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Beitrag von Andreas Bangemann, vom 31. Mai, 2013
 Die diesjährige Sommertagung in Nürnberg bietet allen Interessierten wieder informative Vorträge und Raum und Zeit für spannende Diskussionen.
Am 8.6.2013 ab 10 Uhr wird es folgende Vorträge geben:
Dr. Christoph Körner”Glaube, Geld, Zins, Jesu, Tempelreinigung”
Steffen Henke “Bricht unser Finanzsystem zusammen?”
Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger “Es geht auch ohne Krise”
Zum Ende des Tages dann auch noch eine künstlerische Darbietung des Bewegungskünstlers Jonathan Ries, der die Robinsonade von Silvio Gesell auf außergewöhnliche Weise in Bewegungstheater umgesetzt hat.
Weitere Informationen sind im Link hinter diesem Bild zu finden:
Das Programm der Tagung als PDF-Datei
Beitrag von Webmaster HW, vom 15. Mai, 2013
 Die HUMANE WIRTSCHAFT 03/2013 nun auch wieder als E-Book. Ein paar Probleme mit der Technik führten zur Verspätung unserer aktuellen Ausgabe als eBook. Die .mobi-Version, die beispielsweise mit dem Amazon-Kindle-E-Book-Reader gelesen werden kann, steht aber nun in unserem Shop für 4,- € zum Download bereit.
Hier geht’s zur Bestellung
Beitrag von Andreas Bangemann, vom 14. Mai, 2013
Von 23. bis 26. Mai 2013 finden in Brixen die Tage der Nachhaltigkeit statt. Die HUMANE WIRTSCHAFT ist mit einem Infostand vertreten.
Frei für neue Wege und neues Denken
„Die Kunst der Freiheit“: um dieses Thema drehen sich die Tage der Nachhaltigkeit „think more about“, die vom 23. bis 26. Mai 2013 im Forum Brixen und im Bildungshaus Kloster Neustift stattfinden. Dabei sind über 40 Persönlichkeiten aus aller Welt, um neue Ansätze für eine zukunftsfähige und innovative Unternehmensführung und ein nachhaltiges Wirtschaften zu diskutieren. Veranstalter des Kongresses sind Terra Institute und das Bildungshaus Kloster Neustift in Zusammenarbeit mit den Universitäten Bozen und Innsbruck.
Was ist Freiheit
Wenn man einen Menschen fragen würde, was er braucht, um sich richtig frei zu fühlen, würde er vermutlich mehr Geld sagen. Mit genügend Geld, so scheint es, ist man befreit von den meisten Pflichten, befreit von der Überlebensangst, frei überall hinzugehen, frei alles anzuschaffen, was das Herz begehrt. Nur, in dem derzeitigen Finanzsystem ist Geld als zinsbringende Schulden geschaffen. Viele Menschen sind der Meinung, dass Geld die Menschen genauso versklavt, wie die Schulden es tun. Die finanzielle Sicherheit ist schwer einzuschätzen, für die meisten ist es nie genug. Vielleicht ist Geld ein Ersatz für etwas, das man nicht kaufen kann, für die Gemeinschaft. Wahre Freiheit komme nicht von Unabhängigkeit, sondern von gegenseitiger Abhängigkeit. In einer Welt, die sich in ihrem endlosen Streben nach ökonomischen Wachstum selbst zerstört, können wir vielleicht etwas von dieser Art der Freiheit und Sicherheit durch die Gemeinschaft lernen. Der Beginn einer Ökonomie des Teilens ist bereits auf lokaler, wie auch auf globaler Ebene sichtbar. Diese Gedanken des Schriftstellers Charles Eisenstein fassen die Botschaft gut zusammen, die Günther Reifer vom Terra Institute und Andreas Wild vom Bildungshaus Kloster Neustift – die Organisatoren der Tage der Nachhaltigkeit – geben möchten.
Foto (von links): Andreas Wild (Bildungshaus Kloster Neustift), Ibrahim Abouleish (Träger des Alternativen Nobelpreises, Gast in Brixen im Jahr 2011), Evelyn Oberleiter und Günther Reifer (Terra Institute)
Freiheit und verantwortbarer Wohlstand
Bis vor einigen Jahren wurde die permanente Steigerung des Güterwohlstandes, des Wirtschaftswachstums und der Ressourcennutzung nicht in Frage gestellt, sondern mit Freiheit und Fortschritt assoziiert. Nicht immer mit positiven Konsequenzen. Die offenkundige Verwechslung zwischen Effizienz und Plünderung wirft zwei Fragen auf: wo liegen die Grenzen für einen verantwortbaren Wohlstand und gibt es eine Freiheit, die heute an Ethik, Partizipation, Erfolg aber auch an Verantwortung gekoppelt ist. „Insbesondere Unternehmen spielen eine zentrale Rolle, damit eine zukunftsfähige Entwicklung die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass die nächsten Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“, so Reifer und Wild.
Der Wirtschaftswissenschaftler Niko Paech ist einer der wichtigsten Vordenker zum Thema „Postwachstumsökonomie“ in Deutschland und prominenter Gast bei den Tagen der Nachhaltigkeit „think more about“ zum Thema „Die Kunst der Freiheit“ – die vom 23. bis 26. Mai von den Initiatoren Terra Institute und Bildungshaus Kloster Neustift gemeinsam mit den Universitäten von Bozen und Innsbruck bereits zum dritten Mal in Brixen organisiert werden.
Niko Paech sieht die Postwachstumsökonomie als mögliche Versorgungsform. Sie würde auf eine drastische Reduktion der industriellen Produktion hinauslaufen, erstens die ökonomische Stabilität der Versorgung (Resilienz) stärken, zweitens keine Verzichtsleistung darstellen. Wenige Dinge intensiver zu nutzen und deshalb Optionen souverän zu ignorieren, bedeutet Stressfreiheit und höheren Genuss. Paech sieht in der Regionalität, in der Selbstversorgung und im bescheidenen Konsum die ökonomische Souveränität, welche einerseits die Kaufkraft in der Region stärkt und andererseits Finanzspekulationen keinen Raum lässt.
Freiheit, Wirtschaft und Gemeinwohl
Wirtschaft und Freiheit stehen in einem Hochenergieverhältnis. Einige verbinden Freiheit mit Kapitalismus, andere wollen die wirtschaftliche Freiheit mit sozialen und ökologischen Aspekten regulieren. Wie ist das Verhältnis von Rechten und Pflichten, von Freiheit und Verantwortung in der Wirtschaft? Nichts ist umstrittener und ideologischer als der Freiheitsdiskurs. Deshalb sind Definitionen nötiger denn je. Christian Felber, Initiator der „Gemeinwohl-Ökonomie“, tastet sich Schritt für Schritt an politische und ökonomische Grundbegriffe heran. Die Gemeinwohl-Ökonomie ist eine Systemalternative zur kapitalistischen Marktwirtschaft, die weltweit bereits von mehr als 1000 Unternehmen unterstützt wird. In der letzten Zeit sind auch Gemeinwohlgemeinden und -regionen entstanden, wie im Vinschgau. Im Rahmen des Kongresses wird Felber die Projekte und Maßnahmen für Verwaltung, öffentliche Wirtschaft, Privatwirtschaft, BürgerInnenbeteiligung anhand erster internationaler Erfahrungen vorstellen: Gemeinwohl-Bilanz, Pionierunternehmen-Lerngruppen, kommunaler Lebensqualitätsindex, demokratischer Wirtschaftskonvent, Alternativen zum Finanzsystem. Darauf aufbauend wird der Blick auf die Gemeinwohl-(Modell-)Region geweitet: Im Verbund mehrerer Gemeinden sind viele weitergehende Maßnahmen möglich, von der regionalen Wirtschaftsförderung und einem Gemeinwohl-Hub über Regionalmarketing und die Entwicklung einer Regionalmarke bis zur Begründung von Gemeinwohl-Banken und Einführung einer Regionalwährung sowie die Gründung von Bürgerbeteiligungsgesellschaften, welche die Grundversorgung demokratisch und nachhaltig absichern.
