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Die neue Ausgabe ist da

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Die HUMANE WIRTSCHAFT sollte nun bald in Ihrem Briefkasten landen, sofern Sie ein Abo haben Geheimtipp: Es gibt auch kostenlose Probehefte.

Der Versand ist angestoßen und es kann sich nur noch um ein paar Tage handeln. Die Bezieher eines Online-Abonnements lesen bereits die Ausgabe 04/2014. Sie haben sich für eine papierlose Version entschieden und haben zeitgleich mit Drucklegung bereits ihre PDF-Datei in der E-Mailbox. Wäre das nicht auch was für Sie?

Gerne können Sie auch jederzeit ein gedrucktes Abonnement umwandeln lassen. Nehmen Sie einfach Kontakt mit uns auf.

Wie immer können Sie einige Artikel der neuen Ausgabe bereits jetzt hier online ansehen und in Kürze werden auch alle Beiträge der der letzten Ausgabe hier online KOSTENLOS bereitstehen.

Es lohnt sich also, hier nochmal reinzuschauen: Schauen Sie in unser Archiv und informieren Sie sich.

Eine Dosis Neuigkeiten

Newsletter-Abo

Der “Newsletter” der HUMANEN WIRTSCHAFT heißt schlicht “ZEITUNG” In dieser Form informieren wir in unregelmäßigen Abständen (ein bis zwei mal monatlich) über Aktuelles und Hintergründe. Ein Archiv über bereits erschienene Ausgaben ist angelegt und abonnieren ist aus ganz einfach. Emailadresse genügt. Keine Sorge, wir wollen der Informationsflut, der wir alle täglich zunehmend ausgesetzt sind, keine weitere Welle hinzufügen, sondern eher für einen ruhigen Ausgleich sorgen und Sie mit klarem Profil auf Dinge aufmerksam machen, deren Auffinden entweder nur schwer oder gar nicht möglich ist. . . . → Mehr dazu: Eine Dosis Neuigkeiten

Sind Sie ein Gewinner im aktuellen Geldsystem?

Der Umverteilungseffekt durch Zins und Zinseszins ist im ersten Moment für viele nicht erkennbar. Menschen, die selbst keine Schulden haben, sehen sich häufig außerhalb dieses Mechanismus, da sie ja direkt keine Zinsen bezahlen. Das stimmt so natürlich nicht, denn in allen Preisen des täglichen Lebens stecken die Zinsen der entsprechenden Anbieter. Auch der Staat muss seine Steuern in einer Höhe festsetzen, mit der auch sein eigener Schuldendienst gewährleistet bleibt. Die Höhe des Zinsanteils in den verschiedenen Preisen ist natürlich sehr unterschiedlich und durchaus nicht unumstritten.

Doch Tatsache bleibt: Zinsen müssen erarbeitet werden

Lesen Sie auch: Der Mythos vom “Kleinen Sparer”

„Bedienungsanleitung“ für die eingebettete Kalkulation:

Klicken Sie mit der Maus auf die Eingabefelder und tragen Sie Ihre Zahlen dort ein. Je nach Gerät bzw. Betriebssystem kann es sein, dass Sie statt einem Komma einen Punkt verwenden müssen (bsp.: 3.5 statt 3,5). Wenn Sie mit der Eingabe in einem Feld fertig sind, dann bitte die Eingabetaste betätigen, oder mit der Maus auf das nächste Eingabefeld klicken.

Beim „Zinsanteil in den Preisen“ (ZiP) rechnen wir mit 33%, die durchschnittlich in den Preisen, Steuern und Gebühren stecken. Namhafte Experten gehen gar von durchschnittlich 40% und mehr in allen Ausgaben inkl. Steuern aus. Sie können aber auch diesen Wert selbst ändern (ganz unten links in der Tabelle).

Sollte durch versehentliche Fehleingaben die Tabelle nicht mehr richtig funktionieren, laden Sie einfach diese Seite neu.

Die Stiftung FuturoVerde – Horst Hamm

Eine neue Stiftung will die Wirtschaft wieder gemeinnützig machen und dazu beitragen, dass Unternehmen Gewinne nicht länger auf Kosten der Natur, anderer Regionen und zukünftiger Generationen erwirtschaften müssen. In einem Leuchtturm-Projekt der Querdenker GmbH in Costa Rica will FuturoVerde, zu Deutsch „grüne Zukunft“, in Kooperation mit insgesamt zehn beteiligten Firmen vormachen, wie das geht. Schon die Vorgeschichte ist ungewöhnlich: Bereits vor sieben Jahren haben die Querdenker GmbH und BaumInvest mit Hilfe deutscher Investoren damit begonnen, im Norden Costa Ricas ehemalige Weideflächen nach ökologischen Grundsätzen wieder aufzuforsten. Im Gegensatz zu den meisten Wiederaufforstungsprojekten ging es von vorn herein nicht darum, den größtmöglichen Gewinn zu erwirtschaften, sondern um das Ziel, ökologische, soziale und ökonomische Renditen miteinander zu vereinbaren und unter einen Hut zu bringen. Nach dem ersten BaumInvest-Fonds wurden der zweite und danach der dritte aufgelegt. Mit dem Ergebnis, dass inzwischen auf rund 2000 Hektar ca. eine Million Bäume gepflanzt worden sind. Doch noch mehr als diese beeindruckende Zahl erstaunt die Entwicklung, die auf diesen Flächen stattgefunden hat. Denn BaumInvest ist alles andere – nur kein gewöhnliches Aufforstungsprojekt. Die besondere Entwicklung lässt sich beispielsweise auf San Rafael nachvollziehen, der ersten Finca, die für das Projekt gekauft worden ist: Dort wurden ursprünglich kleine Parzellen in Monokultur gepflanzt: 100 auf 100 Meter Teak, daneben die gleiche Fläche mit Roble Coral. Dann wieder Teak im Wechsel mit Almendro, in Costa Rica der Baum des Lebens. „Diese Inselbewirtschaftung haben wir bereits im zweiten Jahr über den Haufen geworfen“, sagt Stefan Pröstler, der Geschäftsführer der für die Aufforstungen verantwortlichen Firma „Puro Verde“, „wir wollten unserem Ziel näher kommen, einen artenreichen Mischwald zu pflanzen.“ Waldfeldbau zwischen den Bäumen Inzwischen arbeiten die Forstarbeiter mit 30 heimischen Baumarten und pflanzen die jungen Baumsprösslinge so, dass eine größtmögliche Mischung mit Bäumen entsteht, die unterschiedlich schnell wachsen und damit bei der ersten Durchforstung bereits gute Erträge bringen. Doch das ist längst nicht alles. Denn zwischen den Bäumen werden teilweise Ananas, Maniok, Tomaten, Paprika, Tiquisque und vor allem Ingwer kultiviert – im sogenannten Waldfeldbau. Mit den Erträgen, den dieser abwirft, wird für die Menschen vor Ort ein Mehrwert geschaffen, der weit über die Aufforstung hinausgeht. Die meisten Früchte werden für den Eigenbedarf auf den Fincas und für lokale Märkte angebaut. Seit zwei Jahren gibt es aber auch ein Produkt, das für den Export nach Deutschland bestimmt ist: Ingwer. Unter dem Namen GingerVerde wird die würzige Knolle als Saft-Konzentrat verkauft, das als Botschaftergetränk für das Projekt steht (http://www.gingerverde.de). . . . → Mehr dazu: Die Stiftung FuturoVerde – Horst Hamm

Negative Zinsen – ein heilsames Gift? – Terminhinweis Bad Boll

Tagung des Seminars für freiheitliche Ordnung am 19. und 20. Juli 2014 in Bad Boll. In vergangenen Zeiten war allein ein positiver Zins denkbar, aber häufig auch ein Stein des Anstoßes: • die meisten Religionen standen ihm kritisch gegenüber, ohne so recht mit ihm fertig zu werden (siehe mittelalterliches Zinsverbot) • die Sozialisten sahen in ihm die Ausbeutung der Arbeit durch das Kapital, ebenfalls ohne praktikable Mittel zu seiner Überwindung Negative Zinsen sind ein Novum in der Realität der Wirtschaft und auch in der Volkswirtschaftslehre. Die heutige Diskussion über sie hat einerseits populäre Gründe und andererseits einen mehr die Fachwelt beschäftigenden Ausgangspunkt: • Viele Anleger fühlen sich durch die in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich und deutlich gesunkenen Zinsen benachteiligt. Kapital steht immer reichlicher zur Verfügung. Wenn die Inflationsrate höher ist als der Zinssatz, wird eine real negative Verzinsung der Ersparnis beklagt. • Zugleich wird in der Wissenschaft und in Notenbankkreisen bei Leitzinsen von nahe Null ein Ende des zinspolitischen Handlungsspielraums der Geldpolitik befürchtet. Diesen Spielraum hofft man zu erweitern, indem man die Leitzinsen durch Inflation in den Bereich negativer Realzinsen drückt. Inflationsraten halten die Notenbanken schon lange für erforderlich, um einen ausreichend großen Sicherheitsabstand von der Deflation halten zu können. Nun gibt es für die Bemessung der richtigen Höhe der Inflationsrate einen zusätzlichen Gesichtspunkt. Die neueren Entwicklungen werfen brisante Fragen auf: Stehen wir vor einer bisher kaum bemerkten wirtschaftlichen Zeitenwende? Geht der Kapitalismus – auch ohne Revolution – seinem Ende entgegen? Wird das Ziel der Zinskritik der Religionen – auch ohne Zinsverbot – erreicht? Was sind die gesellschaftlichen, was die politischen Auswirkungen? Welche Vorteile, welche Gefahren sind mit diesen Entwicklungen verbunden? Und was sind die Konsequenzen für den Einzelnen? Weitere Informationen und Anmeldung unter: http://sffo.de und Tel.: 0 71 64 – 35 73 . . . → Mehr dazu: Negative Zinsen – ein heilsames Gift? – Terminhinweis Bad Boll

TERMINÜBERSICHT 04/2014

Die aktuellen Termine… . . . → Mehr dazu: TERMINÜBERSICHT 04/2014

Minuszinsen – Wer gewinnt, wer verliert? – Andreas Bangemann

Zusammenfassung: Für Geldanlagen bekommt man welche – für Kredite muss man sie bezahlen: Zinsen. Oft wird jedoch übersehen, dass man auch Zinsen bezahlt, wenn man überhaupt keine Schulden hat. Zinsen stecken nämlich in allen Preisen und Steuern. Eine Diskussion um niedrige Zinsen oder neuerdings „Minuszinsen“ für angelegtes Kapital verliert diesen Aspekt häufig aus den Augen und kommt zu Schlussfolgerungen, die mit den Tatsachen nicht übereinstimmen. Bei der Frage, wie hoch der Zinsanteil in den Preisen des täglichen Lebens ist, kann man leider nur auf Annahmen aufbauen, die sich näherungsweise aus zugänglichen Statistiken ableiten lassen. Der vorliegende Beitrag versucht mit Hilfe von Berechnungen das Bild geradezurücken, wonach niedrige Zinsen nachteilig für den „kleinen Sparer“ seien. Die EZB fasste am 5. Juni 2014 einen von manchen Experten „historisch“ genannten Beschluss. Für Einlagen, welche Geschäftsbanken bei der Zentralbank halten, werden „Minuszinsen“ (-0,1 %) fällig. Eine Bank, die der Zentralbank – meist geschieht das für kurze Zeiträume, oftmals nur über Nacht – einen Geldbetrag überlässt, also ein Guthaben bildet, bekommt bei der Auszahlung weniger zurück, als sie zuvor eingelegt hat. Der Aufschrei in den Medien ist immens. Man beschreibt eindrucksvolle „Horrorszenarien“, um diesen Schritt der obersten Währungshüter zu kritisieren. Ärgerlich genug, dass die Zinsen so niedrig seien, jetzt traut man sich auch noch die für unüberwindbar gehaltene „Null“ zu unterbieten! . . . → Mehr dazu: Minuszinsen – Wer gewinnt, wer verliert? – Andreas Bangemann

Das größte Fest der Menschheit

Ein Gedankenspiel

Wie wäre es, wenn wir den nächsten Sonntag zu einem ganz besonderen, globalen Festtag machen?

