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Die neue Ausgabe ist da

HUMANE WIRTSCHAFT 02/2014

Die HUMANE WIRTSCHAFT sollte nun in Ihrem Briefkasten gelandet sein. Sofern Sie ein Abo haben Geheimtipp: Es gibt auch kostenlose Probehefte.

Einige Artikel der neuen Ausgabe können Sie bereits hier online ansehen und natürlich nun, wie immer, alle Beiträge der letzen Ausgabe.

Es lohnt sich also, hier nochmal reinzuschauen: Schauen Sie in unser Archiv und informieren Sie sich.

Eine Dosis Neuigkeiten

Newsletter-Abo

Der “Newsletter” der HUMANEN WIRTSCHAFT heißt schlicht “ZEITUNG” In dieser Form informieren wir in unregelmäßigen Abständen (ein bis zwei mal monatlich) über Aktuelles und Hintergründe. Ein Archiv über bereits erschienene Ausgaben ist angelegt und abonnieren ist aus ganz einfach. Emailadresse genügt. Keine Sorge, wir wollen der Informationsflut, der wir alle täglich zunehmend ausgesetzt sind, keine weitere Welle hinzufügen, sondern eher für einen ruhigen Ausgleich sorgen und Sie mit klarem Profil auf Dinge aufmerksam machen, deren Auffinden entweder nur schwer oder gar nicht möglich ist. . . . → Mehr dazu: Eine Dosis Neuigkeiten

TAFTA – die große Unterwerfung – Lori Wallach

TAFTA Currencies mit Globus © Martin Bangemann

Übertragung aus dem Englischen von Niels Kadritzke Aufgeregte Politiker von Berlin bis Brüssel sehen durch den NSA-Skandal das Transatlantische Freihandelsabkommen in Gefahr. Über das, was in dem angestrebten Vertrag stehen soll, reden sie nicht so gern. Ein Blick auf die ersten Blaupausen lässt ahnen, was Europas Bürger nicht zu früh erfahren sollen. Bereits vor fünfzehn Jahren versuchten Großunternehmen bei den Verhandlungen über das Multilaterale Abkommen über Investitionen (MAI) ihre Macht heimlich still und leise in unvorstellbarem Maße auszuweiten. Damals scheiterte das Projekt am hartnäckigen Widerstand der Öffentlichkeit und der Parlamente. Damit wurde unter anderem verhindert, dass sich einzelne Konzerne denselben Rechtsstatus wie Nationalstaaten verschaffen konnten. Das hätte etwa bedeutet, dass Unternehmen eine Regierung verklagen können, „entgangene Gewinne“ aus Steuergeldern auszugleichen. Jetzt aber kommen diese Pläne erneut auf den Tisch, und zwar in deutlich verschärfter Fassung. Der offizielle Name des neuen Projekts lautet „Trans-Atlantic Trade and Investment Partnership“, abgekürzt TTIP. Dieses transatlantische Handels- und Investitionsabkommen soll, ähnlich wie früher das MAI, die Privilegien von Konzernen und Investoren absichern und sogar noch ausweiten. So wollen die EU und die USA ihre jeweiligen Standards in „nicht handelspolitischen“ Bereichen vereinheitlichen. Diese angestrebte „Harmonisierung“ orientiert sich erwartungsgemäß an den Interessen der Konzerne und Investoren. Werden deren Standards nicht erfüllt, können zeitlich unbegrenzte Handelssanktionen verhängt werden. Oder es werden gigantische Entschädigungen für die Unternehmen fällig. Die Verhandlungen über diese Art Staatsstreich in Zeitlupe haben im Juli dieses Jahres in Washington begonnen – mit der erklärten Absicht, in zwei Jahren ein Abkommen zu unterzeichnen, das eine transatlantische Freihandelszone „Trans-Atlantic Free Trade Area“ (TAFTA) begründen wird. Das gesamte TTIP-TAFTA-Projekt gleicht dem Monster aus einem Horrorfilm, das durch nichts totzukriegen ist. Denn die Vorteile, die eine solche „Wirtschafts-NATO“ den Unternehmen bieten würde, wären bindend, dauerhaft und praktisch irreversibel, weil jede einzelne Bestimmung nur mit Zustimmung sämtlicher Unterzeichnerstaaten geändert werden kann. . . . → Mehr dazu: TAFTA – die große Unterwerfung – Lori Wallach

Termine 02/2014

Alle Termine ab März 2014 im Überblick . . . → Mehr dazu: Termine 02/2014

Die ganze Welt ist ein Theater – Andreas Bangemann

Gleichzeitig Zuschauer sein und Teil des Geschehens. Im Theater ist das seit Jahrhunderten erlebbar. Die ganze Welt ist Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler. Sie treten auf und gehen wieder ab, sein Leben lang spielt einer manche Rollen, durch sieben Akte hin. (William Shakespeare, Wie es euch gefällt, II/7, 140-144) Theater spielen wurde in London als eine Art „Wunderwaffe“ erkannt, weil sich durch diese Kunstform Politik machen ließ. Königin Elisabeth I. (sie regierte von 1558-1603) wusste das für ihre Zwecke zu nutzen und trug mit dazu bei, dass das englische Volk ins Schauspielhaus strömte und in England Theater von Weltrang gemacht wurde. Einer, der wie kein anderer Stücke auf die Bühne zu zaubern verstand, war zweifellos William Shakespeare. Doch ausgerechnet ihm wird auch nachgesagt, dass er gar nicht der Urheber der ihm zugeschriebenen Bühnenwerke war. Als wahrer Autor wird am häufigsten Sir Francis Bacon, der angebliche, erstgeborene aber nicht anerkannte Sohn Elisabeths I. genannt. Welche Ironie des Schauspiels! Von Haus aus Wissenschaftler konnte Bacon die Intellektuellen auf der Verstandesebene überzeugen. Eines seiner weiteren Talente bestand demnach im Verfassen von Theaterstücken, mit Hilfe derer auch die menschliche Gefühlsebene angesprochen wurde. Und eine solche Gabe lässt sich bis zum heutigen Tage nutzen, um Geschichten zu erzählen, welche Menschen hören wollen. Geschichten, mit denen man die Alltagssorgen, die kleinen wie die großen, hinter sich lassen kann. Fast kommt es einem vor, als würde die Geschichte vom „guten Kapitalismus“ bereits Jahrhunderte lang erzählt. Und selbst in seiner millionsten Variation strömen die Massen noch immer in das Theater der Experten, um bei diesem uralten Stück dabei zu sein. Das Theater von heute sind die unendlich vielen Fernsehsender. Mich macht es zunehmend sprachlos, wenn ich erlebe, wie sich in den Talkshowsesseln vermeintliche Autoritäten mit Worten äußern, deren Sinn eigentlich dazu geeignet wäre, die „alte Geschichte“ in Frage zu stellen und die Forderung nach einer neuen damit zu verbinden. Jedoch, erkennbar gefährliche Entwicklungen werden individuellen Fehlleistungen zugeschrieben, und als eine menschliche Entgleisung dargestellt, die nicht den Wahrheitsgehalt der alten Geschichte gefährdet. Diese wird munter weitererzählt. Von allen, gleich welchen politischen Lagern sie angehören. Niemand stellt grundsätzlich in Frage, sondern erzählt nur eine weitere Variation der alten Geschichte. Mir scheint, als seien wir vermittels Sprache kaum noch in der Lage, das Geschehende wiederzugeben. Offenbar müssen wir erleben, um wahrzunehmen. Wie kann dieses Erleben aussehen, damit es uns wachrüttelt? Gibt es da etwas anderes als Begebenheiten, die wir uns besser nicht ausmalen wollen? Dinge wie Nahrungsmittelknappheit, Gewalt, Kriege usw. Zu allen Zeiten spielten ökonomische Belange und Interessen die Hauptrolle. Selbst die seichtesten Stücke des täglichen Theaters haben mit Geld zu tun. Wirtschaften bedeutet in Beziehung stehen. Weil wir Menschen nur in Gemeinschaft fortbestehen können, ist die Art, wie wir miteinander umgehen eine der wesentlichsten Voraussetzungen für das Überleben unserer Spezies. Als solche sind wir Teil allen Lebens auf der Erde und auch Teil des unendlichen Universums. Mittlerweile spüren die allermeisten, wie stark sich jegliches Handeln der „alten Geschichte“ des kapitalistischen Denkens anpasst. Die Beschaffenheit des Geldwesens bestimmt unsere Denkweise. Es wird Zeit, das zu erkennen. Wir sind Akteure und Zuschauer zugleich. Wir sind Teil eines Ganzen, dessen Schicksal auch unser Schicksal ist. Nichts, was wir tun – aber auch nichts, was wir nicht tun – bleibt ohne Folgen für uns selbst. Als Leser der HUMANEN WIRTSCHAFT sind Sie Teil des Widerstands. Aber auch die Verkörperung des Neuen. Im „Theater des Lebens“ sind wir die Störenfriede. Im Bemühen um eine klare Sprache hinsichtlich aller Fragen zum Geld und seinen Wirkungen hat sich kaum einer so verdient gemacht, wie unser Autor Helmut Creutz. Im Bemühen um die Einbettung des Wirtschaftssystems in den großen Zusammenhang allen Seins schickt sich derzeit Charles Eisenstein aus den USA an, die Augen zu öffnen. Es macht Freude, ihm zuzuhören, denn einer, wie er hat uns noch gefehlt. Einer der die Verstandeswelt rationaler Fakten in ein Gesamtbild überführt, das auch „gefühlt“ werden kann. Vieles von dem, worüber er philosophiert lässt sich mit jener nüchternen Logik erreichen, die unsere Reformvorschläge zur Geld- und Bodenordnung prägen. Logik und Gefühl – wir sind nicht umsonst mit beidem von der Natur ausgestattet worden. Lassen Sie uns gemeinsam mit allen unseren vortrefflichen Autoren – in dieser und in allen anderen Ausgaben – versuchen, den letzten Akt dieses Schauspiels im „Theater des Scheins“ in den ersten Akt einer neuen Geschichte zu überführen. Wir haben das Zeug dazu. Herzlich grüßt Ihr Andreas Bangemann . . . → Mehr dazu: Die ganze Welt ist ein Theater – Andreas Bangemann

Größte Bank Europas gibt nur noch Taschengeld heraus

HUMANE WIRTSCHAFT 01/2014

HSBC, die “Hongkong & Shanghai Banking Corporation Holdings plc), hat ihren Sitz in London und ist die größte Bank Europas. Ihre Bilanzsumme belief sich 2012 auf rund 2,7 Billionen US-Dollar (Europäische Billionen) und sie beschäftigte 270.000 Mitarbeiter. Sie gehört laut FSB (“Financial Stability Board”) zu jenen 28 Großbanken, die als “systemisch bedeutsame Finanzinstitute” eingestuft werden. 2012 hat der US-Senat die Bank wegen ihrer “durch und durch versauten Unternehmenskultur” gerügt. Aufgrund der Vorwürfe, Geldwäsche für Terroristen und Drogenhändler zu betreiben, einigte sich die Bank mit der US-Staatsanwaltschaft auf eine Geldbuße von 1,9 Milliarden US-Dollar.(1) Unter normalen Umständen hätte die Bank ihre Lizenz verlieren müssen, aber da sie nun mal “too big to fail” ist, wurde dieser Schritt nicht vorgenommen.