Der Kongress mit prominenten Gästen und der Seminartag in Neustift
Weitere renommierte Persönlichkeiten kommen nach Brixen: die Pionierin der New-Economy-Bewegung und Preisträgerin des Alternativen Nobelpreises Helena Norberg-Hodge, der Gründer des „Movimento per la decrescita felice” Maurizio Pallante, die deutsche Journalistin und Autorin Kathrin Hartmann, die erzählen wird, wie die Industrie die Lohas (Life style of Health and Sustainability) und Lifestyle-Ökos vereinnahmt, der Professor für Zukunfts- und Bildungsforschung Gerhard de Haan, der Oecotrophologe und Mitbegründer des Fachgebiets Ernährungsökologie Karl von Koerber, die Unternehmerin Carla Poli, die ein innovatives Recycling Center in Norditalien aufgebaut hat.
Über 40 ReferentInnen und QuerdenkerInnen aus dem In- und Ausland werden im Zuge des Wirtschaftskongresses Ansätze zu nachhaltigem Handeln und Wirtschaften aufzeigen.
Am Donnerstagabend steht eine Podiumsdiskussion mit internationalen Experten und Südtiroler Wirtschaftsvertretern auf dem Programm. Am Freitag bieten 15 Parallelworkshops die Möglichkeit, die Bereiche Unternehmen, Politik, Lebensstile, Bildung und Soziales zu vertiefen.
Am Samstag bietet im Bildungshaus Kloster Neustift eine Fülle von Seminaren den Rahmen für Fragen rund um zukunftsweisende Wirtschaftsformen und Brennpunkte wie lokale Kreisläufe, Gemeinwohl, Entschleunigung, Bildung, ökologische Ernährung, Mode, Sinnerfüllung, Innovation, Geld, Zinsen und Finanzen.
„think more about bio region Südtirol“
Bis 2030 soll Südtirol eine Region sein, in der ausschließlich biologische Landwirtschaft betrieben wird. Denn die regionale und biologische Landwirtschaft ist die Basis für die Zukunftsfähigkeit des Landes. Davon sind die Promotoren des Bio-Bauernmarktes und der Biomeile der Verarbeiter- und Handelsbetriebe am 25. Mai am Großen Graben in Brixen überzeugt. Biobauer, Bioproduzenten und Bioverarbeiter wollen dazu beitragen, die regionalen Kreisläufe aufzubauen, die biologische Vielfalt zu fördern und die Vernetzung zwischen Wirtschaftsakteuren und Konsumenten zu stärken. So bietet die Bioregion Südtirol Antworten auf die sozialen, ökologischen und ökonomischen Fragen der heutigen Zeit.
Teilnehmen, mitdenken und mitgestalten
Die Tage der Nachhaltigkeit bieten eine abwechslungsreiche Mischung: den Besucher erwartet eine internationale Denk- und Ideenschmiede, welche ihn zu nachhaltigem Handeln inspirieren, ermutigen und dabei unterstützen will, gemeinsam neue Visionen zu entwickeln und Verantwortung für ein gesundes, globales Miteinander zu übernehmen.
Die Teilnahme am Rahmenprogramm steht allen offen und ist kostenlos, für den Wirtschaftskongress und die Seminare ist eine schriftliche Anmeldung erforderlich.
Informationen und Anmeldungen unter www.thinkmoreabout.comoder beim Bildungshaus Kloster Neustift, Tel. 0472 835588.
Daten zu „think more about – Tage der Nachhaltigkeit“
Wirtschafts-Kongress
Thema 2013: Die Kunst der Freiheit
Datum: 23.(abends)/24. Mai 2013
Ort: Forum Brixen
Angebot: 9 KeyNotes, 15 Parallel-Workshops, 1 Podiumsdiskussion
Sprachen: deutsch / italienisch
Preise: Tickets Kongress: 50€ Studenten, 100€ Privatpersonen, 150€ Unternehmen
Vertiefende Seminare
Datum: 25. Mai 2013
Ort: Bildungshaus Kloster Neustift
Angebot: 11 Seminare zu wirtschaftlichen, persönlichen, gesellschaftlichen oder politischen Aspekten von Nachhaltigkeit
Preise: 50€ Studenten, 100€ Privatpersonen, 150€ Unternehmen
Kombipreis Kongress und Seminar: 75€ Studenten, 150€ Privatperson, 250€ Unternehmen
Info: www.thinkmoreabout.com
Beitrag von Eckhard Behrens, vom 8. Mai, 2013
in Deutschland wähnen sich schon viele konservative Wirtschaftspolitiker auf dem Wege zur Vollbeschäftigung. Davon sind wir aber noch weit entfernt, wenn man die Arbeitslosigkeitsstatistiken seit 1950 betrachtet, die Sie auf der FAZ-Internetseite grafisch dargestellt finden. DIE WELT wurde durch die aktuelle Diskussion um Lohnuntergrenzen zu einem dramatischen Warnruf “Wir werfen die Chance auf Vollbeschäftigung weg” provoziert:
Als Beispiel angebotspolitischen Denkens ist dies ein ganz lesenswerter Artikel!! – Aber die Wirtschaft besteht aus Angebot u n d Nachfrage. Vollbeschäftigung ist nicht nur (!) durch Flexibilisierung zu erreichen. Da fehlt es letztlich doch an Preiselastizität. Wir brauchen deshalb auch eine hinreichende gesamtwirtschaftliche Nachfrage, um die bestehenden (noch so unproduktiven) Kapazitäten rasch (!) wieder voll auszulasten.
Es ist auch noch folgendes zu bedenken: Wenn die Gesamtnachfrage als feste Größe unterstellt wird, kann mehr Beschäftigung, die durch Lohnsenkungen herbeigeführt wird, nur das Ergebnis eines steigenden Waren- und Dienstleistungs-Angebots und folglich sinkender Preise haben. Das ist der Anfang eines Marsches in die Deflation, in der nur noch dramatischere Lohnsenkungen die Beschäftigung aufrechterhalten könnten; wir wissen aber, dass in der Deflation die Beschäftigung sinkt. Flexibilisierung der Löhne und sonstigen Arbeitsbedingungen ist gut, aber nicht zur Überwindung der Konjunkturprobleme, sondern nur zur Erhöhung der Produktivität bei bereits steigender Beschäftigung und bereits steigendem Angebot, für die ein ausreichendes Wachstum der Nachfrage gesorgt hat.
Die Staatsnachfrage kann bei schwächelnder Gesamtnachfrage nicht mehr ausgeweitet werden; der Staat muss sparen, also seine Nachfrage sogar zurückfahren. Es kommt jetzt darauf an, die private Konsumnachfrage auszudehnen, denn die private Investition steigt erst, wenn die private Nachfrage steigt und die unausgelasteten Kapazitäten dadurch wieder beschäftigt werden können. Erst wenn die private Konsumnachfrage steigt, erhalten die Unternehmen wieder Investitionskredite und sei es zunächst auch nur für Ersatzinvestitionen, die per definitionem keine Kapazitätsausweitung, sondern bestenfalls eine Produktivitätssteigerung mit sich bringen.
Die Geldpolitik hat mit Zinssenkungen (Angebotspolitik) als Investitionsanreiz erst Erfolg, wenn die private Konsumnachfrage stabilisiert oder wieder ausgeweitet ist. Dazu muss die EZB die Inflationserwartungen erhöhen, um die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes endlich zu stabilisieren. Dazu könnten Ankündigungen vielleicht ausreichen. Die Notenbanken haben eine hohe Autorität, die sie auch dann nutzen können, wenn sie einen Politikwechsel verkünden müssen.
Die EZB hat mit ihrer jüngsten Zinssenkung die fallenden Inflationsraten noch nicht einmal zu Hälfte kompensiert. Die kurzfristigen Realzinsen sind gestiegen. Kein gutes Vorzeichen für die Konjunktur, wenn man die Situation angebotspolitisch nüchtern analysiert. Vollbeschäftigung werden wir nicht erleben, solange die EZB-Politik auf zu niedrigen Inflationsraten beharrt.
Beitrag von Eckhard Behrens, vom 8. Mai, 2013
In der Süddeutschen Zeitung hat Claus Hulverscheidt am 04. Mai unter der Überschrift “Sparen, aber nicht totsparen” der Bundesregierung geraten, die Bereitschaft der EU-Kommission, Frankreich mehr Zeit für das Erreichen des Defizitziels zu gewähren, zu tolerieren. Im Internet habe ich diesen Kommentar leider nicht gefunden. Zu dem Kommentar habe ich folgenden Leserbrief geschrieben:
Ihr Rat an Frau Merkel, sie solle Frankreich erlauben, das Sparen aufzuschieben, um Wachstum zu ermöglichen, ist falsch. Der Ausgleich des Staatshaushalts wird erschwert, wenn mit dem Sparen nicht sofort begonnen wird. Die Zinslasten steigen weiter und weiter.