Wir vereinbaren, uns in unseren Städten, Dörfern und direkten Nachbarschaften für die größte Party aller Zeiten zu treffen. Wir feiern, musizieren, singen, tanzen, lachen, essen, trinken, sprechen miteinander und vereinbaren weltweit nur eines:

 

Ab diesem Tag werden alle Schulden und Geldvermögen gestrichen. Alles Geld wird wertlos und alle auf Geld bezogenen Verträge werden hinfällig.

Was würde wohl ab dem darauf folgenden Montag geschehen?

 

 

 

Zentralbanken kaufen im großen Stil Aktien

Ende 2013 belief sich laut Statistik der Wert aller weltweit an den Börsen gehandelter Aktien auf 64,3 Billionen US-Dollar.

Dieser Wert dürfte sich bis Juni 2014 vergrößert haben. Seit 2008 herrscht Weltwirtschaftskrise, doch keiner weiß so recht, was als nächstes passiert. Zinsen fallen auf Null und darunter, doch auf den Aktienmärkten reiten die Bären auf den Bullen. In Deutschland besitzen noch immer nicht mehr als 5 % der Anleger Aktien.

Wie kommt der anhaltende Aufwärtstrend an den Aktienmärkten zustande? Seit vergangenen Dienstag ist, bisher offenbar von den großen Medien weitgehend unbemerkt, in London eine plausible Erklärung veröffentlicht worden.

Das „Official Monetary and Financial Institutions Form“ kurz „OMFIF“ hat Dienstag, den 17.6 2014 in London eine Studie veröffentlicht, bei deren Präsentation unter anderem auch Frank Scheidig, Managing Director der GZ-Bank, anwesend war. Die GZ-Bank ist die Zentralbank der Volksbanken und Raiffeisenbanken. Unter anderem durch ihre Unterstützung wurde die Studie ermöglicht.

Überraschend ist, in welchem Maße Zentralbanken Aktien halten. Dieser Wert belaufe sich auf 13,2 Billionen Dollar (inklusive Goldbestände). Zählt man öffentliche Pensions- und Sicherungsfonds hinzu kommt die Studie auf einen Aktienwert von von 29,1 Billionen US-Dollar, der von insgesamt rund 400 öffentlichen Einrichtungen in 162 Ländern der Erde gehalten werde.

Das entspräche gemäß Studie rund 40 % der weltweiten Produktion und dürfte auch hinsichtlich des Wertes (siehe Statistik oben) in etwa in diesem Verhältnis zum Gesamtwert aller Aktien weltweit stehen.

Was bedeutet es für die Stabilität von Währungen, wenn Zentralbanken so stark als Akteure auf dem Finanzmarkt auftreten? Sind sie damit nicht direkt an der Blasenbildung beteiligt, die am Ende nur dazu führen kann, dass alle in den Abgrund gerissen werden?

Neben dem Anleihenkauf des „Quantative Easing“, das bereits umstritten genug ist, weil die Inflationsgefahren wachsen, erhöhen sich die Risiken insgesamt demnach immer weiter. Aus den „Lendern of last resort“ mit der so wichtigen Aufgabe, die Stabilität von Währungen zu gewährleisten, scheint ein Ramschladen zu werden, der selbst zur größten Gefahr wird und statt die Quelle von Problemlösungen, selbst der größte Problemfall ist.

EZB senkt Leitzinsen und führt erstmals “Strafzinsen” ein

Gerade wird gemeldet, dass die EZB es getan hat. Der Leitzins wurde auf 0,15% gesenkt. Und für über Nacht geparkte Gelder von Geschäftsbanken bei der Zentralbank wird ein Minuszins von 0,1 % fällig. Das Ganze hat nichts mit grundsätzlichen Einsichten zu tun, sondern ist eine Verzweiflungstat. Mit ihr erhofft man sich ein bestimmtes Marktverhalten, dessen Eintreten aber mehr als unwahrscheinlich ist. Die Presse wird sich in den nächsten Stunden und Tagen überschlagen mit Deutungen. Diese hier werden Sie jedoch nirgends finden, denn sie bleibt nicht bei Vermutungen und Wahrscheinlichkeiten stecken:

http://www.humane-wirtschaft.de/negativ-bzw-minuszins-oder-zinssenkung-durch-umlaufsicherung-helmut-creutz/

Partnerschaftliches Interview

Von unserer Facebook-Seite: Ein vielsagendes Interview zu TTIP. Wohlgemerkt: Vielsagend! Nicht aufklärend.

(function(d, s, id) { var js, fjs = d.getElementsByTagName(s)[0]; if (d.getElementById(id)) return; js = d.createElement(s); js.id = id; js.src = “//connect.facebook.net/de_DE/all.js#xfbml=1″; fjs.parentNode.insertBefore(js, fjs); }(document, ‘script’, ‘facebook-jssdk’));

Beitrag von Humane Wirtschaft.

Leserbriefe 02/2014

Ihre Meinung ist uns wichtig! Senden Sie uns Ihre Fragen, Anregungen oder persönlichen Meinungen. Wir bemühen uns, so viele Leserbriefe unterzubringen, wie möglich. Wenn wir Leserbriefe kürzen, dann so, dass das Anliegen der Schreibenden gewahrt bleibt. Leserbriefe geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Zum Artikel „Geht es auch ohne Geld?“ — Da wird meiner Meinung nach kräftig übers Ziel hinausgeschossen. Ich sehe das pragmatischer. Sicher ist der Mensch Teil der Natur, was bedeutet, dass er morgens wenn er aufgestanden ist, Hunger hat und sich aufmachen muss (etwa arbeiten gehen?) um was Essbares zu finden. In der heutigen Zeit der arbeitsteiligen Gesellschaft (finde ich gar nicht so schlecht) gehe ich um die Ecke zu meinem Bäcker. Was aber wenn der Bäcker keine Lust hat und heute lieber faul sein möchte? Und die Kassiererin bei ALDI auch, dann habe ich ein Problem. Geld an sich ist eine gute Erfindung, es darf sich nur nicht von alleine vermehren, es soll nur Tauschmittel sein… . . . → Mehr dazu: Leserbriefe 02/2014

Papst Franziskus – Wegbereiter für die Überwindung der Dominanz des Ökonomischen? – Christoph Rinneberg

Seit dem 24. November 2013 geht ein Text um die Welt, den wohl kirchennahe und erst recht kirchenferne Menschen der katholischen Kirche kaum zugetraut haben. Es ist das erste „Apostolische Schreiben“ des neuen Papstes in Rom, der als erster sich durch seine Namensgebung mit Franziskus von Assisi verbindet. Vor rund 800 Jahren hat dieser Francesco („kleiner Franzose“), wie ihn seine Eltern liebevoll nannten, durch sein radikales „Verlassen der Welt“ sein neues Verständnis von „Gott und Mensch“ wieder in diese Welt gebracht und durch sein Leben beglaubigt. Wegen seiner Glaubwürdigkeit hatten manche seiner Zeitgenossen in ihm gar einen zweiten Christus gesehen. Mit den Worten „Die Freude des Evangeliums sei immer in euren Herzen“ lädt Papst Franziskus alle „christgläubigen“ Menschen ein, sich auf „Evangelii Gaudium“, die Freude des Evangeliums einzulassen – und könnte damit kaum protestantischer sein. Evangelium – übersetzt: frohe Botschaft – ist zum Begriff für eine Überwindung der Existenzängste, für eine Befreiung von TINA-diktierten – „There Is No Alternative“ – sog. Sachzwängen geworden. Der neue Papst hat im Grunde von den ersten Minuten an in seinem Amt durch ebenso überraschende wie glaubwürdige Gesten dafür gesorgt, dass seine Worte kaum Barrieren zu überwinden haben, um auch bei Menschen anzukommen, die sich nicht als „christgläubig“ verstehen. Damit hat der Papst kein Wunder vollbracht, er hat sich „nur“ voll und ganz – in Dietrich Bonhoeffers Sinne – der Diesseitigkeit dieser Welt und der Aufgabe der christlichen Kirchen in dieser Welt gestellt: Leben geht vor Lehre, könnte man seine so überraschend neu klingende Botschaft auf den Punkt bringen. In dieser Betrachtung der umfangreichen – in 288 Absätze gegliederten und mit 217 Literaturverweisen versehenen – päpstlichen Botschaft soll es in erster Linie um die Abschnitte 52 bis 60 gehen, in denen „Einige Herausforderungen der Welt von heute“ thematisiert werden. Diesen rund 3 Seiten Text kann man unschwer eine der ärztlichen Professionalität entliehene Gliederung nach Symptom, Anamnese, Diagnose und Therapie unterlegen: Zu den Symptomen erfahren wir: „Die Menschheit erlebt im Moment eine historische Wende, die wir an den Fortschritten ablesen können, die auf verschiedenen Gebieten gemacht werden. Lobenswert sind die Erfolge, die zum Wohl der Menschen beitragen, zum Beispiel im Bereich der Gesundheit, der Erziehung und der Kommunikation. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass der größte Teil der Männer und Frauen unserer Zeit in täglicher Unsicherheit lebt, mit unheilvollen Konsequenzen. Einige Pathologien nehmen zu. Angst und Verzweiflung ergreifen das Herz vieler Menschen, sogar in den sogenannten reichen Ländern. Häufig erlischt die Lebensfreude, nehmen Respektlosigkeit und Gewalt zu, die soziale Ungleichheit tritt immer klarer zutage. Man muss kämpfen, um zu leben – und oft wenig würdevoll zu leben….“ (52) Ergänzend hierzu wird in den folgenden Absätzen u. a. der Hunger in der Welt, das Wegwerfen von Lebensmitteln, die Spekulation mit Nahrungsmitteln, die Zunahme des Reichtums Weniger und der Verarmung Vieler, die ökonomische Ausbeutung und die soziale Unterdrückung angeführt. Die Anamnese ist nicht weniger deutlich: „Dieser epochale Wandel ist verursacht worden durch die enormen Sprünge, die in Bezug auf Qualität, Quantität, Schnelligkeit und Häufung im wissenschaftlichen Fortschritt sowie in den technologischen Neuerungen und ihren prompten Anwendungen in verschiedenen Bereichen der Natur und des Lebens zu verzeichnen sind. Wir befinden uns im Zeitalter des Wissens und der Information, einer Quelle neuer Formen einer sehr oft anonymen Macht.“ (52) Weiter lesen wir: Das herrschende „Ungleichgewicht geht auf Ideologien zurück, die die absolute Autonomie der Märkte und die Finanzspekulation verteidigen. Darum bestreiten sie das Kontrollrecht der Staaten, die beauftragt sind, über den Schutz des Gemeinwohls zu wachen. …“(56) Die Diagnose bietet für jedermann nachvollziehbare Erklärungen: Die unübersehbare, zunehmende soziale Ungleichheit hat sich nicht einfach so ergeben: „… Heute spielt sich alles nach den Kriterien der Konkurrenzfähigkeit und nach dem Gesetz des Stärkeren ab, wo der Mächtigere den Schwächeren zunichte macht. Als Folge dieser Situation sehen sich große Massen der Bevölkerung ausgeschlossen und an den Rand gedrängt: Ohne Arbeit, ohne Aussichten, ohne Ausweg. Der Mensch an sich wird wie ein Konsumgut betrachtet, das man gebrauchen und dann wegwerfen kann. Wir haben die ‚Wegwerfkultur‘ eingeführt, die sogar gefördert wird. Es geht nicht mehr einfach um das Phänomen der Ausbeutung und der Unterdrückung, sondern um etwas Neues: Mit der Ausschließung ist die Zugehörigkeit zu der Gesellschaft, in der man lebt, an ihrer Wurzel getroffen, denn durch sie befindet man sich nicht in der Unterschicht, am Rande oder gehört zu den Machtlosen, sondern man steht draußen. Die Ausgeschlossenen sind nicht ‚Ausgebeutete‘, sondern Müll, ‚Abfall‘.“ (53) Die „Trickle-Down-Theorie“ geht davon aus, „dass jedes vom freien Markt begünstigte Wirtschaftswachstum von sich aus eine größere Gleichheit und soziale Einbindung in der Welt hervorzurufen vermag. Diese Ansicht, die nie von den Fakten bestätigt wurde, drückt ein undifferenziertes, naives Vertrauen auf die Güte derer aus, die die wirtschaftliche Macht in Händen halten, wie auch auf die vergötterten Mechanismen des herrschenden Wirtschaftssystems. … Um einen Lebensstil vertreten zu können, der die anderen ausschließt, … hat sich eine Globalisierung der Gleichgültigkeit entwickelt. Fast ohne es zu merken, werden wir unfähig, Mitleid zu empfinden gegenüber dem schmerzvollen Aufschrei der anderen, wir weinen nicht mehr angesichts des Dramas der anderen, noch sind wir daran interessiert, uns um sie zu kümmern, als sei all das eine uns fern liegende Verantwortung, die uns nichts angeht. Die Kultur des Wohlstands betäubt uns….“ (54) Ein Grund für die in (54) geschilderte Situation „… liegt in der Beziehung, die wir zum Geld hergestellt haben, denn friedlich akzeptieren wir seine Vorherrschaft über uns und über unsere Gesellschaften. Die Finanzkrise, die wir durchmachen, lässt uns vergessen, dass an ihrem Ursprung eine tiefe anthropologische Krise steht: die Leugnung des Vorrangs des Menschen! Wir haben neue Götzen geschaffen. Die Anbetung des antiken goldenen Kalbs (vgl. Ex. 32, 1-35) hat eine neue und erbarmungslose Form gefunden im Fetischismus des Geldes und in der Diktatur einer Wirtschaft ohne Gesicht und ohne ein wirklich menschliches Ziel. Die weltweite Krise, die das Finanzwesen und die Wirtschaft erfasst, macht ihre Unausgeglichenheiten und vor allem den schweren Mangel an einer anthropologischen Orientierung deutlich – ein Mangel, der den Menschen auf nur eines seiner Bedürfnisse reduziert: Auf den Konsum.“ (55) . . . → Mehr dazu: Papst Franziskus – Wegbereiter für die Überwindung der Dominanz des Ökonomischen? – Christoph Rinneberg

