und krankhafter Magersucht noch weiter überschreiten?

Suarez: Ich sehe einen Weg, der den Zusammenbruch verhindern könnte, aber die etablierten Interessen werden nur widerwillig den Sprung zu einer weniger effizienten, aber widerstandsfähigeren Gesellschaft mitmachen. Selbst wenn die Vorstände der multinationalen Unternehmen die Risiken allzu schlanker Unternehmensstrukturen erkennen sollten, dürfte die Börse sie strafen, falls sie sich vom Ziel der Hypereffizienz verabschiedeten. Anleger würden sie verklagen und die Aufsichtsräte würden sie aus den Führungsetagen verbannen, bevor ein sinnvoller Wandel eingesetzt hätte.

Die Initiative muss daher vielmehr aus dem Volk kommen – und dabei denke ich nicht an Proteste und Demonstrationen, sondern an den Aufbau und die Erprobung neuer Wirtschaftsformen, digitaler Währungen, Augmented Reality und vermaschte Open-Source-Netzwerke, die eine neue Ökonomie und damit ein soziales Geflecht schaffen, das die etablierten Mächte samt ihren selbsternannten Torwächtern und Lobbyisten eher umginge als stürzte. Solch ein System würde zunächst nur in embryonaler Form geschaffen. Es zöge immer mehr Anhänger an, die aus der bestehenden Ökonomie herausgefallen sind, und setzte sich schließlich durch, wenn eine kritische Masse sich dem neuen System angeschlossen hätte. Man könnte sich auch eine Übergangsphase vorstellen, in der die Menschen mit einem Bein in der alten und mit dem anderen in der neuen Ökonomie stünden, so dass der Übergang nicht so abrupt ausfiele. Man stelle sich nur einmal vor, wie viele gut ausgebildete Menschen es gibt, die gerne einen Neuanfang in einer Welt wagten, in der ihre Schulden – die Erbsünde der freien Märkte – getilgt wären. Entscheidend ist, dass die Verantwortung für Aufbau und Erhaltung der Netzwerkknoten bei einzelnen Gemeinschaften liegt. Für die vernünftige Regulierung sorgt dann eine Gesellschaft, deren Bürger die physische Kontrolle über ihre Infrastrukturnetze ausüben.

Da scheint ein Autor zu sein, der nicht nur über ausgezeichnete Kenntnisse aus der Welt der elektronischen Vernetzung mitbringt (Suarez arbeitete als Softwareentwickler und Systemberater), sondern der auch Visionen für fundamentale Systemänderungen in wirtschaftlichen und politischen Fragen thematisiert.

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Leben ohne (grünes) Wachstum?

In der Reihe “Rede von Morgen” ist am 10.4.2011 Prof. Dr. Nico Paech aus Oldenburg zu Gast an der Volkshochschule Essen.
Im Großen Saal der Volkshochschule, am Burgplatz 1 in 45127 Essen, will Nico Paech aufzeigen, was die Merkmale einer Ökonomie jenseits des permanenten Wachstums sein können.

Sonntag, 10.4.2011 11 bis 13 Uhr

REDEN VON MORGEN
“Die Zeiten ändern sich…” Diese allgemeingültige Aussage hatte in der Vergangenheit immer eine hoffnungsvolle Aussicht, dass Veränderung Fortschritt bedeutet. Doch heute im Zeitalter der Globalisierung und Finanzkrise ändert sich alles und niemand weiß, ob es besser oder noch schlechter wird. Reformen werden überall gefordert, doch Visionen fehlen.
REDEN VON MORGEN stellt Künstler, Politiker, Wissenschaftler, Journalisten und Theologen vor, die noch Visionen haben. Ihre Reden von morgen für morgen eröffnen Perspektiven für die Zukunft.
Prof. Dr. Niko Paech:
Leben ohne (grünes) Wachstum -
Weniger ist mehr!

Die lang gehegte Hoffnung, dass wirtschaftliches Wachstum durch technischen Fortschritt nachhaltig oder klimafreundlich gestaltet werden kann, bröckelt. Weiterhin scheint ein auf permanente ökonomische Expansion getrimmtes System kein Garant für Stabilität und soziale Sicherheit zu sein. Darauf deutet die derzeitige Eskalation auf den Märkten für jene fossilen Ressourcen (“Peak Everything”) hin, auf deren unbegrenzter und kostengünstiger Verfügbarkeit das industrielle Wohlstandsmodell bislang basierte. Folglich ist es an der Zeit, die Bedingungen und Möglichkeiten einer Postwachstumsökonomie auszuloten. Was wären die Merkmale einer Ökonomie jenseits permanenten Wachstums? Der Ökonomieprofessor Paech zeigt bei seiner Rede selbst der hoffnungsträchtigen Green Economy ihre Grenzen auf.