Aber Sie haben Recht, wenn Sie betonen, dass ohne Wachstum mit einem Ausgleich des Staatshaushalts nicht zu rechnen ist. Es ist eindeutig, dass Sparen des Staates die gesamtwirtschaftliche Nachfrage verringert und damit zu einem weiteren Schrumpfen der Wirtschaft und damit auch der Steuereinnahmen führt. Die Hoffnung der Bundesregierung auf Wachstum durch Strukturreformen, die zu Produktivitätssteigerungen führen, ist nur langfristig berechtigt. Soviel Zeit haben die Südländer und Frankreich nicht mehr.
Rasches Wachstum ist nur durch die Beschäftigung brachliegender Kapazitäten und Arbeitsloser zu erreichen. Dazu muss die private Nachfrage gesteigert werden. Die notwendige Geldvermehrung hat die EZB längst bewirkt. Sie hat nur leider gleichzeitig verhindert, dass das Geld auch umläuft, also Nachfrage hält auf den Konsummärkten, damit auch die Investitionsmärkte wieder anspringen können. Sie hat nämlich die durch ihre Geldvermehrung aufkeimenden Inflationserwartungen leider erfolgreich gedämpft, indem sie glaubhaft versprochen hat, die Preisstabilität zu wahren. Das hat so stark gewirkt, dass die Inflationsrate sogar deutlich unter ihr Inflationsziel von “unter, aber nahe 2%” gesunken ist. Damit stiegen die kurzfristigen Realzinsen, was ihre jüngste Leitzinssenkung noch nicht voll kompensiert hat. Die widersprüchliche Geldpolitik der EZB ist die Ursache des Zusammenbruchs der Konjunktur im Euro-Raum und der Schwierigkeit, die Staatshaushalte auszugleichen.
Seit die Staatshaushalte überschuldet sind, ist Konjunkturpolitik nur noch als Geldpolitik oder gar nicht mehr möglich. Die Geldpolitik muss mit etwas höheren, aber stabilen Inflationserwartungen arbeiten, damit die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes nicht ständig weiter sinkt und die Geldvermehrung wirkungslos macht. Das war Thema in Jackson Hole und die Fed lockerte schon ihre Inflationsstrategie.
PS. Die Süddeutsche Zeitung hat diesen Leserbrief am 16. Mai 2013 auf Seite 15 leicht gekürzt unter der Überschrift “Euro-Krise – Widersprüchliche Geldpolitik – Inflationsrate ist zu niedrig” abgedruckt.
Beitrag von Eckhard Behrens, vom 3. Mai, 2013
Die EZB senkte am 02. Mai 2013 den Leitzins, um die Konjunktur im Euro-Raum zu stabilisieren. Aber sie behauptete in der Pressekonferenz, die Inflationserwartungen seien immer noch stabil. Das ist eindeutig falsch.
Die aktuellen Inflationsraten u n d die Erwartungen sind in den letzten Monaten deutlich gesunken. Die aktuellen Inflationsraten veröffentlichen die nationalen und europäischen Statistikbehörden monatlich. Die mittel- und langfristigen Inflationserwartungen kann man an der Differenz der Renditen der inflationsgesicherten und der normalen Anleihen gleicher Laufzeit im Kursblatt und in der täglich herausgegebenen Renditetabelle der Deutschen Finanzagentur für die Bundesanleihen ablesen. Da tut sich was und die EZB verschließt die Augen.
Die sinkenden Inflationsraten erhöhen die kurzfrstigen Realzinsen und die Senkung der kurzfristigen Nominalzinsen durch die Leitzinssenkung kompensiert das nur teilweise. Wir haben bei näherer Betrachtung immer noch eine Erhöhung der kurzfristigen Realzinsen und das ist konjunkturschädlich. Die EZB hätte die (nominalen) Leitzinsen um mindestens 0,5% senken müssen, um das Sinken der Inflationsraten konjunkturpolitisch zu kompensieren.
Wenn man geldpolitisch hinreichend aufgeklärt ist, braucht man sich nicht zu wundern, dass die Konjunktur immer schwächer wird. – Man kann täglich sehen, wie schädlich beim heutigen Geld Preisstabilität oder zu niedrige Inflationsraten sind.
Beitrag von Webmaster HW, vom 25. April, 2013
 Während meines Urlaubs in Tirol habe ich das schöne Städtchen Wörgl besucht, von dem ich schon so viel Interessantes gehört hatte. Am meisten haben es mir dabei die „sagenumwobenen“ Ereignisse rund um das weltberühmte Wörgler Freigeldexperiment angetan. So landete ich bei Veronika Spielbichler, der Leiterin des Unterguggenberger- Instituts in Wörgl. Sie ist eine ausgespochene Fachfrau auf dem Gebiet und eine begeisterte Anhängerin des geschichtsträchtigen Regionalgeld-Experiments. Sie setzt sich mit verschiedenen Aktivitäten für die Verbreitung dieses Wissens ein. . . . → Mehr dazu: Eine Reise nach Wörgl – Reisebericht von Manuel Bangemann
Beitrag von Webmaster HW, vom 25. April, 2013
 2013 ist ein Wahljahr. Im September sollen wir Bürger und Bürgerinnen unser demokratisches Recht nutzen und unsere Stimme im Wahllokal abgeben. Danach sehen wir sie nie wieder. Verständlicherweise sehen Viele dieser Übergabe des Volkswillens an unsere Volksvertreter mit Resignation entgegen. Wir leben in einem hochkomplexen, globalisierten System, das die Politik kaum mehr steuerbar macht. Sachzwänge machen scheinbar bestimmte Entscheidungen alternativlos, warum sollen wir dann überhaupt noch wählen? . . . → Mehr dazu: Wenn wir Bürger nicht gestalten, tun es andere. – Roman Huber
Beitrag von Webmaster HW, vom 25. April, 2013
 Die Chiemgauer Regionalwährung hat zwei Hauptziele: regionale Wirtschaftskreisläufe zu stärken und gemeinnützige Vereine zu fördern. Nach zehn Jahren ist es Zeit, Bilanz zu ziehen. Was ist bislang herausgekommen? . . . → Mehr dazu: CHIEMGAUER – ein Gewinn für alle? – Christian Gelleri zieht Bilanz
Beitrag von Eckhard Behrens, vom 24. April, 2013
EU-Streit über Sparkurs: Wie Barroso sich kurz eine eigene Meinung erlaubte
Kommentar:
Wachstum ist ohne Staatsausgaben möglich Barroso hat richtig festgestellt, dass die Rezession im Euro-Raum unerträglich für die Bürger ist. Auch Deutschland beginnt darunter zu leiden und auch bei uns ist die Abwahl der Bundesregierung deswegen nicht mehr undenkbar, obwohl die Opposition keine ökonomisch überzeugende Alternative bietet. Aber danach wird nicht gefragt werden. Der Unmut entscheidet und sucht sich und findet eine „Alternative für Deutschland“!!! – Leider wird in der Debatte selten beachtet, dass Wachstum auf zweierlei beruhen kann: 1. auf guten Strukturreformen, die immer empfehlenswert sind, die sich aber meist erst nach langer Zeit wirklich auszahlen und zunächst nur schmerzhaft sind und zu demokratischen Ausweichbewegungen führen. 2. auf der Beschäftigung ungenutzter Kapazitäten, also der Überwindung von Arbeitslosigkeit und besserer Auslastung bereits vorhandener Produktionskapazitäten. Bei diesen setzt die Konjunkturpolitik an; der Wachstumseffekt kann sich rasch einstellen und dann die Strukturreformen demokratisch erleichtern, weil bei Vollbeschäftigung nicht mehr jeder noch so unproduktive Arbeitsplatz aus empfundener Solidarität verteidigt werden muss. – Konjunkturpolitik durch Ausweitung von Staatsausgaben gibt es im Staatsschulden-Europa nicht mehr. Also stellt sich die Frage, ob es überhaupt noch Konjunkturpolitik geben kann. Diese Frage lenkt den Blick – hoffentlich – auf die private Nachfrage und die Möglichkeiten, diese zu steigern. Dies ist traditionell das Betätigungsfeld der Geldpolitik, deren Hauptinstrument, die Leitzinsen, allerdings schon kurz vor der Nullzins-Schranke stehen. Nominalzinssenkungen sind nur noch in homöopathischen Dosen möglich. Sie können trotzdem sinnvoll sein, weil sie eine Signalfunktion haben. Aber ein weit stärkeres Signal wäre die Erhöhung des Inflationsziels der EZB von “unter, aber nahe 2%”, das nun schon seit 10 Jahren gilt und deshalb einmal evaluiert werden sollte. Es hat die Inflationserwartungen in einem Ausmaß geprägt, das angesichts der globalen Finanzkrise erstaunlich ist. Insoweit ein voller Erfolg, aber konjunkturpolitisch wohl ein Pyrrhussieg. Die Arbeitslosigkeit ist viel höher als in den USA, wo die Notenbank auch für Beschäftigung sorgen soll, während die europäische Geldpolitik meint, die Beschäftigung käme bei stabilem Geldwert (stabiler, aber sehr niedriger Inflationsrate) von selbst. War aber nicht so, wie eine ehrliche Evaluation zeigen wird, die den ehrlichen Vergleich der Inflations- und Beschäftigungsraten mit den USA einbeziehen sollte. – Für die Konjunkturpolitik bleibt als einzige Chance eine Änderung der Geldpolitik. (Dazu mehr im Folgebeitrag zu bisher ungenutzten Möglichkeiten der Geldpolitik.)