Kant nennt es „Unrecht“ – Thomas Mohrs

Warum die Geheimverhandlungen über das Handelsabkommen TTIP ein Kulturbruch sind und warum die Philosophie Einspruch erhebt. Wie hieß das doch beim alten Kant: „Alle auf das Recht anderer Menschen bezogene Handlungen, deren Maxime sich nicht mit der Publicität verträgt, sind Unrecht.“ Übersetzt: Jegliche politische Maßnahme, die vor ihrer Implementierung das Licht der Öffentlichkeit scheuen muss, ist per definitionem Unrecht. 1795 hat Immanuel Kant das geschrieben, in seinem „Ewigen Frieden“, einer der ersten echten Globalisierungs-Theorien. Und irgendwie ist noch immer was dran an dieser „Publizitäts“-These. Nehmen wir zum Beispiel diese „Transatlantic Trade and Investment Partnership“ (TTIP), das größte „Freihandelsabkommen“ aller Zeiten, das gerade zwischen der EU und Nordamerika ausgehandelt wird. Nein: Nennen wir das Kind beim Namen: das gerade übern großen Teich hinweg in Brüssel und Washington ausgemauschelt wird. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit, geheim, hinter verschlossenen Türen. Abgeschirmt von Vertretern demokratisch gewählter Parlamente und erst recht von NGOs und Verbraucher- und Konsumentenschutzverbänden. Denn die könnten den versammelten Lobbyisten der globalen Konzerne und Investoren womöglich in die Suppe spucken – in die Hühnersuppe gewissermaßen. Denn: Wenn das funktioniert mit der TTIP (bzw. der TAFTA: Transatlantic Free Trade Area), dann können sich beispielsweise amerikanische Fleischkonzerne mit ihren Chlorhühnern, die derzeit in Europa aufgrund der strengeren Hygiene- Standards verboten sind, in den europäischen Markt einklagen. Einfach so, weil diese „überzogenen“ europäischen Standards ein Chlorhuhn-Investitionshemmnis darstellen und damit zukünftige mögliche Gewinne der Konzerne gefährden. Und wenn ein europäischer Staat sich weigern sollte? Dann entscheidet nicht die nationale oder die europäische Gerichtsbarkeit, sondern im Rahmen des Freihandelsabkommens organisierte Tribunale, beschickt von internationalen Anwaltskanzleien, deren Vertreter heute Kläger, morgen Verteidiger, übermorgen Richter sind. Und wenn das von der Weltbank (!) beaufsichtigte Tribunal entscheidet, dass der renitente Staat die „erwarteten künftigen Profite“ des Konzerns XY „unrechtmäßig“ gefährdet, dann ist dieser Staat gezwungen, seinen Markt für das strittige Produkt – ob Chlorhuhn, Hormonfleisch, genverändertes Saatgut, „großzügig“ geprüfte Pharmaprodukte, Benzin mit toxischen Zusatzstoffen or whatever – zu öffnen. Oder millionenschwere Entschädigungen zu zahlen. Aus Steuergeldern, versteht sich. Ein Witz zur Faschingszeit? Schön wär’s, wenn auch nur bedingt lustig. Nein, es ist kein Witz und lustig schon gar nicht: Was mit dem TTIP auf uns zukommt, ist – wie es „Le Monde diplomatique“ formuliert – ein „Staatsstreich in Zeitlupe“, die klammheimliche Installation einer „Wirtschafts- NATO“, deren Befugnisse buchstäblich grenzen-los sind. Es ist ein Kultur-Bruch von fundamentalem Ausmaß: die totale Unterwerfung des Primats der Politik unter das Primat der Wirtschaft. Daher ist es nötig, das Monstrum TTIP als „auf das Recht anderer Menschen bezogene Handlung“ ins Licht der Öffentlichkeit zu stellen, um zu zeigen, was es ist: Unrecht! . . . → Mehr dazu: Kant nennt es „Unrecht“ – Thomas Mohrs

Vision oder Privatvergnügen? – Pat Christ

Leben ohne Geld und möglichst ohne Bedürfnisse wird zum neuen Nischenlifestyle. Er wollte nicht länger um das Goldene Kalb tanzen. Darum entschied sich Raphael Fellmer vor drei Jahren, in „Geldstreik“ zu treten. Seither macht er damit Furore. Wobei er keineswegs der einzige ist, der sich (vorübergehende?) „Geldlosigkeit“ zum Ideal erkoren hat. Heidemarie Schwermer entschied sich bereits 1996, ohne Geld zu leben. Mark Boyle gab immerhin ein Jahr lang den Konsumverweigerer. Auch die Vagabundenbloggerin Michelle stieg für ein Jahr aus und lebte ohne Heller und Pfennig. Einmal ausscheren – wer wünschte sich das nicht. Dazu hat auch jeder das Recht. Interessant sind die Missionen, die hinter dem jeweiligen Ausstieg stecken. So hat Raphael Fellmer mit seiner Aktion die „Lage der Welt“ und die ganze Menschheit im Blick. Darunter macht er es nicht. „Mein Geldstreik ist sehr breit angelegt“, meint er im Gespräch mit der HUMANEN WIRTSCHAFT. Er ist gegen den Kapitalismus. Gegen die Verschwendung. Gegen die Ausbeutung von Tieren. Gegen die Umweltverschmutzung. Als ein „Ausrufe- und ein Fragezeichen“, sagt er uns, sehe er seinen Streik. Fellmer trampte längere Zeit und kam dadurch auf den Geschmack der Freiheit und zu seiner Lebensphilosophie. Man lerne die Dinge mehr zu schätzen, wenn man sie nicht einfach kaufen kann, meint er. „Wenn zum Beispiel beim Trampen endlich ein Auto hält, freut man sich viel mehr, als wenn man einfach in den nächsten Bus steigt und 2,50 Euro zahlt“, so der 30-Jährige. Das leuchtet ein. Und es erinnert an „On The Road“, die Bibel der Beat-Generation. Auch hier nehmen sich junge Menschen eine Freiheit, die ihnen die Gesellschaft freiwillig nicht gibt. Aber dieses Buch kennt Fellmer nicht. „Ich bin nicht sehr belesen“, gibt er zu. Und das ist spürbar. Überhaupt hat es Fellmer nicht mit Theorien und Philosophien. Einfach gestricktes Weltbild Sein einfach gestricktes Weltbild weist ihn denn auch nicht gerade als Feingeist aus. Da gibt es die wenig anspruchsvollen Kategorien „Ja“ beziehungsweise „gut“ und „Nein“ beziehungsweise „schlecht“. Raphael Fellmer ist gegen alles, was nicht gut ist: Den millionenfachen Hunger in der Welt, das „Killen“ von Tieren, die Zerstörung der Natur. Und er ist für alles, was gut ist. Die Liebe. Die Menschheit. Und dergleichen. Dass er auf alles eine Antwort parat hat, wirkt ein wenig oberschlau. Oberfriedlich und oberökologisch ist er sowieso. Nur mit Details, stets die Krux an jeder Problematik, hält er sich nicht lange auf. Irgendwie scheint es für ihn nichts tiefer zu verstehen zu geben… Das ist entwaffnend. Dafür mögen ihn viele. Ist doch die Sehnsucht nach einfachen Erklärungen und einfachen Lösungen in unserer hochkomplexen Welt groß. Und wer möchte Kämpfer für das Gute nicht gern unterstützen? Seine Habe musste er vor seinem Freiheitssprung übrigens nicht in einem Depot unterbringen. Fellmer hat ein Dach überm Kopf. Bis Ende vergangenen Jahres lebte er mit seiner Frau und der zweijährigen Tochter Alma umsonst im Friedenshaus von Berlin. Zu Jahresbeginn zog er um. Eine Familie nahm die drei auf: „Wir haben dort ein Zimmer in einer Fünf-Zimmer-Wohnung.“ Zu eng? Aber Fellmer ist ja ohnehin dauernd unterwegs. Vor allem seit sein Buch erschienen ist. Daran verdient er im Übrigen nicht, betont er uns gegenüber. Als E-Book sind die Seiten kostenlos herunterzuladen. Von der Auflage wird ein Drittel verschenkt. Der Rest fließt zur Kostendeckung an den Verlag. Den Ausschlag für die Entscheidung, geldlos zu leben, gab eine Tramptour mit Freunden nach Mexiko. „Er hatte kein Geld, kam aber trotzdem immer weiter“, schreibt Birgit Baumann über ihn im „Standard“. „Über den Atlantik nahmen ihn Italiener mit dem Segelboot mit, in Brasilien saß er hinten auf alten Lastwagen. Er schlief bei der Feuerwehr und in Schulen, von Restaurants nahm er sich, was ohnehin übrig war. Im Gegenzug bot er seine Arbeitskraft an.“ Wer hätte auf solche Sensationen in der großen weiten Welt in jungen Jahren keine Lust? Die meisten jungen Abenteurer allerdings lassen es bei einem einmaligen Erlebnis bewenden. Nicht so Raphael Fellmer. Er beschloss nach seiner Rückkehr, fortan auch in Berlin geldlos zu leben. . . . → Mehr dazu: Vision oder Privatvergnügen? – Pat Christ

Verdientes Denkmal für einen großen Freiwirtschafter – Buchrezension von Heinz Girschweiler