Was jetzt bekannt wird, sollte nicht nur die Kunden dieser Großbank aufhorchen lassen, sondern generell zu starker Aufmerksamkeit hinsichtlich den Fragen zum Thema Geld und Währung führen. Immer häufiger berichten Kunden der HSBC davon, dass sie von ihrer Bank daran gehindert werden “größere” Summen von ihren Konten abzuheben. Die Abhebung von Beträgen zwischen 5.000 und 10.000 britischen Pfund wurde verweigert, weil die Abhebenden angeblich keine nachvollziehbaren Gründe für den Verwendungszweck der gewünschten Summen angeben konnten. Einzelne Kunden wurden dazu aufgefordert, von den Begünstigten etwaiger Abhebungen ein Bestätigungsschreiben zu erhalten. Wie in einer Art Kuhhandel mussten Bankkunden herausfinden, in welcher Höhe sie denn über ihre Guthaben verfügen könnten. Die BBC (2) berichtet von Fällen, in denen man sich bei 3.000 Pfund “einigte”. Es geht um Guthaben, deren Eigentum eindeutig geregelt scheint. Sie gehören den Kunden und nicht der Bank, so dass es wie eine Farce klingt, wenn die Bank mit derlei “neuen Regeln” seine Kunden gängelt. In offiziellen Verlautbarungen begründen Verantwortliche von HSBC ihre Vorgehensweise mit ihrer Pflicht, ihre Kunden zu schützen und dazu beizutragen, dass die Möglichkeiten von Finanzbetrügereien minimiert würden. Douglas Carswell, ein Parlamentsmitglied der Konservativen ist von derlei Praktiken alarmiert und kommentiert sie mit dem Hinweis, dass ihm das vorkomme, als behandelte die Banken ihre Kunden wie kleine Kinder, deren Eltern sie seien und sich das Recht auf Zuteilung von Taschengeld herausnehmen könne. Was kann oder soll man davon halten, wenn derlei mächtige Banken mit dem ihnen anvertrauten Geld auf diese Weise umgehen? Ist es nicht allerhöchste Zeit, sich zu fragen, wie es kommen konnte, dass die Fragen des Geldes nicht mehr maßgeblich vom Souverän und seinen gewählten Politikern und Regierungen gestaltet werden, sondern sich Machtapparate gebildet haben, die sich einen Teufel um die Belange der Gesellschaft und ihrer Mitglieder scheren?

Leserbriefe 06/2013

Fünf Seiten von Lesern für Leser. Die Leserbriefe dieser Ausgabe. Ihre Meinung ist uns wichtig! Senden Sie uns Ihre Fragen, Anregungen oder persönlichen Meinungen. Wir bemühen uns, so viele Leserbriefe unterzubringen, wie möglich. Wenn wir Leserbriefe kürzen, dann so, dass das Anliegen der Schreibenden gewahrt bleibt. Leserbriefe geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. . . . → Mehr dazu: Leserbriefe 06/2013

In Wuppertal steinreich werden – Andreas Bangemann

SGT-Steine

Die Freilichtbühne an der Silvio-Gesell-Tagungsstätte wird mehr als 80 Jahre nach ihrer Entstehung wieder mit Leben erfüllt. Jonathan Ries als „Bauleiter“ und die Familie Bangemann achten dabei darauf, dem „Geist“ des Geländes und der herrlichen Natur Rechnung zu tragen. Der Freiwirtschaftliche Jugendverband Deutschland e. V. als Träger und Eigentümer des Geländes sucht auf besondere Weise Unterstützer. Mit der Übernahme einer „Steinpatenschaft“ kann das Projekt, das 2015 vollendet werden soll, unterstützt werden. Gedanken, die zur Entscheidung für Steine geführt haben Die Terrassierung des Sitzbereiches, die später einmal die Stufen des Zuschauerraumes bilden wird, soll aus massiven Steinblöcken gestaltet werden. Die Modellierung des Erdreichs, seine Verdichtung und der Untergrund für die „Sitzsteine“ stellen dabei eine Herausforderung dar. Die Freilichtbühne in Form einer unverwüstlichen Wahrheit, als Spagat zwischen manifester Masse und geistigem Leben. Dem Stein und seiner alles menschliche Leben überdauernden Stärke, soll in Form der Nutzung der Bühne die Leichtigkeit des Gedankenspiels in allen künstlerischen Facetten begegnen. Der Stein als das Symbol der Zeitlosigkeit trifft in der zukünftigen Bühne auf die lebendige Kreativität von Mensch und Natur. Diese Ambivalenz bezieht ihre Überraschungsmomente aus den immensen zeitlichen Versatzstücken von Entwicklungen. Hier das ewig Geltende, Versteinerte, dort das Flüchtige, die dem menschlichen Geist entspringende Momentaufnahme. Hier das Behäbige, Unbewegliche und dort das Fließende und auf ganz besondere Weise Veränderung Herbeiführende. Der Stein ist Stein und bleibt es ewig. Der Mensch vergeht in kürzester Zeit und nährt sich von den Früchten der Natur und des Geistes. Leben vergeht und entsteht in unendlichem Kreislauf. Ein Kunstwerk, das auf einer Bühne aufgeführt wird, ist Vergänglichkeit im Stundentakt. Doch diese Freilichtbühne wird mit ihrem Ensemble aus Kunst, Architektur und Kreativität für ungeahnte Reflexionen und bleibende Eindrücke sorgen. Bäume, Sträucher, Pflanzen und die Tiere des Waldes und der angrenzenden Felder, bereichern die Kulisse, welche der Mensch mit seiner Kreativität erfüllt. Reden aller Art, Kleinkunst, Akrobatik, Bewegungskunst, Theater, Tanz, Musik, kindliche Entdeckungsreisen, Seminarveranstaltungen und, und, und … Der zukünftigen Nutzung als Spiel- und Ausdrucksraum für vielfältige Zwecke sind kaum Grenzen gesetzt. Die gewaltige, zeitlose, mit Ewigkeitsanspruch versehene Form der gesamten Anlage bietet einen Raum, der den Menschen täglich aufs Neue die Freiheit bietet, sie mit Künstlerischem und Kreativem auszufüllen. Dem unaufhörlichen Werden und Vergehen wird ein einzigartiger Rahmen gegeben. Dem Entstehen der Veränderung wird Raum gegeben. Steinpatenschaften Viele hundert Steine werden nötig sein, bis die zukünftigen Sitzgelegenheiten geschaffen sind. Ein einzelner dieser Muschelkalksteine wird etwa 45 cm x 45 cm im Querschnitt messen, ca. 80 bis 100 cm lang sein und rund 500 kg wiegen. Tragen Sie mit einer Steinpatenschaft zum Gelingen dieses außergewöhnlichen Bauwerks bei. Es werden Patenschaften mit 50,- € (ein Sitzplatz), 100,- € (zwei Sitzplätze) oder 150,- € (drei Sitzplätze, entspricht einem ganzen Stein) aufgelegt. Das wird mit einer Urkunde dokumentiert und durch eine Gravur auf den Steinen für alle Zeiten sichtbar gemacht. Überweisungen bitten mit dem Hinweis „Steinpatenschaften“ versehen und gut leserlich Vor- und Zunamen für die Gravur eintragen. Kontakt im Zusammenhang mit dem Projekt: Jonathan Ries, Silvio-Gesell-Tagungsstätte, Schanzenweg 86, 42111 Wuppertal Email: jonathanries82@hotmail.com Mobil: 0163-1461604 oder: 02053-423766 Projektwebsite: http://www.wflb.de Spendenkonto des gemeinnützigen Trägervereins der Tagungsstätte und des Freilichtbühnen-Projektes: Kontoinhaber: Freiwirtschaftlicher Jugendverband Deutschland e. V. (kurz FJvD e. V.) Kontonummer: 26357251 Bankleitzahl: 334 500 00 Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert . . . → Mehr dazu: In Wuppertal steinreich werden – Andreas Bangemann

Wir alle haben Talent – Andreas Bangemann

Vor 20 Jahren hat eine Initiative starke Impulse ausgesendet, die in der Folge eine Tauschring- und Regionalgeldwelle auslöste: Das Schweizer „Talentexperiment“ Es geschah in einer Zeit weit entfernt von echten ökonomischen Krisen. Ein Land, das durch seine Neutralität Jahrhunderte lang weitgehend im Frieden leben konnte und die vermeintlich stärkste Währung der Welt aufbaute, wurde zur Heimat einer selbstgemachten, lokalen und zinsfreien Zweitwährung. In der Schweiz konnte man in bestimmten Regionen ab 1993 mit seinen „Talenten“ bezahlen. Im Frühjahr 1993 haben Mitglieder der INWO Schweiz (Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung) und weitere Interessierte den Startschuss für eine Bewegung gegeben, die sich über ganz Europa ausbreitete. Das Talentexperiment wurde zur Blaupause vieler nachfolgender Initiativen und Projekte. Auf einer Tagung im November 1992 wurde ein inhaltlicher Grundstein gelegt. Aus dem damaligen Tagungsprospekt: Eine gerechte Wirtschaft ist nur mit einem gerechten Geldsystem möglich, das echte Produktivität fördert und die versteckte Einkommensumverteilung durch den Zins eliminiert. Ein Geldwesen auf Zinsbasis ist nicht nur eine soziale ökologische Zeitbombe, sondern destabilisiert sich selber durch das exponentielle Schuldenwachstum. Je unsicherer das internationale Währungs- und Finanzsystem wird, desto wichtiger werden lokale, zinsfreie Austauschsysteme. Wenn auch für viele die Krise erst 2008 ausbrach, so gab es in alternativen Kreisen dennoch Weitblickende, die sehr genau erkannten, wohin eine Wirtschaft treibt, wenn alles der Kapitalrendite unterordnet wird. „Ein zinsfreies Tauschmittel, das sich nach den Bedürfnissen der Menschen richtet und nicht dem Profithunger der Finanzmärkte dient.“ Die Illusion des ewig jungen Geldes stellt menschliche Wertvorstellungen auf den Kopf. Mit Talenten bezahlen konnte man ausschließlich bargeldlos. „Wer Talent hat, hat Kredit“, lautete das Credo. Die Hürden zum Mitmachen wurden niedrig angesetzt. Transparenz war ein weiterer wichtiger Punkt in der Konzeption der Parallelwährung. Thomas Estermann schrieb 1994 dazu in der „Zeitschrift für Sozialökonomie“ unter dem Titel „Das Talent-Experiment der INWO Schweiz“: Transparenz als Schutz vor Machtmissbrauch… . . . → Mehr dazu: Wir alle haben Talent – Andreas Bangemann

Termine 01/2014

Terminübersicht 01/2014 mit vielen hervorragenden Veranstaltungen ab Januar 2014 und Terminen bis in den September, die Sie sich unbedingt vormerken sollten. . . . → Mehr dazu: Termine 01/2014

Repariert nicht, was euch kaputt macht! – Streifzüge-Redaktion

Ausdruck des Webeintrags von www.streifzuege.org Herausgeber und Inhaber: Kritischer Kreis. – Verein für gesellschaftliche Transformationskunde – Margaretenstraße 71-73/1/23, 1050 Wien Der Beitrag ist auf „Streifzüge“ nachzulesen unter: http://www.streifzuege.org/2013/repariert-nicht-was-euch-kaputt-macht . . . → Mehr dazu: Repariert nicht, was euch kaputt macht! – Streifzüge-Redaktion

Geht es auch ohne Geld? – Redaktion

Der Mensch ist Teil der Natur, das steht außer Zweifel. Die Natur kennt kein Geld, erzeugt keinen Abfall, bewertet nicht. Sie ist verschwenderisch, voller Reichtum und ohne Schulden. Könnte das ein Hinweis sein, wie wir unsere Ökonomie entwickeln sollten? Ist eine Wirtschaft ohne Geld denkbar? Interessanterweise decken sich die Analysen, politisch links gerichteter Kreise immer mehr mit jenen, die Geldsystemkritiker für ihre Zwecke nutzen. Das führt zu Irritationen, jedoch nur bis zu dem Punkt, an dem man feststellt, wie weit die Lösungsvorschläge auseinanderliegen. Linke, für die Karl Marx und seine Sichtweise nach wie vor das Maß aller Dinge sind, scheinen sich nicht mit Leuten einigen zu können, deren Veränderungswille sich ganz auf die Transaktions- oder Zirkulationssphäre des Geldes richtet. Dem Scheitern Marxscher Ideen in der Praxis folgte unter anderem auch eine größer werdende „Szene“ von Linken mit neuen Befreiungsideen. Die Herrschaft der Funktionäre, wozu der Kommunismus letztlich führte, soll und kann verhindert werden, wenn wir uns vom Geld befreien, meinen so manche. Das Vorbild der „Freien Software“ (z. B. Linux) oder von Internetportalen wie Wikipedia, zu dem Menschen bedingungslos beitragen, ohne „Gegenforderungen“ zu stellen, dient als Grundlage für ein Systemdenken jenseits des Geldes. Damit scheint der Spagat geschafft, das reale Scheitern des marxistischen Sozialismus in seiner „Proletariatsdiktatur-Phantasie“ doch noch mit dem eigentlichen Ziel, der Auflösung des Staates, zu vereinen. Und das, ohne sich von dem Denken verabschieden zu müssen, dass es einzig die Produktionsmittel sind, die den Kapitalismus ausmachen. In dieser Ausgabe der Zeitschrift haben wir uns vorgenommen, Denkweisen Raum zu geben, die das Thema Geld aus einer anderen Sicht betrachten. Für „Geldreformer“ ist es befremdlich, einmal darüber nachzudenken, wie die Wirtschaft ganz ohne Geld funktionieren könnte. Aber das sollte uns nicht daran hindern, es einmal zu tun. . . . → Mehr dazu: Geht es auch ohne Geld? – Redaktion