Wachstum ist mit Geldpolitik möglich An der Nullzins-Schranke kann die Notenbank starke Wirkungen ihrer Politik nicht mehr durch noch so große Geldvermehrung erzielen. Denn mit ihrem Beharren auf zu niedrigen Inflationsraten kastrieren sie diese Stimuli selbst. Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes sinkt und „vernascht“ jede erhoffte Wirkung der Geldmengenvermehrung. Nur noch durch die spürbare Erhöhung ihres Inflationsziels könnten sie eine spürbare Wirkung erreichen. Dann rauschen die kurzfristigen Realzinsen in den negativen Bereich; bei einem nominalen Leitzins von 1% sind bei einer Inflation von “unter, aber nahe 5%” die kurzfristigen Realzinsen -4%; im Vergleich zu einem solchen geldpolitischen Orkan sind Nominalzinssenkungen von 0,75% auf 0,5% Prozent ein leichtes Säuseln im ökonomischen Blätterwald. – Die letzten 10 Jahre EZB-Politik beweisen zweierlei: 1. Die EZB kann ihr Inflationsziel auch in globalen Turbulenzen mittelfristig verwirklichen. 2. Ihr öffentlich verkündetes Inflationsziel wird ihr auch im Falle einer Erhöhung geglaubt werden und deshalb das Handeln aller privaten Akteure im Euro-Raum bestimmen. Stabile Inflationserwartungen von “unter, aber nahe 5%” haben ein inflationsgerechtes Verhalten zur Folge, das sich von dem Verhalten bei erwarteter Geldwertstabilität grundlegend unterscheidet. Ihr Inflationsziel von “unter, aber nahe 2%” setzt die EZB ökonomisch und juristisch – wenn auch nicht mathematisch – korrekt mit Geldwertstabilität gleich. – Inflationsgerechtes Verhalten bedeutet, über die Verwendung von Geldeinkommen unverzüglich zu entscheiden: entweder gleich konsumieren, weil morgen alles teurer ist, oder Ersparnisse so langfristig anlegen, wie man sie persönlich entbehren kann, um durch möglichst hohe Nominalzinsen die erwarteten Inflationsverluste weitgehend auszugleichen (steile Realzins-Strukturkurve).
Eckhard Behrens, Heidelberg www.humane-wirtschaft.de
Beitrag von Eckhard Behrens, vom 24. April, 2013
EU-Streit über Sparkurs: Wie Barroso sich kurz eine eigene Meinung erlaubte
http://tinyurl.com/cv73g37
Dazu 2 EB-Leserkommentare vom 24.02.2013 gegen 02:00 Uhr:
Wachstum ist ohne Staatsausgaben möglich Barroso hat richtig festgestellt, dass die Rezession im Euro-Raum unerträglich für die Bürger ist. Auch Deutschland beginnt darunter zu leiden und auch bei uns ist die Abwahl der Bundesregierung deswegen nicht mehr undenkbar, obwohl die Opposition keine ökonomisch überzeugende Alternative bietet. Aber danach wird nicht gefragt werden. Der Unmut entscheidet und sucht sich und findet eine „Alternative für Deutschland“!!! – Leider wird in der Debatte selten beachtet, dass Wachstum auf zweierlei beruhen kann: 1. auf guten Strukturreformen, die immer empfehlenswert sind, die sich aber meist erst nach langer Zeit wirklich auszahlen und zunächst nur schmerzhaft sind und zu demokratischen Ausweichbewegungen führen. 2. auf der Beschäftigung ungenutzter Kapazitäten, also der Überwindung von Arbeitslosigkeit und besserer Auslastung bereits vorhandener Produktionskapazitäten. Bei diesen setzt die Konjunkturpolitik an; der Wachstumseffekt kann sich rasch einstellen und dann die Strukturreformen demokratisch erleichtern, weil bei Vollbeschäftigung nicht mehr jeder noch so unproduktive Arbeitsplatz aus empfundener Solidarität verteidigt werden muss. – Konjunkturpolitik durch Ausweitung von Staatsausgaben gibt es im Staatsschulden-Europa nicht mehr. Also stellt sich die Frage, ob es überhaupt noch Konjunkturpolitik geben kann. Diese Frage lenkt den Blick – hoffentlich – auf die private Nachfrage und die Möglichkeiten, diese zu steigern. Dies ist traditionell das Betätigungsfeld der Geldpolitik, deren Hauptinstrument, die Leitzinsen, allerdings schon kurz vor der Nullzins-Schranke stehen. Nominalzinssenkungen sind nur noch in homöopathischen Dosen möglich. Sie können trotzdem sinnvoll sein, weil sie eine Signalfunktion haben. Aber ein weit stärkeres Signal wäre die Erhöhung des Inflationsziels der EZB von “unter, aber nahe 2%”, das nun schon seit 10 Jahren gilt und deshalb einmal evaluiert werden sollte. Es hat die Inflationserwartungen in einem Ausmaß geprägt, das angesichts der globalen Finanzkrise erstaunlich ist. Insoweit ein voller Erfolg, aber konjunkturpolitisch wohl ein Pyrrhussieg. Die Arbeitslosigkeit ist viel höher als in den USA, wo die Notenbank auch für Beschäftigung sorgen soll, während die europäische Geldpolitik meint, die Beschäftigung käme bei stabilem Geldwert (stabiler, aber sehr niedriger Inflationsrate) von selbst. War aber nicht so, wie eine ehrliche Evaluation zeigen wird, die den ehrlichen Vergleich der Inflations- und Beschäftigungsraten mit den USA einbeziehen sollte. – Für die Konjunkturpolitik bleibt als einzige Chance eine Änderung der Geldpolitik. (Dazu mehr im Folgebeitrag zu bisher ungenutzten Möglichkeiten der Geldpolitik.)