Andreas Müller beleuchtet Leben und Gedanken Friedrich Salzmanns in einer Biografie. Er war ein kleiner, feiner Mann, dazu ein Leben lang körperlich behindert: Deshalb zählt Friedrich Salzmann (1915-1990) nicht zu den lauten und vordergründig nicht zu den bekanntesten Köpfen unter den Schweizer Freiwirtschaftern. Fritz Schwarz, Hans Konrad Sonderegger, Hans Bernoulli, Werner Schmid und Werner Zimmermann stehen für viele in dieser ersten Reihe. Zu ihnen gehört aber unzweifelhaft auch Friedrich Salzmann. Wer es nicht ohnehin schon wusste, dem macht dies die neu erschienene Biografie klar. Der Sohn eines Schweizer Kaufmanns – in Persien geboren, in Berlin und in der Schweiz aufgewachsen – hat ein beeindruckendes schriftliches Werk hinterlassen, und er setzte sich ein Leben lang für die Umsetzung der Erkenntnisse Silvio Gesells ein. Schon in der Jugend infiziert Salzmann kam schon im Elternhaus mit den freiwirtschaftlichen Ideen in Kontakt. Ja er begegnete als Jüngling auch noch Silvio Gesell, kurz vor dessen Tod. So war es für den aufgeweckten jungen Mann eine Selbstverständlichkeit, sich in der freiwirtschaftlichen Jugendbewegung zu engagieren. Und früh schon trat er nach einer kaufmännischen Lehre auch als Redner an öffentlichen Veranstaltungen auf. Als blutjunger Korrespondent in Paris berichtete er für das „Freie Volk“ über die große Politik im Vorkriegsfrankreich. Nach seiner Rückkehr trat er – an der Seite des legendären Fritz Schwarz – in die Redaktion des freiwirtschaftlichen Organs ein. Er prägte es entscheidend mit. Und er war – zusammen mit Werner Schmid – treibende Kraft bei der Gründung der Liberalsozialistischen Partei (LSP) im Jahre 1946. Denn Salzmann war überzeugt, dass man sich politisch einmischen musste, wenn man die gute Sache vorwärtsbringen wollte. Als in den Fünfzigerjahren die wirtschaftliche Basis für die freiwirtschaftliche Wochenzeitung zusehends schwand, fasste Salzmann schweren Herzens einen Entschluss: Er folgte einem Ruf des Schweizer Radios und trat in deren Inlandredaktion ein. Weil er dank seiner weltläufigen Erziehung ein ausgesprochen gepflegtes Hochdeutsch sprach und über eine tiefe, ruhige Stimme verfügte, war er fürs Radio geboren. Und Salzmann blühte in diesem Medium auf. Er wurde zum anerkannten Chef der Inlandabteilung, er moderierte politische Streitgespräche, und er führte die erste kritische Sendung für Konsumenten ein. „Mit kritischem Griffel“ hieß sie und wurde zur damals besten Sendezeit am frühen Samstagnachmittag ausgestrahlt. Dann, 1971, wurde er auf der Liste des Landesrings der Unabhängigen in Bern überraschend in den Nationalrat gewählt. Dort fiel er als seriöser Arbeiter in den Kommissionen (etwa zum Medienrecht) und als unerbittlicher Kritiker der bundesrätlichen Wirtschafts- und Konjunkturpolitik auf. Dann kam zu seiner Behinderung durch eine Kinderlähmung noch die Parkinson-Krankheit hinzu, und er musste deshalb 1978 schweren Herzens aus dem Nationalrat zurücktreten. Die folgenden Jahre waren dann – er hatte seine geliebte Gattin, Gefährtin und Betreuerin Hilde Grünig schon früh verloren – von einer zunehmenden Vereinsamung geprägt. Seine letzten fünf Jahre verbrachte er in einem Berner Pflegeheim. Radikaler Denker Neben seinem beruflichen Wirken und der direkten politischen Arbeit steht das schriftstellerische Werk Salzmanns. Er hat rund ein Dutzend Bücher geschrieben, dazu zahlreiche Schriften und Tausende von Artikeln. In „Bürger für die Gesetze“ (1949) setzt sich der leidenschaftliche Liberale kritisch mit dem Staat als Erzieher auseinander und fordert einen freien Bildungsmarkt. In „Jenseits der Interessenpolitik“ (1953) widmet er sich der grossen Auseinandersetzung zwischen Kommunismus und Kapitalismus und plädiert für eine wahrhaft liberale Wirtschaftsordnung mit starken staatlichen Leitplanken. Und in „Mit der Freiheit leben“ (1961) vertieft er diese Auseinandersetzung zwischen den beiden rivalisierenden Gesellschaftssystemen und fordert seinen radikal liberalsozialen dritten Weg. Salzmanns Biograf weist mit Recht auf dessen letzte Schrift „Gedanken zu einer lebenswerten Zukunft“ (1985) als eigentliches gedankliches Vermächtnis hin. Die programmatische Schrift fasst die Positionen der Liberalsozialisten – wohlbegründet und konzentriert – zusammen. Sie entstand in enger Zusammenarbeit mit dem damaligen Sekretär der Partei, Hans Barth. Der Einleitungssatz ist typisch für das Bürgerverständnis des philosophisch denkenden und 02/2014 www.humane-wirtschaft.de 37 politischen handelnden Menschen Friedrich Salzmann: „Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für alles, was wir widerspruchslos dulden.“ . . . → Mehr dazu: Verdientes Denkmal für einen großen Freiwirtschafter – Buchrezension von Heinz Girschweiler

Der spaltende Geist und das Geldsystem – Peter Berner

Für eine Diskussionskultur im Geiste integraler Wahrheitsfindung. Meine vorangestellten Ausführungen über den Umgang mit Bösem und Gutem in unserer politischen Kultur („Vom spaltenden Geist zu integraler Politik“, HUMANE WIRTSCHAFT 01/2014) endeten mit einer Beschreibung der positiven Erfahrung, die ich mit der Dialog- Methode nach David Bohm in einer Gesprächsgruppe zum Thema „Integrale Politik“ gemacht habe. Hier wurde modellhaft jene „integrale Wahrheitsfindung“ praktiziert, die ich für geeignet halte, den spaltenden Geist, welcher unsere politische Kultur heute beherrscht, zu überwinden und ein humanes, friedvolles, nachhaltig wirtschaftendes Gemeinwesen zu entwickeln und zu gestalten. Integrale Wahrheitsfindung Wieso müssen wir uns über Wahrheitsfindung überhaupt Gedanken machen? „Wenn ich wissen will, ob es draußen regnet, gehe ich ans Fenster und schaue nach“, sagt Ken Wilber, und wenn du mich nach dem Weg zum Bahnhof fragst und ich ihn kenne und dir zeige, wissen wir hinterher beide, was vorher nur ich wusste. Wo also liegt das Problem? Nun – überall dort, wo ein Bereich der Wirklichkeit komplexer wird und nicht mehr durch einen einfachen Erkenntnisakt zu erfassen ist wie das gegenwärtige Wetter oder der Weg zum Bahnhof, wird es natürlich etwas schwieriger. Und dies ist mit vielen Wirklichkeitsbereichen, mit denen wir uns als menschliche Gemeinschaften befassen, eben der Fall – von der Gestaltung eines Gartens über die Leitung eines Unternehmens bis hin zum Design des weltweiten Geldsystems oder gar einer gezielten Beeinflussung des Erdklimas. In einem solchen Fall kann jede(r) der Beteiligten in der Regel nur einen Teil der Wirklichkeit, die gerade zu untersuchen oder zu gestalten ist, erkennen und verstehen – was ebenfalls so lange unproblematisch ist, wie ich als Betroffene(r) mir dessen bewusst bin, wo die Grenzen meines Wissens liegen. Genau hier aber setzen die Schwierigkeiten ein, mit denen wir im gesellschaftlichen Leben oft zu tun bekommen, sei es im Alltag, in der Wissenschaft oder in der Politik. Problematisch wird es nämlich dann, wenn die Menschen, die an einem gemeinsamen Prozess der Wahrheits- und Entscheidungsfindung beteiligt sind, ihr jeweiliges persönliches Teilwissen (ihre „Halbwahrheit“) fälschlich mit der gesamten Wahrheit gleichsetzen. Daraus entsteht ein Habitus, den ich als „Hochmut der Halbwahrheit“ bezeichnen möchte. Dieser kann auf unterschiedliche Weise gelebt werden, sei es ganz offen als missionarische Haltung, welche die anderen überzeugen und „bekehren“ will oder eher indirekt als jene in der Politik „demokratischer“ Gesellschaften heute gängige Haltung, welche versucht, durch Manipulations- und Machtmittel verschiedener Art Mehrheiten (oder einflussreiche Minderheiten) hinter der eigenen Position zu versammeln. Denn es ist nicht allein die Komplexität der Tatsachen, die eine Wahrheitsfindung erschwert. Wir Menschen haben seit vielen Jahrtausenden billigend unterstützt oder aktiv daran mit gearbeitet, dass unsere geistig-seelische Schöpferkraft an priesterliche Hierarchien oder technische Systeme delegiert und infolgedessen weitgehend degeneriert wurde. Dies begann mit der Einführung der Schrift in den alten Hochkulturen, die gemäß der Warnung damaliger Weiser tatsächlich kollektiv unser Gedächtnis schwächte und endet wahrscheinlich noch nicht bei den heutigen Navigationssystemen, die beginnen, unsere Fähigkeit zu räumlicher Orientierung verkümmern zu lassen. Eine herausragende Rolle spielt dabei das Verkümmern unseres Wahrheitssinnes durch einen weitgehenden Verlust unserer „Seelenverankerung“, unserer inneren Verbindung mit jenem transzendenten Seinsgrund, dem wir entstammen, und damit eine Schwächung unserer ureigensten Gewissensbindung oder moralischen Urteilskraft – und deren Abtretung an äußere Hierarchien, zunächst an die Priester der verschiedenen Religionen, heute zunehmend an die Experten der materialistischen Wissenschaft und die Produzenten der modernen Massenmedien, wobei ich diese beiden Systeme zusammengefasst als „Wahrheitsindustrie“ bezeichnen möchte. Wer heute die Welt, in der wir leben, möglichst ganzheitlich verstehen will, muss zwei Schleier durchstoßen: zum einen den psychologischen Schleier aus Versuchungen zu Scham, Schuldgefühlen, ohnmächtiger Resignation, panischer Angst, privatisierender Gier, heiligem Zorn oder selbstgerechter, das Böse auf Gegner projizierender Fehlersuche, der sich oft vor eine ungeschminkte Erkenntnis der Tatsachen schiebt – zum anderen den Schleier der veröffentlichten Meinung, den die oben genannte Wahrheitsindustrie über uns ausbreitet. Und groß ist die Versuchung, alternative Wahrheitssuche so zu betreiben, dass das Modell „hier Expertentum – dort gläubige Gefolgschaft“ einfach kopiert und mit anderen, scheinbar besseren oder richtigeren Inhalten versehen wird – und dann versucht wird mit den großen Systemen in Konkurrenz zu gehen (was in der Regel in Einverleibung oder Vernichtung der alternativen Herausforderung endet), anstatt diese Dynamik grundsätzlich zu transzendieren. Dies nämlich erfordert einen Weg, den ich „Demut der Halbwahrheit“ nennen würde. Hier eben betreten wir den Bereich dessen, was ich[1] als „integrale Wahrheitsfindung“ bezeichnen möchte. Denn hier wählen wir als Beteiligte eine Grundhaltung, die besagt: Da ich davon ausgehen kann, dass ich allein die komplexe Wirklichkeit nicht überblicke (auch wenn es noch so sehr den Anschein haben mag), da es aber für eine gute Entscheidung des Gemeinwesens wichtig ist, dass wir der jeweils zutreffenden Wahrheit so nah wie möglich kommen, bin ich als Teil dieses Gemeinwesens essenziell darauf angewiesen, dass auch alle anderen Beteiligten ihre Teilwahrheit, ihren Zugang zum Ganzen, ebenfalls in den „Pool“ hinein geben. Das bedeutet praktisch: Wer eine profilierte Position bezieht, die mir befremdlich erscheint, löst nicht mehr – wie bisher üblich – den Reflex aus, ihn in die richtige Schublade einzuordnen und mir damit gegebenenfalls vom Leib zu halten, sondern wird innerlich 1 in Anlehnung an die integrale Philosophie nach Jean Gebser, Ken Wilber und anderen willkommen geheißen als eine Person, die – über die Stimme ihres Gewissens, welche jede(n) Einzelne(n) an das universelle Bewusstsein zurück bindet – die Wahrheitsfindung der Gemeinschaft vervollständigt. . . . → Mehr dazu: Der spaltende Geist und das Geldsystem – Peter Berner