Das Geschäft mit der Massenvernichtung – Redaktion

Investitionen deutscher Banken in Atomwaffenhersteller Laut dem Erfolgsautor, David Graeber, („Schulden Die letzten 5000 Jahre“) ist das Aufkommen von Münzgeld im Wesentlichen auf die Finanzierung von Kriegen zurückzuführen. Staatsschulden sind Kriegsschulden. „Der Link zwischen Geld und Gewalt zieht sich durch die Geschichte der Menschheit“, sagt er am 10. Oktober 2013 in einem Interview des Schweizer Fernsehens DRS. „Alle modernen Regierungen sind verschuldet und meistens sind es Kriegsschulden.“ Zwar wachsen die heutigen Staatsschulden im Grunde nur durch die nicht mehr bedienbaren Zinslasten, doch im Gegensatz zu Sozialausgaben stehen die Ausgaben für Verteidigung eher selten auf der Streichliste der Staatshaushalte. Wurden Kriege und Gewalt zu früheren Zeiten von undemokratischen Herrschern geführt, so hat sich das zwar geändert, nicht jedoch die Tatsache, dass Kriege und vor allem schreckliche Waffen, wie zum Beispiel Atomwaffen, nach wie vor finanziert werden müssen. Konnten die Herrscher früher das durch Ausbeutung eigener Gold- und Silberminen, so müssen die Kriegführenden, aber auch die Produzenten der Waffensysteme, heutzutage auf den Finanzmarkt zurückgreifen, um Kriege und Waffen finanzieren zu können. Angesichts der immensen Summen, die mittlerweile dafür aufgewendet werden, fragt man sich, wie das möglich ist? Wer kennt schon Jemanden persönlich, der einem Atomwaffenhersteller Kredit geben würde? Und doch sind viele Im Boot, die es selbst nicht wissen, wenn es an die Beantwortung dieser Frage geht. Oftmals genügt es dazu, einen Sparbetrag auf dem Konto einer namhaften deutschen Bank zu haben. Schon ist man unter den Finanziers von Atomwaffen. . . . → Mehr dazu: Das Geschäft mit der Massenvernichtung – Redaktion

Buchvorstellungen 06/2013

Drei Bücher zum Thema Geld werden hier vorgestellt: 1.) Christian Kreiß: „Profitwahn“ – Warum sich eine menschengerechtere Wirtschaft lohnt – Tectum Verlag (15. 6. 2013), Klappenbroschur, 200 Seiten, 17,95 €, ISBN 978-3-8288-3159-9 2.) Dirk Löhr: „Prinzip Rentenökonomie: Wenn Eigentum zu Diebstahl wird“ – Verlag Metropolis (1. 5. 2013), broschiert, 196 Seiten, 22,00 €, ISBN 978-3-7316-1013-7 3.) Charles Eisenstein, „Ökonomie der Verbundenheit: Wie das Geld die Welt an den Abgrund führte – und sie dennoch jetzt retten kann.“ (Mit einem Vorwort von Margrit Kennedy) Scorpio Verlag (11. März 2013), gebunden, 496 S., 19,99 €, ISBN-13: 978-3-943416-03-9 Alle drei Bücher können auch über unseren Online-Shop http://shop.humane-wirtschaft.de bezogen werden. . . . → Mehr dazu: Buchvorstellungen 06/2013

Charles Eisenstein und die Agenten des Wandels – Ein Bericht von Andreas Bangemann

Charles Eisenstein

Der US-amerikanische Kulturphilosoph Charles Eisenstein kommt, wenn er gerufen wird. Seine Reisen werden auf außergewöhnliche Weise organisiert. Immer mit einem gewissen finanziellen Risiko, denn der Erfolgsautor vertraut dabei auf die Gabenbereitschaft seiner Zuhörer, Sponsoren und Veranstalter. Er will dem bedingungslosen Geben einen größeren Stellenwert im menschlichen Miteinander verschaffen und geht deshalb beispielhaft voran. Eine Europareise im September führte ihn in die Schweiz und nach Luxemburg. Charles Eisenstein ist für viele zu einem Hoffnungsträger geworden. Er verkörpert den Wandel hin zu einer „Ökonomie der Verbundenheit“. Das ist zugleich der Titel seines aktuellen Buches (das Nächste ist im Entstehen). Das Programm hatte dementsprechend einen Schwerpunkt in Vorträgen rund um das Schaffen des erfolgreichen Buchautors und Wirtschaftsanalytikers. Am 21. Und 22. September 2013 luden CELL („Centre for Ecological Learning Luxembourg“) in Zusammenarbeit mit weiteren Einrichtungen und Organisationen zu einem Abendvortrag und Workshop am darauf folgenden Tag nach Luxemburg ein. Mit im Organisationsteam waren Katy Fox, Alex Hornung, Max Hilbert, Anke Colditz und viele Aktive der Luxemburger Regionalwährung „Beki“, sowie der Luxemburger Initiative für bedingungsloses Grundeinkommen. In seiner spürbaren Bescheidenheit wurde er mittlerweile zu einem Symbol der Veränderung. Die sogenannte „Occupy-Bewegung“, die existent, aber doch nicht greifbar erscheint, hat Charles Eisenstein zu einem ihrer philosophischen Vordenker erkoren. Wird seine Präsenz gewünscht, kommt er dem bestmöglich nach, stets im Geiste seiner „Philosophie“, die ihre Kraft aus der Gewissheit einer Gabenkultur schöpft, die laut Eisenstein fest im Menschen verankert ist. Während seines Vortrages am 21. 9. vor rund 120 Gästen wurde deutlich, wie es zu seiner weltweiten Anerkennung kam. Trotz seiner eher schmächtigen Statur strahlt er eine charismatische Präsenz aus. In den kurzen Sprechpausen, die er häufig einlegt und bei denen er auf eine ansteckende Weise nachdenklich wirkt, würde man eine Stecknadel fallen hören. Seine Persönlichkeit in Verbindung mit allen spürbaren Feinheiten, die nur die leibhaftige Erscheinung bieten können, zieht die Anwesenden in seinen Bann. Das wäre vermutlich nicht so, wenn das Gesagte selbst nicht Anlass zur Hoffnung gäbe. Und das obwohl Eisenstein eine schonungslose Analyse des heutigen Zustands liefert. „Die Krise“, sagt er, „wurde nicht gelöst. Sie wurde nur zeitweise verdeckt.“ Wir befänden uns auch nicht in einer rein ökonomischen Krise, sondern in einer grundsätzlichen. Ein Denken, das darauf aufbaut, ständiges Wachstum zu fordern und zu fördern, kann nur scheitern. Dauerhaftes Wirtschaftswachstum gibt es nur zum Preis zerstörerischen Ausbeutens der Natur und des Menschen. Unser Geldsystem lässt Schulden unerbittlich wachsen. Deshalb ist ökonomisches Wachstum unabdingbar. Tag für Tag treten die Schuldner mehr von ihrem Leben an die Gläubiger ab. Es ist effizienter und dient der heutigen Wirtschaft in größerem Maße, wenn eine Kindergärtnerin auf 50 Kinder aufpasst, anstatt jede Familie selbst ihre Kinder betreut. Es ist effizienter, wenn Maschinen physische Arbeit von Menschen ersetzen und Computer die geistige. Die Ökonomen können erklären, was das Geld tut, aber nicht, was es ist. Durch das Eingeben einiger Symbole in die Tastatur eines Computers, kann man in der Realität Gebäude entstehen oder sich Pakete vor die Haustüre stellen lassen. Geld ist ein Zauber, dem wir verfallen scheinen und der es schafft unsere Sinne derart abzustumpfen, dass wir gravierende Krisen auf alles Mögliche zurückführen nur nicht auf Geld. Dabei bekommen wir es mit einer zunehmenden Zahl an Krisen zu tun: Energie-, Wasser-, Gesundheitskrisen u.v.m. deuten an, wohin das nur führen kann: zum totalen Kollaps. Und doch bleibt das Geld auf eine gespenstische Weise außen vor. Schuldner wissen nicht, dass sie Schuldner sind, weil sie denken dazu gehöre es, persönlich verschuldet zu sein. Oder die Schulden müssten ihr Vermögen deutlich übersteigen, um sie zu Schuldnern zu machen. Im Geldsystem liegt eine undurchschaubar scheinende Finsternis, in die einzudringen vermieden wird. Dabei zeigt Charles Eisenstein auf, wie es zu allen Zeiten – bis zum heutigen Tage – Gruppen von Menschen gab, die viele Transaktionen organisieren konnten und dafür kein Geld brauchten. „Man nennt diese Gruppen ‚Familie‘ oder auch ‚communities‘“, sagt Charles Eisenstein mit einem verschmitzten Lächeln. Der Geist innerhalb von Familien scheint ein vollkommen anderer zu sein, als jener in der harten ökonomischen Außenwelt. Warum das so ist und wie es gelingen kann,das „Terrain“ der Gabenkultur zu erweitern, das sind für Charles Eisenstein wichtige Zukunftsfragen. … . . . → Mehr dazu: Charles Eisenstein und die Agenten des Wandels – Ein Bericht von Andreas Bangemann

Gewinnstreben – Ursache oder Symptom? – Interview mit Dr. Ernst Niemeier

Dr. Ernst Niemeier ist ein Mann, der in seinem Leben so manche „Schlacht“ geschlagen hat. Über 30 Jahre arbeitete er in verschiedenen Bereichen der IBM Deutschland. Dabei fungierte er auch als Betriebsrat und setzte sich für die Belange der Mitarbeiter in seinem Verantwortungsbereich ein. Von früheren Kolleginnen und Kollegen wurde er für seine unerbittliche Aufrichtigkeit geschätzt, die sich auch darin ausdrückte, dass er sich nicht vor gerichtlichen Auseinandersetzungen mit seinem Arbeitgeber scheute. Mit der Aufdeckung rechtswidriger Maßnahmen zu Lasten der Mitarbeiter errang er sich in den Augen der Kolleginnen und Kollegen große Verdienste. Gravierende Fälle hat er jetzt in seinem Buch verarbeitet. Dabei sieht er das „Profitstreben“ als „kapitalistische Kernenergie“ an und warnt vor zerstörerischen Folgen für das gesamte Gesellschaftsgefüge. Im Buch beschreibt und analysiert er ein eklatantes Beispiel der Fehlentwicklung des schrankenlosen Gewinnstrebens. Er führt zu seinem Buch aus: „In diesem Fall richtete es sich gegen die (produktiven) Beschäftigten eines Weltunternehmens – eingeleitet von dem späteren BDI-Präsidenten Hans-Olaf Henkel, den die Süddeutsche Zeitung schon einmal als den Mann für das Grobe bezeichnet hatte. Ein solches Verhalten verhindert nicht nur, dass ein marktwirtschaftlich mögliches sozialökonomisches Optimum näherungsweise erreicht wird. Letztlich bedroht es auch die Funktionsfähigkeit des Marktsystems. Deshalb ist es genau zu analysieren, und aus den Erkenntnissen sind Konsequenzen zu ziehen, die darauf hinauslaufen, dass eine wirksame Gegenmacht zu bilden ist. Um die Einkommen und die sonstigen Arbeitsbedingungen in historisch einmaliger Breite und Höhe rechtswidrig absenken zu können, wurde bei IBM mit einer nicht tariffähigen Organisation, einem ‚Dritten‘ also, ein Vertrag abgeschlossen, der dann allen Beschäftigten oktroyiert wurde. Auf diese Weise wurden zahlreiche bestehende Arbeitsvertragsinhalte einseitig und ohne Änderungskündigung (die allerdings angesichts der Gewinnsituation aussichtslos gewesen wäre) gravierend verschlechtert. Die Beschäftigten, die sich gegen den Rechtsbruch wehrten, wurden bedroht, diffamiert, mit Sanktionen belegt, mit Abmahnungen und Kündigungsversuchen überzogen. Diese Einschüchterungsmaßnahmen verfehlten nicht ihre Wirkung und führten dazu, dass sich der gerichtlich festgestellte Machtmissbrauch und Rechtsbruch durchsetzte. Es geschah also das, was die Cambridge-Ökonomin Joan Robinson schon Mitte des letzten Jahrhunderts in die Worte fasste: ‚Wenn (allein) das Trachten nach Profit das Kriterium richtigen Verhaltens ist, gibt es keine Möglichkeit, produktives Handeln von Räuberei zu unterscheiden‘“. Inwieweit Dr. Niemeier das Gewinnstreben als Ursache allen Übels ansieht, bzw. ob er dahinter noch andere treibende Kräfte wahrnimmt, das wollte Andreas Bangemann im Interview herausfinden. . . . → Mehr dazu: Gewinnstreben – Ursache oder Symptom? – Interview mit Dr. Ernst Niemeier