Wachstum ist mit Geldpolitik möglich An der Nullzins-Schranke kann die Notenbank starke Wirkungen ihrer Politik nicht mehr durch noch so große Geldvermehrung erzielen. Denn mit ihrem Beharren auf zu niedrigen Inflationsraten kastrieren sie diese Stimuli selbst. Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes sinkt und „vernascht“ jede erhoffte Wirkung der Geldmengenvermehrung. Nur noch durch die spürbare Erhöhung ihres Inflationsziels könnten sie eine spürbare Wirkung erreichen. Dann rauschen die kurzfristigen Realzinsen in den negativen Bereich; bei einem nominalen Leitzins von 1% sind bei einer Inflation von “unter, aber nahe 5%” die kurzfristigen Realzinsen -4%; im Vergleich zu einem solchen geldpolitischen Orkan sind Nominalzinssenkungen von 0,75% auf 0,5% Prozent ein leichtes Säuseln im ökonomischen Blätterwald. – Die letzten 10 Jahre EZB-Politik beweisen zweierlei: 1. Die EZB kann ihr Inflationsziel auch in globalen Turbulenzen mittelfristig verwirklichen. 2. Ihr öffentlich verkündetes Inflationsziel wird ihr auch im Falle einer Erhöhung geglaubt werden und deshalb das Handeln aller privaten Akteure im Euro-Raum bestimmen. Stabile Inflationserwartungen von “unter, aber nahe 5%” haben ein inflationsgerechtes Verhalten zur Folge, das sich von dem Verhalten bei erwarteter Geldwertstabilität grundlegend unterscheidet. Ihr Inflationsziel von “unter, aber nahe 2%” setzt die EZB ökonomisch und juristisch – wenn auch nicht mathematisch – korrekt mit Geldwertstabilität gleich. – Inflationsgerechtes Verhalten bedeutet, über die Verwendung von Geldeinkommen unverzüglich zu entscheiden: entweder gleich konsumieren, weil morgen alles teurer ist, oder Ersparnisse so langfristig anlegen, wie man sie persönlich entbehren kann, um durch möglichst hohe Nominalzinsen die erwarteten Inflationsverluste weitgehend auszugleichen (steile Realzins-Strukturkurve).
Eckhard Behrens, Heidelberg www.humane-wirtschaft.de
Beitrag von Eckhard Behrens, vom 21. April, 2013
In der FRANKFURTER ALLGEMEINEN SONNTAGSZEITUNG schreibt Lisa Nienhaus zu “Konjunktur – Wirkungsloser Stimulus”
Sie stellt dar, welche außerordentlichen Stimuli die Notenbanken und die Regierungen seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Herbst 2008 gesetzt haben und dass die erhoffte Wirkung ausgeblieben sei. Es sei daher ungewiss, ob die Zaubermittel der Notenbanken ausreichen.
Mein Leserkommentar auf FAZ.net:
Ein Zaubermittel der Zentralbanken ist die Steuerung der Inflationserwartungen. Die EZB bezifferte ihr Inflationsziel schon vor 10 Jahren auf “unter, aber nahe 2%“. Das Ziel der Geldwertstabilität im Sinne einer Null-Inflation/Deflation wurde aufgegeben, weil sich die Menschen bei Geldwertstabilität noch ähnlich verhalten wie bei Deflation. Sie geben mit steigenden Deflationsraten einen immer höheren Teil ihrer Geldeinkünfte nicht mehr aus, sondern verharren in der Liquidität. Bei gefühlter Inflation verhalten sie sich genau entgegengesetzt; dann geben sie ihre Geldeinkünfte zügig aus und zwar umso schneller, je höhere Inflationsraten sie erwarten. – Den Notenbanken ist es gelungen, die Inflationserwartungen bei 2% fest zu verankern; das wird noch als Geldwertstabilität empfunden. Hier liegt das Problem! Die Inflationserwartungen sind noch zu niedrig; die Geldmenge läuft immer langsamer um; der Mengenstimulus bleibt wirkungslos. Wir brauchen stabile Erwartungen „unter, aber nahe 5%“.
Mehr Text lässt die FAZ in einem Internet-Kommentar nicht zu. Man müsste dann noch einen zweiten schreiben. Zu ergänzen ist vor allem, dass die Höhe der erzeugten Inflationserwartungen so zu bemessen ist, dass die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes stabil bleibt. Bekannt ist, dass die Umlaufgeschwindigkeit bei Deflation sinkt. Seit Jahrzehnten ist zu beobachten, dass die Umlaufgeschwindigkeit auch bei empfundener Geldwertstabilität immer noch sinkt. Selbst bei niedrigen Inflationsraten, wie sie die Notenbanken seit langem anstreben, sinkt sie auch noch. Das wird zuwenig beachtet. Bekannt ist allgemein, dass bei hohen Inflationsraten und -erwartungen die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes stark steigt. Was wir brauchen, ist eine stabile Umlaufgeschwindigkeit. Diese setzt offenbar eine stabile Mindestinflationsrate voraus. Die bisher von den Notenbanken angestrebten Inflationsraten sind dafür zu niedrig, wie die Erfahrungen zeigen.
in Jackson Hole wies Woodford im Jahre 2012 die versammelten Notenbanker darauf hin (PDF-Datei), dass sie mit ihrem nachdrücklichen Festhalten an den niedrigen Inflationsraten ihre Politik der Geldmengenvermehrung selbst zunichtemachen.
Nur ausreichende Inflationserwartungen schränken die Wertaufbewahrungsfunktion des Geldes hinreichend ein. Leider erschweren selbst sehr stabile Inflationsraten das Kalkulieren, also die Rechenhaftigkeit und damit die Produktivität einer Volkswirtschaft. Daher sollte nach den Vorschlägen Silvio Gesells die Wertaufbewahrungsfunktion nicht auf dem Umweg über eine Inflation sondern direkt über Gebühren auf das Halten von Bargeld eingeschränkt werden. Erst die Etablierung einer Bargeldgebühr erspart die Inflation. Beim heutigen Geld ohne Haltegebühr, also mit unbeschränkter Wertaufbewahrungsfunktion und deshalb unstabiler Umlaufgeschwindigkeit ist es nicht möglich, den Geldwert bei Null-Inflation/Deflation zu halten.
Beitrag von Eckhard Behrens, vom 21. April, 2013
in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN SONNTAGSZEITUNG finden Sie regelmäßig die Kolumne Mayers Weltwirtschaft. Dort wird heute ein neues Buch besprochen, das mit volkswirtschaftlichen Mythen aufräumen will.
Ein Kommentar dazu:
Verharmlosung der Deflation (und der Geldwertstabilität) ========================================================= Zum Satz: “Tatsächlich ist ein fallender Trend der Preise sogar von Vorteil, denn so wird es möglich, auf die einfachste Form des Sparens, die Haltung von Geld, einen positiven Zins zu erzielen.” Es ist richtig, dass Sparen durch die Haltung von Geld bei Deflation einen positiven Realzins erbringt. Das ist aber nur ein individueller Vorteil, kein gesamtwirtschaftlicher. Denn wenn die Sparer ihre Ersparnisse in Bargeld anlegen, fehlen dem volkswirtschaftlichen Kreislauf Tauschmittel. Ihr verringertes Geldangebot bedeutet fehlende Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen und führt zu weiter sinkenden Preisen also einer Deflations- und einer güterwirtschaftlichen Abwärtsspirale. Der Zins auf das Halten von Geld steigt und stoppt das Geld! In der Marktwirtschaft dürfen keine Rahmenbedingungen geduldet werden, die die Individuen zu gesamtwirtschaftlich schädlichem Verhalten führen. Die Rahmenbedingungen müssen so gestaltet werden, dass Bargeld nicht hortbar ist; so schon Silvio Gesell.
Das Papiergeld ist besser als alles, was wir bisher hatten ========================================================== Das Ende des Papiergelds auszurufen, ist plausibel, wenn man seine bisherigen Mängel auflistet. Aber alles Warengeld hat doch nicht besser funktioniert. Das Bessere ist der Feind des Guten! Und das ist selten in der Vergangenheit zu finden. Der geldpoltische Vorteil des Papiergelds ist seine politische Gestaltbarkeit. Dabei kann der Gesetzgeber natürlich auch viele Fehler machen. Deswegen zurück zu einer weniger gestaltbaren Form des Geldes zu gehen, ist keineswegs zu empfehlen. Geld darf weder ein Gebrauchs- noch ein Spargegenstand sein. Es sei Tauschmittel und Wertmesser! Wir müssen uns auf die 3 Funktionen besinnen, die das Geld erfüllen soll: Tauschmittel, Wertmesser und Wertaufbewahrung. Das Problem ist die Wertaufbewahrung, weil sie die Tauschmittelfunktion gefährdet. Um den Wertmesser stabilisieren zu können, müssen wir bereit sein, die Wertaufbewahrung ein wenig einzuschränken – durch stabile, aber niedrige Inflationsraten (5%) oder – ohne Inflation – wie Silvio Gesell.
Beitrag von Andreas Bangemann, vom 17. April, 2013
Alles braucht seine Zeit. Japan lebt seit mehr als 20 Jahren mit immensen Staatsschulden und einer kaum in den Griff zu bekommenden Deflation.