Unvergängliche Spuren am Strand des Lebens – Die Redaktion

In memoriam Margrit Kennedy. Am 28. Dezember 2013 verstarb Margrit Kennedy in ihrem Zuhause in Steyerberg an Krebs. Bereits Ende der 70er Jahre begann sie, innerhalb der beruflichen Tätigkeit als Architektin und Stadtplanerin die ökologischen Fragen in den Mittelpunkt ihres Wirkens zu stellen. Ihr Leben bekam jedoch ab 1982 eine unvorhersehbare Wendung. Sie entdeckte die Ursachen für jene Auswirkungen, die ihre Arbeit als umweltbewusst denkende Wissenschaftlerin und Planerin stets maßgeblich und vor allen Dingen negativ beeinträchtigten im herrschenden Geldsystem. Sie war überzeugt, dass die Mechanismen einer auf unendliches Wachstum ausgerichteten Wirtschaft niemals mit den Erfordernissen eines respektvollen und wertschätzenden Umgangs mit der Natur vereinbar sind. Auch erkannte sie, wie die zunehmenden sozialen Verwerfungen eng mit dem Geldsystem zusammen hingen, das vor allen Dingen zu einem prädestiniert war: Immense Geldvermögen bei einer verschwindend geringen Zahl von Menschen zu kumulieren. Und das auf Kosten und zu Lasten der Gesamtheit. Die berufliche und gesellschaftliche Stellung erlaubte es ihr, sich auf wirkungsvolle Weise für Veränderungen starkzumachen. Doch Margrit Kennedy beließ es nicht bei theoretischen Forderungen an abstrakte Adressaten. Sie ergriff Initiative und nutzte internationale Erfahrung und den Fundus an Kontakten, um konkrete Projekte in die Tat umzusetzen. Sowohl im deutschsprachigen Raum als auch weltweit wäre die Entwicklung komplementärer Währungen heute nicht auf dem Stand, auf dem sie sich befindet. Mit Margrit Kennedy verliert diese Bewegung zwar eine der herausragenden Kräfte, aber Impulse sind längst in wegweisenden Projekten verwirklicht, sodass der Geist ihrer Arbeit unverwüstliche Früchte trägt. Mit „Geld ohne Zinsen und Inflation“ legte sie bereits 1991 ein leicht verständliches Buch vor. Unzähligen Menschen wurde damit der Blick in die Welt der scheinbar undurchsichtigen Zusammenhänge des Geldes geschärft. „Occupy Money«, ihre letzte Buchveröffentlichung, hat die sich weltweit formierende Bewegung von Protestgruppen mit grundlegendem Wissen inspiriert. Wissen, das Instrumente an die Hand gibt, mit denen aus Protesten gegen vermeintlich fragwürdige Mächte, eindeutige Forderungen für Zukunftslösungen hervorgehen können. Natürlich bemerkte Margrit Kennedy zeitlebens, wie dick die Bretter sind, die man bohren muss, um ein derart fundamentales Umdenken vor allem auf höchster politischer Ebene zu erwirken. Ehrgeizige Ziele, dessen war sie sich bewusst, erreicht man nur durch vielschichtige Arbeit, maßgeblich solche, die „von unten“ initiiert wird. „Vielfalt“ war ohnehin ein Stichwort, das sie stets bewegte. „Wir haben bezüglich Kleidung, Autos und unendlich vielen Dingen des Lebens eine große Vielfalt an Angeboten. Zu nahezu jeder einzelnen Vorliebe der Menschen gibt es eine passende Auswahl. Andererseits scheinen wir zu glauben, dass eine einzige Geldform ausreicht, all die Funktionen zu erfüllen, die das Leben mit sich bringt!“ „Warum lassen wir den Gedanken nicht zu, dass es sinnvoll ist, ein unerschöpfliches Reservoir an Zahlungsmitteln zu gestalten, um die unterschiedlichen Aufgaben zu meistern? Warum sollte es nicht eigens eine Währung für Bildungsaufgaben geben? Eine für die Altersvorsorge? Oder eine, welche den Erfordernissen der Nutzung unserer Umwelt entspricht?“ In diesem Sinne argumentierte Margrit Kennedy auf unzähligen Veranstaltungen, auf denen sie als Referentin oder Diskutantin eingeladen war. Sie weigerte sich zu akzeptieren, dass es „eine Wahrheit“ für alle Fragen gibt. Immer war sie von der Totalität des Seins überzeugt. Nichts, was wir tun, aber auch nichts, was wir nicht tun, bleibt ohne Folgen für das Ganze. Sie konnte und wollte nicht verstehen, warum die Logik eines Geldsystems, das alles zu zerstören droht, was den Menschen lieb und wertvoll ist, von einer Mehrheit klaglos hingenommen zu werden scheint. . . . → Mehr dazu: Unvergängliche Spuren am Strand des Lebens – Die Redaktion

Erinnerungen an Margrit Kennedy – Helmut Creutz

Erinnerungen an meine ersten Kontakte mit den monetären Realitäten – und der Rolle Margrit Kennedys in diesem Lebensabschnitt. Der viel zu frühe Tod von Margrit Kennedy hat bei mir viele Erinnerungen wachgerufen. Vor allem bezogen auf meine ersten Schritte in Sachen Zins und Freiwirtschaft und damit jenem völlig ungeplanten Lebensabschnitt, der für mich, Ende der 1970er Jahre, durch einen Zufall begann und wenige Jahre später, durch die Begegnung mit Margrit, äußerst wichtige Mut machende Impulse erhalten hat. Wie schon häufiger berichtet, wurde ich Ende 1977, durch die Zuschrift eines Lesers meines Schultagebuchs „Haken krümmt man beizeiten“, mit diesen geldbezogenen Begriffen und Themen bekannt. Jenes Buches, das vor allem durch die Fernseh-Vorstellung in „Titel, Thesen, Temperamente“ als Buch des Monats viele Reaktionen in der Öffentlichkeit auslöste, darunter auch diese Zuschrift von Walter Michel aus Berlin, die mein Leben verändern sollte. Wie sich später herausstellte, handelte es sich um einen selbstständigen Handwerksmeister, der nach dem Krieg in der DDR annahm, für das Thema Freiwirtschaft und Gesell wieder öffentlich eintreten zu können. Er hatte sich jedoch geirrt und wurde wegen seiner Veröffentlichungen von der damals noch vorherrschenden sowjetischen Besatzungsmacht verhaftet, erst zum Tode verurteilt und dann zu lebenslänglicher Haft in der berüchtigten Festung Bautzen „begnadigt“, einer Strafe, von der er mehr als zehn Jahre absitzen musste. Was Walter Michel mir schrieb, war für mich anfangs völlig unverständlich. Weder den Namen Silvio Gesell noch den Begriff „Freiwirtschaft“ (der mich immer an eine sommerliche Gartenwirtschaft erinnerte!) hatte ich je gehört. Und das Gleiche galt auch für das beigelegte kleine Buch eines Hans Kühn, „5000 Jahre Kapitalismus“, dem dann jedoch – wenn auch stilistisch etwas aufgemotzt – einige konkretere Angaben und Zahlen zu entnehmen waren die mich neugierig machten. Das besonders im Hinblick auf die Auswirkungen exponentiell wirkender Abläufe, mit denen er den Zinseszins-Effekt beschrieb – einer Problematik, die mir dadurch zum ersten Mal deutlich wurde und für die ich vielleicht auch nur deshalb offen war, weil sich mir damals, Ende der 1970er Jahre und angesichts der allgemeinen Wachstumseuphorie, schon die Frage aufgedrängt hatte, wie lange das eigentlich noch weiter gehen sollte. Doch diese von Hans Kühn gemachten Ausführungen musste ich jedoch vor einer Antwort an Walter Michel unbedingt überprüfen. Das betraf vor allem die Gegensätzlichkeiten von linearem und exponentiellem Wachstum und deren Vergleiche mit den natürlichen Wachstumsabläufen. Bei denen die zeitlichen Abstände zwischen den Verdopplungen bekanntlich immer größer und schließlich „unendlich“ werden, wie wir aus unserer eigenen Entwicklung ab 18- 20 Jahren wissen. Im Gegensatz dazu, nahm ein exponentielles Wachstum, mit gleich bleibend langen Verdopplungs-Schritten, ständig schneller zu – wie bei den Geldanlagen durch Zins und Zinseszins der Fall. Eine Entwicklung, die – das hatte ich nach der Schrift von Hans Kühn verinnerlicht – förmlich zu Explosionen führen musste! Erfahrungen zu den Zinsauswirkungen in der Praxis Zinsen waren mir – damals bereits 55 Jahre alt – bis dahin immer nur als eine schöne Angelegenheit bekannt, über deren Gutschrift auf dem Sparbuch man sich am Jahresanfang immer freute. Und bezogen auf die Hypotheken, die ich für Bauwerke laufend aufnehmen musste, blieb der Mix von Zinsen und Tilgung in der Miete als Summe häufig gleich. „Beweise“ für die zinsbedingten Wachstums-Wirkungen in unserem normalen Leben und vor allem deren Brisanz, entdeckte ich dann erst im Zusammenhang mit grafischen Aufzeichnungen von Mietberechnungen und deren Bestandteil-Verschiebungen im Laufe der Jahre und Jahrzehnte. Obwohl diese Berechnungen bei den Wohnungsbaufinanzierungen eine der Voraussetzungen für die staatlichen zinsgünstigen Zuschüsse waren und man sie im Vorhinein nachweisen musste, waren mir diese Wechselwirkungen nie aufgefallen. Und wirklich überzeugend wurden sie für mich erst dann, als ich sie beispielhaft nebeneinander in Grafiken umsetzte. Das vor allem bezogen auf jene Vorgänge im Geld- und Kreditbereich, die mir bislang als problemlos erschienen waren: Wenn man zu viel Geld in der Tasche hatte und vorerst nicht brauchte, zahlte man es eben bei den Banken ein, die es dann zwischenzeitlich weiter verliehen. Und dass man dafür einen – meist nur relativ geringen – Zins erhielt, war eine kleine Belohnung für diese Ersparnisbildung, die dann der Kreditnehmer seinerseits jeweils an die Bank zu zahlen hatte. . . . → Mehr dazu: Erinnerungen an Margrit Kennedy – Helmut Creutz

Auf Raiffeisens Spuren – Bericht von Pat Christ

Im deutschsprachigen Raum gründen sich immer mehr Sozialgenossenschaften Ob Postdienst, Dorfladen, Arztpraxen, Kinderbetreuungseinrichtungen oder Busverbindungen – in ländlichen Räumen dünnt die Infrastruktur zum Teil dramatisch aus. Hierauf reagieren Sozialgenossenschaften. Sie setzen sich für demenzkranke Menschen ein oder zielen, in Form von Seniorengenossenschaften, auf ein kooperatives Altern ab. Der Genossenschaftsgedanke wächst stetig. So wurden in den vergangenen acht Jahren in Deutschland rund 1.300 Genossenschaften gegründet. Eine Sozialgenossenschaft ist eine Versicherung auf Gegenseitigkeit: Man gibt und hilft sich solidarisch. Dahinter steckt die bereits von Friedrich Wilhelm Raiffeisen forcierte Idee, dass alle gemeinsam viel mehr auf die Beine zu stellen vermögen als ein Mensch alleine. Das gilt laut Heike Walk vom Zentrum Technik und Gesellschaft (ZTG) der TU Berlin auch für ein so aktuelles Thema wie „Klimawandel“. Als kollektive Zusammenschlüsse haben Genossenschaften den Analysen der Geschäftsführerin des ZTG-Instituts für Protest- und Bewegungsforschung zufolge vielfältige Handlungsmöglichkeiten, um den Klimaschutz in Städten voranzutreiben. Viele Sozialgenossenschaften treten als klassische Non-Profit-Organisationen auf. Hier schließen sich Menschen auf der Basis von Selbsthilfe oder ehrenamtlichen Engagement kooperativ zu zusammen. Daneben existieren aber auch Sozialgenossenschaften, die zu bezahlende Leistungen erbringen, die zwar gesellschaftlich notwendig und zentral für eine nachhaltige Entwicklung sind, vom Markt aber nicht mehr zur Verfügung gestellt werden. Von palliativer Hilfe bis zur Nahraumversorgung Die Handlungsfelder von Sozialgenossenschaften fächern sich demnach stark auf. Allein im Gesundheits- und Pflegesektor existiert heute eine breite Angebotspalette, die vom Palliativbereich über das Seniorenwohnen bis hin zu Krankenhausnetzwerken reicht. Selbst der Bereitschaftsdienst von Ärzten kann sozialgenossenschaftlich organisiert werden. Viele Genossenschaften engagieren sich vor dem Hintergrund des demographischen Wandels auch dafür, die soziale Infrastruktur vor Ort zu erhalten oder sie neu zu schaffen. Dies betrifft die Kinderbetreuung und die Jugendhilfe ebenso wie die Themen „Altersgerechtes Wohnen“ und „Nahraumversorgung“. Um die psychosoziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen kümmert sich im italienischen Bruneck seit vielen Jahren die Sozialgenossenschaft EOS. Bereits 1995 eröffnete die Organisation eine sozialpädagogische WG für psychiatrisch auffällige Jugendliche. Vier Jahre später startete sie in Bruneck ein Projekt für ein Begleitetes Wohnen von Heranwachsenden mit seelischen Problemen. Ein zweites Projekt dieser Art wurde 2001 in Bozen eröffnet. 2005 startete die von der Genossenschaft organisierte Ambulante sozialpädagogische Familienarbeit im Pustertal. Von Jahr zu Jahr wuchs die Mitarbeiterzahl. Heute liegt sie bei um die 80. . . . → Mehr dazu: Auf Raiffeisens Spuren – Bericht von Pat Christ