Finanzwelt auf der Bühne – Eine schwierige Annäherung – Pat Christ

Das Theater kann das Thema „Geld“ (noch) nicht so richtig packen Sie joggen zweimal in der Woche, ernähren sich gesund – und haben ansonsten nur eines im Sinn: Umsatz zu machen. Dafür nehmen die drei Finanzberater in Robert Woelfls Stück „Wir verkaufen immer“ alle nur denkbaren Konsequenzen in Kauf: Bruch mit der eigenen Familie, Beziehungsabstinenz, Einsamkeit. Beachtlich, dass es ein Stück über die Finanzwelt auf die Theaterbühne geschafft hat. Nur leider bleibt es – und nicht nur dieses Stück – inhaltlich weit hinter den Erwartungen an ein solches Thema zurück. Sie sind weder nonchalant noch fies oder ausgebufft, die beiden Finanzberater und die Finanzberaterin, die Regisseur Stephan Suschke bei der Uraufführung des Stücks im September im Würzburger Stadttheater zum Trialog antreten lässt. Unsicher sind sie. Und geknickt. Vor allem Martin, in Würzburg von Robin Bohn dargestellt, ist ganz betrübt darüber, dass seine Eltern ihn der Falschberatung bezichtigen – haben sie doch dank seiner Einflüsterungen all ihr Geld in Aktien investiert, deren Kurs dann massiv gefallen ist. Seitdem reden sie nicht mehr mit ihrem Sohn. Zu groß ist (noch) der Schock darüber, dass all ihr Vermögen vernichtet ist. Die drei von Woelfl kreierten Finanzberater müssen sich ungemein abschuften. Tja. Hätten Sie bloß was Vernünftiges gelernt… Das Leben genießen, nein, das können Julia, Martin und Ricardo nicht. Denn da ist ja die permanente Hatz nach dem Geld. Immer hinken sie hinter ihren eigenen Erwartungen her. Immer ist da die Angst vor dem Absturz. Und immer stehen sie mit dem Rücken an der Wand. Gefunden haben sie sich für den Moment des Trialogs auch nicht aus alter Freundschaft. Eher zum Schlagabtausch. Ähnlich Mitgliedern einer Sekte feuern sie sich gegenseitig an, das zu glauben, was als Glaube in ihnen längst am Bröckeln ist. Woelfl präsentiert seine Figuren verheddert in einem Job, der absolut nicht zum Glücklichmachen taugt. Zu bloßen „Kunden“ degradiert Wie sie mit anderen umgehen, treibt ihnen beim Erzählen keineswegs die Röte ins Gesicht. Sie scheinen nicht zu checken, in welchem unmenschlichen Maß sie ihre Mitmenschen zu bloßen „Kunden“ degradieren. Was freilich schon etwas mit der Realität zu tun hat. Unbestritten gehört die Angst davor, zu wenige Kunden zu haben oder bereits gewonnene Kunden zu verlieren, zur Realität von Finanzberatern. Realen Schilderungen zufolge geraten nicht wenige Finanzberater gar so stark ins Trudeln, dass sie in die Privatinsolvenz hineinschliddern. Denn neue Kunden zu finden, ist schwer. Auch für Woelfls farblose Figuren bedeutet dies eine chronisch stressende Herausforderung. Dabei versuchen sie auf Teufel komm raus, zu neuen Geschäftskontakten zu kommen. Und weil sie es so sehr versuchen, passieren Pannen. Werden andere geschädigt. Um existenziell notwendiges Geld gebracht. Wie Martins Eltern… . . . → Mehr dazu: Finanzwelt auf der Bühne – Eine schwierige Annäherung – Pat Christ

Zeichnen für den Frieden – www.neuesgeld.net

Artificial-Cover

Die gemeinnützige Gesellschaft „Neues Geld“ aus Leipzig zeichnet sich durch kreative Ideen für ihr Ziel, „das fließende Geld“ aus. Die Zusammenarbeit mit der HUMANEN WIRTSCHAFT ist eng, was sich auch in gemeinsamen Aktivitäten hinsichtlich vieler Stammtische zeigt. (Siehe Seite 24-25). Mit der Aktion „Zeichnen für den Frieden“ verbinden die aktiven Leipziger das Thema Kunst mit Geld und schaffen so Räume für Ideen, wie „Fließendem Geld“ als Lösung Ausdruck verliehen werden kann. Aus der Ankündigung der Aktion: Der herzliche Wunsch dieser Aktion ist, dass sich Künstler mit dem Gedanken des fließenden Geldes kreativ auseinandersetzen. Die Veröffentlichung der schöpferischen Werke soll darüber hinaus den Bekanntheitsgrad des fließenden Geldes weiter erhöhen. Friedliche Veränderungen dieser beachtlichen Dimension stehen auch stark mit Emotionen in Verbindung. Kunst und Kultur kann helfen, eine positive Vision, gepaart mit Hoffnung und Glück, zu transportieren. Sie möchten mitmachen? Bitte informieren Sie uns kurz per Mail (henke@neuesgeld.net), dass Sie bei dieser besonderen Initiative dabei sein möchten, dies hilft uns bei der Planung. Bei Teilnahme schenken Sie uns bitte das Nutzungsrecht am Bild, damit wir dieses auf unserer Internetpräsenz (www.lustauf-neues-geld.de) einstellen können. Ihre Arbeit muss bis spätestens 31. 12. 2013 bei uns eingetroffen sein. Die Kosten der Übersendung, wenn Sie dies wünschen, tragen wir für Sie. Die Bilder sind dann für weitere drei Monate auf unserer Homepage zu sehen. Die Besucher unserer Seiten können dann als Bewertung Herzen vergeben. Die Maler der 3 Bilder mit den jeweils höchsten Bewertungen, also den meisten Herzen, (Stichtag: 30. 03. 2014) laden wir herzlich in die schöne Messestadt Leipzig ein. Für drei Künstlerinnen oder Künstler wird es als Gewinn einen zweitägigen Aufenthalt in Leipzig geben, umrahmt mit einem eigens dafür zusammengestellten Programm. Am Ende der Aktion sind Versteigerungen der Bilder geplant. Der Erlös kommt der gemeinnützigen Gesellschaft zugute und befördert auf diese wahrlich kreative Weise den Gedanken des Fließenden Geldes. . . . → Mehr dazu: Zeichnen für den Frieden – www.neuesgeld.net

Steuern: Diebstahl an der Allgemeinheit – Dirk Löhr

© Jorma Bork / pixelio.de 625168

Über die Privatisierung öffentlicher und die Konfiskation privater Werte. Angela Merkel hat die Bundestagswahl gewonnen. Freilich, ein Triumph sieht anders aus. Alles steuert auf eine große Koalition zu, und hier ist Frau Merkel auf einen potentiellen Partner angewiesen, der sich Steuererhöhungen in sein Wahlprogramm geschrieben hat. Der Staat, so SPD und Grüne, sei unterfinanziert. Hier haben sie ohne Zweifel Recht. Aber, so merkwürdig es klingt – das Problem ließe sich auch ohne Steuererhöhungen lösen, ja wahrscheinlich zum allergrößten Teil vollkommen ohne die Steuern, wie wir sie heutzutage kennen. Rund die Hälfte der Steuereinnahmen resultiert aus der Lohn- und der Mehrwertsteuer – und diese treffen durchaus nicht die Reichen. Dabei wird die Wirtschaftstätigkeit auch noch entmutigt: Wer bei Aufnahme eines Nebenjobs z. B. 30 oder 40 % Steuern auf die zusätzlichen Einkünfte an Einkommensteuern zahlen muss, überlegt sich das dreimal. Dabei ginge es auch anders. Die staatlichen Leistungen könnten auch über die ökonomischen Renten finanziert werden. Dabei handelt es sich grob gesagt um Extragewinne, die von den Anbietern eigentlich gar nicht benötigt werden, um die Leistung hervorzubringen. Der Prototyp der ökonomischen Rente ist die Bodenrente. Seit Ricardo (1817) wird sie vor allem als „Differentialrente“ verstanden, d. h. als Kosten- oder Ertragsvorteil einer Scholle gegenüber dem Land, das gerade noch kostendeckend bewirtschaftet werden kann („Grenzboden“). Mit den ökonomischen Klassikern kann man dabei „Land“ in einem sehr weiten Sinne verstehen – als alles, was der Mensch nicht geschaffen hat. Dies sind z. B. Wasser, die Atmosphäre, Rohstoffquellen – doch auch „virtuelles Land“ kann man hierzu zählen (v. a. Patente) – als Rechte, die dem Prototyp Boden in vielerlei Hinsicht nachgebildet sind. Denn wie bei Boden i. e. S. kann man z. B. auch mit Patenten monopolartige Renten einfahren, andere Akteure blockieren und die damit verbundenen Kosten auf andere, schlecht organisierte Gruppen abwälzen. Heutzutage werden die ökonomischen Renten weitgehend privatisiert. Die Bodenrenten landen in den Taschen der Bodeneigentümer, die Wasserrenten u. a. bei Nestlé & Co., die Ölrenten bei den großen Mineralölkonzernen etc. Es handelt sich hierbei um beträchtliche Beträge: Die ökonomischen Renten werden je nach Ökonomie auf zwischen 20 bis 40 Prozent des Volkseinkommens geschätzt (bislang liegen nur vereinzelte Untersuchungen hierzu vor). Nach dem Henry George-Theorem können die öffentlichen Güter (Infrastruktur, Sicherheit, Bildung, Gesundheitseinrichtungen) unter bestimmten Bedingungen vollständig aus den Bodenrenten finanziert werden. Das Theorem kann aber auch umgekehrt gelesen werden: Danach werden die Bodenrenten erst durch die öffentlichen Leistungen erzeugt. Der Staat kann insoweit als „rent creating institution“ verstanden werden. Werden nun aber die (Boden-)Renten privatisiert und damit der durch das Henry George-Theorem beschriebene sachgesetzliche Zusammenhang durchbrochen (der eine Vergemeinschaftung der Renten impliziert), entstehen Verzichtskosten: Die Inwertsetzung der öffentlichen Güter muss dann nämlich durch Steuern auf Kapital und Arbeit finanziert werden. . . . → Mehr dazu: Steuern: Diebstahl an der Allgemeinheit – Dirk Löhr