Japan wird auch immer als Gegenbeispiel benutzt, wenn Geldreformer Zins und Zinseszins als den Motor der zerstörerischen Ungleichverteilung anprangern. 20 Jahre Niedrigstzins hätten angeblich auch keine andere Situation geschaffen, als die unsere, heißt es dann. Man übersieht bei diesem oberflächlichen Hinsehen geflissentlich, dass Niedrigstzins immer nur für die gilt, die sich damit zufrieden geben. Überall auf der Welt verfügen die Reichen, sowie die institutionellen Anleger über jene organisatorischen Mittel, die es braucht, um Kapital dorthin fließen zu lassen, wo es sich selbst bestmöglich vermehrt. Zu Niedrigzinsen lassen nur die “Loser” ihr Geld auf der Bank liegen. Und Japan ist und bleibt für alle Investoren interessant, weil es eine der stärksten Volkswirtschaften der Welt ist.
Weil in Japan keines der Programme des Staates gegen Deflation und Staatsverschuldung die gewünschte Wirkung gehabt hat, greift die Politik und die japanische Zentralbank “Bank of Japan” (BoJ) jetzt zu “drastischen” Mitteln. Man droht offen mit Inflation durch Gelddrucken. Haruhiko Kuroda, Präsident der BoJ, kündigte an, dass die Zentralbank den Kapitalmarkt in den nächsten beiden Jahren mit bis zu 14,7 Billionen “frisch gedruckten” Yen (ca 110 Milliarden Euro) direkt Kredite zu äußerst günstigen Konditionen an Unternehmen vergeben wird. Das wäre deutlich mehr, als alle japanischen Geschäftsbanken zusammen, in den letzten beiden Jahren als Kredite an die Wirtschaft ausgereicht haben.
Die dahinter stehende Drohung von Politik und Zentralbank an die Geldanleger ist klar: “Use it or lose it”. Entweder die riesigen Geldvermögen stellen sich “freiwillig” der Wirtschaft zu niedrigen Zinsen zur Verfügung und kurbeln das Wirtschaftswachstum an, oder die BoJ springt in diese Lücke und “marginalisiert” die bei den Banken liegenden Geldanlagen, in dem sie ihnen die Geschäftsmöglichkeiten im Land raubt. Dass die BoJ in erster Linie das Ziel im Auge hat, die Drohung möge genügen und die angelegten Gelder in die Wirtschaft fließen lassen, als Investitionen oder in Form billiger Kredite, dürfte klar sein. Ob am Ende bei der Aktion aber mehr herauskommt, als bei den vielen Versuchen in der Vergangenheit, dürfte fraglich bleiben, angesichts der weltweiten Vernetzung des Kapitalmarktes und den Anlegern sich dadurch bietenden Möglichkeiten.
Das Prinzip über “Gelddrucken” vorhandenes Geld zu irgendetwas zu bewegen, bleibt dennoch eines, das dem Kapitalmarkt alle Mittel in der Hand lässt zu agieren. Nicht die Politik bestimmt, sondern “die Märkte” bleiben an den Schalthebeln.
Dabei könnte man das Prinzip “Use it or lose it” auf andere Art und Weise in ein Instrument verwandeln, welches die Aktion in die Hände der Politik bringt und die Finanzmärkte zur Reaktion verdammt. Indem man nämlich statt neues Geld zu drucken, das vorhandene durch Gebührenbelastung zum Einsatz zwingt. Eine Gebühr als Lenkungsabgabe auf Geld ist und bleibt ein bis heute im Großen noch nicht eingesetzter Weg, der zumindest eine Gefahr nicht in sich birgt: dass es schlechter wird als heute. Dafür gibt es kaum noch Luft nach unten.
Beitrag von Webmaster HW, vom 7. April, 2013
In dem Film von Hal Ashby „Welcome Mr. Chance“ spielt Peter Sellers einen Gärtner, der weder lesen noch schreiben kann. Durch Zufall wird er für den amerikanischen Präsidenten zum wichtigsten Berater. Seine mit tiefem Ernst vorgetragenen Sprüche wie „Auf den Frühling folgt der Sommer, dann der Herbst und der Winter“ werden allseits als Quelle tiefer Weisheit bewundert. Einige von solchen Sprüchen habe ich auch auf Lager: Kluge Köpfe sind Kapital Unser wirtschaftliches Denken klebt an materiellen Dingen. Was in den Köpfen steckt, taucht in keiner Bilanz auf. Nach dem Krieg hat das in den Köpfen vorhandene Know-How den deutschen Wirtschaftswunder-Motor angetrieben. Damals hatte Portugal Gold, Deutschland ein kaputtes Land. Nach unserer Bilanzierungsmethode hätte Portugal erfolgreicher sein müssen, denn wir bilanzieren nur Gold, Immobilien, Kapital. Dabei ist es das Know-How, das auf lange Sicht den Unterschied macht. Wenn ein Lehrer für tausend Euro Unterrichtsmaterial kauft, damit seine Schüler den Stoff durch eigene Anschauung verstehen, dann ist das Verbrauch und damit pfui. Er hätte auch Süßigkeiten kaufen können. Wenn man für hundert Millionen eine Straße baut, erscheint sie für exakt diesen Betrag als Aktivposten in der Bilanz. . . . → Mehr dazu: Ratschläge eines Gärtners – Stefan Nold
Beitrag von Webmaster HW, vom 7. April, 2013
Die sogenannte Krise ist längst zu Europas Normalzustand geworden. Umso erstaunlicher ist es, wie hartnäckig sich die Vorstellung von einer „Lösung“ der Krise hält. Von einer „Lösung“ wird heute, so scheint es, immer dann gesprochen, wenn eine Bewältigung der Probleme so wahrscheinlich ist, wie vom Blitz getroffen zu werden. Dass man Umweltprobleme „lösen“ will, ist ja noch irgendwie nachvollziehbar – auch wenn man sich kaum vorstellen kann, wie es gelingen soll, beispielsweise den CO2-Ausstoß in kurzer Zeit massiv zu reduzieren oder mal eben die 126.000 Atommüll- Behälter aus dem einsturzgefährdeten Salzbergwerk Asse zu bergen. Aber gut, rein theoretisch ist das vielleicht noch möglich. . . . → Mehr dazu: Die „Lösung“ der europäischen Krise – Frank Augustin
Beitrag von Webmaster HW, vom 7. April, 2013
Werden heute ganze politische Systeme vom Geldsystem vor sich hergetrieben? Schafft es eine verhältnismäßig kleine Elite, die privilegiert ist, Geldsysteme zu steuern, über Hypotheken und sicherungsübereignete Güter den Rest der Weltbevölkerung zu unterjochen? Leben wir in einer Illusion, die sich „demokratische Freiheit“ nennt? Oder befinden wir uns in Wahrheit in Gefangenschaft der Geldsysteme und können, je nach Leistungsfähigkeit, nur über die Größe unserer Gefängniszelle mitbestimmen? Im Volksmund heisst es häufig „Das würde ich für kein Geld der Welt tun“ oder „Käuflich ist jeder, es ist nur eine Frage des Preises.“ Sätze wie diese sind beeindruckende Belege wie weit unser Leben vom Geld bestimmt wird und dass damit (wie selbstverständlich) auch unsere Charaktereigenschaften beeinflusst werden. . . . → Mehr dazu: Selbsterhaltungstrieb des Geldes mit vernichtenden Folgen – Milorad Krstić
Beitrag von Webmaster HW, vom 7. April, 2013
Zinsen im Minusbereich, bisher eher als ein Unwort gemieden, hatte die FAZ bereits am 18. Dezember 2012 unter der Überschrift „Das Gespenst der negativen Leitzinsen“[1] behandelt. Inzwischen wurde das Thema im in weiteren Zeitungen aufgegriffen, bis hin zur „Neuen Zürcher Zeitung“[2], in der man sich auch an die Ideen Gesells und dessen Vorschläge zu einer Belastung der Bargeldhaltung erinnerte. Wie kam es zu diesen Diskussionen? Auslöser waren die Überanstiege der von der EZB den Banken eingeräumten Geldmittel, die eigentlich als Sicherheiten deren Kreditgeschäfte beleben sollten. Stattdessen aber wurden diese von den Banken bei der Zentralbank in jenen Beständen geparkt, die man unter dem Begriff „Basisgeld“ zusammenfasst. – Dieses Basisgeld addiert sich wiederum aus dem Banknotenumlauf, den Mindestreserven und jenen so genannten Einlagefazilitäten, auf denen die Banken – wenn überhaupt – normalerweise nur ganz geringe Überschüsse zwischenparken und das meist nur über Nacht. Die Mindestreserven dage- 1 siehe: http://www.faz.net/aktuell/finanzen/ anleihen-zinsen/geldpolitik-das-gespenst-der-negativenleitzinsen- 11996945.html 2 Vgl.: http://www.nzz.ch/aktuell/wirtschaft/ wirtschaftsnachrichten/ist-der-monetarismuswiderlegt- 1.17937413 gen entsprechen den Zwangseinlagen, die von allen Banken bei der Zentralbank gehalten werden müssen. . . . → Mehr dazu: Negativ- bzw. Minuszins – oder Zinssenkung durch Umlaufsicherung? – Helmut Creutz