Auf, auf zum ersten Gefecht – Kommentar von Wilhelm Schmülling

Wer den Frieden will, darf nicht rüsten, denn der Rüstung folgt der Krieg. Da Deutschland keine Feinde hat, bräuchte es auch keine Rüstung. Wenn nur nicht die Rüstungslobby mit dem Argument „Arbeitsplätze“ hausieren ginge, natürlich nicht bei Ihnen, Sie wollen sich doch keinen Panzer in den Vorgarten stellen, sondern bei denen, die das Geld dafür haben: bei den Regierenden. Genau genommen, haben auch die Regierungen dafür kein Geld, das holen sie sich bei Ihnen. Nicht mit einem bewaffneten Stoßtrupp, sondern unbewaffnet mit Wahlunterlagen, damit Sie ja die friedliebenden Rüstungsbefürworter wählen. Sehr freundlich reden sie über „Friedenssicherung“, leben wir doch in einem demokratischen Land, das verteidigt werden müsse. In Mali, Somalia oder Afghanistan und vielen Ländern dieser Welt ist das anders. Da herrschen Diktatur und Not. Die Terroristen nützen das schamlos aus, holen die jungen Männern aus den Hütten, versprechen ihnen Brot und Spiele, greifen erst ihre Landsleute, dann auch uns an. Also müssen wir uns bewaffnet verteidigen, auch am Hindukusch. So hieß doch der Schlachtruf zum ersten Gefecht in Afghanistan. Jetzt schließt Ursula von der Leyen Kampfeinsätze in Mali nicht mehr aus. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen plädierte für ein stärkeres, internationales Engagement in Afrika. Die Truppenstärke in Mali soll von 180 auf 250 Soldaten erhöht werden. Dort leben 15 Millionen Menschen, die Hälfte davon – so Frau von der Leyen – sind unter 15 Jahre alt. Können wir sie bis zum Erwachsenenalter mit verstärkter Entwicklungshilfe versorgen? Wohl kaum. Also wird Deutschland zunächst auch Waffen liefern. Da aber Malis und andere Afrikaner damit nicht umgehen können, müssen deutsche Soldaten vor Ort sein, um den Umgang mit der Waffe zu lehren, auch um zu töten. Wenn Terroristen dabei stören, wird zurückgeschossen. Einige Gutmenschen schlagen doch tatsächlich vor, wir sollten nur Brunnen bauen und Ackerbau betreiben. Was für Narren! Friedensverteidigung ohne Waffen? Ja, das muss möglich sein, denn wie weit haben uns bewaffnete „Landesverteidigungen“ gebracht? Kürzlich plakatierte MISEREOR „Mut ist, Waffen mit Worten zu bekämpfen.“ Sich darauf beschränken bedeutet allerdings, den Zustand des Elends zu festigen. Und hier muss angesetzt werden: Gerechtigkeit zur Grundlage der Politik machen! Trachten wir zuerst nach der Gerechtigkeit und alles andere wird uns zufallen. Statt militärischer Verteidigung unhaltbarer Zustände in der Welt – auch bei uns – muss die soziale Frage gelöst werden. Ihre Ursache muss erkannt und beseitigt werden. In einer auf Profit ausgerichteten Wirtschaftsordnung ist das unmöglich. Eine auf Arbeitsertrag fixierte Wirtschaftsordnung muss eingerichtet werden. Es gibt Hoffnung. Wir sind dabei, unsere Einheit mit all unseren Mitmenschen zu erkennen, so dass es bald unmöglich sein wird, einander auszubeuten, zu berauben oder gar zu töten. Solange uns das nicht gelingt, können wir nicht behaupten, in einer zivilisierten Welt zu leben. Auf, auf zum letzten Gefecht zur Beseitigung systembedingter Ungerechtigkeiten – ohne Waffen! . . . → Mehr dazu: Auf, auf zum ersten Gefecht – Kommentar von Wilhelm Schmülling

Arbeit zwischen Verherrlichung und Entwertung – Günther Moewes

„In Deutschland waren noch nie so viele Menschen in Arbeit wie 2013“ tönt es aus den Medien. Und seit 1960 regelmäßig von allen Kanzlern: „Die Wende auf dem Arbeitsmarkt steht unmittelbar bevor.“ Es wird der Eindruck erweckt, die Arbeit nähme wieder zu. Die Realität sieht anders aus. Tatsächlich hat die Zahl der durchschnittlich geleisteten Jahresarbeitsstunden in Deutschland von 1960 bis 2012 um 35,4 auf 64,6 % abgenommen, d.h. um mehr als ein Drittel. Wenn sich die Zahl der Beschäftigten trotzdem erhöht hat, dann nur, weil diese Verringerung des tatsächlich erbrachten Arbeitsvolumens in Form von unbezahlter Arbeitszeitverkürzung auf drei Millionen Teilzeitbeschäftigte abgeladen wurde. Deren Zahl ist inzwischen höher als die der 2,95 Mio. Arbeitslosen. Diese 64,6 % der 1960 erbrachten Arbeitsstunden geben jedoch noch nicht den tatsächlichen Rückgang des Arbeitsvolumens wieder. Denn in ihr ist ja noch nicht die enorm gestiegene Arbeitslosigkeit enthalten. 2012 betrug die Arbeitslosigkeit in Deutschland 6,8 % (= 2,95 Mio.), 1960 ganze 1,3 % (0,27 Mio.). Würde man die 2012 insgesamt tatsächlich geleisteten Jahresarbeitsstunden mit auf die Arbeitslosen verteilen, hätte jeder Erwerbsfähige pro Jahr 142 Std. weniger arbeiten müssen. Das so ermittelte heute erbrachte Arbeitsvolumen pro Erwerbsfähigen beträgt dann nur noch 59 % dessen von 1960, also über 40% weniger. . . . → Mehr dazu: Arbeit zwischen Verherrlichung und Entwertung – Günther Moewes

Steuerhinterziehung – Volkssport in unterschiedlichen Spielklassen – Dirk Löhr

Plädoyer für eine Staatsfinanzierung aus ökonomischen Renten Alle tun es. Die Ikone Ulrich Hoeneß. Der honorige CDU-Schatzmeister Helmut Linssen. Die „moralische Instanz“ Alice Schwarzer. Der feinsinnige Kultur- Staatssekretär André Schmitz aus Berlin. Besonders pikant: Letzterer ist Mitglied derjenigen Partei, die sich als Vorreiter gegen kriminelle Steuerhinterzieher sieht. Sein Parteifreund Peer Steinbrück drohte seinerzeit damit, die Kavallerie gegen die kleine Schweiz ausrücken zu lassen. Dabei nimmt sich jeder das, was er kann. Steuerhinterziehung ist ein Volkssport. Allerdings gibt es verschiedene Ligen. Der eine trägt eben internationale Spiele auf den Bahamas aus, der andere bleibt in seinem Dorf stecken – Kreisklasse, mit nicht ausgestellten Handwerkerrechnungen. Um das deutsche Steuersystem ranken sich viele Mythen. 70-80 % der weltweiten Steuerliteratur sollen sich angeblich des Problemfalles Deutschland annehmen. Das ist sicherlich maßlos übertrieben. Doch selbst, wenn es nur 15 % sind (Späth, o. J.) , ist dies angesichts eines Anteils von 1,2 % an der Weltbevölkerung doch schon eine recht stolze Zahl. Für den „Vater Staat“ ist es dabei häufig das Kleinvieh, das Mist macht. Konsequenz: Gerade Massenfälle wie Dienstwagen, geldwerte Vorteile, Dienstreisen etc. werden so kompliziert und kleinlich geregelt, dass kaum jemand mehr durchblickt. Hinzu kommt ein Gerechtigkeitsfimmel der deutschen Gerichte (der sich dann irgendwann auch in den Verwaltungsanweisungen niederschlägt). Die Kosten des ganzen Theaters werden zu einem großen Teil auf die Steuerpflichtigen verlagert (auch in Gestalt von Rechtsunsicherheiten). Der erwähnte Gerechtigkeitsfimmel der Gerichte tobt sich leider an der vollkommen falschen Stelle aus. Das zentrale Problem der Rentenökonomie wird nämlich nicht angegangen. Am besten erschließt sich dieses über das sog. „Henry George-Theorem“ („Golden Rule of Local Public Finance“), das u.a. vom Nobelpreisträger und früheren Weltbank-Chefökonomen Joseph Stiglitz formalisiert wurde. Das Henry George-Theorem (s. Abb.) kann von links nach rechts und umgekehrt interpretiert werden: Die öffentlichen Güter (Infrastruktur, Sicherheit, Bildung, Gesundheitseinrichtungen) können unter bestimmten Bedingungen vollständig aus den Bodenrenten finanziert werden, wobei „Boden“ in einem sehr weiten Sinne verstanden wird (als alles, was der Mensch nicht geschaffen hat, und sogar – wie bei geistigen Eigentumsrechten – noch darüber hinaus). Also: Man bräuchte gar keine Steuern, wenn man den Staat aus den ökonomischen Renten finanzieren würde. . . . → Mehr dazu: Steuerhinterziehung – Volkssport in unterschiedlichen Spielklassen – Dirk Löhr