Arbeits- und Kapitaleinkommen – Norbert Rost

Norbert Rost - Foto: © Pat Christ

Ein alternativer Blick auf unser Wirtschaftssystem In der öffentlichen Debatte um die (2. Welt-)Wirtschaftskrise ist das Thema Arbeitseinkommen allgegenwärtig. Derzeit z. B. in Form der Diskussion zum Thema „Gesetzlicher Mindestlohn“. Tabuisiert wird eine Debatte um die andere Seite dieser Medaille: die Kapitalkosten und Kapitaleinkommen. Jene stellen nicht nur die eigentliche Ursache der Wirtschaftskrise dar, sondern manifestieren zugleich eine gesellschaftlich legitimierte Art der Sklaverei, indem die Arbeits- und damit Lebenszeit der großen Masse der Bevölkerung in einer ungerechtfertigten Form einer vergleichsweise kleinen, aber vermögenden Minderheit zukommt. Wenn eine Person eine andere zwingt, ohne Gegenleistung Zeit zu opfern, um Arbeiten zu verrichten, so lässt sich dies als Sklaverei bezeichnen. Sklaverei geht einher mit Freiheitsberaubung der Sklaven und ist Diebstahl ihrer Lebenszeit. Sklaverei ist in der sogenannten „zivilisierten Welt“ moralisch geächtet und gesetzlich untersagt. Trotzdem findet sie in einem Maße statt, das nur wenigen bewusst ist. Der Großteil der Menschheit wird dabei von einer kleinen vermögenden Elite als Sklaven eingesetzt – legitimiert und gefördert durch Wirtschaftswissenschaften, Politik, einem passenden Rechtssystem sowie einem durch indirekte Wirkungsweisen undurchsichtig wirkenden Wirtschaftssystem. Diese weitreichende Aussage verlangt berechtigterweise eine Erklärung. In einer Wirtschaft gibt es grundsätzlich nur zwei Arten von Einkommen: Arbeitseinkommen und Kapitaleinkommen. Arbeitseinkommen wird von jenen erzielt, welche ihre Arbeitskraft gegen Lohn oder Gehalt anbieten. Kapitaleinkommen erhalten die Bereitsteller von Kapital, häufig auch „Investoren“ oder „Kapitalisten“ genannt. Dabei „streiten“ sich aber beide Interessengruppe um ein Gesamteinkommen, nämlich um das, was innerhalb einer bestimmten Periode in der Volkswirtschaft produziert wird. Vereinfacht: das Volkseinkommen. Volkseinkommen = Kapitaleinkommen + Arbeitseinkommen Insgesamt kann in einer Volkwirtschaft nur das verteilt werden, was zuvor produziert wurde. Wenn also Kapitalbereitsteller und Arbeitszeitbereitstellern sich die Gesamtproduktion teilen müssen, so wird deutlich, dass die jeweilige Gruppe nur das bekommen kann, was die andere Gruppe „übrig“ gelassen hat. Es gilt also: Volkseinkommen = Kapitaleinkommen + Arbeitseinkommen. Anhänger marxistischer Wirtschaftstheorien unterteilen aufgrund dieser Einkommensarten die Gesellschaft in „Klassen“, in diesem Fall in „Arbeiterklasse“ und „Kapitalisten“. In unserer Gesellschaft ist es weitgehend unhinterfragter Bestandteil, dass die Bereitsteller von Kapital einen entsprechenden Bonus erhalten. Dieser Bonus nennt sich Zins, Dividende, Miete, Ausschüttung oder Rendite. Die Summe aller dieser Boni, die in einer Volkswirtschaft meist von Unternehmen gezahlt werden, nennt man Kapitalkosten. Die Kapitalkosten der Unternehmer sind entsprechend Kapitaleinkommen der Kapitalgeber. Diese Kapitaleinkommen müssen von den Unternehmen aber über den Verkauf von Produkten erzielt werden. Oder anders: Die Kunden der Unternehmen bezahlen nicht nur die Kosten für real getane Arbeit in den Unternehmen (Personalkosten), sondern auch die darüber hinausgehenden Boni für die Kapitalgeber. Jeder Kunde zahlt somit Kapitaleinkommen über die Preise. Helmut Creutz kommt in seinen Analysen auf einen durchschnittlichen Kapitalkostenanteil in den Verkaufspreisen von bis zu 40 %. Ein Beispiel soll zeigen, dass diese Zahlen durchaus realistisch sind. Bekanntlich erhalten Vermieter allein für den Besitz ihrer Immobilie vom Mieter ein Einkommen (Miete), zu welchem die laufenden Kosten in Form von „Nebenkosten“ hinzugerechnet werden. Bei einer Wohnung im Wert von 100.000 Euro erwartet der Besitzer eine Verzinsung seines investierten Kapitals mindestens entsprechend dem Geldmarktzinssatz. Eine Verzinsung von 5 % entspräche hierbei 5.000 Euro jährlich bzw. ca. 420 Euro monatlich, die der Mieter pro Jahr an den Wohnungsbesitzer bezahlen muss. Dieser Zahlung steht keine konkrete Leistung gegenüber, weil der Bau der Immobilie offensichtlich bereits abgeschlossen ist und nun nur noch die Knappheitssituation auf dem Markt vom Besitzer ausgenutzt wird. Beträgt die Monatsmiete dieser beispielhaft angenommenen Situation 600 Euro, so entsprechen die ca. 420 Euro monatlicher Kapitalkosten etwa 70 % des „Wohnungspreises“. Dabei gilt: Je höher der Kapitaleinsatz bei einem Produkt, umso höher auch die Kapitalkostenanteile (Kosten für den Mieter, Einkommen für den Vermieter) in den Verkaufspreisen. Leistungsloses Einkommen = Einkommenslose Leistung = gestohlene Lebenszeit = gesellschaftlich legitimierte Sklaverei Kapitaleinkommen stellen genau den Punkt dar, an welchem von gesellschaftlicher Sklaverei die Rede sein darf. Diejenigen, die Kapitaleinkommen durch die Bereitstellung ihres Eigentums erzielen, müssen dafür Arbeits- und Kapitaleinkommen nichts tun. Sie erzielen diese Einkommen allein durch den Besitz. Man spricht deshalb von „leistungslosen Einkommen“.Erkennbar sollte sein, dass dann, wenn jemand Einkommen erzielt, ein anderer Ausgaben haben muss. Wenn also die Kapitalbesitzer Einkommen erzielen, ohne eine Leistung dafür zu erbringen, so müssen andere eine Leistung erbringen, ohne dafür ein Einkommen zu erzielen: einkommenslose Leistung. Erbracht werden muss diese Leistung ohne Gegenleistung von allen Kunden, die über die Preise – ohne wirklich eine Wahl zu haben – erhöhte Ausgaben haben. Die meisten Kunden sind aber Arbeitnehmer, die ihre Einkäufe mit ihrer Lebenszeit bezahlen, indem sie in ihrem Job, ihr Know-how und ihre Arbeitszeit zur Verfügung stellen. Einkommenslose Leistung ist demnach nichts weiter als Zeitaufwand der Arbeitenden ohne eine entsprechende Gegenleistung erwarten zu dürfen. Oder eben: Sklaverei mittels eines auf Kapitaleinkommen basierenden Wirtschaftssystems zugunsten der Besitzenden. Michael Ende hat diese Zusammenhänge in seinem Buch „Momo“ metaphorisch dargestellt. Dort wird den Bewohner von den „Zeitdieben“, welche die Menschen zum „Zeitsparen“ bewegen, hinterlistig ihrer Lebenszeit und Lebensfreude beraubt. Es gibt mehrere Gründe, die heutigen Besitzstände und die Möglichkeit der Erzielung leistungsloser Einkommen (Kapitaleinkommen) in Frage zu stellen. Zum einen geht es hierbei um Gerechtigkeit. Die Aneignung der Arbeits- und damit Lebenszeit anderer, nur durch den bloßen Besitz, wäre moralisch zu verurteilen. Abseits von einer Moraldiskussion ist jedoch auch die Stabilität eines Wirtschaftssystems gefährdet, wenn es leistungslose Einkommen zulässt. Die Ursache zyklischer Wirtschaftskrisen in kapitalistischen Wirtschaftssystemen ist nicht in zu hohen Lohnnebenkosten oder zu geringen Wachstumsraten zu finden, wie uns eine auf dem kapitalen Auge blinde politische „Elite“ weismachen will, sondern in einem Verteilungsproblem des Wirtschaftssystems. Lässt man leistungslose Kapitaleinkommen zu, so bedeutet das, dass Kapitalbesitzer allein durch die Nicht-Zurückhaltung ihres Kapitals noch mehr Kapital erzielen. Sie nutzen ihren Besitzvorteil gegenüber der Gesellschaft, indem sie ihr „Privateigentum“ nur gegen eine Belohnung zur Verfügung stellen. Die Vermögen der Besitzenden werden auf diesem Wege immer größer. Die ständig wachsenden Vermögen werden jedoch erneut zinsbringend in der Volkswirtschaft investiert und erhöhen somit die Kapitaleinkommen der späteren Perioden und so weiter. Dies ist ein sich exponentiell beschleunigender Prozess. Anhand von Volkseinkommen = Kapitaleinkommen + Arbeitseinkommen lässt sich ableiten, dass nur dann die Kapitaleinkommen steigen können, ohne die Arbeitseinkommen zu schmälern, wenn die Gesamtwirtschaft wächst (= steigendes Volkseinkommen). Anhand dieser simplen Zusammenhänge ließe sich somit nicht nur der Wachstumszwang unserer Volkswirtschaften erklären (Wachstum, Wachstum über alles), sondern kann zugleich abgelesen werden, welcher Interessengruppe die heutige Wirtschaftspolitik wirklich dient: den Kapitalbesitzern. Der Kapitalismus als instabiles Gesellschaftssystem Ein Wirtschaftssystem, das leistungslose Kapitaleinkommen zulässt, tendiert dazu, den Besitzenden immer mehr Besitz zuzuschanzen, während für die Arbeitenden immer weniger übrig bleibt. Es dürfte selbst den Reichsten der Reichen auffallen, dass eine Gesellschaft, welche diesen Gesetzmäßigkeiten unterliegt, nicht dauerhaft stabil sein kann, sondern sich in Arm und Reich aufspaltet und zugleich die Wirtschaft schädigt. Denn: Arbeitseinkommen werden überwiegend verkonsumiert, anstatt investiert, kurbeln demnach den Konsum und damit den Wirtschaftskreislauf an und helfen vor allem der kleinen und mittelständischen Wirtschaft. Kapitaleinkommen dagegen werden meist nur dann in die Wirtschaft in Form von Investitionen oder Krediten „zurückgeführt“, wenn eine entsprechende Rendite erzielt wird – was erneut die Konzentration der Vermögen und damit die Instabilität des Wirtschaftssystems fördert. . . . → Mehr dazu: Arbeits- und Kapitaleinkommen – Norbert Rost

Limburg: Das „Wandlitz“ der Kirche – Norbert Rost

Bischof Tebartz-van Elst. Bild: Bistum Limburg

Wieso schreit das Volk plötzlich auf, wo es um die konsequente Mittelverwendung eines bischöflichen Stuhls geht? Was war das damals für ein Theater, als erstmals ein Filmteam in die Siedlung des SED-Politbüros kam und dokumentierte, wie die Obersten des DDR-Staates lebten. „Wandlitz“ ist seitdem im Osten ein Begriff für die Absonderung der Herrschenden und zugleich für die Armseligkeit ihrer Lebensweise. Zugleich ist „Wandlitz“ aber auch ein Symbol für die Skandalisierung der Vierten Macht, die anno 1989 Bananen und Orangen in den Mittelpunkt der Wandlitz-Berichterstattung rücken musste, weil es bei all der Spießigkeit viel mehr kaum zu skandalisieren gab. 2013 nun kriegt die katholische Kirche ihr „Wandlitz“, es wird künftig „Limburg“ heißen. Ein alternder Bischof, der in seiner Zunft dennoch als „jung“ gilt, hat sich eine Luxus-Hütte bauen lassen, die symbolisch für die Abgehobenheit der Kirchenfürsten steht. Einige nehmen an, er sei „verrückt“, was auch immer das heißen mag. Aber wer ist schon „verrückt“, wenn er zum Autokraten bestimmt über angeblich 100 Millionen Euro schwarzer Bischofskassen verfügen kann und dies auch tut? Ist er nicht konsequenter Arbeitsplatzbeschaffer, wenn er das Geld seiner Institution ausgibt, statt es zinsbringend anzulegen? Ist nicht die Arbeitsplatzreligion gesellschaftlich so breit gewachsen, dass selbst Sozialdemokraten als Gläubige gelten müssen? Wo alles getan wird, um Arbeitsplätze ungeachtet von Wechsel- und Nebenwirkungen zu schaffen, muss doch die ganze Gesellschaft und nicht nur ein einzelner Bischof als „verrückt“ gelten! Zudem: Luxus, Protz und kranke Bauwut gibt es ja bei weitem nicht nur in Limburg. Vielmehr quellen diese Sakramente tagtäglich aus all jenen Medienkanälen, die sich jetzt der Hetzjagd an das waidgeschossene Kirchentier anschließen. Als wäre Reichtum nicht das Ziel jedes Arbeitslebens? Als wären Millionengehälter von Fußballspielern (Fußballspieler!!) nicht gesellschaftlich akzeptiert und sogar hochgeachtet, teilweise sogar unter Erlassung aller Steuersünden? Wieso schreit das Volk plötzlich auf, wo es um die konsequente Mittelverwendung eines bischöflichen Stuhls geht, der doch wohl mit seinem Gelde tun und lassen kann, was ihm beliebt? Zumal seine Mitglieder sich immer mehr ausdünnen und damit immer mehr Vermögen auf immer weniger Köpfe zu verteilen bleibt (sofern man auf die verrückte Idee käme, SO ETWAS zu tun). . . . → Mehr dazu: Limburg: Das „Wandlitz“ der Kirche – Norbert Rost