Beitrag von Webmaster HW, vom 7. April, 2013
Mit Risikohandel kann niemals Wohlstand geschaffen werden. Wenn man das Wesen der SWAP-Geschäfte offenlegt, indem man den Schleier der Komplexität wegzieht, wird klar: Die Einzigen, die letztlich dabei dauerhaft gewinnen, sind die Banken. Warum? – Darum: SWAPS werden von Banken zur Absicherung von Risiken angepriesen. Tatsächlich geht es dabei in den meisten Fällen um nichts anderes als um den Tausch von einem Risiko gegen ein anderes. Weil man das Wesen dieser Risikotauschgeschäfte in Form von SWAPS mit Banken vielfach noch immer nicht versteht, glaubt man in Salzburg so wie in vielen anderen öffentlichen Bereichen, zukünftige Finanzmarktdesaster vermeiden zu können, indem man auf den Finanzmärkten nur mehr solche Risikotauschgeschäfte zur Absicherung von bestehenden Risiken abschließt, die mit dem „Grundgeschäft“ zu tun haben. Mit dieser seriös klingenden Formulierung fällt man aber nur auf eine Strategie der Banken hinein, die sich durch diese Formulierung wenigstens einen Teil ihres einträglichen Geschäftes mit dem Handel von Risiken erhalten wollen. . . . → Mehr dazu: Risikotauschhandel (SWAP im engeren Sinn) – Erhard Glötzl
Beitrag von Webmaster HW, vom 7. April, 2013
Der Kapitän des argentinischen Segelschulschiffes „Libertad“ (Freiheit) muss sehr überrascht gewesen sein als am 2. Oktober 2012 ein ghanaischer Justizbeamter mit einem Beschlagnahmebefehl an Bord erschien. Am Vortag waren sie ja offiziell von einheimischen Behörden empfangen worden. Die Beschlagnahme geschah auf Antrag des Geierfonds[1] NML Capital, der zum Konzern des USamerikanischen Spekulanten Paul Singer gehört. NML Capital hatte auf dem Sekundärmarkt argentinische Staatsanleihen aufgekauft und dann an keiner der beiden Schuldenumstrukturierungen teilgenommen, die das Land nach der Staatspleite von 2001 durchführte. An der ersten Umschuldung (2005), die einen beträchtlichen Kapitalschnitt bis zu 70 % vorsah, beteiligten sich 76 % der Gläubiger. ([1] Geierfonds: hochspekulative Investmentfonds (Hedgefonds), die Wertpapiere von Unternehmen bzw. Staaten, meist auf dem Sekundärmarkt weit unter dem ursprünglichen Wert kaufen, um später bei einer Restrukturierung den vollen Wert plus Zinssätze zu erstreiten.) . . . → Mehr dazu: Unter Feuer: Argentinien kämpft mit den Geiern – Alicia Rivero
Beitrag von Webmaster HW, vom 7. April, 2013
Wer kennt nicht das beglückende Gefühl des Tief-Einatmens von taufrischer Morgenluft? Man genießt, wie die kühle Luft die Lungenbläschen erreicht, das Blut mit Sauerstoff aufgeladen und der Stickstoff ausgeatmet wird. Unter den vielen Kreisläufen, die den Körper durchpulsen, spürt man den lebenslangen Kreislauf des Blutes am deutlichsten, angestoßen vom Einatmen der Luft, der Grundlage allen organischen Lebens. Ein Wunder der Natur. Angesogen von Auffrischungssucht, drängt das Blut in die feinsten Verästelungen der Adern, während das Herz den Druck und die Steuerung übernimmt. Das alles geschieht unbewusst; ein noch größeres Wunder. . . . → Mehr dazu: Nehmt uns nicht die Luft zum Atmen! – Wilhelm Schmülling
Beitrag von Webmaster HW, vom 7. April, 2013
1. Folgenlose Einsichten Schon im Jahre 1958 schrieb der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler John Kenneth Galbraith über die Überflussgesellschaft, und im Jahre 2004, als er schon 96 Jahre alt war, erschien sein provozierender Text „The Economics of Innocent Fraud“. Die deutsche Übersetzung erschien schon ein Jahr später unter dem Titel „Die Ökonomie des unschuldigen Betrugs – vom Realitätsverlust der heutigen Wirtschaft“. Victor Hugo hat einmal gesagt: „Es gibt nichts Mächtigeres auf der Welt als eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“ Falls Galbraith diesen Satz kannte, hätte er ihn vermutlich durch die folgende Feststellung ergänzt: Wer jedoch die Idee schon hat, wenn ihre Zeit noch nicht gekommen ist, braucht viel Trost, um nicht an seiner Ohnmacht zu verzweifeln. Denn seine Kernthese, dass eine Mangelwirtschaft mit der Zeit zwangsläufig zu einer Überflusswirtschaft wird, die zu schlimmen Zuständen führt, wenn sie nicht rechtzeitig gebändigt wird, hat bis heute keine praktischen Folgen gehabt und wird von der Mehrheit der Volkswirtschaftler totgeschwiegen. Mit dem vorliegenden Aufsatz soll dieses Totschweigen erschwert werden – gemäß dem Satz: „Alles ist schon einmal gesagt worden, aber da niemand zuhört, muß man es immer von neuem sagen.“[1] ([1] André Gide, franz. Schriftsteller , (* 1869, † 1951)) . . . → Mehr dazu: Überflusswirtschaft – warum wird sie nicht gebändigt? – Siegfried Wendt
Beitrag von Webmaster HW, vom 7. April, 2013
Eine Privatperson, ein Unternehmen oder eine Gebietskörperschaft nimmt Kredite mit dem Ziel auf, zusätzliche Handlungsspielräume zu gewinnen. Konsum- und Investitionsausgaben können durch Schuldenaufnahme früher getätigt und müssen nicht erst angespart werden. Dafür ist ein Preis in Form von Zinsen an die Bank zu zahlen. Selbstverständlich muss der Kredit auch getilgt werden. Doch Staat und Kommunen zahlen faktisch ihre Schulden nicht zurück. Nicht zufällig wird immer nur von der Entwicklung der (Netto-) Neuverschuldung gesprochen, die sich aus der Bruttokreditaufnahme abzüglich der Tilgung errechnet. Der Einzelkredit muss natürlich auch von der öffentlichen Hand zurückgezahlt werden, aber im Ergebnis wird nur umgeschuldet. Die Kreditaufnahme in Höhe der Tilgung gilt als gesetzt. . . . → Mehr dazu: Vor dem dritten Staatsbankrott? – Marc Hansmann
Beitrag von Webmaster HW, vom 7. April, 2013
„Gemeingut in BürgerInnenhand“ nennt sich ein Verein, der für die Bewahrung und Demokratisierung aller öffentlichen Institutionen und für die gesellschaftliche Verfügung über die naturgegebenen Gemeingüter eintritt. Wasser, Bildung, Mobilität, Energie und vieles andere sollen wieder demokratisch kontrolliert werden. Das erste Projekt 2011 war die Kampagne „Wollt-ihrwissen“ zum Wasser-Volksentscheid in Berlin. Dabei ging es um die Offenlegung von PPP-Geheimverträgen. Zahlreiche GiB-AktivistInnen bekämpfen vor Ort in ihren Städten und Gemeinden Privatisierungsbestrebungen. Hierzu gehören attac-Gruppen, lokale Zusammenschlüsse gegen Public Private Partnership (PPP) und gegen die Bahnprivatisierung, sowie lokale Antiprivatisierungsbündnisse. Der Verein selbst ist organisatorisch und politisch unabhängig. . . . → Mehr dazu: Vom Geld und anderen Gemeingütern – Pat Christ