Kapitalismus ohne Rücksicht auf Verluste – Friedrich Müller-Reißmann

Kapitalismus ist die reale Perversion der idealen Marktwirtschaft Die Marktwirtschaft ist ein Wirtschaftssystem, das die (materiellen) Bedürfnisse aller Menschen auf effiziente, nachhaltige Weise erfüllt und leistungslose Einkommen tendenziell unterbindet. Kapitalismus bewirkt systematisch das Gegenteil: Verschwendung begrenzter Ressourcen und Erzeugung riesiger leistungsloser Einkommen zulasten der arbeitenden Menschen. Kapitalismus ist die große wirkungsvolle Methode der Privilegierten, den Angriff der Marktwirtschaft auf ihre Privilegien ins Leere laufen zu lassen. Hochglanzsystem Kapitalismus Die Reklame liefert tagtäglich den Beweis für das Versagen des gegenwärtigen Systems. Sie ist das allgegenwärtige Armutszeugnis des Kapitalismus, gewissermaßen ein Armutszeugnis auf Hochglanzpapier. Ihre Botschaft zwischen den Zeilen lautet: „Ein mündiger Verbraucher wäre eine Katastrophe. Lasst euch manipulieren und kauft, was ihr eigentlich nicht braucht, und vor allem ständig mehr – sonst funktioniert unsere Wirtschaft nicht!“. Kann aber ein System auf die Dauer funktionieren, das einen beispiellosen Wettbewerb um die Gunst der Dummheit (Eitelkeit, Verschwendungssucht, Angeberei usw.) entfachen und ständig schüren muss, um zu funktionieren? Der Wettlauf der Titanic’s Jeder ist verzweifelt bemüht, an der Spitze mitzuhalten. Wer nicht anderen voraus ist, hat schon verloren. Ein Wettlauf, ohne das Ziel zu kennen. Niemand fragt nach der Richtung, niemand stellt sich die Frage, ob am Ende ein Ziel winkt, für das sich die ganze Anstrengung lohnt. Noch schlimmer: ein Ende dieses gigantischen Wettlaufs ist gar nicht vorstellbar. Der Kapitän und die Offiziere feuern die Mannschaft an, das Letzte zu geben. Auch die Passagiere, vor allem die weniger privilegierten unter ihnen, werden aufgerufen, „umzudenken“, Abstriche an ihren gewohnten Rechten hinzunehmen und alles in den Dienst des Wettlaufs zu stellen… „Und glaubt ja nicht, denen auf den anderen Schiffen ginge es besser. Auch die bringen schmerzhafte Opfer, um nicht abgehängt zu werden“. Warum dieser Wahnsinn? Eine mögliche Antwort: Niemand weiß, wie man sich von diesem Wettlauf abkoppelt, ohne dass man dann auf einer langsam verrottenden Titanic einsam durch den Ozean dümpelt. Also schlicht und einfach Mangel an machbaren und attraktiven Alternativen zum bedingungslosen Wettlauf? Doch das kann nicht die ganze Antwort sein. Denn sie erklärt nicht, warum die Suche nach Alternativen von den Kapitänen und Offizieren immer so schnell als Phantasterei, Spinnerei, Wunschdenken usw. abgetan oder sogar als gefährliche Systemveränderung diffamiert wird. Nein, die Erklärung ist meines Erachtens darin zu suchen, dass in ihren Köpfen eine ideologische Verklärung des Wettlaufs als Garant grenzenlosen Fortschritts existiert, wohlgemerkt, genau dieses gigantischen Wettlaufs, nicht des Wettbewerbs als stimulierendem Prinzips der Evolution, sonst könnte man ja auch seine Kraft auf den Wettbewerb der Ideen konzentrieren, wie das Leben auf dem Schiff am schönsten und gerechtesten für alle Schiffsbewohner zu gestalten ist. Doch man vertraut lieber darauf, dass man sich diesen schwierigen Fragen nach Lebensqualität und Gerechtigkeit nicht stellen muss, wenn man nur im großen Wettlauf die anderen Schiffe hinter sich lässt. Ideologische Dogmen schweben nicht im realitätsleeren Raum. Im Grunde wissen die Kapitäne, dass sie selbst nur dann überproportional vom Wettkampf profitieren, wenn sie vorn liegen und das heißt: Wer auf den hinteren Plätzen liegt, zahlt überproportional. Eigentlich wird das ziemlich offen ausgesprochen. „Wenn wir unseren Wohlstand halten wollen, müssen wir im internationalen Wettbewerb die Nase vorn behalten.“ Man sagt zwar: Vom freien Welthandel profitieren alle, aber man weiß: So gut wie es uns geht, kann es uns nur gehen, wenn es den anderen nicht so gut geht. Das ist die Ideologie hinter der Ideologie unseres Wirtschaftssystem: Wir können uns das Glück gar nicht mehr anders vorstellen als das Glück von Siegern. Und Sieger siegen nun mal auf Kosten der Verlierer. . . . → Mehr dazu: Kapitalismus ohne Rücksicht auf Verluste – Friedrich Müller-Reißmann

Kapitalismus – Wort ohne Bedeutung? – Andreas Bangemann

Kapitalismus – Wort ohne Bedeutung? Eine Spurensuche Kapitalismuskritik ist weltweit an der Tagesordnung. Alle schreiben darüber, alle reden davon. Doch worüber eigentlich? Was ist Kapitalismus? Auf der Entdeckungsreise gelangt man zu einem leeren Gefäß, in das viele hineinrufen. Und die Töne der Rufenden schallen zurück. „Unpräziser Begriff für ein modernes Wirtschaftssystem …“ So beginnt im „Brockhaus“ die Erklärung unter dem Stichwort „Kapitalismus“. Es folgen zahlreiche Hinweise auf ökonomische Denker, die mit ihrer Definition versuchten, die Betrachtungsweise zum Kapitalismus zu prägen. Privates Eigentum ist für viele eine Grundvoraussetzung des Kapitalismus. Darauf baute Karl Marx seine Kritik auf und prägte maßgeblich die Diskussion. In den seit Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise sich formierenden, kapitalismuskritischen Gruppen und Organisationen finden sich bis zum heutigen Tage die Marxschen Darlegungen wieder. „Occupy“ – „deutsch: besetzen, beanspruchen“ ist das bedeutsamste – auch im nicht englischsprachigen Raum genutzte – Wort für das Ziel der Occupy-Bewegung. Das Gefühl der Ohnmacht im Anblick der immensen Kapitalsummen, die dazu zu ermächtigen scheinen, die gesamte Menschheit in den Abgrund zu stürzen, befördert den Wunsch nach einem Ende der bedrohlichen Entwicklung. Man wünscht sich die Quelle des Irrsinns zu besetzen. Doch wo ist diese Quelle? Folgt man der Spur des Geldes, dann stößt man auf Personen. Superreiche, Banker und Finanzakteure, die mit Milliarden jonglieren können und die offenbar die Augen vor den Folgen ihres Tuns verschließen. Der Gedanke, die Profiteure des Systems der Macht zu berauben und sie selbst zu beanspruchen, liegt auf der Hand. Doch was wäre mit einer solchen Aneignung erreicht? Haben nicht ausgerechnet die von Karl Marx vorgeschlagenen Lösungen einer völligen Enteignung der Menschen zu Gunsten einer „Allgemeinheit“ in der Praxis hinlänglich bewiesen, dass trotz alledem ein wesentliches Element des Wirtschaftens immer weiter fröhliche Urstände feiert? Die Versuchung ist groß: Soll ich den unzähligen Definitionen von Kapitalismus noch eine hinzuzufügen? Schließlich habe ich – wie alle anderen – mir auch eine eigene Vorstellung davon herausgebildet, was ich unter diesem Begriff verstehe. Und da es ja nichts „Präzises“ und Allgemeingültiges gibt, warum also nicht? Außer Kopfnicken von jenen, die meine Auffassung teilen – und ihr sicher noch einige Details hinzufügen würden – wäre damit nicht viel gewonnen. Ausnahme: die Definition schaffte es zu allgemeiner Anerkennung und ihr würde im Brockhaus „Präzision“ attestiert werden. Das ist schon sehr unwahrscheinlich. Apropos Wahrscheinlichkeit: In den Wirtschaftswissenschaften gibt es keine Naturgesetze, wie in der Physik. Spätestens seit der Globalisierung scheint niemand mehr in der Lage, abgeschlossene Räume zu definieren, innerhalb welcher Wirtschaften nach klaren Regeln mit vorhersehbaren Folgen ablaufen kann. Sobald wir Wirtschaften, also miteinander in Beziehung treten zum Zwecke eines „Energieaustausches «, gelangen wir in Sphären, die der Physiker im Mikrobereich längst als allen eindeutigen Vorhersagen entzogen bezeichnen und nur noch von Wahrscheinlichkeit sprechen würde. Eine Tatsache, die den sich immer auf der Grundlage vollständiger Kausalitätsforderungen gewähnten Physikern zu Beginn des vorigen Jahrhunderts fast den Verstand raubte. Albert Einstein formulierte es 1924 nach vielen Jahren des Erkenntniswachstums, beinahe verzweifelt klingend, so: „Der Gedanke, dass ein einem Strahl ausgesetztes Elektron aus freiem Entschluss den Augenblick und die Richtung wählt, in der es fortspringen will, ist mir unerträglich. Wenn schon, dann möchte ich lieber Schuster oder Angestellter einer Spielbank sein als Physiker.“[1] Es ist deshalb nachvollziehbar, dass wir uns heute einer unerschöpflich scheinenden Zahl an Erklärungsversuchen für die Vorgänge in der Wirtschaft und am Finanzmarkt gegenübersehen. Die daran geknüpften Erwartungen für die weitere Entwicklung können nur mit Hilfe des Zufalls eintreffen. In Wahrheit fischen alle „Experten“ im Trüben. Zugeben würde das nur keiner. Einen Unterschied zwischen Physikern und Wirtschaftswissenschaftlern gibt es jedoch. In der Physik will man die beobachteten Erscheinungen in der Natur aufdecken und ihre kausalen Zusammenhänge ergründen. Erst Beobachten, dann Ergründen. Man kann sich des 1 Quelle: »Albert Einstein«, Hedwig und Max Born (1969), S. 118. Brief von Einstein an Max Born, 29. April 1924) Eindrucks nicht erwehren, dass das bei den Wirtschaftswissenschaften anders läuft, um nicht zu sagen umgekehrt. Man verfügt über einen immer gültigen Theorie-Werkzeugkasten und schaut in der Realität nach den Abläufen, die dazu passen und sich damit formen lassen. Die anderen blendet man aus. Die Neutralität des Geldes Ein Beispiel: In der Ökonomie wird ausgerechnet der essenziellste Energieträger nicht in seinen Eigenschaften und Wirkungen erforscht. In Zeiten des Papiergeldes und der Bits und Bytes verzichtet man, offenbar wegen der vermeintlichen Energielosigkeit des Trägers, dessen Relevanz hinsichtlich der ausgelösten Prozesse zu erforschen. So wird bis heute in den Standardwerken der Wirtschaftswissenschaften die „Neutralität des Geldes“ gelehrt. Zwar ist die Rede von einem „Schleier“, den das Geld über Transaktionen legt, man misst ihm aber dennoch keine Bedeutung in Bezug auf die realen Prozesse der Wirtschaft bei. Ob ein Physiker anstelle eines Ökonomen das jemals so sähe, angesichts der Tatsache, dass es im Zusammenhang mit Geld einen Selbstvermehrungsprozess, wie den des Zins- und Zinseszinssystems gibt, darf stark bezweifelt werden. Im Rahmen der Speicherung von Geld in unterschiedliche „Kapitalformen“ entsteht mehr Geld, was wiederum zu Auswirkungen in der Wirtschaft führt. Zum Beispiel zu realem Wachstum, in Form von mehr Autos, mehr Gebäuden und vielerlei anderen materiellen Dingen. Versucht man die beharrliche Sichtweise der Neutralität des Geldes in der Ökonomie zu ergründen, kommt man auf allerlei – für die Betroffenen wenig schmeichelhafte – Erklärungsversuche, die hinsichtlich der Motive zweifellos spekulativ sind. Die Daseinsberechtigung und Reputation dieses Wissenszweiges hängt maßgeblich davon ab, wie die postulierten Erkenntnisse mit der von jedermann beobachtbaren Realität in Einklang stehen. Da erscheint es angesichts der im Vergleich zur Physik mangelnden Wissenschaftlichkeit nur plausibel, dass sich Beobachtungen und Erkenntnisse zu selbsterfüllenden Prophezeiungen ausprägen. Solange die maßgeblichen Wirtschaftsteilnehmer ihr Verhalten, an die von federführenden Stellen vorgegebenen Bedingungen anpassen, handeln auch alle anderen danach. Die immer aufs Neue entstehenden, „natürlich unvorhersehbaren «, Nebenwirkungen werden auf Basis des gleichen Denkens sogleich in das bestehende Denkmuster integriert und sind infolgedessen auch erklärt. So arbeiten keine Wissenschaftler. So arbeiten Scharlatane. Wozu führt das in der Realität? Welche Auswirkungen hat eine solche Wissenschaft auf wirtschaftliche Abläufe? Zunächst einmal erzeugt und verfestigt man damit Mythen. • Zum Beispiel den Mythos von den Fleißigen, die ausschließlich durch ihrer Hände und ihres Geistes Arbeit zu Reichtum kamen. • Reich wird man nur dank außerordentlichem Fleiß. • Wer Arm ist, hat enormen Nachholbedarf an Strebsamkeit und dem Aneignen von Fähigkeiten, welche die Gesellschaft – genauer: die Wirtschaft – von einem erwartet. • Reich sein ist ein Beweis für großartige Leistungsfähigkeit. • Arm sein einer für einen Mangel an gesellschaftlicher Anpassungsfähigkeit. • Der „Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär- Mythos“ ist auch einer, der nur aufrechtzuerhalten ist, wenn dem Geld Neutralität beigemessen wird. Der Liste ließen sich unzählige andere Beispiele hinzufügen. Doch, was hilft uns das weiter, in einer Welt, in der diese Mythen mehr Einfluss auf das tägliche Leben ausüben, als gutgemeinte „Gegenentwürfe“. . . . → Mehr dazu: Kapitalismus – Wort ohne Bedeutung? – Andreas Bangemann