Problemfeld Inflation – Helmut Creutz

Helmut Creutz 2013

„Inflation ist nicht nur Betrug am Sparer, nicht nur die unsozialste Form der Umverteilung, sondern auch die Erwerbslosigkeit von morgen. Längst ist widerlegt, dass fünf Prozent Inflation leichter zu ertragen seien als fünf Prozent Arbeitslosigkeit; vielmehr sind null Prozent Inflation die vorzüglichste Voraussetzung für null Prozent Erwerbslose. Der Glaube, Vollbeschäftigung lasse sich mit ‚ein bisschen Preissteigerung‘ erkaufen, musste weltweit teuer bezahlt werden.“ Peter Gillies, 1987 Das schrieb Peter Gillies, Chefredakteur der deutschen Tageszeitung DIE WELT, im Jahre 1987, als die Inflation – zum dritten Mal in der Nachkriegszeit – wieder zu einem steilen Anstieg ansetzte. Und zwar bezogen auf eine Aussage des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt, der bereits in den 1970er Jahren einmal die Ansicht vertreten hatte, dass „fünf Prozent Inflation besser sind als fünf Prozent Arbeitslosigkeit!“ – Wie fragwürdig diese Auffassung jedoch war, geht aus der Darstellung 1 hervor, die jenen Zeitraum zwischen 1965 und 2005 erfasst, in dem die Inflationssätze drei Mal Höchststände erreichten. Erkennbar werden daraus auch die jeweiligen Folgen: Anstiege der Zinssätze und – mit etwa zweijähriger Verzögerung – die der Arbeitslosigkeit sowie der zusätzlich eingetragenen Firmenpleiten. Diese Auswirkungen in der Realwirtschaft werden noch deutlicher, wenn man – wie in der Grafik geschehen – die Inflations- und Zinskurven einmal um zwei Jahre nach rechts verschiebt und damit die zeitlichen Verzögerungen zwischen beiden Vorgängen neutralisiert. Nun mag die Inflation in unseren Tagen und angesichts der heutigen Raten von inzwischen etwa zwei Prozent, gar kein großes Thema mehr sein. Aber denkt man an die Massen von Bargeld, die heute in der Welt vorhanden aber nicht im Umlauf sind, kann sich das sehr schnell verändern! Deshalb ist es auch in unseren Tagen sinnvoll, sich nicht nur an jene Hyperinflation der Zwanziger Jahre zu erinnern, sondern sich auch mit jenen Entwicklungen aus unserer Wirtschaftsepoche zu befassen, die – bezogen auf die letzten Jahrzehnte – aus der Darstellung 1 hervorgehen. Inflationen als Ursachen der Konjunkturschwankungen Wie diese Darstellung vermittelt, war die Ursache des ständigen Auf und Ab in unserer jüngsten Vergangenheit im ersten Schritt die Schwankungen der Inflationssätze, denen dann im Gleichschritt jeweils die der Guthaben- und Kreditzinsen folgten. Aufgeschlagen wird bei diesen Kreditzinsen dann noch jene Marge, mit der die Banken ihre eigenen Kosten absichern, vor allem für Personal und Risiko. Und natürlich – wie bei jedem Unternehmen – auch noch der betriebsnotwendige Gewinn, der alleine schon zur Bedienung des Eigenkapitals erforderlich ist. Aus der Darstellung 1 geht vor allem aber auch der langfristige Anstieg des Arbeitslosensockels hervor, auf den sich die inflationsbedingten aktuellen Schübe jeweils aufsatteln. Wiedergegeben ist diese Arbeitslosigkeit jeweils in Prozenten der Erwerbstätigen, als so genannte „Arbeitslosenquote“, deren Sockel – wie ersichtlich – von etwa einem Prozent Anfang der 1970er Jahre bis 2005 auf fast zehn Prozent angestiegen ist. Die über der Arbeitslosenquote eingetragene zusätzliche Kurve der Insolvenzen, also der Firmenschließungen, folgt – wie ersichtlich – mit ihren Schwankungen ebenfalls den Entwicklungen von Inflation und Zinsen, verstärkt sogar ab 1990. Und was sind die Ursachen der Inflation? . . . → Mehr dazu: Problemfeld Inflation – Helmut Creutz

Die Welt retten – aber wie? – Wilhelm Schmülling

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Da gibt es zwei Gruppen. Die einen tun so als ob sie die Welt retten und verdienen dabei gut; die anderen wollen für die Rettung alles tun und verdienen dabei nichts. So ist eben das Leben in einer ungerechten Welt. Wer sich damit abfindet, ist ein Defätist[1], wer nicht ein Optimist. ([1] Jemand, der mut- und hoffungslos ist und annimmt, dass sich alles negativ entwickeln wird.) Wenn selbst ein Kabarettist seine Sendungen mit „Welt retten“ (Priol) ankündigt, bleiben seine Aussagen wenig konkret, gleichwohl rütteln sie die Bürger mehr auf als jedes Parteiprogramm, das im Gegensatz zu Kabarettveranstaltungen ernst genommen werden möchte. Ein Kabarett verlangt nachdenken, ein Parteiprogramm nachplappern; womit sich Bewertungskriterien erübrigen. Ist nun das Anliegen, die Welt zu retten völlig abwegig? Nach den Aussagen von Wahlkampfrednern, es gehe uns in Deutschland doch gut, ist wohl die Rettung Deutschlands nicht gefragt, die Rettung Amerikas von Europa aus jedoch unmöglich. Denn die Verschuldung der USA ist das Problem und macht die Finanzmärkte nervös. Auf allen Welt(gipfel)-Konferenzen ist es mit der Ruhe vorbei, seitdem die USA, der Anker der Weltwirtschaft, krampfhaft in aller Öffentlichkeit versucht, die Pleite abzuwenden. Der IWF (Internationale Währungsfonds) kann bei einem Schuldenstand von 16,7 Billionen US-Dollar nur mahnen, nicht helfen. Amerika muss sich schon selbst aus dem Sumpf einer auf Kapitalertrag ausgerichteten Wirtschaftsordnung ziehen, die immer noch als Marktwirtschaft getarnt wird. Ein solcher Etikettenschwindel reduziert jeden Rettungsversuch auf Bankenrettung, deutlicher gesagt auf Systemrettung. Das System zu erkennen, ist weit schwieriger als das Erkennen seiner Auswirkungen. Leicht ist es vorzugeben, die notleidende Natur und die notleidenden Menschen in den Mittelpunkt politischen Wirkens zu stellen. Hart im Raum der Finanzen steht die Wand aus Geld gebrannt. Mitte Oktober erlebte die Welt, was ein unterbrochener Geldkreislauf in den USA bewirkt: Chaos bei den Sozialsystemen und bei vielen Unternehmen. Oft treffen Volksweisheiten ins Schwarze. „Der Rubel muss rollen“ ist so eine. Wird ein Staat zahlungsunfähig, bricht das Gemeinwesen zusammen. Lebensmittelvorräte retten allenfalls über einige Tage. Und dann? Es kommt zu Gewaltausbrüchen, in den Geschäften und vor den Banken. Man mag sich die Auswirkungen einer längeren Zahlungsblockade gar nicht vorstellen. Nun wäre es billig, hier die vorzunehmenden Maßnahmen im Einzelnen aufzuführen, denn sie wären nur ein Kurieren an den Symptomen einer falschen Geldordnung. Die amerikanische Zentralbank (in privatem Besitz) und auch die Europäische Zentralbank (im Besitz der europäischen Staaten) bekämpfen die Krise mit der Ausgabe einer zusätzlichen riesigen Geldmenge. Zu diesem Zweck kaufen sie am sogenannten „Sekundärmarkt“, also von Banken und Fonds, Staatsanleihen auf. Das dient der Stabilisierung des Finanzmarktes und befördert die Spekulation. Dort aber werden keine Werte geschaffen. Symptombehandlung ist nicht nur vergebens, sie ist krisenverschärfend. Eine der segensreichsten Erfindungen der Menschheit, das Geld, wurde zweckentfremdet. Geld ist ein Tauschmittel. Alle anderen Verwendungsmöglichkeiten wie zur Wertaufbewahrung, Spekulation und Zins-Erpressung sind Vergewaltigungen zum Zweck, sich den Arbeitsertrag anderer Menschen anzueignen. Ist das sozial? Es ist immer noch legal. Wie lange noch? Dabei ist die Umstellung von einer Kapitalertragsorientierung auf eine Arbeitsertragsorientierung durch fließendes Geld so einfach, dass man sich wundert, wieso dieser Weg noch nicht beschritten wurde. In der Demokratie bestimmt die Mehrheit die Politik und das sind die werteschaffenden Arbeiter und Unternehmer. Die Minderheit der Kapitalrentner (1% der Bürger) stellt sich dagegen – verständlicherweise. Haben die werteschaffenden Bürger dafür Verständnis? Wer die Welt retten will, muss damit beginnen, das jetzige Wirtschaftssystem als ungerecht zu erkennen, um es in eine natürliche Wirtschaftsordnung umzuwandeln. „Das Volk leidet, wenn die Herrschenden es aussaugen, daher seine Not.“ Lao-Tse, Tao Te King . . . → Mehr dazu: Die Welt retten – aber wie? – Wilhelm Schmülling

Vorgegaukelte Demokratie – Pat Christ

ans Ruder © 2013 Pat Christ

Hamburger Politikwissenschaftler untersuchen Entwicklung hin zur Postdemokratie Wohin steuert unsere Politik? Nach Ansicht vieler Politikwissenschaftler mitten hinein in die Postdemokratie. Erkennbar, sagen sie, ist dies vor allem daran, wie Politik heute begründet wird. Dem demokratischen Ideal zufolge ist Politik prinzipiell verhandelbar. Doch de facto wird heute immer weniger debattiert, ver- und ausgehandelt. Was angeblich zwingend implementiert werden muss, steht von vorneherein fest. Die Globalisierung ist nur eine Entwicklung von vielen, die so, wie sie sich vollzieht, als schicksalshaft und alternativlos dargestellt wird. Politische Gegenargumente sind rar. Aber auch in anderen Feldern wird politisches Handeln zunehmend als „alternativlos“ dargestellt. Wirtschaftliche Sachzwänge und Zwänge des Marktes, Effizienz- und Kostenargumente dienen immer häufiger als Begründung für Entscheidungen. Für den Bürger ist dies nicht unbedingt zu verspüren – handelt es sich doch um einen schleichenden Prozess. Bürgerinnen und Bürger, die sich wünschen, in einer Welt zu leben, die noch halbwegs in Ordnung ist, beharren darauf: Wir haben eine Demokratie! Inwieweit wir tatsächlich längst im Postdemokratischen gelandet sind, das untersucht Matthias Lemke an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg. Über 3,5 Millionen Zeitungsartikel aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der ZEIT, der Süddeutschen Zeitung und der taz, die seit 1949 erschienen, werden seit einem Jahr von ihm und seinen Kollegen ausgewertet. Das Projekt dauert noch zwei Jahre. Viel häufiger „unverzichtbar“ Nach wie vor werden Wahlen durchgeführt und Regierungen wechseln. Doch das hat mit Demokratie immer weniger zu tun, ergaben laut Lemke die bisherigen Ergebnisse. „Wir untersuchen unter anderem die Häufigkeit von Wörtern im Zeitverlauf“, erklärt er gegenüber der HUMANEN WIRTSCHAFT: „Dazu etablierten wir ein Wörterbuch mit Begriffen, die Alternativlosigkeit ausdrücken.“ Statt stichhaltige Argumente zu liefern, operieren Anhänger der Alternativlosigkeitsrhetorik zum Beispiel gern mit den Worten „unverzichtbar“, „unabdingbar“ oder „Sachzwang“. Lemke: „Solche Wörter haben zugenommen.“ Im nächsten Schritt werden die Begriffe analysiert, die sich in der Nachbarschaft dieser Wörter befinden. So kann festgestellt werden, in welchem Kontext etwa in einem Zeitungsbericht vom „Sachzwang“ die Rede ist. Mit diesem Wort könnte ja auch davor gewarnt werden, die Demokratie auszuhöhlen. Dann wäre das Wort „Sachzwang“ als negativer Begriff in einem Artikel aufgetaucht. „Derzeit wissen wir einfach noch nicht, ob die Nachbarwörter jeweils positiv oder negativ sind“, sagt Lemke. Klar sei auf alle Fälle, dass gerade im Kontext der politischen – weniger der wirtschaftlichen – Berichterstattung heute Wörter, die der Alternativlosigkeitsrhetorik entstammen, wesentlich häufiger auftreten als früher. Am stärksten ist der Zuwachs beim Wort „alternativlos“. Aber auch „unverzichtbar“ wird von Politkern heute häufiger verwendet als in der Nachkriegsära. . . . → Mehr dazu: Vorgegaukelte Demokratie – Pat Christ