Beitrag von Webmaster HW, vom 7. April, 2013
Wuppertal im Januar 2012. Ein Künstler trat auf die Bühne und sagte: „Ich weiß, dass Sie die Dinge mögen, die Sie bereits kennen – aus diesem Grund behalten wir ja auch die Politiker, die da sind und schauen die Fernsehsender, die wir haben und wir sagen: ‚Hallo, immer das Gleiche, wie gut!‘ … und hier ist noch etwas, was Sie kennen: …“ Die Band begann zu spielen und Arthur Brown, „The God of Hellfire“, wie er seit den 70er Jahren von seinen Fans genannt wird, sang das Lied „Don’t let me be misunderstood“. Das geschah in einem Musik-Club in Wuppertal. Da war Arthur Brown bereits in seinem 70. Lebensjahr. Es schien paradox. Einerseits waren seine Sätze eine indirekte Verhöhnung seines Publikums, denen er damit ja zu verstehen gab, sie seien, wie alle anderen Leute auf seinen nicht enden wollenden Touren durch die Clubs dieser Welt. Offenbar erlebte er, dass die Leute immer die gleichen Lieder von ihm hören wollen. Andererseits zelebrierte er selbst die gleiche Exzentrik, die er schon über 40 Jahre zuvor und bis heute auf die Bühne brachte, in dem er sich vollkommen maskiert und mit seiner einmaligen Stimme, so viele Oktaven singt, wie es wohl kaum ein anderer außer ihm schafft. „Ich bin nur eine arme Seele mit guten Absichten, Oh Gott, mach, dass man mich nicht missversteht!“ (Übersetzung des Refrains von „Don’t let me be misunderstood“) . . . → Mehr dazu: Die Kraft im Verborgenen – Andreas Bangemann
Beitrag von Andreas Bangemann, vom 26. März, 2013
 Zunehmend werden Vermutungen geäußert, wonach die großen Geldvermögen längst aus Zypern abgewandert sind und sich der Gläubiger-Beteiligung, die jetzt beschlossen wurde, entzogen haben. Im Wettrennen zwischen dem “Hasen” Politik und den schlauen Igeln der Finanzwirtschaft steht der Sieger schon von Beginn an fest. Die alternativlose Politik ist chancenlos. Glaubt denn ernsthaft jemand, dass die mit größter Professionalität und unter Einsatz modernster Werkzeuge verwalteten Riesenvermögen geduldig warten, bis die bürokratische Politik sie belangt? Kann man es den Akteuren verübeln? Es ist ein alter Hut: Wenn der Bankenrun des “kleinen Mannes” sich aufmacht, nachdem die Banken wieder aufmachen, dann ist das Wesentliche bereits über die Bühne gegangen. Die Gutwilligen und Unbedarften bleiben geprellt zurück. Sie wären es eigentlich, die den Schutz der Staatengemeinschaft bräuchten. Statt dessen werden sie belogen und betrogen. Ihre Wut richtet sich gegen die vermeintlich Schuldigen, im Zweifelsfall die Deutschen.
Der Euro und sein schludriges Umsetzungskonzept säen Zwietracht und trennen, was eigentlich vereint werden sollte. Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem es neben eines Krisenmanagements ein zweites bräuchte, das jetzt im Geiste eines vereinten Europas an alternativen wirtschaftlichen Modellen arbeitet.
Das europäische Reparaturteam, das immer augenscheinlicher versagt, muss durch bürgerliches Engagement abgelöst werden. Das würde funktionieren, wenn jetzt nur möglichst vielen Gewahr würde, dass Demokratie nicht konsumiert, sondern nur gelebt werden kann.
Bild: Europa-Point, Gibraltar von David Stanley unter CC-Lizenz auf Flickr
Beitrag von Andreas Bangemann, vom 20. März, 2013
 Die HUMANE WIRTSCHAFT gibt es jetzt auch in einer E-Book-Reader-Version.
Jeder, der noch im März in unserem Online-Shop ein Konto anlegt, kann dieses eBook der aktuellen Ausgabe mit dem Gutscheincode: free_mobi kostenlos herunterladen. Den Gutscheincode setzen Sie beim Check-out im Shop ein. Die .mobi-Version, die beispielsweise mit dem Amazon-Kindle-E-Book-Reader gelesen werden kann kostet ab April dann 4,- €. Dieser Gutscheincode gilt selbstverständlich auch für bereits bestehende Kunden.
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Beitrag von Webmaster HW, vom 7. März, 2013
 „Logik der Ökonomie – Krise der Arbeit“ heißt ein Taschenbuch aus dem Jahr 2001, das Franz Segbers zusammen mit Uwe Becker und Michael Wiedemeyer veröffentlicht hatte. Fünf Jahre später erschien gemeinsam mit Jürgen Klute „Gute Arbeit verlangt ihren gerechten Lohn.“ Aktuell lässt der Theologe wieder mit einem brisanten Thema aufhorchen: „Reichtum ist gewollt – Armut auch!“ Vor allem mit Studierenden diskutiert Segbers darüber, welche Ursachen die neue Armut im reichen Land Deutschland hat. Wachstumsideologie und ungezügelter Fortschrittsglaube haben offensichtlich nicht erfüllt, was sie seit jeher versprechen: Dass es allen Menschen besser gehen wird, wenn wir nur mehr und immer mehr produzieren. Im Gegenteil, so Segbers: „In Deutschland war die Armut praktisch bekämpft. Sie war lediglich ein Phänomen von Randgruppen.“ Vor allem Altersarmut war lange Zeit kein brisantes Problem. Jetzt ist diese Problematik zurückgekehrt. Was kein Zufall ist. Deutschlands Politiker verzögerten und verlangsamten den sozialpolitischen Fortschritt, der sich seit dem 2. Weltkrieg entwickelt hatte, nicht nur, sondern drängten ihn geradezu zurück. Obwohl die Wirtschaft in den vergangenen Jahren stetig wuchs, kam es plötzlich wieder dazu, dass heute viele Menschen nach dem Renteneintritt nicht mehr genug Geld zur Verfügung haben, um ihren Lebensstandard zu halten. Sie müssen in schlechte Wohnungen ziehen und sich von dem ernähren, was die Tafelläden bieten. . . . → Mehr dazu: Warum die Politik Armut will – Pat Christ
Beitrag von Webmaster HW, vom 7. März, 2013
Wie der Staat durch Schuldenaufnahme die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter öffnet. In der Darstelllung sind sowohl die jährlichen Neukreditaufnahmen der Öffentlichen Haushalte in Deutschland (gelbe Säulen) als auch die jährlichen Zinszahlungen in Mrd. Euro (dunkle Kurve) wiedergegeben, zusätzlich im unteren separaten Teil außerdem die durchschnittlichen Ertrags-Zinssätze der Banken (= Zinserträge in Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme). Wie aus dem Vergleich mit diesen Zinskurven deutlich wird, stiegen in Folge der Hochzinsphasen 1974, -82 und -93 jeweils sowohl die Zinszahlungen als auch die Neukreditaufnahmen des Staates deutlich an. . . . → Mehr dazu: Schulden machen, um Zinsen bezahlen zu können – Helmut Creutz
Beitrag von Webmaster HW, vom 7. März, 2013
Der moderne Mensch glaubt an Zahlen, an Statistiken, an Trends, auch wenn sie falsch sind. Zahlen suggerieren ihm Exaktheit und damit Sicherheit. Eine Bindung an Zahlen, die andere Wertedefinitionen ausschließt, ist nicht nur eine mentale Krankheit, die sich zur globalen Seuche entwickelt hat. Die extreme Fokussierung unseres Denkens auf Zahlen hat eine fatale Wirkung: Sie zerstört unsere Kultur, auch die politische und die wirtschaftliche Kultur. Keine Entscheidung, sei sie politischer oder wirtschaftlicher, kultureller oder sozialer Natur, wird ohne eine zahlenmäßige Begründung getroffen. In der Regel sind es Zahlen zu Kosten, also Geldbeträge. Geld ist aber ein Mittel, kein Zweck. . . . → Mehr dazu: Was wäre wenn…? – Anselm Stieber
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