Sommertagung der HUMANEN WIRTSCHAFT – Freiburg 2014 – Redaktion

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Samstag, den 21. Juni 2014 in Freiburg im Breisgau Veranstaltungsort: Historisches Kaufhaus Freiburg – Kaminsaal Münsterplatz 24 79098 Freiburg Einlass: 9:00 Uhr Programm von 10:00 bis 18:00 Uhr Gespräche über Geld im Kaufhaus – Kann es einen besseren Ort dafür geben? In unmittelbarer Nähe zum Freiburger Münster liegt das schöne, historische Gebäude, in dem die Sommertagung 2014 stattfindet. In der sonnenreichsten Region Deutschlands den längsten Tag des Jahres erleben! Erleben Sie die HUMANE WIRTSCHAFT leibhaftig: Sommertagung am 21. Juni 2014 in Freiburg im Breisgau. Ein kurzweiliger Tag unter anderem mit Vorträgen von Prof. Dr. Dirk Löhr und Andreas Bangemann bringt die Arbeit und die Menschen hinter der Zeitschrift näher. Weitere Informationen und Anmeldungen in unserer Geschäftsstelle bei Frau Erika Schmied: Luitpoldstr. 10, 91413 Neustadt a.d. Aisch Tel. (09161) 87 28 672 (vormittags), Fax (09161) 87 28 673 E-Mail: service@humane-wirtschaft.de Die Anmeldung über ein Anmeldeformular mit allen wichtigen Informationen ist auch im Internet möglich: http://goo.gl/njHaFb . . . → Mehr dazu: Sommertagung der HUMANEN WIRTSCHAFT – Freiburg 2014 – Redaktion

Termine 03/2014

Die aktuellsten Termine und Veranstaltungen ab Mai 2014 . . . → Mehr dazu: Termine 03/2014

Leserbriefe 03/2014

Ihre Meinung ist uns wichtig! Senden Sie uns Ihre Fragen, Anregungen oder persönlichen Meinungen. Wir bemühen uns, so viele Leserbriefe unterzubringen, wie möglich. Wenn wir Leserbriefe kürzen, dann so, dass das Anliegen der Schreibenden gewahrt bleibt. Leserbriefe geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Mit Terminhinweis zum Kongress – Burnout und Resilienz – Bewusstseinskompetenz für Wirtschaft und Gesellschaft 22. bis 25. Mai 2014, Bad Kissingen, Regentenbau und Heiligenfeld Kliniken. siehe auch www.kongress-heiligenfeld.de . . . → Mehr dazu: Leserbriefe 03/2014

Ist die HUMANE WIRTSCHAFT kapitalismuskritisch? – Andreas Bangemann

Wenn man die Frage bis in die Details durchdenkt, ist sie nicht so leicht zu beantworten. Es wird behauptet, dass der Mangel etwas sei, das systembedingt zum Kapitalismus gehört. Ob das ein Grund ist, weshalb es an einer allgemeingültigen Definition für den Terminus mangelt? Bedingt durch diesen Mangel, liegt die Feststellung, ob Kapitalismuskritik vorliegt oder nicht, im Auge des Betrachters. Zu dem Bemühen, das Beobachtbare wissenschaftlich zu untersuchen und darin Gesetzmäßigkeiten zu entdecken, kommt erschwerend hinzu, dass es nur wenige Grundannahmen gibt, worauf man verlässliche Aussagen aufbauen kann. Ein Beispiel: „Die Akteure auf dem Markt“ verhalten sich „ökonomisch“. Der daraus entstandene, vom berühmten Adam Smith ins Leben gerufene „Homo Oecomicus“ wurde mittlerweile zum Verwahrstück in der wirtschaftswissenschaftlichen Asservatenkammer. Er taugt nicht mehr für Forschungen. Was aus dem Fehlen der Grundlagen folgt, ist für die ganze Welt fatal. Ein undurchdringbar komplexes Gebilde, namens „Markt“ erzeugt Folgen, dessen Ursachen man nur „erraten“ kann. Um besonders bedrohlich wirkende Symptome kümmern sich Politiker und Experten hastig mit Maßnahmen, deren Konsequenzen sie nur erhoffen können. Was mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erreicht wird, sind neuartige Auswirkungen. „Unvorhersehbare“ natürlich. Mittlerweile hegt kaum mehr jemand Zweifel daran, dass mit dem Geld in der Wirtschaft etwas nicht stimmt. Was allerdings die Wissenschaft dennoch nicht dazu verleitet, der hinter dem Geld stehenden Systematik auf die Spur zu gehen. Man bleibt dabei und kümmert sich um die Auswirkungen. Marktverhalten am Kapitalmarkt spieltheoretisch zu analysieren, bringt den forschenden Wissenschaftlern Nobelpreise ein. Auf dem Gebiet der Ursachenforschung kann man keine Blumentöpfe gewinnen. Die Ökonomie führt zu Recht die Marktwirtschaft als derzeit beste und der Freiheit Rechnung tragende Wirtschaftsordnung auf. Doch im gleichen Atemzug stellt man ihr den „Kapitalismus“ zur Seite. Ohne Erklärung, ob es sich um das Gleiche handelt oder nur eine Ergänzung. Kapitalismus kommt wie der unbekannte und gleichsam unsichtbare Begleiter der Marktwirtschaft daher. Gemeinsam garantieren die beiden, dass wir, im Rahmen ein „paar weniger“ Gesetze, aber immer noch frei, tun und lassen können, was wir wollen. So haben wir angeblich unser Schicksal in der Hand. Jede Frau und jeder Mann kann es zu etwas bringen, in der freien, kapitalistischen Marktwirtschaft. Eine große Mehrheit der Menschen erliegt dieser Illusion nach wie vor. In Wahrheit ist der unsichtbare Begleiter „Kapitalismus“ jedoch Designer. Er lässt uns tun, was wir wollen, aber uns nicht sein, was wir doch sind. Gefangen ohne Mauern glauben wir zu tun, was wir wollen. Jedoch am Ende tun wir, was er will. Wir nehmen im kapitalistischen „Kunstwerk“ eine festgeschriebene Funktion ein. Wir bemerken es nicht, also kümmert es uns nicht. Wir tun was wir wollen und erfüllen dennoch den Plan des Designers. Beispielsweise beim Konsumieren immer unsinnigerer Produkte. Beim klaglosen Akzeptieren immer größerer Schäden am Sozialwesen und an der Natur. Die notwendigen Reparaturen nehmen wir gar schulterklopfend als Leistungszuwachs zur Kenntnis. Indem wir willfährig mithelfen, alle Bereiche des Lebens zu „monetisieren“. Im Laufe der Zeit erschlossen wir – im „Geheimauftrag des Designers“ – immer weitere Gebiete. Auf der Geschäftsidee der Betreuung von Kindern oder Senioren konnte vor 30 Jahren kaum jemand eine Existenz aufbauen. Heute ist das ein boomender Milliardenmarkt, geprägt von skandalösen Mitarbeiter-Entlohnungsmodellen. Glaubt jemand ernsthaft, dass wir so sind? Wenn Geld das beherrschende Ziel unserer Bestrebungen ist, dann wird davon alles aufgesaugt. Was sich nicht vereinnahmen lässt, wird als minderwertig an den Rand gedrückt. Marktwirtschaft und Kapitalismus sind keine Menschen. Sie sind menschengemacht. Es liegt in unserer Hand, die Unsichtbarkeit des Kapitalismus zu beenden und den Vorgängen in der Wirtschaft den Geldschleier zu entreißen. Nur so können wir die Frage beantworten: „Wird es Zeit für einen Abschied?“ Betrachtet man den Kapitalismus als ein unabhängig von der Marktwirtschaft funktionierendes System, das aber maßgeblichen, zerstörerischen Einfluss ausübt, dann ist Kritisieren vergeudete Zeit. Die Aufgabe muss deshalb lauten: Entwicklung völlig neuer Systeme. Wie könnte ein Geldsystem und dazu korrespondierendes Eigentumsrecht aussehen? Eines, das uns in Wirklichkeit frei macht? Womöglich eines, das uns die Freiheit zu Geben bringt, verbunden mit der Entdeckung wie dadurch Wohlstand in einer nie gekannten Dimension entsteht. Eines, mit dem wir sein können, was wir sind! Herzlich grüßt Ihr Andreas Bangemann. . . . → Mehr dazu: Ist die HUMANE WIRTSCHAFT kapitalismuskritisch? – Andreas Bangemann

Roland Geitmann war ein feiner Mensch – Die Redaktion

Am 4. 12. 2013 ist Roland Geitmann gestorben. Er war ein feiner Mensch. Er war ein feiner Mensch. Er verkörperte den Frieden, der ihn als großes Ziel bewegte. Seine sympathische Art, die sich in respektvoller Zuwendung zu seinen Mitmenschen ebenso ausdrückte, wie in seiner Liebe zur Natur und den kleinen Freuden des Lebens, war vorbildlich. Mit spontanen Klavierstücken erfreute er in den Pausen die Gäste unserer Veranstaltungen. 2012, anlässlich des 150-jährigen Geburtstagsjubiläums von Silvio Gesell sprach er in Wuppertal zu einem ihm am Herzen liegenden Thema, nämlich der Rolle direkter Demokratie für die Idee der sozialen Plastik im Sinne von Joseph Beuys. Mit diesem Beitrag bereicherte er die Veranstaltung „GesellSchafftKunst“ im Mai 2012 in Wuppertal. Sein Wirken für die gute Sache wird nicht in Vergessenheit geraten. Wir empfinden es als ein Geschenk von unermesslichem Wert, dass er sich gemeinsam mit uns eingesetzt hat. Seine Kompetenz spendete Kraft und Selbstvertrauen. Sein Menschsein lebt in vielen seiner geistigen und persönlichen Freunde weiter. Wir zählen uns dazu. Zitat Roland Geitmann: „Im zerstörerischen Umgang mit Geld und mit der Erde offenbart sich das Innenleben, die geistig-seelische Verfassung einer Gesellschaft. Eine solche Problemlage lässt sich nicht wie ein technischer Defekt reparieren. So dringend notwendig unsere Geldund Bodenreformmaßnahmen wären, so unwahrscheinlich ist es vorerst, dass sie ergriffen werden. Denn so tief im Denken, Fühlen und Wollen der Menschen verwurzelte Verhältnisse ändern sich nur gemeinsam mit den Menschen und durch sie. So mühsam Demokratie ist, zeichnet sie doch aus, dass sich Erneuerungsimpulse aus kleinen Anfängen ausbreiten können und letztlich auch durchdringen, wenn ihre Zeit gekommen ist.“ Zitiert aus „Lob der Vielfalt“ von Roland Geitmann erschienen in HUMANE WIRTSCHAFT, Ausgabe 5-2007 Roland Geitmann (geboren am 13. April 1941 in Sildemow bei Rostock, gestorben am 4. Dezember 2013 in Kehl) Roland Geitmann war Verwaltungsrechtler. Er war von 1974 bis 1982 Oberbürgermeister der Stadt Schramberg und von 1983 bis 2006 Professor für Öffentliches Recht an der Hochschule Kehl. 1988 wurde Roland Geitmann Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft freiwirtschaftlicher Christen (AfC). Seit 1989 führt dieser 1950 gegründete Verein den Namen „Christen für gerechte Wirtschaftsordnung e. V.“ (CGW). Im Jahre 2009 gab Roland Geitmann das Amt des Vorsitzenden weiter. Als Ehrenvorsitzender begleitete er die CGW bis zu seinem Tode. Auch war er Sprecher des Kuratoriums von Mehr Demokratie e. V. sowie verantwortlicher Herausgeber der Schriftenreihe der Arbeitsgruppe Gerechte Wirtschaftsordnung. . . . → Mehr dazu: Roland Geitmann war ein feiner Mensch – Die Redaktion

Leserbriefe 01/2014

Ihre Meinung ist uns wichtig! Senden Sie uns Ihre Fragen, Anregungen oder persönlichen Meinungen. Wir bemühen uns, so viele Leserbriefe unterzubringen, wie möglich. Wenn wir Leserbriefe kürzen, dann so, dass das Anliegen der Schreibenden gewahrt bleibt. Leserbriefe geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. In dieser Ausgabe: Raum für Neues – Wirtschaften und Gesundheit „Steuern – Diebstahl an der Allgemeinheit“ Zur Kritik am Außenhandelsüberschuss Deutschlands Die Politik des Geldes Das nicht zu vergessende Ereignis . . . → Mehr dazu: Leserbriefe 01/2014

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