Möglichkeitsräume – Andreas Bangemann

(c) Martin Bangemann

Aristoteles erkannte bereits, dass in der Demokratie „wo die Bürger, da sie sich gleichgestellt sind und viele Dinge gemeinsam besitzen“ das Prinzip der Freundschaft und Gegenseitigkeit am meisten Raum hat, sich zu entfalten. Dabei verstand er die Gleichstellung ausdrücklich ökonomisch und nicht etwa juristisch, wie das heute in politischen Sonntagsreden immer betont wird. Das gesellschaftliche Band der „polis“ ist am robustesten, wenn es hinsichtlich der Überschüsse an materiellem, geistigem, künstlerischem und menschlichem Wertzuwachs zu keinen Akkumulationen – Anhäufungen bei einigen wenigen – kommt. Die Teilhabe aller am Erwirtschafteten, und zwar auf eine Weise, mit der die Existenz gesichert und die Würde gewahrt ist, müsste der anzustrebende Königsweg jeder „Staatsführung“ in demokratischen Ländern sein. Gelingt das nicht, sprechen wir mit Recht von einem Scheitern der Politik. Wir befinden uns bereits in einem Stadium, in dem nicht mehr die Frage ökonomischer Gleichstellung im Raum steht. Das bedrohliche Auseinanderdriften von Arm und Reich zu verlangsamen, ist alles, was man noch anstrebt und erreichen kann. Es ist, als hätten alle schon aufgegeben. Als wäre das Schicksal des sozialen Auseinanderbrechens alternativlos. Das ist vergleichbar mit der Staatsschuldenproblematik. Ein Rückgang der Neuverschuldung feiert man als herausragenden Erfolg, obwohl die Gesamtsituation sich verschlechtert hat. Die Gemeinsamkeit der gängigen Vorschläge für das weitere Vorgehen ist offenkundig. Immer geht es um ein „mehr“. Weil die erhoffte Verbesserung nicht eintritt, versucht man es mit einer höheren Dosis des gleichen „Lösungsmittels“. . . . → Mehr dazu: Möglichkeitsräume – Andreas Bangemann

Termine 06/2013

Terminübersicht Oktober bis Dezember 2013 . . . → Mehr dazu: Termine 06/2013

Denken braucht Zeit und Raum – Zitatsammlung

Eine interessante Zitatsammlung rund ums Geld. . . . → Mehr dazu: Denken braucht Zeit und Raum – Zitatsammlung

Die Fünf-Prozent-Hürde pervertiert den Wählerwillen – Ferdinand Knauß

Ferdinand Knauß

Noch nie hat der Bundestag so wenige Wähler repräsentiert wie der jetzt gewählte. Die Fünf-Prozent-Hürde hat ein Ergebnis produziert, das der politischen Kultur schadet. Sie muss endlich gesenkt werden. Die Bundestagswahlen 2013 waren aus ästhetischer Perspektive ein Tiefpunkt in der bundesrepublikanischen Geschichte. Abgeschmackter noch als die von jeder politischen Aussage befreiten Wahlplakate und die Sprechblasen beim so genannten Fernsehduell, über die schon vor dem 22. September viel geklagt wurde, war die Reaktion der Partei, die sich als der große Gewinner interpretiert. Wenn Angela Merkel und andere Spitzenpolitiker wie Volker Kauder und Hermann Gröhe in der Wahlnacht vor laufenden Kameras herumwippen wie der Vorstand eines Karnevalsvereins und „An Tagen wie diesen“ von den „Toten Hosen“ grölen, wenn also Parteien das Ergebnis von Wahlen feiern wie den Gewinn einer Fußballmeisterschaft, beschädigt das die Würde dieses zentralen Aktes der Souveränität des Volkes. Doch nicht nur die äußere Form, in der sich die Freude der Unionsparteien äußerte, sondern auch deren von den meisten Journalisten übernommene Interpretation eines angeblich klaren Auftrages für Merkel weiterzuregieren, war bei genauerer Betrachtung befremdlich. Denn die Frage, ob eine absolute Mehrheit der Wähler – geschweige denn der Wahlberechtigten – weiter von Merkel und der amtierenden Koalition regiert werden möchte, lässt sich doch ganz eindeutig beantworten: Nein! Nur die Wähler von CDU/CSU (41,5 %) und FDP (4,8 %), also insgesamt 46,3 Prozent, wünschten sich eine Fortsetzung der Merkelschen Kanzlerschaft. Alle anderen wollten das ganz offensichtlich lieber nicht. In Wahrheit verdankt Merkel ihre bevorstehenden weiteren Regierungsjahre nicht dem Wählervotum, sondern allein der Koalitionsunfähigkeit der Linken. Fünf-Prozent-Hürde verzerrt das Wahlresultat Das wirklich Besorgniserregende an dieser Wahl, oder genauer: an dem Parlament, das aus ihr hervorgeht, ist: Nie seit 1949 hat ein deutscher Bundestag einen so geringen Teil der Wahlberechtigten repräsentiert wie der, der sich am 22. Oktober in Berlin konstituiert. Durch das knappe Scheitern der FDP und der neu gegründeten Alternative für Deutschland (4,7 %) sowie die 2,2 % der Piraten und die 1,3 % der NPD ist der Anteil der nicht im Bundestag vertretenen Wähler mit insgesamt rund 15,8 % so hoch wie nie zuvor in der deutschen Parlamentsgeschichte. Die den Wählerwillen verzerrende Wirkung der Fünf-Prozent-Hürde war in vorhergegangenen Wahlen längst nicht so stark, weil in der Regel keine oder allenfalls eine Partei knapp scheiterte – zum Beispiel 1969 die NPD (4,3 %) oder 1990 die Grünen im Westen (4,8 %). Meist erreichten alle „sonstigen“ Parteien zusammen weniger als 5 %. Die Verzerrung des Wahlresultats ist bedenklich: Mit zusammen nur 42,7 % der Stimmen haben SPD, Grüne und Linke im Bundestag eine rechnerische Mehrheit von 320 von 631 Bundestagssitzen. An den Wahlurnen dagegen war ein zumindest nach herkömmlichem Schema klares Bild des Wählerwillens erkennbar: Die Deutschen haben zu rund 51 Prozent bürgerlich-liberal gewählt, wenn man zu den Stimmen der Unionsparteien und der FDP noch die „Alternative für Deutschland“ hinzuzählt. Doch für den Bundestag und die nächsten vier Jahre im politischen Berlin spielt dieser Wählerwille keine Rolle. Ganz konkret bedeutet das zum Beispiel: Obwohl die Deutschen die Steuererhöherparteien abgewählt haben, werden sie wohl demnächst Staatskasse gebeten. . . . → Mehr dazu: Die Fünf-Prozent-Hürde pervertiert den Wählerwillen – Ferdinand Knauß

Einübung in eine freiwirtschaftliche Zukunft – Jörg Gude

Zum Gedenken an den Jahrhundertökonomen John Maynard Keynes, der vor 130 Jahren, am 5. 6. 1883, in Cambridge das Licht der Welt erblickte. Ein Teil der Zukunft ist schon Gegenwart „Ich glaube, daß die Zukunft mehr vom Geiste Gesells als von jenem von Marx lernen wird.“ Heute sind die Befürworter von Geld- und Bodenreform aus der Gesell-Schule Träger dieser Botschaft. Was bedeutet dies für die Kommentierung und Verortung der heutigen Situation mit Staatsschuldenkrise, Immobilienkrise, Bankenkrise, Eurokrise? – Die Euro- und die Bankenrettung werden uns noch länger beschäftigen. Die Erscheinungen dieser Krise sind aber der Stoff, aus dem auch freiwirtschaftliche Blütenträume gewirkt sind. Die real existierende Ökonomie verweist vergleichbar dem Philosophen Ernst Bloch in seinem „Prinzip Hoffnung“ im Gegenwärtigen auf das für Zukünftiges Angelegte und Intendierte. Gewiss, wir waren schon einmal weiter. Für eine kurze Zeitspanne, vielleicht für ein historisches Zeitfenster, schien der Weg der Notenbanken in einen Negativzins geöffnet, als Mankiw und Buiter die Nullzinsschranke mit einem Negativzins nach unten durchbrechen wollten und sich dabei auch auf Gesell bezogen. Notenbankpolitik und politische Krisenbewältiger sind vorerst einen anderen Weg gegangen. Und doch geben uns die Krise und ihre Bewältigung Fingerzeige und Interpretationshilfe für freiwirtschaftliche Lösungs- und Vermittlungsansätze. Wie wirken niedrige oder gar in der Nähe von Null verlaufende (Haben-)Zinsen? Wenn Anhänger der Geldreformbewegung diese postulieren, so sind sie in der Vergangenheit vielleicht auf Unverständnis gestoßen. Jetzt können sie darauf verweisen, dass die Realität die Utopie eingeholt hat. Auch können sie vorurteilsfrei die sich einstellenden Probleme anschauen und gegebenenfalls entschärfen. Dafür können wir auch dankbar sein, weil eine freiwirtschaftliche Zukunft dann ohne die spätere Last der Widerlegung von Gegenargumenten bereits jetzt argumentativ entwickelt werden kann. Es ist leicht und billig zu behaupten, man habe immer schon das Krisenhafte der Entwicklung vorhergesagt und gewusst, selbst wenn diese Feststellung richtig ist. Dies haben die Marxisten auch stets betont und doch gefehlt in ihrer Lösung. Wir müssen im Jetzt für ein behutsames Verständnis werben, dass hohe Renditen in der Gegenwart und Zukunft nicht, oder nur gegen exorbitante Risiken zu haben sind. Der Habenzins beläuft sich etwas über oder um null Prozent. Für Anleger – auch Lebensversicherungen – mit weiter zurückliegendem Zinsgedächtnis erscheint dies wie eine Katastrophe für ihre Geldanlage. Und angesichts einer, wenn auch mäßigen Inflationsrate bedeutet dies eine negative Realverzinsung auf das eingesetzte Geldkapital. Der Rückblick auf vermeintlich goldene Zeiten bezüglich der Nominal- und Realverzinsung geht in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurück, als die Inflationsraten hoch und akzelerierend waren und keineswegs feststand, dass wenig später mittels einer restriktiven Geldpolitik die Inflationserwartungen gebrochen wurden mit den Folgen von Arbeitslosigkeit, Unternehmenskonkursen und Wachstumsschwäche. Zurückblickend scheuten viele Anleger in der jüngsten Vergangenheit eine langfristige Anlage wegen der niedrigen Zinsen und flüchteten in die kurzfristige Anlage, die Liquidität (dieser Aspekt wird insbesondere von Eckhard Behrens vom Seminar für freiheitliche Ordnung betont). Hier bewahrheitet sich, was Freiwirte und Keynesianer, Silvio Gesell und John Maynard Keynes herausgearbeitet haben: Unterschreitet der Zins eine gewisse Untergrenze, stellt sich das Geld nicht zur Anlage ein. Das Rezept dagegen ist die Geldumlaufsicherung durch einen Umlaufsantrieb, Schwung oder Schwund oder eine Geldsteuer, wie immer man dies auch benennen mag. Der sozialdemokratische Spitzenkandidat im hessischen Landtagswahlkampf 2009 Thorsten Schäfer-Gümbel hatte die Idee einer Zwangsanleihe bei Vermögenden für den Staat. Jeder mit einem Vermögen über 750.000 € sollte 2 % hiervon für 15 Jahre dem Staat zu 2,5 % Zinsen zur Verfügung stellen. In meinem Beitrag „Zwangsanleihe für Reiche? – Nein Danke“ habe ich dagegengehalten: „Warum sollte der Staat ausgerechnet dieser Klientel einen Zins und eine Rendite von 2,5 % auf 15 Jahre garantieren?“ Ich habe dann weitere Zinssenkungen vorausgesehen, die ja auch tatsächlich eingetreten sind. . . . → Mehr dazu: Einübung in eine freiwirtschaftliche Zukunft – Jörg Gude

Komm auf den Punkt! – Roland Spinola

Stellen Sie sich folgende Situation vor: In einer Unterhaltung sagt jemand „Sie haben sich doch mit Komplementärwährungen beschäftigt – worum geht es da eigentlich?“ Das ist Ihre Chance! Wenn Sie jetzt kurz und klar darstellen können, worum es geht, kann das der Beginn einer interessanten Diskussion werden! Wie viel Zeit haben Sie? Eine Minute, vielleicht zwei, wenn Ihr Gegenüber interessiert ist! Und wie oft passiert es Ihnen, dass Sie ich verhaspeln, versprechen, vom Hölzchen zum Stöckchen kommen und schließlich merken, dass das Interesse ihres Zuhörers – oder sind es gar mehrere? – langsam nachlässt. Ein paar höfliche Bemerkungen – dann wendet man sich anderen Themen zu. Mein Kollege Wolfgang Enßlin beschreibt eine Variante, die wohl jedem von uns schon passiert ist – sei es als Opfer oder als Täter: „Sie wollen Ihrem Gegenüber eine faszinierende Idee oder einen wichtigen Gedankengang erklären … und spontan wird bei Ihnen ein ungehemmter Redefluss ausgelöst – wie in einem Weizensilo: Klappenhebel auf und das Korn fließt heraus auf den darunter stehenden Empfänger, der nur noch ‚Bahnhof‘ versteht. Ihr Zuhörer schaltet ganz einfach ab.“ Woran liegt’s? An mangelndem Wissen in den wenigsten Fällen. Weshalb gelingt es dann so selten, unser Wissen und Ideen klar, kurz und wirkungsvoll zu kommunizieren? „Tritt fest auf, mach’s Maul auf, hör bald auf“, hat Martin Luther die Regeln für einen guten Vortrag zusammengefasst. Und Kurt Tucholsky meinte: „Klare Disposition im Kopf – möglichst wenig auf dem Papier. Hauptsätze, Hauptsätze, Hauptsätze. Merke: wat jestrichen is, kann nich durchfalln.“ . . . → Mehr dazu: Komm auf den Punkt! – Roland Spinola

Der Krieg gegen die arbeitende Bevölkerung – Wolfgang Berger

Finanzzirkus

Im Jahre 1870 bildet die Londoner Manege-Schule erstmals Zirkusdirektoren aus. Die Abschlussqualifikation für die erfolgreichen Absolventen ist eine Berufsbezeichnung, die hundert Jahre später auch woanders in Mode kommt: Manager. Der Begriff leitet sich vom lateinischen „manum agere“ ab: jemand an der Hand führen. Im Zirkus hat es angefangen. Kennen Sie das? Zirkustiere werden an der Leine geführt, mit Tricks und Gewalt dressiert und zu Kunststücken gezwungen, die sie von sich aus nie tun würden. So wie Zirkustiere gegen ihre Natur auf ein nicht artgerechtes Verhalten gedrillt werden, drillen Unternehmen viele Menschen gegen ihre Natur auf ein nicht artgerechtes Verhalten. „Angst und Geld sind das einzige, was Mitarbeiter motiviert“, meinte Jeffrey Skilling, Chef der Enron Corporation – einem Energiekonzern aus Texas – bis zur spektakulären Pleite in 2001. Der Harvard Absolvent hatte seine Karriere bei der Unternehmensberatung McKinsey begonnen und dann den größten Wirtschaftskrimi des 20. Jahrhunderts inszeniert. Nach jahrelangen Anfechtungsklagen hat im Sommer 2013 ein Bezirksrichter in Houston, Texas, seine Gefängnisstrafe von 24 auf 14 Jahre reduziert – gegen Zahlung von 40 Millionen Dollar. Die Shareholder-Value-Doktrin zerbricht die Menschen Die Enron-Pleite hat 22.000 Menschen arbeitslos gemacht und zugleich ihre Altersversorgungen vernichtet. In den letzten fünf Jahren vor dem Zusammenbruch hat Enron seinen Gewinn jährlich um 65 Prozent steigern können. Der nach der Börsenkapitalisierung gemessene Wert des Unternehmens war weltweit an sechster Stelle. Namhafte Experten haben im Jahre 2000 den Enron-Verwaltungsrat (Board) als einen der fünf besten der USA bewertet. In wenigen Tagen ist dann das Kartenhaus aus Gier, Skrupellosigkeit und Größenwahn zusammengefallen. Auslöser für eine Unternehmensstrategie, die zunächst von der Fachwelt bewundert und anschließend von einem Tsunami regelrecht überrollt wird, ist ein US-amerikanisches Gerichtsurteil. Weil alle großen Firmen eine Niederlassung in den USA haben und dort mit astronomischen Schadensersatzforderungen verklagt werden können, hinterlässt es eine Spur auf der ganzen Welt: 1932 gründen Joseph und Charles Revson die Kosmetikfirma Revlon. Zu Beginn der 1980er Jahre interessiert sich die Leitung der Firma für die Gewinne der Eigentümer, aber außerdem auch noch für Belange von Belegschaft, Kunden und Lieferanten. Da wird sie verklagt. 1985 verurteilt der Delaware Supreme Court (das höchste Gericht des Bundesstaates) die Führung des Unternehmens. Nach dem Urteil des Gerichts muss die Leitung eines Unternehmens der Eigentumsmehrung der Aktionäre alles – wirklich alles andere unterordnen. Mit diesem Urteil gelingt es Ronald Pereman, die Aktiengesellschaft „feindlich“ zu übernehmen. Und das heißt: Gegen den erbitterten Widerstand der Belegschaft und der Unternehmensleitung. Das Urteil zwingt die Unternehmen der Welt zu einer Strategie, die „Shareholder-Value-Doktrin“ genannt wird. „Shareholder Value“ ist der Betrag, den das gesamte Unternehmen zum gegenwärtigen Börsenkurs wert ist. Das Management muss mit allen legalen Mitteln den Unternehmenswert steigern und dadurch den Reichtum der Aktionäre mehren. Andere Ziele dürfen nur verfolgt werden, wenn es nicht zu Lasten dieses höchsten Gebots geht. Wo die Doktrin nicht befolgt wird, sinkt der Aktienkurs – und damit droht eine feindliche Übernahme des Unternehmens. Fonds, die solche Spiele radikal betreiben, finanzieren Übernahmen mit Krediten großer Finanzinstitute, vornehmlich in der „City of London.“ Die Rückzahlung der Kredite wird dem eroberten Unternehmen aufgebürdet. Wenn es den Wert des Unternehmens erhöht, muss die Unternehmensleitung Personal entlassen. Naomi Klein beschreibt diese Machenschaften und ihre Hintergründe auf 763 Seiten detailliert und faktenreich: »Die Schock-Strategie – Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus«. Die Vorstände müssen mitspielen und ihre Verantwortung für das Ganze zurückstellen. Die Voraussetzungen dafür schuf Mitte der 1970er Jahre die Unternehmensberatung »McKinsey & Company Inc.« Bis dahin waren Manager Arbeitnehmer, ebenso wie die ihnen unterstellten Mitarbeiter – und standen damit in natürlichem Interessengegensatz zu den Kapitaleignern. Mit „Stock Options“ (Aktienoptionen) wurden die angestellten Unternehmensführer von der Seite der Belegschaft auf die Seite des Kapitals gezogen. Aktienoptionen werden als Erfolgsbonus – als Belohnung – zusätzlich zum Gehalt ausgegeben, wenn der Aktienkurs eine bestimmte Höhe erklimmt. Wer solche Optionen besitzt, kann sie gegen Aktien des von ihm geleiteten Unternehmens eintauschen und diese Aktien später auch verkaufen. Unabhängig von den Zwängen der Rechtsprechung hat der Inhaber von Optionen ein persönliches Interesse an einem hohen Aktienkurs. Die Versuchung ist groß, diesem Interesse andere Themen unterzuordnen: die Belange der Belegschaft und die langfristige Zukunft des Unternehmens; gewachsene Kunden- und Lieferantenbeziehungen; Fairness gegenüber Wettbewerbern; Loyalität gegenüber Produktionsstandorten, die die Infrastruktur bereitstellen und deren Bevölkerung von Entlassungswellen betroffen ist; sowie Rücksicht auf den Staat, auf dessen Infrastruktur alle Unternehmen angewiesen sind. Aktienoptionen haben den Kapitalismus von Grund auf verändert. Die Führung von börsengehandelten Aktiengesellschaften ist seitdem weniger bestrebt, Produkte oder Dienstleistungen anzubieten, Standorte und Arbeitsplätze zu erhalten. Sie bemüht sich vor allem darum, den Aktienkurs nach oben zu treiben. Die übrigen Arbeitnehmer – bis dahin in einer Interessengemeinschaft mit der Unternehmensspitze – bleiben zurück und profitieren nicht mehr von dem Produktivitätszuwachs, den sie erarbeiten. Auch das Land, in dem die Aktiengesellschaft ihren Sitz hat, bleibt zurück. Die Mehrheit der Aktien der 30 größten und umsatzstärksten deutschen Unternehmen, die an der Frankfurter Börse gehandelt werden – die deutschen „DAX-Konzerne“ – gehört nach Auskunft der Wirtschaftsprüfer Ernst & Young ausländischen Investoren. In anderen Ländern ist es kaum anders. Viele dieser Konzerne weisen Bilanzsummen aus, die das Bruttoinlandsprodukt der meisten Staaten dieser Welt übersteigen. Die Fonds haben ihren Sitz überwiegend auf exotischen Inseln, die ihnen als „tax haven“ (Steuerfluchtstätte) dienen. Diese „Offshore“-Finanzplätze“ liegen jenseits der eigenen Küste (off shore). Aber die Fonds werden in der „City of London“ verwaltet. Ähnlich wie der Vatikan kein Teil Italiens ist, gehört der Finanzdistrikt „City of London“ nicht zu Großbritannien. Er ist eine eigenständige politische Einheit. Die dort gültigen Gesetze werden von den ca. 250 global tätigen Finanzinstituten gestaltet, die dort niedergelassen sind und keine nationale Identität haben. Samuel J. Palmisano, Aufsichtsratsvorsitzender der Computerfirma IBM, drückt die Auflagen des Finanzsektors in seiner „Roadmap to 2015“ (Zielplanung für 2015) knackig aus: „Earnings to double“ (Den Gewinn verdoppeln). Unter der Leitung der CEO (Präsidentin) Virginia M. „Ginni“ Rometty sollen die weltweit über 430.000 Mitarbeiter die Renditen der Aktien in wenigen Jahren um 100 Prozent erhöhen. Dieser Druck wird an die gesamte Belegschaft weitergegeben. Die Konsequenzen zeigen sich in den Vereinigten Staaten – dem Ausgangspunkt der veränderten Rechtsprechung – am dramatischsten: 1970 verdiente ein Unternehmenschef in den USA das 25fache des Durchschnittseinkommens seiner Mitarbeiter, heute ist es das 500fache. Im Rest der Welt driften die Einkommen zwischen der Unternehmensspitze und der Belegschaft ähnlich stark auseinander. . . . → Mehr dazu: Der Krieg gegen die arbeitende Bevölkerung – Wolfgang Berger

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